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Politik & Wirtschaft

Skeptische Ex-IWF-Ökonomen

Die anstehenden G20-Beratungen zu den globalen Ungleichgewichten werden mangels Sanktionsmöglichkeiten nur leere Versprechungen produzieren, meinen drei ehemalige Chefökonomen des IWF.

Dieses Wochenende treffen sich Vertreter der G20 um über den Abbau der globalen ökonomischen Ungleichgewichte zu beraten. Gefragt wäre ein Ausgleich zwischen Export-Überschussländern wie China und Deutschland, die den Innlandskonsum steigern sollten, und Defizitländern wie den USA und Großbritannien, die mehr sparen müssten. Unabhängig voneinander haben nun drei ehemalige Chefökonomen des IWF, unter dessen Ägide die Gespräche stattfinden, ihre Skepsis geäußert.

Kenneth Rogoff, Raghuram Rajan and Simon Johnson, die übrigens allesamt bereits vor der Krise vor einer möglichen Finanzmarktkatastrophe gewarnt hatten, sind sich laut Bloomberg einig, dass etwaigen Ankündigungen der betroffenen Staaten wohl keine Taten folgen werden. Das Risiko sei, dass die Staaten zuerst zwar versprechen, die notwendigen Maßnahmen zu setzen, dann aber die zuvor akzeptierten Ratschläge des IWF schlicht und einfach ignorieren werden.

Das seien jedenfalls ihre Erfahrungen aus dem Jahr 2006, als unter der Führung des IWF bereits einmal versucht wurde, gegen die Ungleichgewichte vorzugehen. Damals sei man sich zwar rasch einig geworden, passiert ist allerdings nichts, einfach weil der IWF über keine Sanktionsmöglichkeiten verfügen konnte. Johnson: "Die Frage ist, ob es diesmal Druckpunkte geben wird, aber ich sehe keine."

Die Finanzminister und Notenbanker der G20, inklusive Timothy Geithner und Jean-Claude Trichet, treffen sich im schottischen St. Andrews, um festzulegen, wie die globalen Effekte der aktuellen individuellen Wirtschaftspolitik der einzelnen Staaten eingeschätzt werden können und um Änderungen vorzuschlagen. IMF Managing Director Dominique Strauss-Kahn: "Wir sagen: Nach unseren Simulation wird das passieren, wenn alle das machen, was sie angekündigt haben. Und hier ist, wie die Dinge besser laufen würden, wenn wir alle es ein wenig verändern."

Allerdings würde "jede Veränderung im notwendigen Ausmaß", Rajan zufolge, "sehr große Schmerzen verursachen. Die Politik ist jedoch selten geneigt, kurzfristige Schmerzen aufgrund langfristiger Vorteile zu akzeptieren. Je mehr die Politiker die Probleme aber ignorieren, um so länger werden die Maßnahmen hinausgeschoben und dadurch die Voraussetzungen für künftige Probleme geschaffen."

Der IMF könnte jedoch gar nichts dagegen machen, merkt Rogoff an: "So lange China bereit ist, den USA große Mengen an Kapital zu niedrigen Zinsen bereitzustellen, können wir von den Amerikanern vermutlich nicht erwarten, dass sie den Gürtel bald enger schnallen."

Strauss-Kahn ist demgegenüber durchaus optimistisch und verweist darauf, dass die USA ohnehin bereits mehr sparen würden und China auf ein mehr auf den Innlandskonsum konzentriertes Wachstumsmodell umschwenkt: "Und das geschieht nicht etwa, weil sie plötzlich brav geworden sind, sondern weil es in ihrem Interesse liegt."

Rainer Sommer06.11.2009
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