Kreditausfälle in Spanien auf historischem Höchststand geklettert
Die faulen Kredite reißen neue Löcher in die Bilanzen maroder Banken
Niemals zuvor in der spanischen Geschichte war die Kreditausfallquote so hoch. Diese Angabe hätte noch vor kurzem für ein Beben an den Finanzmärkten gesorgt, doch wurden stattdessen kräftige Gewinne verzeichnet, auch bei Bankwerten. Die spanische Nationalbank hat am Freitag mitgeteilt, mit einer Quote von 9,42% seien erstmals alle bisherigen historischen Höchstmarken früherer Wirtschaftskrisen überschritten worden, seitdem die Banco de España 1962 noch in der Franco-Diktatur mit der Erhebung dieser Daten begonnen hat. Im Juni waren nach ihren Angaben Kredite im Wert von 165 Milliarden Euro faul. Das sind 8,4 Milliarden Euro mehr als im Mai. Damit ist auch der Zuwachs so hoch wie nie zuvor. Seitdem die Immobilienblase 2007 zu Platzen begann, hat sich Ausfallquote verneunfacht. Vor einem Jahr lag sie noch bei 6,7%.
Dass die Börse solch fatalen Daten unbeeindruckt ließ und fast 2% im Plus blieb, hängt mit der geplanten Bankenrettung zusammen. Derzeit ermitteln Prüfungsgesellschaften den Kapitalbedarf maroder spanischer Geldhäuser. Spanien hat dafür einen Rettungsantrag gestellt und will seine Banken mit bis zu 100 Milliarden Euro aus dem temporären Rettungsschirm (EFSF) stützen. Bisher glaubt man an der Börse, diese Summe reiche, um die Institute auffangen zu können.
An den Finanzmärkten wird auch längst vorweggenommen, dass das Land seinen Rettungsantrag ausweiten wird oder sogar ganz unter den Rettungsschirm gehen muss, wie zuvor Griechenland, Irland und Portugal. Tatsächlich bereiten konservative Politiker die Bevölkerung gerade auf den Schwenk vor. Ana Botella, Bürgermeisterin der Hauptstadt Madrid, erklärte am Freitag, es "scheint unvermeidbar", dass Spanien angesichts der wirtschaftlichen Daten und der hohen Zinsen für Staatsanleihen eine "Rettung" beantragen müsse. Noch immer tut man gegenüber der Bevölkerung so, als würde Spanien und seine Steuerzahler nicht längst für die beantragte Bankenrettung haften. Die Frau des ehemaligen Ministerpräsidenten José María Aznar weiß, dass die konservative Volkspartei (PP) einen Schwenk plant, denn ihr bleibt auch angesichts von Pleiteregionen kein anderer Weg.
Doch das Land rutscht immer tiefer in die Rezession. Angesichts der Dynamik, mit der auch wegen der steigenden Arbeitslosigkeit immer mehr Kredite ausfallen, muss man fragen, ob die Bankenrettung nicht deutlich teurer als geplant wird. Es droht ein böses Erwachen im Herbst, wenn immer neue Löcher in Bankbilanzen auftauchen. Schon im Schnelltest hatten Prüfer im Juni errechnet, das spanische Bankensystem benötige im schlimmsten Szenario bis zu 62 Milliarden Euro.
Doch diese Zahl basierte auf der Annahme, dass die Arbeitslosigkeit 2012 ihren Höhepunkt erreicht, womit praktisch niemand mehr rechnet. Massive Entlassungen stehen wegen immer neuer Sparpläne nun erst im öffentlichen Dienst an. Die Prüfungsgesellschaft Oliver Wyman hatte zudem eingeräumt, die Zahl sei auf Basis von Daten errechnet worden, die von den Banken geliefert wurden und "nicht geprüft" worden seien. "Für die sachliche Richtigkeit dieser Informationen gibt es keine Garantien", hatten die Prüfer vorsorglich angemerkt.
Das ist auch das Problem mit den neuesten Daten der spanischen Zentralbank. Auch die Daten zu Kreditausfällen stellen die Banken freiwillig zur Verfügung. Dass die korrekt sind, wird von vielen bezweifelt. Wie krass sie von der Realität abweichen können, hatte die große Bankia-Bank gezeigt. Der Zusammenschluss angeschlagener Sparkassen musste im Frühjahr verstaatlicht werden, womit die Bankenkrise offensichtlich wurde. Zuvor hatte die Bank angegeben, 2011 sogar einen Gewinn von 41 Millionen Euro gemacht zu haben. Bei genauerer Prüfung wurde daraus ein Verlust von mehr als drei Milliarden Euro. Nun braucht allein diese Bank 23,5 Milliarden Euro, um eine Pleite vorerst abzuwenden. Das Geld vom EFSF braucht Bankia offenbar auch früher als geplant. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, dass die Bank immer stärker von der Finanzierung durch die Europäische Zentralbank (EZB) abgeschnitten wird und deshalb nun schnell Rettungsmilliarden benötigt.
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