Druck auf Ryanair in Sicherheitsfragen steigt
Spanische Behörden zählen mehr als 1200 Zwischenfälle im ersten Halbjahr. Ryanair-Chef kündigt an, erstmals Sicherheitsprüfungen am Konzernsitz in Dublin zulassen zu wollen
Die spanische Pilotengewerkschaft Sepla und die Verbraucherschutzorganisation Facua fordern gemeinsam die Verantwortlichen auf, für die Sicherheit der Fluggäste zu sorgen. Die Präsidenten der beiden Vereinigungen haben am Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung Schritte angekündigt, um die "Sicherheit der Fluggäste zu schützen, zu stärken und zu garantieren". Da sich damit der Unmut gegen die irische Billig-Airline noch weiter ausgeweitet hat, hat nun der Ryanair-Chef eingelenkt. Michael O'Leary hat angekündigt, erstmals Sicherheitsprüfungen am Konzernsitz in Dublin zulassen zu wollen.
Im Gespräch mit der Financial Times Deutschland erklärte er plötzlich:
"Es ist durchaus verständlich, dass Spanien drei Notlandungen in Valencia untersuchen will."
In nur vier Tagen waren nach Angaben der spanischen Behörden dort Flugzeuge der Fluglinie notgelandet, weil die Kerosinmenge die Untergrenze erreicht hatte.
Die Kritik, die Fluglinie spare aus Kostengründen an der Sicherheit, wies er zurück. Doch nun will die Fluglinie die Treibstoffpolitik ändern und Kerosin für weitere 15 Minuten laden. Das mache man, obwohl die irischen Behörden in einem Bericht bestätigt hätten, dass Ryanair die gesetzlichen Vorschriften eingehalten habe. Gleichzeitig war empfohlen worden, die Treibstoffpolitik zu überprüfen.
Doch Spanien geht es nicht nur um diese drei Flüge, denn Madrid stört sich an zu häufigen Vorfällen. Immer wieder kommt es zu Notlandungen, zuletzt musste am Sonntag eine Maschine in Madrid ungeplant landen, weil es "technische Probleme" gab. Insgesamt zählten spanische Behörden allein im ersten Halbjahr mehr als 1200 Zwischenfälle.
Kein Land wird so oft von Ryanair angeflogen wie Spanien
Ryanair versucht nun offensichtlich die Wogen wieder zu glätten, nachdem O'Leary zunächst im Angriff die beste Verteidigung sah. In Briefen an die spanische Verkehrsministerin hatte er zuvor sogar behauptet, die Luftfahrtaufsichtsbehörde des Landes sei "in eine inakzeptable Kampagne verwickelt, um den guten Namen von Ryanair zu ruinieren". O'Leary ging sogar soweit zu behaupten, die Ermittler der Behörden hätten Kontrolldaten über Ryanair gefälscht und das sogar eingeräumt.
Doch weil für die Airline viel auf dem Spiel steht, will er jetzt Vertrauen zurückgewinnen. Wenn ausgerechnet in Spanien die Fluglinie mit Unsicherheit gleichgesetzt wird, könnte das weitreichende Folgen haben. Kein Land wird so oft von Ryanair angeflogen. 2011 wurden 30 Millionen nach Spanien transportiert, während die spanische Iberia nur auf die Hälfte kam.
Dass die Piloten und die Verbraucherschützer nun gemeinsam an der Aufklärung von zweifelhaften Vorgängen beitragen wollen, hat offenbar das Umdenken beschleunigt. Facua und Sepla haben angekündigt, Informationen von Piloten und Verbrauchern zusammenzutragen, um ein umfassendes Bild zu bekommen. Die Piloten-Gewerkschaft wirft Ryanair vor, in der Wirtschaftskrise "der Versuchung zu erliegen, an Sicherheit zu sparen". Der Sepla-Präsident José María Iscar forderte als präventive Maßnahmen mehr Inspektionen die von "höherer Qualität" sein müssten. "Bei einem Stopp von nur 25 Minuten reiche die Zeit dafür keinesfalls aus." Dauernde Vorfälle seien deutliche Anzeichen dafür, an der "Grenze" angelangt zu sein. "Es muss mehr untersucht und viel stärker bestraft werden."
EasyJet wirft Ryanair "unlauteren Wettbewerb" vor
Der Facua-Präsident Francisco Sánchez erklärte, die "rote Linie der Sicherheit" dürfe nicht überschritten werden und bat Reisende darum, "Vorfälle anzuzeigen und nicht den Mund zu verschließen". Facua spricht davon, dass Ryanair die Regionen des Landes "erpresse". Die Fluglinie fordere Subventionen dafür, dass die Airline sie anfliege und für einen Touristenstrom sorge. Vor dem "Betrug" der Airline sollten sie dafür ebenfalls die Augen verschließen. Facua führte verschiedene "illegal" erhobene Zuschläge an, die gegen europäische Richtlinien verstoßen würden.
Der große Ryanair-Konkurrent EasyJet hat am Mittwoch ebenfalls die Chance in Madrid genutzt, um die Iren anzuklagen. Generaldirektor Javier Gándara warf Ryanair "unlauteren Wettbewerb" vor und führte dafür die Vertrags- und Gehaltsbedingungen der Beschäftigten an. "Die Verantwortlichen müssen dafür sorgen, dass wir in allen Bereichen unter gleichen Bedingungen konkurrieren."
Auch Gándara wandte sich deshalb gegen die Subventionen, die Ryanair anders als seine Firma in spanischen Regionen erhalte, worauf sich aber kein nachhaltiges Geschäftsmodell begründen lasse.
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