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23.05.2012Politik-News
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Spanien streikt für Bildung

Lehrer, Schüler, Studenten und Dozenten haben gegen die tiefen Einschnitte ins Bildungssystem gestreikt

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Im gesamten spanischen Bildungssektor zeichnet sich ein langer und harter Konflikt ab. Die Vorgänge im Februar in Valencia waren nur die Spitze des Eisbergs, Deutlich wurde das daran, dass am Dienstag erstmals seit dem Tod des Diktators 1975 fast im gesamten Land gleichzeitig sowohl Lehrer, Schüler, Dozenten und Studenten sowie Angestellte von Schulen und Universitäten gestreikt haben und auf die Straße gingen. Neben Gewerkschaften, Schüler- und Studentenorganisationen hatte auch die Elternorganisation Ceapa zu den Protesten gegen die Einschnitte der Regierung ins Bildungssystem aufgerufen, die real erst nach dem Sommer spürbar werden. Etwa eine Million Beschäftigte und mehr als sieben Millionen Schüler und Studenten waren heute zum Streik aufgerufen und viele sind dem Aufruf gefolgt.

Begoña Lopez hat ihre beiden Kinder am Dienstag nicht in die Schule gebracht. "Ich unterstütze die Ziele des Streiks", erklärt sie am Rand einer Protestversammlung in Madrid. Sie erwartet, dass sich Lage im öffentlichen Schulsystem weiter deutlich verschlechtern wird. Nur vereinzelt seien in vielen Schulen nur wenige Schüler eingetrudelt, haben diverse Bildungseinrichtungen bestätigt. Allerdings war die Streikbeteiligung zum Teil sehr unterschiedlich und im Vorschulbereich besonders niedrig.

Besonders stark war die Beteiligung in der bevölkerungsreichsten Region Andalusien und an den Hochschulen, wo zum Teil zu 100 Prozent gestreikt wurde. Auch in einigen Schulen der südspanischen Region haben mehr als 90 Prozent der Beschäftigten gestreikt, räumten diverse Schuldirektoren ein. Während die Gewerkschaften von einer durchschnittlichen Beteiligung von 80 Prozent sprechen, senkt die Zentralregierung sie auf knapp 20 Prozent ab. Das Führungsmitglied José Campos von den großen Arbeiterkommissionen (CCOO) spricht von einem "vollen Erfolg" und fordert die Regierung zur Rücknahme der Kürzungen und zu Verhandlungen auf.

Banken statt Bildung

In vielen Einrichtungen hatten Aktionen sogar schon am späten Montag begonnen. Aus Protest wurden Schulen und Universitäten zum Teil nicht verlassen. Auch Eltern und Lehrer besetzten sie aus Protest für 24 Stunden. Am frühen Dienstag kam es zu ersten Demonstrationen. Zum Teil blockierten Studenten auch Straßen und Autobahnen wie die AP-7 im morgendlichen Berufsverkehr, die an der Autonomen Universität in Barcelona vorbeiführt. In der katalanischen Metropole demonstrierten bereits am Mittag zehntausende Menschen. Am Abend wiederholte sich das Bild auch in Madrid und in vielen anderen Städten.

"Die Bildung ist kein Kostenfaktor sondern eine Investition. Nein zu den Kürzungen", lautete das gemeinsame Motto in allen Regionen. Die Gründe für den Streik sind aber so vielfältig wie die Beteiligten. Erwartet wird, dass die zusätzlichen Einschnitte um drei Milliarden Euro, welche die konservative Volkspartei (PP) in der letzten Woche im Parlament abgenickt hat, zehntausende Stellen im Bildungssystem vernichten. Auf 21 Prozent summieren sich die Kürzungen im Bildungshaushalt, der damit ganz besonders von den allgemeinen Sparmaßnahmen betroffen ist, mit denen die PP das Haushaltsdefizit senken will. Kultusminister José Ignacio Wert spricht aber nicht von Kürzungen sondern von "Anpassungen" oder "Umschichtungen". Die Bildungsausgaben sollen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 4,9 auf 3,9 Prozent sinken. Im Durchschnitt der 34 OECD-Länder sind es derzeit 5,9 Prozent.

Erwartet wird, dass Aushilfslehrer besonders betroffen sind, von denen bis zu 40.000 im Winterhalbjahr keine Anstellung mehr finden dürften. Nach Schätzungen werden etwa 100.000 Stellen im Bildungssektor gestrichen, die zu den schon 5,6 Millionen Arbeitslosen hinzukommen, die schon das Ergebnis der Krise sind. Zukünftig sollen in den Klassen statt 25 nun 30 Schüler unterrichtet werden und in Ausnahmefällen auch mehr. Lehrer sollen im Herbst mindestens 25 Stunden in der Woche unterrichten. Mehr Unterricht wird ausfallen, denn erst ab einer Krankheit oder Abwesenheit eines Lehrers von mehr als zehn Tagen soll ein Ersatzlehrer eingesetzt werden. Erwartet wird, dass sich die Bildung in einem Land weiter enorm verschlechtert, dessen Schulabbrecherquote schon bisher etwa doppelt so hoch wie im europäischen Durchschnitt ist.

Betroffen sind übrerdies die Universitäten. Auch Dozenten sollen bald deutlich mehr Stunden unterrichten. Die Studenten gehen vor allem gegen den Wegfall von Stipendien und die massive Anhebung von Studiengebühren auf die Barrikaden. Die Regionen, die für den Bildungssektor zuständig sind, können Gebühren um bis zu 66 Prozent anheben. Sergio Rueda hat schon im vergangenen Semester 1600 Euro an der Universität König Juan Carlos in Madrid bezahlt. Er weiß wie viele seiner Kommilitonen nicht, was nun auf ihn zukommt und wie er noch höhere Gebühren bezahlen soll. Etliche Studenten erwarten, dass sie das Studium abbrechen müssen. Sie kritisieren, dass die Konservativen darauf abzielen, dass nur noch Reiche ihren Kindern eine Hochschulausbildung finanzieren können, während erneut Milliarden in abstürzende Banken gesteckt werden.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/152048
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