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26.02.2012Politik-News
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Arend Oetker: "Mein Verständnis von sozialer Marktwirtschaft ist, dass wir alle in einem Boot sitzen"

Ein Kommentar zu den Äußerungen des Unternehmers zur Erosion der Marktwirtschaft

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Der Unternehmer und Kunstfreund Arend Oetker, u.a. Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, gehört nicht nur einer der reichsten Familien Deutschlands an, sondern ist auch tief vernetzt.

Wenig verwunderlich ist es, dass der Unternehmer, der auch Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und CDU-Mitglied ist, dem Spiegel erklärte, er halte es für "fatal", dass die "Akzeptanz der Marktwirtschaft erodiert". Seit der Finanzkrise habe sich die "Stimmung aufgeheizt". Er würde zwar verstehen, "dass die Leute sich über hohe Boni oder Finanzprodukte erregen, die niemand mehr versteht. Andererseits wird dabei das Unternehmertum in Sippenhaft genommen." Damit meint er also vermutlich auch sich und seine Familie. Und das findet er nicht gehörig, schließlich stehe er, der doch nur ein "Familienunternehmer" sei, in der "Mitte der Gesellschaft" und hat offensichtlich - trotz aller Vernetzung mit den Reichen und Mächtigen - nichts mit dem Auseinanderklaffen in Arm und Reich und den Folgen der Finanzkrise zu tun.

Da Oetker wie andere Unternehmer also in der Mitte der Gesellschaft stehen, muss der Rest der Gesellschaft mit den Unternehmern solidarisch sein und diese schützen. So könnte man zumindest seine Äußerung interpretieren: "Mein Verständnis von sozialer Marktwirtschaft ist, dass wir alle in einem Boot sitzen - Regierung und Gewerkschaften, Arbeitnehmer und -geber." Man soll zwar gemeinsam in einem Boot sitzen, aber die gesellschaftlichen Unterschiede müssen doch beachtet werden. Jeder auf seinem Rang - und für das gemeinsame Boot will der Unternehmer auch nicht mehr leisten und höhere Steuern zahlen, wie das ja auch einige aus seiner Schicht selbst vorschlagen: "Ich bin kein Anhänger solcher Initiativen und finde durchaus, dass die Steuern für Unternehmer in Deutschland hoch genug sind. Man kann darüber hinaus ja auch auf freiwilliger Basis viel Gutes tun." Das ist die "soziale Marktwirtschaft" des Familienunternehmers, wo zwar alle in einem Boot sitzen sollen, aber die einen halt in der Luxuskabine, wo sie freiwillig mal etwas spenden, was Oetker auch wirklich viel macht, und die anderen tief unten im Schiffsbauch, die dankbar sein sollen, dass sie mitfahren dürfen, und natürlich alles so akzeptieren, wie es ist. Ob Oetkers Botschaft bei allen im gemeinsamen Boot gut ankommt, darf bezweifelt werden. Möglicherweise verwechselt er auch Marktwirtschaft mit sozialer Marktwirtschaft?

http://www.heise.de/tp/blogs/8/151503
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