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05.12.2011Politik-News
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"Auf einmal hatten wir so viel Macht"

Interviews mit Teilnehmern an den britischen Riots zeigen, dass Abneigung gegen die Polizei eine wesentliche Triebfeder für die Ausschreitungen war

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Als die britische Zeitung The Guardian im Sommer über eine Umfrage in Erfahrung bringen wollte, was ein repräsentativer Ausschnitt der britischen Bevölkerung über die Riots dachte, nannten 86 Prozent der Befragten gleichermaßen "schlechte Erziehung" und "Kriminalität" als Hauptursachen. Heute veröffentlicht die Zeitung die ersten Ergebnisse eigener Untersuchungen mit dem Titel "Reading the Riots". Sie wurde in den letzten drei Monaten zusammen mit 60 Wissenschaftlern der London School of Economics (LSE) durchgeführt.

Die Auswertung der Interviews von 270 Personen, die an den Ausschreitungen im August in London, Birmingham, Liverpool, Nottingham, Manchester und Salford beteiligt waren, liefert ein anderes Bild der Motive als das eingangs genannte. Die Beteiligten nannten hauptsächlich Abneigung und Misstrauen gegen die Polizei als Motiv. 85 Prozent bezeichneten die Art der Polizeiarbeit (policing) als "wichtige" oder "sehr wichtige" Ursache für die Ausschreitungen.

Das Gefühl der Abneigung gegen Polizeikräfte wird als tiefsitzend beschrieben. Herausgehoben wird, dass in den Vierteln, wo die Ausschreitungen besonders stark wüteten, die Wahrscheinlichkeit acht Mal so hoch ist, dass ein Passant von der Polizei einer sogenannten Stop&Search-Überprüfung unterzogen wird - oft, wie sich aus den Berichten herauslesen läßt, mit einhergehenden Demütigungen und respektloser Behandlung.

Gegenüber dem Motiv der Rache an der Polizei treten - zumindest in der Darstellung, die heute in mehreren Berichten auf der Guardian-Website zu lesen ist - andere Motive in den Hintergrund, bzw. sind sekundäre Folgeerscheinungen.

So werden etwa die Plünderungen als Gelegenheitsakte geschildert, die sich ergaben, weil die "normalen Regeln" außer Kraft gesetzt waren. Allerdings lassen Aussagen, welche die Riots als Möglichkeit beschreiben, an "free stuff" zu gelangen, darauf schließen, dass die Plünderungen nicht als Nebensächlichkeit zu bewerten sind. Das in solchen Momenten, in der die Normalität ausgesetzt war, empfundene Machtgefühl gegenüber der Polizei, wird in mehreren Aussagen wiedergegeben: "Wir zeigten ihnen, yeah, dass wir größer sind als die Polizei..Wir haben das Gesetz übertreten und all'das, aber von usn gab es mehr als von denen. Wenn wir also etwas tun wollten, dann konnten wir es tun. Und sie hatten nichts, um uns aufzuhalten."

"What appears to have been the result of this outpouring of anti-police attitudes was, for some at least, a five-day catharsis. Many spoke of being ", of being empowered liberated" and paradoxically, while the streets burned, of being euphoric. Repeatedly, the rioters said their confrontations with police made them feel 'powerful'."

Während einige der Rioters die Polizei als "Gang" bezeichnen, wird den Aktivitäten von kriminellen Gangmitgliedern in der Guardian/LSE-Untersuchung nur eine "marginale Rolle" eingeräumt: "on the whole, the research found gang members played only a marginal role in the riots". Doch wiedersprechen einzelne Aussagen der großen Erklärungslinie:

"Andrew, a 16-year-old schoolboy, knew the riots were coming to his area, Hackney. "It was planned," he said. "Everyone knew: as soon as it comes 5 o'clock, start rioting." He saw all the young people from his area come together. "Basically, all the gangs put down all the beef [rivalry] for one day," he said, listing the names of local groups of teenagers. (..) "The frontline would be attacking the police while the backlines would be in the shop," he said. "So the frontline's holding off the police and then the people at the back are looting the shops. So it's like a formation."

http://www.heise.de/tp/blogs/8/150971
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