Die "Fertilitätssituation" in Deutschland ist nicht gut
Deutschland gehört zu den "Niedrig-Fertilitäts-Ländern", Grund ist auch die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen
Die Deutschen haben immer mehr Scheu davor, Kinder zu kriegen. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung will in einer Veröffentlichung klären, warum das so ist. Die Beziehungen haben sich verändert, Kinderlosigkeit ist fast schon zur Norm geworden. Die "Fertilitätssituation" ist nicht gut.
Deutschland gehört mit 1,39 Kindern pro Frau "Niedrig-Fertilitäts-Ländern", so die Studie. Und es steht schlimm:
"Da diese Situation jetzt schon über 30 Jahre besteht, wachsen die jüngeren Generationen in einem sozialen Kontext auf, der von Kinderlosigkeit und kleinen Familien geprägt ist. Weitere Merkmale der deutschen Fertilitätssituation sind die späte Geburt der Kinder, hohe Nichtehelichenquoten im Osten und niedrige im Westen sowie die beginnende Entkopplung von Ehe und Geburt bei einer niedrigen Heiratshäufigkeit."
Die Deutschen wollen nicht mehr heiraten und keine Kinder mehr, und wenn, dann kriegen die Frauen die Kinder immer später und auch immer eher unehelich. Untergangsfantasien scheinen angesagt zu sein, oder auch Ängste, dass Zuwanderer die Deutschen schlicht mit mehr Geburten zur Minderheit machen, als ob es die Deutschen schon immer gegeben hat. Alle Länder verändern sich, wenn das Bevölkerungswachstum endlich mal zurückgeht, könnte man sich such freuen, schließlich verträgt die Erde nicht immer mehr menschliche Parasiten.
Dumm scheint nur zu sein, dass Frauen, je höher sie gebildet sind, desto weniger Kinder zur Welt zu bringen. Die deutschen Bevölkerungserhaltungs- oder Wachstumspropagateure müssten also dafür plädieren, dass den Frauen der Zugang zur Bildung möglichst verwehrt wird. So gibt es auch eine "niedrige Fertilität in Universitätsstädten", ausgerechnet besonders niedrig in den bayerischen Städten Würzburg und Passau, was wiederum zeigt, dass mit der Herdprämie vor allem die Landbevölkerung gelockt werden soll.
Aber was auch immer gemacht werden sollte, um die Fertilität, also die auf Fortpflanzung gerichtete sexuelle Aktivität, zu erhöhen, so wird das viele nicht erreichen:
"Nicht einmal die Hälfte (45 %) der kinderlosen Deutschen zwischen 18 und 50 Jahren glaubt, dass sich ihre Lebensfreude und ihre Zufriedenheit verbessern würden, wenn sie ungeachtet aller Umstände in den nächsten drei Jahren ein Kind bekommen würden."
Dazu kommt in Deutschland eine Mentalität, die Berufstätigkeit einer Frau mit ihrer Mutterrolle nicht vereinbaren lässt, also ein moralischer Druck:
"Die Verbindung von Kind und Karriere ist in Deutschland, vor allem in Westdeutschland, also nicht nur praktisch, sondern auch normativ schwierig, da eine Erwerbstätigkeit der Mutter mit einer Verminderung des Kindeswohls bei Kleinkindern gleichgesetzt wird und gleichzeitig Vätern nicht die gleiche Fähigkeit zur Kindererziehung zugetraut wird wie Müttern."
Wie Kinderlosigkeit zu begegnen ist, könnte man in Ostdeutschland lernen. Davon will aber die CSU nicht wissen, die nun auch CDU und FDP mit dem Kindergeld auf ihre Seite gebracht hat und dafür sorgt, dass die Fertilität weiter sinken wird:
"In den ostdeutschen Bundesländern gehen günstigere Vereinbarkeitsbedingungen mit vereinbarkeitsorientierten Einstellungen einher und führen zu einer höheren Kinderbetreuungsquote bei den unter Dreijährigen und einer höheren Müttererwerbstätigkeit. Auf den Frauen lastet damit weniger der Entscheidungszwang zwischen der Mutterrolle als Hausfrau und der außerhäuslichen Erwerbstätigkeit. Da Elternschaft und Erwerbstätigkeit sowohl durch die strukturellen Bedingungen als auch durch die Einstellungen begünstigt werden, ist in Ostdeutschland Kinderlosigkeit seltener anzutreffen."
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