In der Rezession sinkt die Kriminalität
In Großbritannien ist die Verbrechensrate um 6 Prozent geringer als im Vorjahr, vor allem Gewalttaten wurden weniger
Großbritannien befindet sich in einer Rezession, die Zahl der Arbeitslosen ist hoch und liegt bei 7,9 Prozent. Eine steigende Zahl junger Menschen ist weder in Ausbildung noch in Arbeit, die Armut wächst, die Einkommen sinken. Eigentlich sollte man annehmen, dass mit steigender Not auch die Kriminalität ansteigt, zumal es aufgrund der Sparpolitik weniger Polizisten gibt und das Geld für die Polizeibehörden gekürzt wurde.
Gleichwohl ist trotz der Unruhen und Plünderorgien in einigen Städten im Sommer des letzten Jahres die Verbrechensrate im letzten Jahr um weitere 6 Prozent gesunken. Im letzten Jahrzehnt ist sie um ein Drittel gefallen, besonders stark bei den Gewalttaten, die nur noch halb so viel wie in den 1990er Jahren begangen werden. Fast könnte man geneigt sein zu sagen, dass die Verbreitung der Computerspiele nicht die Gewalt durch Nachahmung haben ansteigen lassen, wie Kulturkritiker gerne sagen, sondern dass sie durch das Ausagieren der Gewalt im Virtuellen sinken.
Aber es wurden nicht nur weniger Gewalttaten begangen, auch wenn diese besonders stark zurückgingen. So wurden 14 Prozent weniger Morde begangen. Raub ging um 7 Prozent, Autodiebstahl um 8 Prozent, Einbruchsdiebstahl um 7 Prozent und andere Formen des Diebstahls um 2 Prozent zurück. Es wurden nur 6 Prozent mehr Taschendiebstähle begangen. Insgesamt wurden mit 3,9 Millionen Straftaten von Juni 2011 bis Juni 2012 so wenige Straftaten wie zuletzt 1986 begangen.
Natürlich werden die üblichen politischen Schlachten geschlagen. Die Regierung will sich den Erfolg selbst zuschreiben. So erklärte Jeremy Browne, der neue Staatssekretär für Verbrechensprävention, dass die eingeleitete Polizeireform funktioniere. Es komme eben nicht auf die Zahl der Polizisten, sondern darauf an, wie sie eingesetzt werden. Man habe auch die Bürokratie abgebaut. Aus der Polizei wird eher lamentiert, dass man dies durch Mehrarbeit auch durch Ausgabenkürzungen erreicht habe. Für die Labour-Opposition ist die Verbrechensrate immer noch zu hoch.
Aber interessant ist auch, dass offenbar jetzt in den Krisenzeiten die Kriminalität nicht wächst, sondern abnimmt. Man würde anderes vermuten. An der Polizeipräsenz, schärferen Strafen und der Aufklärungsquote dürfte es nicht liegen. Dass Gewalt und Eigentumsdelikte durchaus aufflammen können, ließ sich letztes Jahr sehen. Zwar können Autos oder Wohnungen/Häuser besser gesichert sein, aber das wiederum sagt nichts aus, warum Gewaltverbrechen sinken.
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