Japan braucht Millionen von Immigranten
Japan hat sich gegenüber Zuwanderern aus dem Ausland weitgehend abgeschlossen, aber die schrumpfende und alternde Bevölkerung macht ein Umdenken unausweichlich
Seit langem ist klar, dass Japans Bevölkerung in besonderem Maße altert und schrumpft, so dass in absehbarer Zeit nicht mehr genügend Arbeitskräfte vorhanden sein werden, um die Wirtschaftsleistung aufrechtzuerhalten. Von jetzt 127 Millionen Einwohnern wird die Bevölkerung bis 2055 auf 100 Millionen sinken. Schon jetzt sind 22,7 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt. Gegenwärtig kommen noch 2,8 Personen im Alter von 15-64 Jahre auf einen Menschen über 65 Jahre, 2055 werden es nur noch 1,3 Personen sein.
Das Problem stellt sich in Japan schärfer als in anderen Ländern, weil man bislang Immigration kaum zugelassen hat. Gerade einmal 1,7 Prozent der Menschen in Japan sind Ausländer oder haben einen Migrationshintergrund. 1,1 Prozent der arbeitenden Menschen in Japan kommen aus dem Ausland, in Deutschland sind es 8,5 Prozent. Um eine Arbeitserlaubnis etwa als Krankenschweter oder Altenpflegerin zu erhalten, müssen Immigranten einen Sprachtest machen, den gerade einmal ein Prozent bestehen. In Japan wurde freilich auch gerade die Robotik gefördert, um so den Arbeitskräftemangel möglicherweise kompensieren zu können, ohne mehr Ausländer ins Land holen zu müssen. Aber das erweist sich trotz manchen Fortschritten etwa bei den Robotern zur Kranken- und Altenpflege als illusorisch.
Schon seit Jahren werden immer wieder Möglichkeiten diskutiert, wie man die bislang eher Immigrationshemmenden Gesetze dem wachsenden Bedarf an Immigranten angleichen könnte. So hatte die Liberaldemokratische Partei erwogen, angesichts der Bevölkerungsproblematik, in den nächsten 50 Jahren 10 Millionen Immigranten aufzunehmen. Auch das wäre noch bescheiden gewesen, sieht man sich die Bevölkerung der übrigen Industriestaaten an, in denen jetzt schon 20 Prozent, wie in Deutschland, und mehr Menschen mit Migrationshintergrund leben. Geplant war auch eine Verdopplung der Zahl der ausländischen Studenten. Der Regierungswechsel hat die Veränderung des Immigrationsgesetzes aber erst einmal wieder verschoeben.
Die Stimmung in Japans Bevölkerung ist eher gegen Ausländer, zu einem Einwanderungsland will man nicht werden, während auf wirtschaftlicher Seite für einen massiven Anstieg der Immigration geworben wird, um dem Arbeitskräftemangel zu begegnen und die Wirtschaft zu stärken. 2009 ist die Zahl der registrierten Ausländer sogar erstmals seit Jahrzehnten wieder leicht rückläufig gewesen. Das Immigrationsministerium macht dafür die Wirtschaftskrise und den Mangel an Jobs verantwortlich.
Auch die neue Regierung unter Premierminister Naoto Kan will zumindest die Zahl der gut ausgebildeten Ausländer von jetzt 200.000 auf 400.000 verdoppeln und 300.000 Ausländer an Japans Universitäten holen. Um Japan für gut ausgebildete Ausländer attraktiver zu machen, sollen die Arbeitsgenehmigungen erleichtert werden, zudem soll man schneller eine unbefristete Arbeitsgenehmigung erhalten können. Gesetzt wird allerdings eher auf den Tourismus zur Belebung der Wirtschaft, vor allem hofft man auf Besucherströme aus China.
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