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18.09.2012Politik-News
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Wachsende Einkommensungleichheit in Deutschland Mitursache der Eurokrise

Eine Studie des Böckler-Instituts sieht in der "Polarisierung des Einkommens" in Deutschland den Grund für eine schwache Binnennachfrage und das Wachstum durch Exporte

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Im neuen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung wird nach Informationen der SZ festgestellt, dass nicht nur das private Vermögen von Weniger weiter anwächst, während der Staat Schulden aufhäuft, sondern dass auch die Kluft zwischen Arm und Reich tiefer wird. Die "sehr ungleiche Verteilung des Vermögens" ist auch Gegenstand einer Studie des gewerkschaftsnahen Böckler Instituts. Till van Treeck vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung und Simon Sturn von der University of Massachusetts in Amherst verweisen darauf, dass die Polarisierung des Einkommens die Wirtschafts- und Finanzkrise und auch die Eurokrise mit verursacht habe.

Eine Folge der starken Exportorientierung der deutschen Wirtschaft aufgrund des gesunkenden Anteils der Lohnkosten ist ein Ungleichgewicht in den Leistungsbilanzen der Staaten. Die Überschüsse der deutschen Wirtschaft entsprechen bekanntlich den Schulden von anderen Staaten in Europa und der Welt. Die Lösung für die beiden Ökonomen, die für ihre Studie aktuelle Analysen ausgewertet haben, würde in einer stärkeren Binnennachfrage in Deutschland bestehen. Dazu müsste aber die Einkommensungleichheit angegangen, d.h. die Kaufkraft der Deutschen durch die Erhöhung der Löhne verbessert werden.

Deutschland sei bereits zu Beginn der Währungsunion 1999 nach Angaben der Bundesbank "in hohem Maße wettbewerbsfähig" gewesen. Gleichwohl sank die Lohnquote am BIP zwischen 2001 und 2007 um 5 Prozent. Es fand, wie schon vielfach dokumentiert, eine Umverteilung nach oben statt. Während zwischen 1999 und 2009 das verfügbare Einkommen des reichsten Zehntels um 16,6 Prozent stieg, verringerte sich das des ärmsten Zehntels um 9,6 Prozent. Aus diesem Grund konnte die deutsche Wirtschaft ihre Exportquote gegenüber anderen Ländern immer mehr erhöhen, während die wachsende Einkommensungleichheit und kaum steigende Reallöhne nach Ansicht der Autoren die Binnennachfrage dämpfte. Die von Rot-Grün umgesetzten Hartz-Reformen hätten diese Entwicklung wesentlich verstärkt, weil dadurch der Niedriglohnsektor und die Angst vor Arbeitslosigkeit enorm gewachsen sei.

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Grafik: Hans-Böckler-Stiftung

Im Gegensatz etwa zu den USA, wo die Einkommensungleichheit ebenfalls stark wächst, haben sich die Deutschen aber nicht verschuldet, sondern oft gespart, um für unsicher Zeiten gewappnet zu sein und Altersvorsorge zu leisten. Zur stagnierenden Binnennachfrage habe auch die relativ geringe Erwerbsbeteiligung der Frauen und die in Deutschland hohe Ungleichheit der Löhne beigetragen. Für verheiratete Frauen sei es aufgrund des Steuersystems nicht attraktiv, mehr zu arbeiten, weswegen sie auch deswegen oft Minijobs annehmen und über ihren Ehemann sozial abgesichert sind. Weil in dieser Konstellation die Familie weitgehend vom Einkommen des Mannes abhängt, sei die Verunsicherung angesichts der Deregulierung gewachsen und habe ebenfalls die Neigung zum Sparen verstärkt: "Starker Export, schwache Inlandsnachfrage und hohe Sparquote verursachten einen dauerhaft hohen Leistungsbilanzüberschuss. Deutschland lebte damit auch von der Überschussnachfrage der europäischen Nachbarn. Diese speiste sich wiederum aus Kreditblasen, die im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise platzten."

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GRafik: Hans-Böckler-Stiftung

Die Autoren empfehlen der Regierung Reformen zum Abbau der Einkommensungleichheit. Sie sind allerdings schon lange bekannt und Forderung der Linken und der Gewerkschaften. Begrüßt werden die Lohnabschlüsse der letzten Zeit, die höher ausgefallen sind. Gewünscht wir auch ein gesetzlicher Mindestlohn und die Einschränkung der Leiharbeit. Mehr Inlandsnachfrage in Deutschland, so die Autoren, würde Europa gut tun.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/152806
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