"Verletzung religiöser Gefühle"
Indien: Facebook-Kommentar entrüstet einen Mob der Armee Shivajis
In Indien wurden zwei Frauen festgenommen, weil sie sich eine auf Facebook in einer Art über die Trauerfeierlichkeiten des hinduistischen Politikers Bal Thackeray geäußert hatte, die dessen Anhängern nicht gefiel, und die andere dies mit "Gefällt mir" kommentierte. Als offizieller Grund für die Festnahme und den eintägigen Aufenthalt in der Zelle wird die "Verletzung religiöser Gefühle" genannt. Mittlerweile sind die beiden Frauen - die ihre Meinungsäußerung in öffentlichen Erklärungen bereuen - wieder auf freien Fuß, gegen Kaution.
Darüberhinaus verhaftete die Polizei neun Personen, die sich an dem Mob beteiligten, der die Klinik des Onkels einer der Frauen stürmte, teilweise verwüstete und das Personal angriff. Der Klinikleiter erklärte, dass er keine Anzeige stellen werde.
In Mumbai waren am Sonntag wegen der Trauerfeierlichkeiten zum Tod von Bal Thackeray, dem Führer der hinudistischen Partei Shivsena ("Armee Shivajis"), die Straßen gesperrt worden. Die 21-Jährige kommentierte dies auf Facebook damit, dass die Welt sich weiter drehe. Man müsse nicht überschnappen, weil ein Politiker eines natürlichen Todes sterbe. Wann habe man den solchen Respekt für andere Politiker gezeigt?, fragte sie in ihrem Posting und nannte als Gegenbeispiele legendäre Kämpfer für die Unabhängigkeit Indiens, den Sikh Bhagat Singh, den Muslim Abul Kalam Azad und den Hindu Sukhdev Thapar (Sukhur wie Bhagat Sing wurden zum Tode verurteilt).
Wann habe man zu Ehren dieser Männer, denen Indiens Freiheit zu verdanken sei, eine Schweigeminute eingelegt? Resepekt solle verdient werden und nicht erzwungen, war zu lesen und dazu die Meinung, dass Mumbai nur aus Furcht die Straßen gesperrt habe und nicht aus echtem Respekt.
Daraufhin wurde sie von einem Anhänger der fundamentalistisch ausgerichteten Shivsena-Partei angezeigt; sie wurde gemeinsam mit ihrer Freundin verhaftet - laut Anwalt wegen Verstoßes gegen einen Paragrafen, der sich mit Aufruf zum Hass befasst ("statements creating or promoting enmity, hatred or ill-will between classes"). Die Anklage wurde dann abgemildert. Miitlerweile soll die Facebook-Seite gehackt worden sein. Die Frau selbst will nach diesen Erfahrungen erstmal nichts mehr auf sozialen Netzwerken äußern.
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.




