p
05.05.2010Politik-News
Nachrichten aus Politik & Wirtschaft

Spanien muss sich gegen Gerüchte wehren, auch ein Rettungspaket zu fordern

Griechenland zieht nun auch Portugals und Spaniens Börsen ebenso wie den Euro nach unten

  • drucken
  • versenden

Gestern brach der Dax um 2,6 Prozent ein und liegt nun gerade noch über 6000. Auch der Euro rutschte mit 1,32 US-Dollar auf ein Jahrestief. Schlimmer hat es die Börsen in Lissabon und Madrid erwischt. Die Griechenlandkrise breitet sich aus. Brach der Leitindex in Griechenland um 6,7 Prozent ein, so der in Madrid auch schon um 5,4 und der in Lissabon um 4,5 Prozent.

Unruhe herrscht in der Eurozone, die von Spekulanten angegriffen wird. Überall wird nun die Sorge geschürt, ob die dank deutscher Zögerlichkeit schon zu spät gekommenen und daher teuer gewordenen Unterstützungsmaßnahmen für Griechenland ausreichen werden und ob die Eurozone sich schon auf der Rutschbahn befindet. Brauchen die nächsten wackeligen Kandidaten – Spanien, Portugal, Irland oder Italien – auch bald Hilfe? Haben sie sich bereits angesteckt? Mit den Gedankenspielereien, Griechenland vom Euro auszusperren oder in eine Euro-Quarantäne zu sperren, kommt man nun nicht mehr weit.

Kein Wunder ist daher, dass Gerüchte zirkulieren, auch das hochverschuldete Spanien würde sich schon mal nach Hilfen der anderen Euro-Länder umschauen, um ein Rettungspaket parat zu haben, wenn der Gang nach unten weiter geht. Sogar die Höhe des vermeintlichen Pakets zog seine Kreise, angeblich würde es um 280 Milliarden Euro gehen, die Spanien benötigen könnte. Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero sah sich jedenfalls genötigt, gestern in Brüssel den Gerüchten entgegen zu treten und sie als "absoluten Unsinn" zu bezeichnen, während der Ibex unter die psychologisch bedeutsame Marke von 10.000 rutschte. Auch der Internationale Währungsfonds musste einspringen und die Gerüchte zurückweisen, dass eine Rettungsaktion für Spanien geplant sei. Es gehe nur um das Rettungspaket für Griechenland, versicherte Zapatero.

Die Frage ist, ob in der aufgeheizten Stimmung nicht Gerüchte mehr zählen als Zurückweisungen. Panik und Geldgier heizen sich gegenseitig auf, die Psychologie, wie es immer heißt, beherrscht das Feld – und Stimmungen jagen nun in Sekunden um den Globus. Klar ist jedoch, dass Europa zwar schnell zu Beginn der Finanzkrise, aber zu langsam bei der Staatenkrise gehandelt hat. Das zögerliche Verhalten gegenüber dem wirtschaftlich für die Eurozone unbedeutenden Griechenland, das gerade einmal Schulden in Höhe von 235 Milliarden Euro hat (75 Milliarden bei französischen und 45 Milliarden bei deutschen Banken), könnte nun die größeren Brocken ins Rutschen bringen. Portugal ist ebenfalls noch harmlos, Irland aber hat schon 860 Milliarden Schulden, Spanien 1,1 Billionen und Italien 1,4 Billionen. Und Spanien ist tatsächlich ein Wackelkandidat, es hat derzeit eine schwache Wirtschaft und eine Arbeitslosigkeit von 20 Prozent. 238 Milliarden schuldet Spanien alleine deutschen Banken.

Zapatero nimmt die Gerüchte jedenfalls ernst, da sie einen "unmittelbaren Einfluss auf unsere Börsen" haben. Sie seien nicht akzeptabel und würden ganz Spanien Schaden zufügen. Der Ministerpräsiden verwies darauf, dass Spanien von allen Ratingagenturen weiterhin Bestnoten erhalte und daher keine Gefahr bestehe. Standard & Poor's (S&P) hatte allerdings letzte Woche die Kreditwürdigkeit Spaniens bereits von AA+ auf AA herunter gesetzt. Beruhigen konnte Zapatero die Märkte gestern nicht. Arbeitslosigkeit von 20 Prozent. 238 Milliarden schuldet Spanien alleine deutschen Banken.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/147550
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
bilder

seen.by


TELEPOLIS