Iranische Führung versucht, Verurteilung zur Steinigung zu rechtfertigen
Die westlichen Staaten hätten den Fall Ashtiani "politisiert", das Todesurteil gegen die Frau ist trotzdem erst einmal aufgehoben
Weltweit wurde Protest laut, als sich die Kinder einer im Iran zum Tode durch Steinigung verurteilten Frau an die Öffentlichkeit wandten und um Hilfe baten (Free Sakineh). Zunächst hieß es, dass Sakineh Mohammadi Ashtiani wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt wurde. Als der Aufschrei durch die Medien ging, setzte die iranische Führung die Steinigung aus, erklärte aber, dass die Frau wegen der Beteiligung an de Ermordung ihres Mannes zum Tode verurteilt worden sei. Mitte August wurde Ashtiani dann im Staatsfernsehen vorgeführt, wo sie – vermutlich nach Folter oder Androhung von Gewalt – ihr angebliches Vergehen einräumte und die westlichen Medien der Einmischung bezichtigte. Es besteht erheblicher Zweifel, ob die Anklage berechtigt ist. Das sagen zumindest auch die Verteidiger der Frau, einer hatte sich sicherheitshalber schon einmal in die Türkei abgesetzt.
Die iranische Regierung versucht, ihr Gesicht zu wahren. Sie will nicht beschuldigt werden, barbarische Exekutionen wie die Steinigung durchzuführen, da man sich ja als eine alte, hoch entwickelte Kulturnation darstellen will. Sie will aber auch jeden Anschein vermeiden, dass das Rechtssystem nicht ordentlich arbeitet. Also schiebt man vor, dass zunächst die Anklage noch einmal überprüft werden soll, wie der Sprecher des Außenministeriums, Ramin Mehmanparas, gestern beteuerte. In dieser Zeit sei das Todesurteil aufgehoben, obgleich man davon ausgehe, dass sie des Ehebruchs und der Mithilfe bei der Ermordung ihres Mannes weiterhin schuldig sei.
Mehmanparas warf gleichzeitig den westlichen Medien vor, dass die Verteidigung einer Person, die des Mordes beschuldigt wird, nicht zu einer Menschenrechtsfrage gemacht werden könne. Sonst müsse man auch alle Menschen in den europäischen Ländern, die wegen Mord in den Gefängnissen ihre Strafe absitzen, auf der Grundlage der Menschenrechte freilassen. Die Kampagne gegen Ashtiani werden von den westlichen Ländern deswegen geführt, um den Iran wegen der Atomtechnik unter Druck setzen. Der Fall Ashtiani sei aus diesem Grund "politisiert" worden.
Mit der Argumentation wird sich die iranische Führung aber keinen Gefallen tun, denn die Kritik an der Steinigung ging in erster Linie nicht von den Regierungen aus, sondern von den Menschen, die das einfach barbarisch finden. Und wenn die Frau auch vor allem wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt wurde, dann wäre auch die Art der Todesstrafe ziemlich egal, weil die Menschen in den westlichen Ländern diesen staatlichen und durch die Religion sanktionierten Eingriff in die Lebensweise vor allem der Frauen verurteilen.
Weil die iranische Führung überall ihre Finger drin hat, scheint man auch davon auszugehen, dass es in anderen Ländern ähnlich zugeht. Zumindest dem eigenen Volk will man so auch weismachen, dass die von der fundamentalistischen christlichen US-Sekte geplante Aktion, am 11.9. den Koran zu verbrennen, um eine verkappte staatliche Inszenierung handelt. Man lenke die Aufmerksamkeit auf solche Lappalien, sagte General Massoud Jazayeri, um vom Skandal des 11.9. und den damit verbundenen "Verbrechen" der USA abzulenken.
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