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19.02.2010Politik-News
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Dubai: Mit Siemens die Datenflut aus Überwachungskameras verwalten

Ziemlich lückenlos konnte die Polizei von Dubai die Bewegungen des Killerkommandos anhand der Bilder rekonstruieren.

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Im Artikel Auftragsmord in Dubai berichtet Alfred Hackensberger über offene Fragen des Todes von Mahmoud al Mabhouh in Dubai Mitte Januar. Schaut man sich das Videomaterial der Polizei an, drängt sich die Frage auf, wie die Polizei über derart viele Bilder verfügen kann. Im Footage sind nicht nur Mitschnitte von Flughafen und Hotels zu sehen, es finden sich auch Einstellungen des öffentlichen Raums. Eindrucksvoll ist, wie die Ermittler unter Zehntausenden von Fluggästen Verdächtige herausfiltern. Zudem überrascht die Qualität der gelieferten Bilder.

Die Überwachungsinfrastruktur in Dubai gilt als Prestigeprojekt im Mittleren Osten. 2006 hatte Siemens ein "Police Command and Control Centre" installiert und als eines der "weltweit fortgeschrittensten" bezeichnet. Mehr als 1.000 Video- und Thermokameras können im Raum von der Größe eines Theaters gesteuert und ausgewertet werden. Journalisten zeigen sich beeindruckt über Auflösung und Zoomfunktion der Kameras. Polizeifahrzeuge, auch Fahrräder, sind mit GPS-Trackern ausgerüstet und werden, wie es im Polizeialltag allgemein üblich wird (Daten, Karten, Lagebilder), auf einem 12 Meter großen Bildschirm georeferenziert abgebildet. Eingebunden werden auch Bilder aus Satellitenüberwachung. Die IT-Infrastruktur macht "Vorschläge", z.B. zum Einsatz der Fahrzeuge. Am Flughafen Dubai hat Siemens eine ähnliche Plattform instaliert.

Unter dem Titel Civil and National Security bietet die Firma ein System für Militär und Polizei an, das eine größtmögliche "Situational Awareness" in einer "stetig größer werdende Datenflut" liefern soll. Mit Intelligent Video bewirbt Siemens Software, die eine automatisierte Auswertung der Bilder ermöglicht. Ähnliche Lagezentren hat Siemens unter anderem in Nanning/ China, Baku/ Aserbaidschan und Vilna/ Litauen installiert und freut sich auf den boomenden Markt in der Golf-Region.

Die Firma Barco, die den Großbildschirm lieferte, hält das Zentrum als eines der bestausgerüstesten der Welt in einer Reihe mit China, Deutschland, Norwegen, Finnland und Griechenland. Die Polizei in Dubai berichtet stolz über Delegationen aus dem arabischen Raum, darunter auch dem Irak.

Im militärischen Bereich entwickelte IT-Systeme zur "vernetzten Operationsführung" werden immer mehr von Polizei und Rettungsdiensten eingesetzt ( Situational Awareness für die Polizei). Alle größeren Rüstungskonzerne haben ihre Produktpalette dahingehend erweitert (z.B. EADS, Finmecchanica, Thales, BAE Systems oder Elbit . Als Einsatzgebiete der Siemens-Plattformen gelten Notfallmanagement, Katastrophen, "instabile Regierungssituationen", Terrorismus, Grenzüberwachung Großereignisse, aber auch die Sicherung "kritischer Infrastruktur". An anderer Stelle ist von "Hooliganismus", Schmuggel und "organisiertem Verbrechen" die Rede.

Je nach Stellenwert von Bürgerrechten und Datenschutz können weitere "Sensoren" eingebunden werden. Siemens Nokia wirbt damit, auch Datenbanken von Finanz-, Gesundheits- und anderen Sicherheitsbehörden zu integrieren. Der Journalist Erich Möchl hatte für den Iran auf die Nutzung von Daten aus der Telekommunikationsüberwachung zur Niederschlagung der Aufstände hingewiesen. Siemens Nokia installierte der Polizei zuvor ein "Monitoring Center", diese sah fortan in Echtzeit, wenn sich an einem beliebigen Platz ungewöhnlich viele Telefone in der Funkzelle einbuchten.

Beim Betrachten des 27minütigen Footage zum Mord an Mahmoud al Mabhouh fühlt man sich zudem an das EU-Forschungsprojekt INDECT erinnert, das ein Werbevideo erstellt hat, das zwar gestellt ist, aber letztlich ein ähnliches Überwachungs-Szenario wie in Dubai entwirft.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/147109
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