Erster grüner Bürgermeister in einer deutschen Landeshauptstadt
Fritz Kuhn schlägt in Stuttgart den von der CDU unterstützen Miterfinder der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" und des Slogans "Wir können alles – außer Hochdeutsch"
Baden-Württemberg ist eine Hochburg der Grünen: Dort stellen sie nicht nur den Ministerpräsidenten, sondern auch mehrere Bürgermeister in größeren Städten, darunter Dieter Salomon in Freiburg und Boris Palmer in Tübingen. Nach dem Dreikönigstag 2013 wird auch die Landeshauptstadt Stuttgart von einem Grünen regiert. Gestern gewann deren ehemaliger Bundes- und Fraktionsvorsitzender Fritz Kuhn nämlich mit 52,9 Prozent die Stichwahl gegen den von CDU, FDP und Freien Wählern unterstützten Werbeunternehmer Sebastian Turner. Das Ergebnis kommt insofern wenig überraschend, als Kuhn bereits im ersten Wahlgang am 7. Oktober etwas besser als Turner abschnitt.
Dem mit 45,3 Prozent unterlegenen Miterfinder der Lobbykampagne "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" und des Slogans "Wir können alles – außer Hochdeutsch" wurde unter anderem zum Verhängnis, dass er nur bedingt als Unabhängiger, sondern als Kandidat der CDU wahrgenommen wurde, die in Baden-Württemberg derzeit mit einer Reihe von Skandalen kämpft: So will etwa der ehemalige Ministerpräsident Stefan Mappus erreichen, dass ein Backup von (ihn möglicherweise belastenden) Emails gelöscht wird, Finanzminister Wolfgang Schäuble bereichert die englische Sprache um das neue deutsche Lehnwort "Staatsbankrott", und Annette Schavan, die zweitprominenteste Vertreterin des Bundeslandes in der Regierung, begegnet Plagiatsvorwürfen damit, dass sie mit dem Strafrecht gegen geleakte Gutachten vorgeht.
Der Wahlsieger Kuhn war 1978 eines der Gründungsmitglieder der Grünen. Vorher engagierte sich der in Memmingen geborene Germanist in der SPD. Im sechzigköpfigen Stuttgarter Gemeinderat verfügt Kuhns Partei seit 2009 über 16 Sitze. Die CDU kommt aktuell auf 15, die SPD auf 10, die FDP auf 7, die Freien Wähler auf 6, die Linke auf 2 und die Republikaner auf einen. Zünglein an der Wage ist momentan die Anti-Bahnhof-Wählerinitiative Stuttgart Ökologisch Sozial (SÖS), die über 3 Mandate verfügt.
Bei der letzten Oberbürgermeisterwahl 2004 war der damalige grüne Kandidat Boris Palmer noch mit 21,5 Prozent gegen den amtierenden CDU-Politiker Wolfgang Schuster gescheitert. Vorher hatten die Grünen den mit einer ethnischen Albanerin verheirateten Joseph-Fischer-Intimus Rezzo Schlauch ins Rennen geschickt, der nach Spekulationen über seine Rolle im Kosovokrieg mittlerweile in der politischen Versenkung verschwand.
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