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14.12.2012Politik-News
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Der unglaublich schnelle Wandel der Lebenserwartung

Die globale Lebenserwartung ist in den vergangenen vierzig Jahren weltweit gestiegen, in manchen Ländern hat sie sich sogar mehr als verdoppelt. Doch nehmen damit auch die Alterskrankheiten zu

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Fünf Jahre lang haben 500 Forscher für das Institute of Health Metrics and Evaluation (IHME) in Seattle an dem Projekt gearbeitet: Daten aus 187 Ländern zu sammeln, um für den Zeitraum von 1970 bis 2010 die alters-und geschlechtspezifische Lebenserwartung zu analysieren. Als Ziel war gesetzt, möglichst viele Daten über die "weltweite Bürde der Krankheiten", The Global Burden of Disease (GBD) herauszufinden.

Die beeindruckende Datenmenge, die sich beim Fachjournal The Lancet in sieben Artikeln und acht Kommentar-Artikeln zur Auswertung niederschlägt, wird von manchen freudig begrüßt: Die Forschung würde den "unglaublich schnellen Wandel der Lebenserwartung und der weltweiten Todesursachen" offenbaren, heißt es im Guardian. Abgesehen von den Vergleichen, die man nun zwischen unterschiedlichen Ländern, wie z.B. Andorra (Lebenserwartung 85 Jahre für Frauen und 79 für Männer) und die Zentralafrikanische Republik (49 und 44) ziehen kann, zeichnen sich interessante globale Entwicklungen ab.

Die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren nahm von 1970 bis 2010 um beinahe 60 Prozent ab. Demgegenüber steht, dass die Malaria im letzten Jahr für 1,2 Millionen Tote gesorgt hat, eine Zahl, die man zuvor auf die Hälfte geschätzt hatte, weil man, wie sich nun deutlich herausstellte, irrtümlich davon ausging, dass Erwachsene weitgehend von der tödlichen Folge der Krankheit verschont bleiben und sie vor allem Kinder töte.

In erstaunlichem Maß verändert hat sich die Lebenserwartung in Südamerika, lag sie in Brasilien und Paragay 1970 noch bei unter 30 Jahren, so liegt sie jetzt bei fast 64 Jahren. Weltweit ist sie in den vier Jahrzehnten um 11 Jahre bei Männern und 12,4 Jahre bei Frauen gestiegen, so die Studie.

Längere Lebenserwartung heißt nicht unbedingt mehr "gute" Jahre

Doch wird die gute Nachricht mit einem Fingerzeig darauf begleitet, dass längeres Leben nicht immer auch gesunde und gute Jahre mehr bedeutet. IHME-Chef Christopher Murray nennt das Phänomen der Gebrechen und Alterskrankheiten als eine der großen Erkenntnisse der Studie; man sei überrascht gewesen über das "schiere Ausmaß". In Zahlen liest sich das so: Im Zeitraum von 1990 bis 2010 hat sich die Lebenserwartung der Männer global um 4,7 Jahre verlängert.

Statistisch sind davon aber nur 3,9 Jahre gute, gesunde Jahre. Für die Frauen errechnete man 4 solcher Jahre mehr in guter Gesundheit, insgesamt habe sich deren Lebenserwartung in den letzten beiden Jahrzehnten durchschnittlich um 5,1 Jahre verlängert. Als hautsächliche Gebrechen und Krankheiten werden genannt: Psychische Erkrankungen, wie etwa Depressionen bis hin zur übersteigerten Ängstlichkeit, muskoloskeletale Schmerzen, Arthritis, Rückenschmerzen, die in jedem Land beklagt wurden, und der Verlust des Seh-und Hörvermögens. Dazu komme in vielen Fällen Medikamentenmissbrauch.

Die größten Risiken frühzeitig zu sterben, sind laut Studie, einer hoher Blutdruck, Rauchen und Alkohol. Die meisten Todesfälle ereigneten sich durch Herzinfarkt und Schlaganfälle. Die vielen Kommentare, die unter dem Guardian-Bericht zur Studie zu lesen sind, zeigen sich den Ergebnissen gegenüber weniger aufgeregt als die Forscher und Journalisten ("Really?! that's an amazing and earth-shatering discovery!"). Dass man an Herzinfarkt sterben könne sei ebenso bekannt, wie die Risiken durch hohen Blutdruck und Genussgifte; in Anbetracht der Erkenntnis der Studie, wonach man, je älter man werde, auch desto mehr mit Alterserscheinungen konfrontiert werde, wird der Spruch des britischen Schriftstellers Kingsley Amis im Forum zitiert:

"No pleasure is worth giving up for the sake of two more years in a geriatric home at Weston-super-Mare."

http://www.heise.de/tp/blogs/8/153370
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