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24.09.2012Politik-News
Nachrichten aus Politik & Wirtschaft

Konservative Familienpolitik für schlechte Karrierechancen der Frauen verantwortlich

Studie geht den Ursachen für die Männerdominanz in Führungspositionen auf den Grund

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Der schwarz-gelben Koalition steht mal wieder Krach ins Haus: Die unionsgeführten Länder im Bundesrat sprechen sich nun - gegen den erklärten Willen der Kanzlerin und der FDP - für eine Frauenquote aus, und auch die Frauen in der Unions-Bundestagsfraktion torpedieren den offiziellen Kurs der Regierung.

Dabei gibt es möglicherweise sinnvollere Alternativen, die Karrierechancen von Frauen zu verbessern, wie eine aktuelle Studie des Soziologen Fabian Ochsenfeld, der an der Goethe-Universität Frankfurt am Main lehrt, nahelegt. Mit Hilfe von Daten aus dem HIS-Absolventenpanel hat er untersucht, welche Unterschiede in den Karrierechancen von Frauen und Männern zehn Jahre nach ihrem Studienabschluss sichtbar werden - und worin die Ursachen liegen.

Auf den ersten Blick spricht vieles für eine Diskriminierung von Frauen: Zehn Jahre nach ihrem Examen haben nur 23 Prozent von ihnen eine erste Managementposition erreicht. Im gleichen Zeitraum schaffen diesen Aufstieg fast doppelt so viele Männer, nämlich 42 Prozent. Zudem nimmt der Abstand zwischen den Geschlechtern in dieser Dekade von Jahr zu Jahr zu.

Ochsenfeld hat in seiner Untersuchung jedoch herausgefunden, dass es für diesen Unterschied vor allem zwei Gründe gibt: die Auswahl des Studienfaches und die Geburt eines oder mehrerer Kinder. Denn Frauen entscheiden sich nach wie vor eher für ein geistes- oder sozialwissenschaftliches Studium, während Männer überwiegend Ingenieurs- oder Naturwissenschaften studieren. 4,6 Prozentpunkte des Unterschiedes zwischen Männern und Frauen kann Ochsenfeld allein auf diese unterschiedliche Studienwahl zurückführen. Am günstigsten wirkt sich dabei ein Studium der Ingenieurs- und Naturwissenschaften auf die Aufstiegsmöglichkeiten aus, während ein Studium der Mathematik und der Informatik überraschenderweise keine positiven Effekte zu haben scheint. Deutlich negative Effekte hat ein Jurastudium.

Väter nehmen seltener und kürzere Auszeiten von der Arbeit nach der Geburt eines Kindes

Betrachtet man die familiäre Situation, so haben Väter die besten Karrierechancen: 40 Prozent von ihnen erreichen innerhalb der zehn Jahre eine Managementposition. Männer ohne Kind schaffen dies nur in 36 Prozent der Fälle. Während Vaterschaft offenbar honoriert wird, ist bei Mutterschaft das Gegenteil der Fall: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau mit Kind zehn Jahre nach dem Examen eine Managementposition bekleidet, liegt bei gerade einmal 18 Prozent. Bleibt sie kinderlos, steigen ihre Chancen aber rapide an - auf 36 Prozent. Damit liegen kinderlose Frauen auf Augenhöhe mit den Männern.

Auch hierfür hat Ochsenfeld eine plausible Erklärung gefunden. Väter nehmen seltener und kürzere Auszeiten von der Arbeit nach der Geburt eines Kindes. Das traditionelle Familienbild und die konservative Familienpolitik in der Bundesrepublik habe lange Zeit sogar bewusst Anreize gesetzt, um Frauen nach der Geburt eines Kindes vom Arbeitsmarkt fern zu halten. Aufgrund unterschiedlicher Traditionen in Ost und West bestehen bis heute gravierende Unterschiede. Nur ein Viertel aller Kinder zwischen drei und sechs Jahren in Westdeutschland wird mindestens sieben Stunden in einer öffentlichen Einrichtung betreut. Im Osten sind es mehr als zwei Drittel.

Das macht sich auch bei den Karrierechancen bemerkbar. Dank kürzerer Babypause erreichen die Mütter im Osten Ochsenfelds Studie zufolge häufiger Managementpositionen als Mütter im Westen.

Politiker, die sich tatsächlich für mehr Frauen in Führungspositionen stark machen wollen, sind also möglicherweise sowohl mit dem Betreuungsgeld als auch mit der Frauenquote auf dem Holzweg, da sie nicht Ursachen, sondern lediglich Symptome angehen.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/152842
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