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02.09.2010Politik-News
Nachrichten aus Politik & Wirtschaft

Auf der Suche nach Zhou Xiaochuan

Das Gerücht ging um, der Chef der chinesischen Notenbank sei geflüchtet, weil er 430 Milliarden Dollar verzockt habe

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Es ging das Gerücht herum, der Chef der chinesischen Notenbank sei verschwunden. Der Parteisoldat Zhou Xiaochuan sei aus Angst vor dem Zorn Pekings geflüchtet, weil er 430 Milliarden Dollar mit US-Staatsanleihen verzockt habe, wurde auf verschiedenen Webseiten kolportiert. Die Nachricht, dass Zhou in die USA geflüchtet sein soll, sei über die Hongkonger Nachrichtenagentur Ming Pao beim privaten US-Nachrichtendienst "Stratfor" gelandet, der die Geschichte auch prompt veröffentlichte.

China hatte sofort dementiert und Bilder des Notenbankchefs bei einem Treffen mit dem japanischen Minister für Finanzdienstleistungen, Shozaburo Jimi, publiziert. Jimi bestätigte das Treffen mit Zhou auch. Doch die paranoiden Aktivitäten in Peking, das chinesische Webseiten gesperrt hatte, so dass der Name Zhou nicht mehr gesucht werden konnte, werteten einige wohl als Beleg dafür, dass an der Geschichte etwas dran sein könnte.

Dabei war sie offensichtlich absurd. Offenbar stellten sich die, die die Geschichte kolportiert haben, nicht die Frage, wie man mit US-Anleihen, die bisher weitgehend stabil sind, 430 Milliarden Dollar in den Sand setzen könnte. Da China etwa den doppelten Wert an US-Anleihen real hält, müsste sich der Wert der Staatsanleihen halbiert haben, um diesen Aderlass zu begründen. Dass hätte aber zu heftigen Reaktionen an den Weltfinanzmärkten geführt. Bekannt ist auch, dass China massiv US-Staatsanleihen abstößt und dahinter ist der Versuch zu erkennen ist, genau einen riesigen Verlust in der Zukunft zu vermeiden, weil allseits die Sorgen über die extreme Verschuldung der USA steigen.

Jedenfalls wird nun eifrig über den Ursprung der Ente spekuliert. So werden, ebenfalls ohne eine reale Grundlage dafür zu haben, Gegner des Notenbankers in der Kommunistischen Partei ausgemacht, die den weiteren politischen Aufstieg Zhous verhindern wollten. Erste Schritte für eine "Demontage des Bankers" werden gesehen.

Die Frage aber, warum die Meldung ausgerechnet bei einer Art privater US-Geheimdienst landete und von dort aus in der westlichen Welt verbreitet wurde, stellt sich offensichtlich niemand. Dass Stratfor, bisweilen auch als "Schatten-CIA" bezeichnet, auch Großinvestoren wirtschaftliche und politisch-strategische Analysen und Prognosen liefert, lässt die Frage zu, ob hier nicht eher ein spekulativer Hintergrund oder eine Reaktion darauf zu suchen ist, dass China seinen Renminbi gegen den Dollar als Leitwährung in Stellung bringt.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/148304
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