Ferment für Radikalisierung
Die Jugendarbeitslosigkeit ist in der EU wie "in keiner anderen Weltregion" gestiegen, stellt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) fest und warnt vor einer "verlorenen Generation"
Von 2008, als die Finanzkrise ausbrach, bis 2011 stieg die Jugendarbeitslosigkeit in der EU wie "in keiner anderen Weltregion", berichtet die Studie der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Während die Arbeitslosigkeit der 15- bis 24-Jährigen im globalen Durchschnitt zwischen 2008 und 2011 um 5,3 Prozent zugenommen hat, verzeichnet die EU einen Anstieg um 26,5 Prozent. Für die Eurozone ermittelte Eurostat im Frühjahr eine Rekordarbeitslosenquote unter Jugendlichen von 22,1 Prozent.
Hinter den ohnehin düsteren Zahlen würde sich das gefährliche Phänomen verbergen, dass sich die Jugend "in massiver Zahl" vom Arbeitsmarkt zurückgezogen habe; die Organisation, die in dieser Woche dazu einen ausführlichen Bericht vorstellen wird, spricht von der Gefahr einer "verlorenen Generation" und appelliert an Politiker, sich für eine aktiven Arbeitsmarktpolitik zu engagieren. Von der eingeschlagenen Sparkurs-Politik hält man bei der ILO wenig.
In Frankreich warnt eindringlich der Forschungsdirektor des Nationalen Zentrums für wissenschaftliche Forschung (CNRS) vor der wachsenden Kluft zwischen den Jugendlichen mit höheren Schulabschlüssen und den Schulabbrechern. Man solle sich vor der Vorstellung hüten, dass es in Frankreich eine Jugend gebe, die ein gemeinsames, homogenes Schicksal teile, so Olivier Galland. Zwar seit einigen Jahren in Frankreich eine Anhebung der "sozialen Struktur" zu erkennen: es gebe nun weitaus mehr Angestellte auf den höheren Ebenen ("Cadres") und weniger Arbeiter.
Das sei vorteilhaft für die Jungen mit Schulbaschlüssen weiterführender Schulen; für die anderen, die keinen Schulabschluss schaffen, konstatiert Galland jedoch einen schwierige Situation. Während es bei den erfolgreichen Schülern/Studenten um das Ziel geht, einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu bekommen, leben die anderen am Rand der Gesellschaft. Galland bewertet diese Entwicklung als besorgniserregend. Der soziale Ausschluss sei das Ferment für eine Radikalisierung, wie man das schon bei den Aufständen in den Banlieues 2005 habe beobachten können.
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