Iran konfisziert Friedensnobelpreis
Teheraner Behörden sollen die Beschlagnahme von Auszeichnung und Preisgeld der Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi angordnet haben. Update
Mit Schock und Fassungslosigkeit kommentiert der norwegische Außenminister Jonas Gahr Støre auf der Webseite der Regierung die Nachricht, wonach iranische Behörden den Nobelpreis von Shirin Ebadi konfisziert haben. Die Medaille und die dazu gehörende Urkunde seien nach Informationen des Außenministers aus Ebadis Bankschließfach entfernt worden. Es sei das erste Mal, dass Regierungsbehörden einen Friedensnobelpreis beschlagtnahmt hätten, so Jonas Gahr Støre. Man werde den iranischen Repräsentanten in Oslo zu einem Gespräch zitieren.
Geir Lundestad, Sekretär des norwegischen Nobelkomitees, betonte, dass "selbst solche politische Opponenten wie Sacharow (der 1975 den Friedensnobelpreis erhielt) oder Walesa (der 1983 den Friedensnobelpreis erhielt) von ihren Ländern besser behandelt wurden".
Shirin Ebadi hatte den Friedensnobelpreis 2003 erhalten. Auf den den englischsprachigen Websites iranischer Nachrichtenagenturen, wie IRNA, Fars oder ISNA taucht eine entsprechende Nachricht über die Beschlagnahme des Nobelpreises ebensowenig auf wie bei dem staatlich finanzierten PressTV. Laut einem AFP-Bericht, der sich auf Aussagen von Ebadis Mitarbeiter beruft, wurden auch Konten der Nobelpreisträgerin von Behörden eingefroren und damit auch Teile des Nobelpreisgeldes (etwa 1 Million Euro). Der Mitbegründer von Ebadis Menschenrechtsgruppe, Mohammad Ali Dadkhah, wird mit den Worten zitiert:
"Ihr Preisgeld befand sich auf einem Bankkonto, das dazu benutzt wurde, politischen Häftlingen und ihren Angehörigen zu helfen."
Nach Informationen der Londoner Times bestätigte Ebadi in einem Interview die Vorfälle, der Zugriff sei unter dem Vorwand erfolgt, dass sie Steuerschulden hätte, was "aber eine vollkommene Lüge" sei, da iranische Steuergesetze das Preisgeld auschließen würden. Der Anwalt Ebadis berichtet, dass die entsprechenden Order von einem Richter am Teheraner Revolutionsgericht stammten.
Ergänzung:
Heute mittag protestierte der Sprecher des iranischen Außenministeriums gegen die Darstellung des norwegischen Außenministers und Ebadis. Laut einem Bericht von PressTV hielt Ministeriumssprecher Ramin Mehman-Parast dem norwegischen Minister vor, er würde voreilige Schlüsse treffen, "internationale Regelungen missachten und sich nicht genug Zeit nehmen, um beide Seiten der Sache zu betrachten". Wie in europäischen Ländern sei Steuerflucht in Iran ein krimineller Akt. Er äußerte sich nicht darüber, was die Behörden genau beschlagnahmt hatten.
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