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04.09.2012Politik-News
Nachrichten aus Politik & Wirtschaft

Wie man die Menschen dazu bringt, später in Rente zu gehen

Wie es mit den Renten weitergehen soll, beschäftigt nicht nur von der Leyen und ihre Kritiker

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In Deutschland will die Bundesarbeitsministerin die schon lange absehbare, von Rot-Grün durch die "Flexibilisierung" des Arbeitsmarkts und die Ausweitung des Niedriglohnsektors bewirkte Massenarmut im Alter durch eine Zuschussrente, die aus Beitragsgeldern gezahlt werden soll, wenn selbst auch privat vorgesorgt wurde, ein klein wenig korrigieren. Allseitig wird der Vorstoß abgelehnt, Bundeskanzlerin Merkel hält sich wie immer erst einmal zurück. In der Koalition ist man vor allem gegen die Umverteilung, ohne wirklich alternative Vorschläge zu machen. Für die SPD kommen zu wenige Menschen in den Genuss der Aufstockung, Grüne und Linke schlagen eine steuerfinanzierte Grund- bzw. Mindestrente vor.

Zur Problematik der zu geringen Rentenbeiträge durch zu niedriges Einkommen und/oder zu wenige Beschäftigungsjahre kommt, dass immer noch zu viele ältere Menschen schon lange vor dem Renteneintrittsalter nicht mehr arbeiten können und so ihre Renten sinken. Das Problem gibt es auch in anderen Ländern, beispielsweise in den USA. Und es gibt Wissenschaftler, die sich Lösungen überlegen, wie das Rentensystem finanzierbar sein könnte. In den USA, das muss man wissen, arbeitet noch einer von neun Männern im Alter über 75 Jahren. Die Arbeit im Rentenalter hat Rekordhöhe erreicht, weil die Menschen das zusätzliche Geld brauchen, allerdings dafür oft im Niedriglohnbereich arbeiten. Waren im April 2002 2,5 Millionen Männer oder 1,8 Millionen Frauen über 65 weiter arbeitstätig, so waren es in April 2012 nach dem Arbeitsministerium bereits 4,03 Millionen Männer und 3,2 Millionen Frauen. Auch die Zahl der Über-75-Jährigen hat sich in derselben Zeitspanne von 750.000 auf 1,35 Millionen fast verdoppelt. Gleichzeitig steigt die Arbeitslosigkeit bei den Jüngeren. In Deutschland steigt der Anteil der Erwerbstätigen immerhin leicht bei den 60-64-Jährigen, aber vorwiegend in atypischen Beschäftigungsverhältnissen, was heißt, im Niedriglohnbereich.

Die Ökonomen John Laitner und Dan Silverman von der University of Michigan glauben nun, eine Zauberformel gefunden zu haben, um alte Menschen länger zum Arbeiten anzuhalten, offenbar davon ausgehend, dass der Hang groß ist, sich möglichst schnell aus dem Arbeitsleben zurückzuziehen. Der Vorschlag, veröffentlicht im Journal of Public Economics, besteht einfach darin, den Menschen schon weit vor dem Eintritt in das Rentenalter die Abgaben für die sozialen Sicherheitssysteme zu streichen, so dass sie ab dem Alter von 55 Jahren plötzlich 10 Prozent mehr verdienen. Wenn das der Fall ist, so nehmen die Wissenschaftler aufgrund von Simulationen und einem hohen Rechenaufwand an, ohne die Arbeitgeberseite auch nur zu streifen, würden doch die meisten Menschen gerne länger arbeiten. Durchschnittlich würden sie 1,5 Jahre länger arbeiten und dabei auch länger Steuern zahlen und so auch helfen, das Staatsdefizit zu reduzieren.

Die Logik ist aber nicht recht nachvollziehbar, auch wenn die Menschen etwa länger Steuern zahlen und kürzer Rente beziehen, kommt auch weniger Geld in die sozialen Sicherheitssysteme, die dennoch beansprucht werden. Das würde ausgeglichen dadurch, dass sie davor eben jährlich 1 Prozent mehr zahlen müssten. Wer nicht länger arbeiten will (oder kann), würde dann also bestraft werden. Das ist aber alles eine Luftbuchung, schließlich kommt es nicht nur darauf an, ob die Menschen gerne weiter arbeiten wollen, sondern eben auch, ob sie es können - und zu welchen Bedingungen. Aber so ist manchmal Wissenschaft, die dann doch im weltabgeschiedenen Elfenbeinturm der Theorie verbleibt.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/152713
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