Portugal wirbt für ein "Leben in Portugal"
Senioren aus der EU aber auch Russen und Afrikaner werden umworben, denen zudem eine Aufenthaltsgenehmigung winkt
Portugal will leerstehende Ferienhäuser in Europa verkaufen. Deshalb hat die portugiesische Regierung eine internationale Kampagne gestartet, um Immobilen zu verkaufen und Tourismusgebiete zu bevölkern. Die Kampagne steht unter dem Titel "Living in Portugal". Sie richtet sich vor allem an die Bürger der Länder, die schon jetzt gerne im Land Urlaub machen. Das Fremdenverkehrsamt hat nun die Webseite "Living in Portugal" ins Internet gestellt.
Eine Pressemitteilung verrät zudem, dass die zweijährige Kampagne in den "nächsten Wochen" mit einer "Road Show" in London starten wird, denn bei Briten ist das Land am westlichen Rand Europas besonders beliebt. Die Kampagne soll knapp eine Million Euro kosten und sie wird unter "Höhepunkte" auch schon auf der deutschen Webseite angeführt. Noch wird man beim Anklicken aber auf die englische Seite weitergeleitet. Doch schon bald sollen die Informationen auch in Portugiesisch, Deutsch, Französisch, Russisch und Arabisch abrufbar sein.
|
|
|
| Aus der Kampagne der Regierung |
Verkauft werden sollen nach Angaben des Wirtschaftsministeriums zunächst 6.000 bis 10.000 leerstehende Ferienhäuser. Im Blick hat man in Lissabon dabei vor allem gut situierte Senioren. Geworben wird mit einer "einzigartigen Natur, hochwertiger Infrastruktur, Dienstleistungen auf internationalem Niveau und Sicherheit". Mit der bekannten Gastfreundschaft sei ein Haus in Portugal ideal für Investitionen aus Deutschland, Frankreich, Russland, Schweden und Holland, wo die Road Show fortgesetzt werden soll.
Der portugiesische Wirtschaftsminister Alvaro Santos Pereira hatte kürzlich schon im Parlament angekündigt, dass die Hausverkäufe an Ausländer in Tourismusgebieten eine Priorität ist. "Ausländischen Pensionären" werden auch "günstige Steuern" geboten, die unter den "günstigsten in Europa" lägen. Das Land habe sein Potential längst nicht ausgeschöpft, glaubt der Minister. "Wir können und müssen den Hauskauf in antreiben und das gilt für Zweitwohnsitze für längere Aufenthalte oder sogar für den unbefristeten Aufenthalt", sagte Santos Pereira. Ausländer, die aus Ländern kommen, die nicht zur EU gehören, winkt zudem eine zehnjährige Aufenthaltsgenehmigung, wenn der Kaufpreis der Immobilie mindestens 500.000 Euro beträgt.
Wer sogar eine Luxusvilla an der Algarve für mehr als eine Million Euro kauft, kann eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung bekommen, die sogar für ganz Europa gilt, wurde schon im Oktober verabschiedet. Bleibt die Investition länger als fünf Jahre im Land, winkt sogar ein portugiesischer Pass. Dabei richtet man den Blick nicht allein auf Russen, sondern auch auf Investitionen aus den ehemaligen Kolonien wie Brasilien, Angola, Mosambik und aus der Türkei, wohin verstärkt Portugiesen auswandern.
Die Regierung will keine Maßnahmen auslassen, die Portugal helfen könnte, seine gravierende wirtschaftliche Situation zu verbessern. Die Arbeitslosigkeit steigt wie die Verschuldung auf immer neue Rekordwerte. Sie ist die dritthöchste in der EU. Mehr als 16 Prozent der aktiven Bevölkerung haben keinen Job, fast 40 Prozent aller jungen Menschen. Die Rezession wurde durch immer neue Sparrunden verschärft. Weil die Einkommenssteuer am 1. Februar um 30 Prozent steigt und die Exporte nicht wie bisher wachsen, geht die portugiesische Zentralbank (BdP) davon aus, dass die Wirtschaft 2013 erneut um 1,9 Prozent schrumpfen wird. Noch im November prognostizierte die BdP 1,6 Prozent.
Um den Absturz zu bremsen, setzen die Konservativen unter Pedro Passos Coelho auf die nationale Karte. "Portugal bin ich" ist das Motto einer neuen Kampagne, um elf Millionen Landsleute zum Kauf heimischer Produkte zu bewegen. Werden vermehrt portugiesische Schuhe, Textilwaren, Stockfisch, Olivenöl oder Käse gekauft, könnten Arbeitsplätze geschaffen und die Abwärtsspirale durchbrochen werden, glaubt die Regierung.
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.




