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05.02.2010Politik-News
Nachrichten aus Politik & Wirtschaft

Auf der Suche nach den wirtschaftlichen Schreibtischtätern

Gesucht werden die drei Ökonomen, die am meisten zum weltweiten Finanzkollaps beigetragen haben.

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In Reaktion auf die Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Fachzeitschrift Real-World Economic Review (RWER) nun einen Ignoble Prize für Economics, also einen Preis für "schändliche" bzw. "unehrenhafte" Wirtschaftwissenschaften ausgeschrieben. Gesucht werden die drei Ökonomen, die am meisten zum weltweiten Finanzkollaps beigetragen haben.

Die RWER ist das internationale Zentralorgan der Bewegung für eine Post-Autistische Ökonomie, einem Netzwerk von Wissenschaftlern und Studierenden, das sich seit einigen Jahren gegen eine einseitige und dogmatische Ausrichtung der Wirtschaftswissenschaften zur Wehr setzt und eine pluralistische Öffnung der Disziplin einfordert.

Die Herausgeber der Zeitschrift stellen nun aus einer umfangreichen Liste neun Personen zur Abstimmung. Unter der Vorgeschlagenen finden sich in der breiteren Öffentlichkeit bekanntere wie unbekanntere Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftspolitiker. Alle haben sie mit ihren wissenschaftlichen Modellen und Veröffentlichungen sowie ihren politischen Einflussnahmen wesentliche Vorarbeiten für das Entstehen einer deregulierten, globalen Finanzmarktarchitektur beigetragen, wie sie dann 2008/09 in sich zusammenbrach.

Zu den bekannten Gesichtern gehören beispielsweise Alan Greenspan, von 1987 bis 2006 Vorsitzender der US-Notenbank, Milton Friedman, Vordenker einer neoliberalen Wirtschaftspolitik ("Kapitalismus und Freiheit"), oder Larry Summers, US-Finanzminister unter Präsident Bill Clinton und dort verantwortlich für den Abbau bestehender Regulierung im Finanzsektor, insbesondere die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken.

Die Initiatoren haben aber auch weniger bekannte Personen wie beispielsweise Richard Portes oder Assar Lindbeck vorgeschlagen. Portes war lange Jahre Generalsekretär der einflussreichen Royal Economic Society und stand in vielen anderen wissenschaftlich-politischen Vereinigungen an einflussreicher Stelle. Noch 2007, also wenige Monate vor dem Kollaps, stellte er dem isländischen Bankenwesen eine Unbedenklichkeitsbescheinigung aus. Lindbeck war von 1980 bis 1994 Vorsitzender des Entscheidungskomitees zur Vergabe des Wirtschaftsnobelpreises. Ihm werfen die RWER-Herausgeber eine einseitige Orientierung der Preisvergabe an neoklassische Forscher und die Verschiebung der öffentlichen Meinung in Richtung "Marktfundamentalismus" vor.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/147016
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