Deutsche Gefangene der ELN sollen offenbar militärisch befreit werden
Anwohner beobachten von Operationen von Armee und Paramilitärs. Deutscher Auswanderer berichtet von Kontakt zu einem der Deutschen
In Kolumbien mehren sich die Hinweise auf eine geplante militärische Befreiungsaktion einer Gruppe von Ausländern, die seit dem 18. Januar in der Hand der linksgerichteten Guerillaorganisation Nationale Befreiungsarmee (ELN) sind. Unter den Entführten befinden sich auch zwei Deutsche. Das Auswärtige Amt in Berlin hat inzwischen einen Krisenstab gebildet.
Die kolumbianische Nachrichtenseite redcolombia.org berichtete über Truppenbewegungen in der Region: "Am 26.01.2013 haben wir von Bewohnern aus Guamocó im Verwaltungsbezirk Bolívar die Informationen erhalten, dass sich Truppen des Militärs - ohne Kennzeichnung der Einheit -- sowie regionalen Paramilitärs (...) in Richtung des Dorfes Marisosa bewegen. Dies geschehe vermutlich im Rahmen der Militäroperationen zur Befreiung der sechs Gefangenen der ELN. Anwohner hätten Gespräche der militärischen und paramilitärischen Truppen mitgehört, nach denen diese Einheiten den Ort der Entführten identifizieren sollen.
Im Forum der Nachrichtenseite tagesschau.de meldete sich indes ein User zu Wort, der angibt, mit den beiden Entführten vor ihrer Reise nach Kolumbien gesprochen und ihnen von der Route abgeraten zu haben. "Es gibt Gebiete hier in Ecuador (Grenzgebiet Kolumbien), in denen man nicht unbedingt reisen sollte, vor denen auch gewarnt wird", schreibt der User, bei dem es sich nach eigenen Angaben um einen deutschen Auswanderer in Ecuador handelt. Er habe sich Anfang August 2011 mit einem der beiden Entführten über die Reiseabsichten und -pläne unterhalten. Beide seien nur als normale Touristen mit dem Ziel nach Kolumbien gereist, "Land und Leute abseits des Tourismus kennen zu lernen und zu erleben". Er habe einem der Entführten von den Gefahren berichtet, heißt es in dem Forum weiter: "Beide waren sich über die Gefahren bewusst, die sie erwarteten."
Die Darstellung deckt sich mit den Angaben des Auswärtigen Amtes. "Wir müssen davon ausgehen, dass zwei deutsche Staatsangehörige in Kolumbien gegen ihren Willen festgehalten werden", sagte eine Sprecherin gegenüber Telepolis: "Das Auswärtige Amt und der Krisenstab sind um Aufklärung des Falls bemüht und stehen mit allen relevanten Stellen in Verbindung." Bei den beiden deutschen Staatsangehörigen handele es sich um Rentner, die als Touristen in der Region unterwegs waren.
Die ELN ist die zweitgrößte Guerillaorganisation in dem südamerikanischen Land nach den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC). Die guevaristische Gruppierung verfügt über schätzungsweise 3.000 Kämpfer. Die Entführung der vier übrigen Ausländer wurde mit deren Tätigkeit für Bergbauunternehmen begründet. Großangelegte Bergbauprojekte transnationaler Unternehmen führen in Kolumbien immer wieder zu schweren sozialen Konflikten.
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