WHO erklärt, sie habe die Grippe-Pandemie nicht aus wirtschaftlichen Interessen inszeniert
Morgen findet vor dem Parlamentarischen Ausschuss des Europarats eine Anhörung über den Umgang mit der H1N1-Pandemie statt
Die Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO) hat sich nun offiziell und explizit gegen die Vorwürfe gewehrt, sie habe aufgrund des Drucks seitens der Pharmaindustrie vorschnell die Grippepandemie ausgerufen. Man wollte damit der morgigen Anhörung im Europarat zuvorkommen, in der es darum geht, ob die WHO-Mitarbeiter und -Berater in einem Interessenkonflikt standen.
Seit Ausrufung der Pandemie und mit der wachsenden Bestätigung, dass die Schweinegrippe relativ harmlos ist und sich nicht so gefährlich verbreitet, wie dies von Manchen befürchtet wurde, wird der WHO vorgeworfen, die Risiken übertrieben dargestellt und unnötige Ängste beschworen zu haben.
Die WHO versicherte nun, dass man die Mitgliedsstaaten unabhängig berate und sorgfältig darauf achte, nicht von Interessen beeinflusst zu werden. Im Fall der Influenza-A sei die Organisation "nicht von der Pharmaindustrie auf unangemessene Weise beeinflusst" worden. Man arbeite aber mit zahlreichen Partnern, u.a. auch aus der Privatwirtschaft, zusammen. Es gebe aber "zahlreiche Vorkehrungen" um Interessenkonflikte auszuschließen. Experten, die zur Beratung herangezogen werden, müssten in einer unterzeichneten Erklärung alle möglichen beruflichen und finanziellen Interessen darlegen, die den Rat beeinflussen könnten.
Insbesondere wehrt sich die WHO dagegen, dass sie eine gefälschte Pandemie aus wirtschaftlichen Interessen inszeniert habe. Das stimme wissenschaftlich und historisch nicht. Laboranalysen hätten gezeigt, dass der Schweinegrippenvirus sich von anderen Influenzaviren unterscheide. Berichte vor allem aus Mexiko hätten darauf hingewiesen, dass der Virus zu einer schweren Erkrankung und auch zum Tod führen kann. Ärzte hätten dann erkannt, dass die Influenza zu einer schweren Form der Lungenentzündung führen kann, die bei der saisonalen Grippe nicht auftritt. Und die Verbreitung sei auch außergewöhnlich schnell geschehen. Ende April sei die Schweinegrippe in 9 Ländern nachgewiesen worden, 6 Wochen später bereits in 74 Ländern und in mehr als zwei WHO-Regionen, weswegen man die Pandemie dann schließlich ausgerufen habe. Am 1. Juli hatte sich die Grippe in 120 Ländern verbreitet. "Die Welt", so heißt es in der Mitteilung, "gehe durch eine wirkliche Pandemie. Die Darstellung, dass es sich um einen Fake handele, ist falsch und unverantwortlich."
Der SPD-Politiker Wolfgang Wodarg spricht von einer von der Pharmaindustrie "inszenierten Scheinegrippen-Pan(ik)demie" und hat als ehemaliger Vorsitzender des Unterausschusses für Gesundheit der Parlamentarischen Versammlung des Europarats (PACE) im Dezember eine Anhörung "Der Umgang mit der H1N1-Pandemie: Ist mehr Transparenz erforderlich?" beantragt, die morgen stattfinden wird. Geladen wurden neben Vertretern der WHO auch Mitarbeiter von Pharmakonzernen und unabhängige Experten. Wodarg, der Arzt ist, hält die gegen die Schweinegrippe eingeleiteten Maßnahmen für "einen der größten Medizinskandale des Jahrhunderts" und bezeichnete die Pandemie als Fake. Es sei unverantwortlich, dass man Millionen von Menschen dem Risiko unzureichend getesteter Impfstoffe ausgesetzt habe.
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