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21.07.2012Politik-News
Nachrichten aus Politik & Wirtschaft

Organtransplantation: Kriminelle Machenschaften in deutscher Universitätsklinik

Zu wenig Kontrolle und Aufsicht im Transplantationsbereich?

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Einem bereits wegen Bestechlichkeit bekannten Chirurgen, der an der Göttinger Universitätsklinik beschäftigt war, wird vorgeworfen, dass er Krankenakten gefälscht habe, um ausgewählten Patienten einen besseren Platz auf der Warteliste für Organspenden zu verschaffen. In „mindestens 25 Fällen“ soll der Arzt den Gesundheitszustand in den Akten schlechter dargestellt haben, als er tatsächlich war. So wurden laut Informationen der SZ Leberkranken Laborwerte, etwa Blutgerinnungsneigung und Kreatininwert, in die Krankenakten geschrieben, die auf Nierenprobleme hinweisen. Damit soll der verdächtigte Oberarzt erreicht haben, dass die Patienten "bei der Vergabe von Spenderlebern durch die Vermittlungsstelle Eurotransplant (..) bevorzugt wurden".

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt; nach Aussage eines Vorstandsmitglieds der Klinik sei es „unwahrscheinlich“, dass der Arzt einziger Beteiligter der Manipulationen gewesen sei. Der Gedanke, der sich dabei aufdrängt ist, dass das, was bislang bekannt wurde, ohnehin nur Teil einer sehr viel größeren Manipulationspraxis ist. Dass die Geschichten über kriminelle Praktiken in Zusammenhang mit Organtransplantationen, die man in der Öffentlichkeit vorzugsweise in weiter entfernten Realitäten in Indien, Russland, China ansiedelte, auch ihre deutschen Versionen haben. Ein Bericht der Süddeutschen Zeitung deutet an, dass die Dimensionen des Falles in Göttingen größer sein könnten, als das, was bislang an die Öffentlichkeit gelangte: "Nachdem in Göttingen zuletzt rund 50 Lebern pro Jahr transplantiert wurden, scheint die Verschiebung von Organen an der Universitätsklinik beinahe üblich gewesen zu sein." Die Formulierung „beinahe üblich“ ist für deutsche Verhältnisse starker Tobak. Auch in Deutschland gibt es nun Anlass, das „Transplantationssystem“ aus der kriminalistischen Perspektive zu betrachten, schreibt die Welt.

Das Gesundheitsministerium, Politiker und Ärztevertreter drängen nun auf strengeren Kontrollen und harten Strafen ("Da müssen dann halt auch mal Approbationen entzogen werden", CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn). Laut einem Bericht der Stuttgarter Zeitung gibt es schon seit längerem Vorwürfe von Juristen, wonach Aufsicht in der Transplantationsmedizin zu kurz komme. Dass bestimmte Patienten, die mit Geld winken, bevorzugt behandelt werden, sei als Fall nicht neu, so der Kölner Staatsrechtler und Mitglied es Ethikrates, Wolfram Höfling. Neu wäre, so die Zeitung, wenn der Bundestag überhaupt den politischen Willen zeige, die Aufsicht in diesem Bereich zu stärken.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/152432
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