Ins Cafe mit der Pistole am Gürtel
Waffenfanatiker in den USA wollen das offene Tragen von Schusswaffen durchsetzen und in den Wilden Westen zurückkehren
Richtig gemütlich wird es in Kneipen, Bars oder Discos, wenn die Kunden nicht nur Schusswaffen mit sich führen, sondern sie auch noch offen tragen dürfen. Just das ist eine Forderung in den USA, die von mehr Menschen vertreten wird, nachdem sowieso seit Amtsantritt von Präsident Obama die Waffen- und Munitionskäufe massiv angestiegen sind. Waffenfanatiker haben Angst, dass unter Obama die Gesetze verschärft werden könnten. Tatsächlich ist der leichte legale Zugang zu Schusswaffen in den USA mit ein Grund, warum es hier zu so vielen Toten und Verletzten durch Schusswaffengebrauch kommt.
Macht aber nichts. Die Schusswaffenfanatiker sehen als einzige Möglichkeit, die Gefahr zu reduzieren, selbst Opfer der Gewalt zu werden, in der Aufrüstung – und glauben auch, dass die Bewaffnung der Bürger ein Verfassungsrecht ist. Bislang waren die Waffenfanatiker zufrieden, Waffen fast überall zumindest verdeckt mit sich führen zu können. Die meist rechten Anhänger der Aufrüstung haben aber seit Obamas Präsidentschaft ihre Forderungen erweitert, die Waffen auch überall offen präsentieren zu können. Damit lassen sie sich auch schneller ziehen, als wenn sie irgendwo versteckt erst herausgekramt werden müssen.
Wie die New York Times berichtet, sind in den Protestveranstaltungen gegen die geplante Gesundheitsreform und in den Tea Partys immer mehr Menschen mit offen getragenen Schusswaffen aufgetaucht. Das hat offenbar in den Staaten, die das Mitführen von Waffen erlauben, dazu geführt, dass man nun auch in Kneipen, Cafes, Pizzerias und anderen Geschäften offen Waffen mit sich führt. "Wir ziehen nur unsere Jacken aus", sagt Mike Stollenwerk, Mitbegründer der Website OpenCarry.org. Hier besteht man auf dem Recht, offen Waffen zu tragen und begründet dies u.a. auch so:
"Anthropologist Charles Springwood sums it up nicely when he commented that open carriers are trying to 'naturalize the presence of guns, which means that guns become ordinary, omnipresent, and expected. Over time, the gun becomes a symbol of ordinary personhood'."
Offenbar sind nicht alle Lokale davon begeistert, wenn die Menschen mit den Pistolen oder Revolvern an ihren Hüften wie einst im Wilden Westen auftreten. Starbucks etwa versucht sich, zwischen Befürwortern und Gegnern durchzuwinden und in den Bundesstaaten das Tragen von Waffen zu erlauben, in denen dies nicht verboten ist. Selbst Waffenlobbyisten vom NRA sehen dies skeptisch, weil die durch das offene Tragen von Waffen provozierten Widerstände das eigene Anliegen gefährden könnten.
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