Stoppschilder gegen Tsunamis
Der indonesischen Kommunikations- und Informationsminister sieht in "Unmoral" und "Dekadenz" Ursachen für Naturkatastrophen
Was in Deutschland Computerspiele sind, das sind in Indonesien offenbar "unmoralische" Fernsehsendungen und Filme: bequeme Sündenböcke. Das legt zumindest eine Äußerung des indonesischen Kommunikations- und Informationsministers Tifatul Sembiring nahe, der während einer Freitagspredigt im erdbebengeplagten Padang meinte, Naturkatastrophen seien von einem Sittenverfall mit verursacht, der sich in unmoralischen Fernsehsendungen und inländischen "Pornoproduktionen" zeige.
Tatsächlich wurde das geologisch anfällige Indonesien in den letzten Jahren von mehreren schweren Naturkatastrophen heimgesucht. Besonders verheerend waren sie allerdings in der Provinz Aceh, in der islamistische Rebellen eine Teilautonomie erwirkten und deren Bevölkerung einem sehr viel wahabitischer ausgerichteten Islam anhängt als der Rest des Inselreichs.
Im Zusammenhang mit der Offenbarung seines Glaubens über die Ursachen von Tsunamis und Erdbeben kündigte der Minister außerdem an, dass es innerhalb der nächsten sechs Monate auf der Basis eines bereits verabschiedeten neuen Zensurgesetzes Vorschriften geben werde, die eine Sperrung sämtlicher Websites mit "pornografischen" Inhalten zur Folge hätten. Das Zensurgesetz ist allerdings so schwammig formuliert, dass im Bedarfsfall sehr viel darunter subsumiert werden kann. Potenziell strafbar ist nach Artikel 1 alles von Menschen gemachte, das entweder "sexuelle Lust weckt" oder "gegen den Anstand verstößt". Sembirings Partei, die religiös ausgerichtete Keadilan Sejahtera (PKS) verzeichnete mit dem Kampf gegen "Pornographie" beachtliche Wahlerfolge, was dem Vorsitzenden in diesem Jahr seinen Ministerposten einbrachte.
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