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03.03.2010Politik-News
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Selbstmorde häufigste Todesursache in Spanien

Krisenbedingt übersteigt die Zahl der Selbstmorde bei "nicht-natürlichen Todesursachen" nun die der Verkehrstoten

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Da versucht das Nationale Statistik-Institut (INE) in Spanien aus einer schlechten Nachricht eine gute zu machen. Zwar räumen auch die Statistiker in Madrid ein, dass nun Selbstmord die häufigste "nicht-natürliche Todesursache" in Spanien ist, weil deren Zahl nun die der Verkehrstoten übertrifft, doch die Begründung kommt einem dann doch ziemlich spanisch vor.

Positiv hebt das INE hervor, dass die Zahl der tödlichen Unfälle deutlich gesenkt werden konnte. So seien auf spanischen Straßen 2008 insgesamt 3021 Menschen ums Leben gekommen, das sei "eine Verringerung um 20,7 %" wird stolz vermerkt. Spanische Medien machen dafür vor allem die Kampagnen der Regierung zum Tragen von Sicherheitsgurten und die Einführung des so genannten Punkte-Führerscheins verantwortlich.

Die Madrider Statistiker erklären dann, die Zahl der Selbstmorde habe die Verkehrstoten überholt, weil 2009 insgesamt 3.421 Selbstmorde registriert wurden und dass sei "eine ähnliche Zahl wie 2007". Dabei fällt auf, dass die genaue Zahl aus dem Vorjahr nicht genannt wird. Doch eigene Nachforschungen ergaben, dass die Statistiker im Vorjahr 3.263 Selbstmorde registrierten. Damit ergibt sich eine Steigerung um fast 5 %, also ein signifikanter Anstieg. 158 Menschen werden also statistisch eliminiert, die sich im Vergleich zu 2007 das Leben genommen haben.

Man darf gespannt sein, wie sich die Zahl der Selbstmorde 2009 weiter entwickelt hat. Doch da muss man noch lange auf die Zahlen warten. Denn erstaunlich ist, dass kein Zusammenhang zur schweren Wirtschaftkrise hergestellt wird, in der Spanien tief versinkt. Die Arbeitslosigkeit, so wurde gestern mitgeteilt, ist nun im Februar offiziell auf einen neuen Rekord von über 4,1 Millionen gestiegen. Im Jahresvergleich sind fast 700.000 mehr Menschen ohne Job. Im Vergleich zum Vormonat wurde ein Anstieg um 82.123 Personen verzeichnet. Doch auch hier versucht man von offizieller Seite auf schönes Wetter zu machen, denn schließlich sei der Anstieg geringer ausgefallen als die 125.000 im Vormonat. Eine Quote gibt man in Spanien nicht an, aber die Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) ermittelte die Quote für Dezember 2009 auf 19,5 %. Seither sind mehr als 200.000 Arbeitslose hinzugekommen.

Man darf vermuten, dass die Zahl der Selbstmorde 2009 angesichts der Verzweiflung vieler Menschen weiter gestiegen ist. Die Zahl derer, die keinerlei Unterstützungsleistungen mehr erhält, die sich also irgendwie mit Schwarzarbeit, Hilfsleistungen von Freunden oder Diebstahl über Wasser halten müssen, steigt und steigt. Schon im letzten Sommer wurde die Zahl auf eine Million geschätzt. Das neu eingeführte mickrige Sozialgeld von 420 Euro, das ohnehin nur sechs Monate an eine ausgewählte Gruppe gezahlt wird, hat bestenfalls die absolute Verzweiflung vieler Menschen verschoben. Dass auch bei der geringeren Zahl von Verkehrstoten kein Zusammenhang zur Krise hergestellt wird, ist ebenfalls erstaunlich. Dabei wird immer weniger Auto gefahren. Deshalb kommt es zu weniger Unfällen und deshalb näherte sich Spanien auch erstmals 2008 den Klimaschutzzielen an.

Zu bemerken ist in der Krise auch ein Anstieg von Rassismus. Das Observatorium für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit weist in der jährlichen Studie aus, dass mit der Krise und Arbeitslosigkeit die Fremdenfeindlichkeit deutlich angestiegen ist. Auf 400 Seiten wird aufgeführt, dass 37 % der Bevölkerung gegen Einwanderung sind. 42 % der Spanier meinen inzwischen, es werde zu tolerant mit Einwanderern umgegangen und sogar 46 % hätten nun eine negativen Eindruck von Einwanderern.

Auch hier werden nur Daten von 2008 ausgewertet. So macht das Observatorium deutlich, dass der Bericht 2007 noch bei einer Arbeitslosenquote von 8 % ermittelt wurde. Im Berichtszeitraum für die neue Studie lag sie bei fast 11,5 %. Die Fremdenfeindlichkeit ist in einem Jahr gestiegen, obwohl erstmals die Zahl der Einwanderer sank und krisenbedingt auch die illegale Einwanderung nach Spanien zurückging. So stellt der Bericht fest, dass immer öfter von einem "Überschuss" an Einwanderern gesprochen wird. Zudem wird immer schneller nach Abschiebung gerufen. 39 % halten es für "sehr annehmbar", auch die sofort auszuweisen, die einen legalen Status haben, wenn sie "irgendein Delikt" begehen. Hier darf man auf den Bericht 2010 gespannt sein, der unter dem Eindruck von 20 % Arbeitslosenquote erstellt wird.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/147186
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