28 Jahre älter und deutlich flexibler
Die meisten Deutschen und die meisten FDP-Wähler halten Rainer Brüderle für einen potenziell besseren Parteivorsitzenden als Philipp Rösler
Ältere können in ihrem Denken durchaus flexibler und anpassungsfähiger sein als Jüngere. Ein gutes Beispiel dafür ist die CSU (die der 63-jährige Horst Seehofer wieder in die absolute Umfragemehrheit führte) aber auch die FDP: Dort gibt sich der 39-jährige Parteichef Philipp Rösler deutlich ideologischer als der 67-jährige Rainer Brüderle. Ende Dezember machte Rösler mit Rezepten auf sich aufmerksam, die auf viele Deutsche nicht wie nachhaltige Lösungswege aus der Schuldenkrise, sondern wie aus der Zeit gerissene Relikte aus den 1990er Jahren wirken: Danach soll die Regierung in öffentlicher Hand verbliebene Einrichtungen privatisieren und Staatsbeteiligungen verkaufen.
Damit kommt der aktuelle Bundeswirtschaftsminister (dessen Stern sinkt, seit er den Bürgern eine Kopfpauschale im Gesundheitswesen als "gerecht" verkaufen wollte) bei der Bevölkerung weitaus weniger gut an als sein Kabinettsvorgänger und möglicher Parteiamtsnachfolger: Einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge hält eine relative Mehrheit von 38 Prozent der Wahlberechtigten in Deutschland Brüderle für einen potenziell besseren FDP-Parteichef als Philipp Rösler. 34 Prozent haben zu dieser Frage keine Meinung und weitere 28 Prozent meinen, ein Wechsel zum Pfälzer würde den Liberalen nichts nützen. Unter den FDP-Wählern sind sogar 76 Prozent der Meinung dass der Diplom-Volkswirt, der die von Rot-Grün beschlossene Arbeitnehmerüberwachungsdatenbank ELENA mit zu Fall brachte, der bessere Vorsitzende wäre als der niedersächsische Augenarzt, der Forsa nach nur mehr acht Prozent der Parteianhängerschaft hinter sich hat.
Nachdem Christian Lindner am 30. Dezember verkündete, er wolle vorerst in Nordrhein-Westfalen bleiben, gilt Brüderle Beobachtern nicht nur wegen der Forsa-Umfrage derzeit als wahrscheinlichster Rösler-Nachfolger. Auch, wenn sich der erfahrene Politiker derzeit in Zurückhaltung übt. Die könnte er aufgeben, wenn die Liberalen am 20. Januar aus dem niedersächsischen Landtag fliegen: In der letzten Umfrage liegen sie in Röslers Stammland mit nur dreieinhalb Prozent unter ihrem Bundeswert und hinter Linken und Piraten, die mit vier und viereinhalb Prozent ebenfalls an der Sperrklausel scheitern würden. Entwicklungsminister Dirk Niebel brachte angesichts der Unbeliebtheit Röslers in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus die Möglichkeit ins Spiel, dass die Liberalen zwar formell nichts am Vorsitz ändern, aber im Wahlkampf eine andere Person als Spitzenkandidaten in den Vordergrund stellen. In informellen Gesprächen dazu wird auch der Name des 60-jährigen Wolfgang Kubicki genannt.
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