Austeritätskurs kommt auch in Deutschland an
Das schwache Wachstum in Deutschland kann die Eurozone nicht mehr vor der Rezession bewahren
Das nur noch winzige Wachstum in Deutschland (0,2%) konnte nicht mehr verhindern, dass die Wirtschaftsleistung in der Eurozone im dritten Quartal erneut geringer wurde. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte erneut um 0,1%, nachdem es schon im Vorquartal schon um 0,2% zurückgegangen war. Damit hat auch die Europäische Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag in Luxemburg offiziell bestätigt, dass in zwei aufeinander folgenden Quartalen das BIP zurückging, weshalb man nun auch hochoffiziell von einer Rezession sprechen kann.
In Deutschland ist das bereits schwache Wachstum aus dem Vorquartal weiter in die Knie gegangen, was absehbar war. Es gab keine Anzeichen dafür, dass sich die Lage im Juli, August oder September verbessern könnte, eher war das Gegenteil der Fall. Nur von Januar bis März hatte das relativ starke Wachstum Deutschlands gerade noch für eine Stagnation im Euroraum gesorgt. Da die Wirtschaft in Frankreich unter dem Sozialisten Hollande nach der Stagnation im Vorquartal leicht um 0,2% gewachsen ist, sah es insgesamt sogar für die Eurozone nun etwas besser aus als im zweiten Quartal.
Aber es muss mit einer weiteren Verschlimmerung gerechnet werden, weil nun auch Frankreich auf den Sparkurs getrieben wird. Zudem waren es anziehende Exporte und Konsumausgaben, die zwischen Juli und September für das schwache Wachstum in Deutschland sorgten. Doch die Exporte sind im September so stark eingebrochen, wie seit November 2009 nicht mehr. Es wurden 2,5% weniger Waren ausgeführt und im Vergleich zum Vorjahresmonat sanken sie sogar um 3,4%, teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) vergangene Woche mit. Zudem investierten deutsche Unternehmen immer weniger.
Der Austeritätskurs, den Merkel in der EU vorantreibt, ist kommt damit wie erwartet als Bumerang in Deutschland an. Wo der Kurs so richtig unter dem Diktat der Troika umgesetzt wird, stürzen die Länder ab. Die Wirtschaft Griechenland ist im Jahresvergleich sogar um 7,2% geschrumpft, Portugal macht sich erwartungsgemäß angesichts des rigiden Sparkurses mit 3,4% auch auf den Weg in die Depression. Es nützt halt nichts, die Lage schönbeten zu wollen, wie es die Bundeskanzlerin beim Besuch in Lissabon gerade versucht hat.
Interessant wären Daten aus Irland, die noch fehlen. Aber Spanien macht sich, nachdem auch dort die Konservativen wie in Griechenland und Portugal die Macht übernommen haben, ebenfalls auf einen Weg in die Rezessionsspirale. Auch dort hilft es nichts, auf das Prinzip Hoffnung zu setzen, wenn man gleichzeitig die Axt überall ansetzt. Das BIP soll in Spanien zwar nach der Schätzung im Vergleich zum Vormonat nur um 0,3% geschrumpft sein, doch im Jahresvergleich sind es schon 1,6%. Es sollte niemanden wundern, wenn die realen Daten noch schlechter sind, denn in Madrid nimmt man es nicht so genau, wie die Korrektur der Korrektur der Defizitkorrektur gezeigt hat. Auch in Italien schaffen es die Konservativen nicht, selbst nur für ein kleines Wachstum zu sorgen. Gegenüber dem Vorquartal betrug das Minus 0,2%, aber im Jahresvergleich schon 2,4%.
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