Top-Nebenverdiener im Deutschen Bundestag
Steinbrück, der am meisten nebenher eingenommen hat, steht an der Spitze, danach kommen an den ersten Stellen nur Unions- und FDP-Abgeordnete
Die Abgeordneten im Bundestag werden sich bei dem nominierten SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück bedanken. Wegen seiner gut bezahlten "Nebentätigkeit" als Redner kassierte der ehemalige Finanzminister seit 2009 mindestens 700.000 Euro. Steinbrück hatte pro Rede mehr als 7.000 Euro verdient. Weil Abgeordnete nach den Regeln aber nur angeben müssen, ob sie mehr als 7.000 Euro eingenommen haben, aber nicht, wie viel genau, dürfte Steinbrück noch mehr neben seiner eigentlichen Tätigkeit als Abgeordneter verdient haben.
Steinbrück will zwar für mehr Transparenz bei seinen Einkünften sorgen, zeigt sich aber enerviert über die kleinlichen Nachfragen. Und, so ließ er gestern bei Jauch erkennen, er habe ja schließlich auch einiges kostenlos gemacht, arbeite genügend für sein Mandat und sei halt gefragt. Wenn man so gut ist, wie Steinbrück von sich selbst glaubt, dann regelt halt der Markt Nachfrage und Angebot. Was aber so zwingend war, all den lukrativen Angeboten zu Vorträgen zu folgen, verriet der Sozialdemokrat, der auch hier in den Spuren Schröders, Clements, Schilys etc. wandert, nicht, Jauch fragte auch mal lieber nicht nach.
Gleichwohl ist nun wieder einmal das für einige Abgeordnete unangenehme Thema der Nebeneinkünfte aufgekommen. Und wieder einmal geht es um die Transparenz, also wie viel ein Abgeordneter von wem erhielt, um beurteilen zu können, ob er mit Volkes Stimme oder zumindest mit der eigenen spricht oder eher Geldgebern gefällig ist. Auch wenn schwarz-gelbe Abgeordnete nun angesichts von Steinbrück laut aufheulen und mehr Tarnsparenz fordern, waren es vor allem Union und FDP, die lieber nicht zu viel Genaues über sich bekannt geben mochten.
Den Grund hat nun das Portal Abgeordnetenwatch.de in leicht verständlicher Form dem geneigten Bürger aufbereitet. Steinbrück nahm in dieser Legislaturperiode zwar am meisten von allen Abgeordneten ein. Da zahlt es sich aus, Finanzminister gewesen und Abgeordneter geblieben zu sein. An zweiter Stelle folgt der ehemalige Wirtschaftsminister und Kollege Steinbrücks, Michael Glos von der CSU, mit mindestens 546.000 Euro Nebeneinnahmen. Heinz Riesenhuber, einstiger Forschungsminister und CDU-Abgeordneter, kommt auf mindesten 380.000 Euro.
Und mit Ausnahme von Steinbrück findet man auch unter den weiteren der ersten Top-Nebenverdiener nach Abgeordnetenwatch.de nur CDU-Abgeordnete und einen von der FDP:
Rudolf Henke, CDU: 315.000 Euro
Frank Steffel, CDU: 288.000 Euro
Peter Wichtel, CDU: 218.750 Euro
Franz-Josef Holzenkamp, CDU: 213.000 Euro
Norbert Schindler CDU: 211.000 Euro
Patrick Döring, FDP: 185.400 Euro
Michael Fuchs, CDU: 155.500
Gregor Hackmack, Mitgründer von abgeordnetenwatch.de, zweifelt, ob bei den Gutverdienern die Wahrnehmung ihres Mandats wirklich im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit stehen bzw. stehen kann: "Je höher die Nebeneinkünfte, desto größer der Verdacht von eventuellen Abhängigkeiten. Damit jeder sich selbst ein Bild machen kann, fordern wir die komplette Offenlegung von Nebeneinkünften ab dem ersten Euro!"
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