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15.07.2010Politik-News
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Kein Wandel in US-Kriegsstrategie

Personalwechsel bringt Hardliner James Mattis an die Spitze des "Zentralkommandos"

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Die jüngsten Wechsel in der Kommandoebene des US-Militärs werden wohl keine Veränderungen der Kriegsstrategie des Pentagons in Irak und Afghanistans bedeuten. Nach dem erzwungenen Rückzug von General Stanley McChrystal übernimmt dessen Ziehvater David Patraeus wieder das Kommando an der irakischen Front. Patraeus stand bereits von Januar 2007 bis September 2008 an der Spitze der von den USA geführten Besatzungstruppen in dem Zweistromland. Die Führung des bedeutenden Zentralkommandos (CENTCOM), das für den Nahen Osten, Zentralasien und Ostafrika zuständig ist, geht an den Vier-Sterne-General James Mattis.

Alle drei Militärs gelten als Vertraute oder zumindest Fürsprecher des abgewählten Präsidenten George W. Bush, der – anders als der amtierende Staatschef Barack Obama – der Republikanischen Partei angehört. Alle drei stehen der politischen Führungsebene der Obama-Regierung kritisch gegenüber. Auch wenn die mehrfach geäußerte Kritik McChrystal das Amt gekostet hat, widersetzen sich auch Patraeus und Mattis einem raschen Abzug der Truppen aus den laufenden US-Kriegen, wie er von politischer Ebene gefordert wird. Vor allem Vizepräsident Joseph Biden plädiert für einen Beginn dieses Rückzugs ab dem kommenden Jahr.

Der in den letzten Kriegen erfahrene General Mattis dürfte sich dieser politischen Vorgabe widersetzen. Er steht für eine langfristige Besatzungsstrategie aus militärischen und zivilen Maßnahmen. Mattis verfügt zudem über eine erhebliche Erfahrung in den letzten Feldzügen. Während der Operationen "Desert Storm" und "Desert Shield" stand er im 1. Bataillon dem 7. Marineregiment vor. Beim Angriff auf Afghanistan kommandierte er die "Task Force 58", eine Spezialtruppe, die in der Region Kandahar operierte. Bei dem Angriff auf Irak im Frühjahr 2003 führte er die 1. Marinedivision an.

Dass er zu den Hardlinern im US-Militär zählt, machte James Mattis bereits 2005 bei einer Konferenz vor der „Armed Forces Communications and Electronics Association“ in San Diego deutlich. Im Gespräch mit den Gästen erklärte er in Bezug auf den Krieg in Afghanistan: "Wissen Sie, es macht Spaß, gewisse Leute zu erschießen." Der Kommentar brachte ihm damals einen Tadel ein.

Nicht nur diese Einstellung wird das Verhältnis zwischen der Obama-Regierung und der Armeespitze weiter belasten. Die Irak- und Afghanistan-Generäle machen aus ihrer Nähe zum Verteidigungsminister Robert Gates keinen Hehl – einem Politiker, der sein Amt nach Ende der Bush-Regierung nahtlos fortgeführt hat. Auch der Washington-Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Matthias Rüb, wies unlängst darauf hin, dass der US-Botschafter in Afghanistan, Karl Eikenberry, der Sonderbeauftragte für das zentralasiatische Land, Richard Holbrooke, Joseph Biden oder der Sicherheitsberater der Regierung, James Jones, bei den Militärs nicht sehr beliebt seien, weil sie – so Rüb – "als weltfremd und mit einem geschichtlich überholten Blick auf die Wirklichkeit ausgestattet gelten".

So wird der Abzug der US-Truppen aus Irak und Afghanistan unwahrscheinlicher. Der Blick auf die Protagonisten zeigt, dass die Militärs weiterhin den Ton angeben.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/148016
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