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Politik & Wirtschaft

Die Neets kommen

Zunehmend mehr Jugendliche in Großbritannien haben weder eine Lehre noch einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz und sind "inaktiv"

Neets sind ein Trendphänomen, aber kein schönes. Denn Neets (not in education, employment or training) leben ins Leere hinein und können nichts machen. 10,3 Prozent der 16-18-Jährigen, so das Bildungs- und Familienministerium, hatten Ende des letzten Jahres weder einen Ausbildungs- noch einen Arbeitsplatz. Das sind, so der Telegraph, 261.000 junge Menschen. Bei den 16-24-Jährigen sind über eine Million Neets.

Der Anstieg der Neets, jede Woche sollen 9000 junge Menschen dazu kommen, sagt David Willets, der bildungspolitische Sprecher der Konservativen, verdankt sich der Wirtschaftskrise. Sie wirkt sich stark auf die jungen Menschen aus, die Leerrunden drehen müssen, mit der Gefahr, aus dem Tritt zu kommen. Zahlen für das dritte Quartal 2009 zeigen den Trend. Fast ein Fünftel der 16-24-Jährigen gehört den Neets an, bei den 16-18-Jährigen sind es nun bereits 13,8 Prozent. Und bekannt ist, dass diejenigen, die einmal zu den Neets gehören, es schwer haben, in den Arbeitsmarkt zu gelangen, zumindest aber dem Niedriglohnsektor zu entkommen.

Die Regierung will bis nächstes Jahr die Zahl auf 7,6 Prozent senken. Iain Wright, der Staatssekretär für Schulen, versucht das Beste daraus zu machen und beteuert, dass alle 16- und 17-Jährigen die Möglichkeit hätten, ihre Ausbildung weiterzuführen. Zudem würde allen Angehörigen dieser Altersgruppe ab Januar ein Platz in einem Kurs mit dem schönen Titel: "Eintritt in die Anstellung" angeboten. Damit werden allerdings auch die Arbeitsplätze nicht mehr. Und für die zahlreichen Hochschulabgänger, denen es nicht anders geht und die auf der Straße stehen, sollen in den nächsten beiden Jahren 35.000 Praktikantenplätze geschaffen werden. Auch da wird die Frage sein, ob dies eine Brücke zu einem Arbeitsplatz oder nur zu einer prekären Beschäftigung sein wird.

Während in Großbritannien die Neets erfasst werden, so in den anderen Ländern meist nur die Arbeitslosen, also diejenigen, die sich arbeitslos gemeldet haben. Und auch allein diese Zahlen machen deutlich, dass die Rezession keineswegs alleine Großbritannien trifft und dass die Wirtschaftskrise eigentlich nur einen Trend verstärkt, die viele junge Menschen schon von Anfang an einer möglichen Berufskarriere beraubt. Fast 20 Prozent der jungen Menschen unter 25 Jahren sind in der EU27 arbeitslos (in den USA sieht es mit einer Quote von 17,3% ähnlich aus). Vor einem Jahr waren es noch 15,4 Prozent.

In der EU gibt es hier große Unterschiede. In den Niederlanden sind nur 6,6% der unter 25-Jährigen arbeitslos, in Österreich 8,2%. In den anderen Ländern sind die Zahlen zweistellig. Deutschland liegt mit einer Quote von 11,2 noch am unteren Rand. Besonders schlimm sieht es in Spanien (38,4%), Litauen (30,9%) und Schweden (27,3%) aus. Nur ein wenig geringer ist die Quote der jungen Menschen in Irland, Italien oder Frankreich. All diese Länder sind Pulverfässer, wenn die Zukunft der jungen Menschen von Beginn verfahren bleibt und sie zu einer "lost generation" werden..

Florian Rötzer23.11.2009
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Kommentare lesen (107 Beiträge)
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Re: Hikikomori
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