"Aktives Zuwanderungsmarketing"
Südeuropa, Indonesien, Vietnam und Tunesien - die Bundesagentur für Arbeit sucht Fachkräfte im Ausland
Bis 2025, in etwa 13 Jahren, fehlen dem deutschen Arbeitsmarkt etwa 3,5 Millionen Arbeitskräfte, vor allem Fachkräfte. Damit rechnet die Bundesagentur für Arbeit. Bei dieser Schätzung des BA wurde bereits berücksichtig, dass mehr Frauen und Ältere, wegen des höheren Renteneintrittsalters, und Zuwanderer die Erwerbsbeteiligung künftig erhöhen. Laut einer Vorausberechnung des Statistischen Bundesamts sinkt die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter (von 20 bis 64 Jahre) bis zum Jahr 2030 um 6,3 Millionen.
Die Bundesagentur für Arbeit geht davon aus, dass sich schon fünf Jahre früher, 2025, eine Lücke von 6,5 Millionen zeige. Die lasse sich teilweise durch mehr berufstätige Frauen und länger arbeitende Ältere verkleinern, aber es komme, wie ein Grundsatzpapier der BA hinweist, vor allem darauf an, Deutschland für Fachkräfte aus dem Ausland interessant zu machen. Um auf die 3,5 Millionen der optimistischeren Schätzung zu kommen, müssten jährlich 100.000 Zuwanderer nach Deutschland "kommen und bleiben". Und selbst diese Größenordnung würde nicht reichen, um den drohenden Fachkräftemangel abzuwenden, wird aus dem Papier zitiert.
Nach jüngsten Zahlen der BA zeichnet sich die Entwicklung bereits aktuell ab. So würde es immer länger dauern, freie Stellen für Fachkräfte zu besetzen. Dauerte es im Jahr 2010 durchschnittlich 56 Tage, bis eine freie Stelle besetzt wurde, so lag die so genannte "Vakanzzeit" im September dieses Jahres bei 78 Tagen. Besonders lange würde dies bei Ärzten (177 Vakanztage), Ingenieuren (Elektro-, Maschinenbau – und Fahrzeugingenieure, allesamt weit über 100 Vakanztage) und in Pflegeberufen dauern. Aufgeführt werden auch Schienenfahrzeugführer (155 Valanztage) und Luftverkehrsberufe (139 Vakanztage).
Abhilfe schaffen, soll die Zuwanderung. Dabei schaut man derzeit besonders nach Südeuropa. Doch korrespondiert die Hoffnung bislang nicht mit der Realität. Zwar meldete BA-Vorstand Raimund Becker kürzlich, dass über die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) gezielt Fachkräfte für den deutschen Markt angeworben würde. Der Erfolg der ZAV ist jedoch, angesichts der oben genannten Zahlengrößen, bescheiden: Zwischen Januar und August gab es 519 Vermittlungen, darunter 142 Vermittlungen von Fachkräften aus Südeuropa.
Da auch diese Länder, so Becker, künftig mit ähnlichen demografischen Problemen konfrontiert seien, und dadurch den deutschen Angeboten Konkurrenz machen werden, richtet man den Blick über Europa hinaus. So sollen in dem Papier Indonesien, Vietnam und Tunesien, als "potenzialreiche Zielländer" erwähnt werden. Entsprechende Gespräche würden bereits geführt.
Wie aus Kommentaren des BA-Chefs Weise und auch seitens Becker hervorgeht, hat Deutschland einige Mühe, sich als attraktives Land für die Fachkräfte aus dem Ausland darzustellen. Dem Problem will man mit einer recht spröde verpackten Charmeoffensive Herr werden. Becker mit einem "aktiven Zuwanderungsmarketing“ und Weise mit einer "sympathischen Willkommenskultur". Den letzteren Begriff werden zumindest die Kabarettisten dankbar aufnehmen.
Derweil wirbt auch Innenminister Friedrich für eine Zuwanderung von Arbeitskräften in die neuen Bundesländer, auch er richtet seine Hoffnung nach Süden: "In Südeuropa, zum Beispiel Spanien, gibt es viele junge Menschen, die dort keine Arbeit finden. In Deutschland aber brauchen wir mehr motivierte junge Leute." Dafür müsse aber allen klar sein, "dass wir uns als exportorientiertes Land Ausländerfeindlichkeit überhaupt nicht leisten können. Wenn wir unsere Waren überall in der Welt verkaufen wollen, müssen wir uns auch gegenüber an unserem Land interessierten Menschen offen zeigen."
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