p
25.06.2010Politik-News
Nachrichten aus Politik & Wirtschaft

"Wir wollen mehr zahlen"

In Deutschland werden die Stimmen für eine Reichensteuer lauter, auch in den USA wurde im Senat ein entsprechender Gesetzesvorschlag eingebracht

  • drucken
  • versenden

Nachdem viele Jahre lang die Reichen immer weiter steuerlich entlastet wurden, um sie zu halten, werden nun in vielen Ländern Stimmen laut, die fordern, in der Wirtschaftskrise die Vermögenden stärker heranzuziehen, wenn schon alle durch den verschuldeten Staat belastet werden. Vor der Finanzkrise haben schließlich auch die Wohlhabenden kräftig ihr Vermögen vermehrt.

Zunehmend sehen zumindest die vernünftigen Reichen in Deutschland auch ein, das sie nicht auf Kosten der breiten Mehrheit im Luxus leben können, sondern der Gemeinschaft auch etwas zurückgeben müssen, auch wenn die Regierung da überhaupt nicht ran will. Im stern fordern Reiche: "Wir wollen mehr zahlen." Beispielsweise Dietmar Hopp, SAP-Gründer und Milliardär: "Die Forderung nach einem höheren Spitzensteuersatz ist gerechtfertigt, weil man nicht immer nur die Sozialleistungen kürzen darf. Die Politik sollte zudem den Mut haben, Steuerschlupflöcher zu schließen und die unsinnig anmutenden Mehrwertsteuervergünstigungen zu beseitigen."

Nach einer Umfrage ist auch eine knappe Mehrheit der Führungskräfte dafür, die Reichen stärker zu belasten – durch Anhebung der Spitzensteuer oder durch die Wiedereinführung der Vermögenssteuer. Mehr sind freilich dafür, dass der Staat erstmal spart. Allerdings haben sich auch CDU-Ministerpräsidenten wie Peter Müller (Saarland) oder Ole von Beust (Hamburg) für eine Reichensteuer ausgesprochen.

Selbst in den USA wird nun die "Reichensteuer" zum Gegenstand. Ein entsprechender Gesetzesvorschlag wurde sogar in den Senat eingebracht, freilich von einem wirklichen Außenseiter, dem Unabhängigen Senator Bernie Sanders (Vermont). Chancen wird das Gesetz, das aber von drei demokratischen Senatoren unterstützt wird, wohl nicht haben, aber es ist immerhin ein Versuch und ein Diskussionsanstoß.

Sanders ist auch nicht bescheiden. Innerhalb von 10 Jahren will er durch die Reichensteuer dem Staat 264 Milliarden Dollar zuschanzen. Die Millionäre und Milliardäre sollen ihren gerechten Anteil zahlen, meint der Senator, während 99,7 Prozent der Bevölkerung davon nicht belastet würden.

Der Gesetzesvorschlag wurde auch deswegen gemacht, weil in diesem Jahr die Erbschaftssteuer, ein Erbe der Präsidentschaft von Bush, ganz wegfällt. Das wird dem Staat nach Sanders allein 2010 über 24 Milliarden Dollar kosten. Dabei ist Sanders aber eher noch zurückhaltend. Einkommen unter 3,5 Millionen würden nicht stärker besteuert werden, wer zwischen 3,5 und 10 Millionen einnimmt, würde nur 45 Prozent Steuern zahlen müssen – so viel wie 2009. Erst ab 10 Millionen wären 50 Prozent fällig, über 50 Millionen 55 Prozent. Das könnten die Superreichen, die sowieso nicht wissen, wo sie ihr Geld anlegen sollen, gut verkraften.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/147888
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
bilder

seen.by


TELEPOLIS