Regimetruppen greifen Aleppo an
US-Senatoren rufen US-Regierung mit Verweis auf Libyen zur militärischen Unterstützung aus, Russland äußert Verständnis für das Regime
Verlässliche Informationen gibt es weiterhin nicht aus Syrien. Wie das Syrian Observatory for Human Rights berichtet, haben syrische Regimeverbände begonnen, Stadtviertel der zweitgrößten Stadt Aleppo mit Artillerie und von Hubschraubern sowie Flugzeugen aus zu beschießen, während Truppen mit Panzern vorstoßen. Große Teile von Aleppo waren am 20. Juli von den Rebellen eingenommen worden. Besonders umkämpft scheint der Stadtteil Salaheddin, wo sich die meisten Rebellen aufhalten sollen. Auch im Stadtviertel al-Sakhour kam es am Morgen zu Kämpfen, in der Nacht wurde in verschiedenen Stadtteilen gekämpft. Auch wenn der Kampf um Aleppo für die Rebellen, wenn sie die Stadt verteidigen können, und das Assad-Regime, sofern die Truppen die Rebellen vertreiben und die Stadt einnehmen können, wenn nicht zu einer Schicksalsschlacht, so doch zu einem wichtigen Sieg oder Verlust werden wird, finden gleichzeitig auch in anderen Städten weiter Bombardierungen und Kämpfe wie in Deir Izzor statt.
Mitunter wird bereits der Kampf um Aleppo mit dem lybischen Bengasi verglichen. Zum Schutz der Zivilisten und der Rebellen wurde seiner Zeit die UN-Sicherheitsresolution mit dem Flugverbot verhängt, was die Intervention seitens Frankreich, Großbritannien und den USA einleitete. Der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, erklärte zwar, dass die USA sehr besorgt über die Situation in Aleppo seien und den Einsatz der schweren Waffen "gegen unbewaffnete Zivilisten" verurteilen, aber er wies den Vergleich zurück. Damals habe es einen unmittelbar bevorstehenden Angriff auf Bengasi, die Bitte der vereinten Opposition nach internationaler Hilfe und einen internationalen Konsens im Sicherheitsrat und der Arabische n Liga gegeben. Zwar bitten auch die syrischen Rebellen um Unterstützung, aber, so Carney, es gebe diese Einigkeit nicht gegenüber dem syrischen Regime. Enttäuschend sei das dreimalige Veto von Russland und China gegenüber Resolutionen gewesen. Die Regierung werde weiter wie bisher Druck auf das Assad-Regime ausüben, der Opposition auf nicht-militärische Weise unterstützen und sich für einen friedlichen Übergang einsetzen.
Auch Victoria Nuland, die Sprecherin des US-Außenministeriums, wies jeden Plan auf eine militärische Intervention zurück. Man unterstütze die Opposition auf "nichttödliche" Weise. Die syrischen Kurden rief sie dazu auf, mit der syrischen Opposition zusammenzuarbeiten.
Gestern hatten die Senatoren John McCain, Joe Lieberman und Lindsey Graham eine Erklärung veröffentlicht, in der sie die US-Regierung und Alliierte dazu aufrufen, ähnlich wie in Libyen der Opposition zu helfen. Damals habe man ein Massaker abwenden und den Libyern den Weg in die Freiheit öffnen können. In Aleppo könne es nun auch ein Massaker geben, aber die US-Regierung tue nichts, um die "Tötungsmaschine" von Assad zu stoppen. Es sei noch nicht zu spät, auch die Syrer in ihrem Befreiungskampf zu unterstützen, ihnen Waffen und Informationen zu geben und sie militärisch auszubilden. Überdies sollten, verbunden mit einer Flugverbotszone, "sichere Häfen" in den befreiten Gebieten Syriens eingerichtet werden.
Der russische Außenminister Lawrow warnte zwar auch vor einer "Tragödie" in Aleppo, aber zeigte Verständnis für die Regimetruppen, die nicht einfach zuschauen könnten, wenn bewaffnete Rebellen große Städte besetzen. Man wolle zwar die Regierung überzeugen, die ersten Zeichen zu machen, aber das sei, auch wenn Russland angeblich das Regime nicht unterstütze, nicht "realistisch", wenn Rebellen eine Stadt wie Aleppo einnehmen: "Wie kann man glauben, dass die Regierung in einer solchen Situation sich einfach zurücklehnt und sagt: 'Okay, ich habe Unrecht gehabt. Los, stürzt mich, wechselt das Regime'?" Man müsse auf alle Parteien Druck ausüben. Der Westen unterstütze hingegen mit den Nachbarländern Syriens die bewaffnete Opposition.
Nach Medienberichten soll die Türkei zusammen mit Saudi-Arabien und Katar einen geheimen Militärstützpunkt in der Nähe der Stadt Adana, 60 km von der syrischen Grenze entfernt, eingerichtet haben. Von dort aus würden die Rebellen direkt militärisch und nachrichtentechnisch unterstützt. Nach einem Informanten aus der Golfregion soll die Türkei dabei federführend sein. US-Geheimdienste würden über Mittelsmänner Informationen liefern und den Zugang zu den Waffen regeln.
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.




