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19. September 2009 13:06
die drogenähnliche Wirkung
blu_frisbee
(mehr als 1000 Beiträge seit 12.09.02)
Gotan schrieb am 19. September 2009 02:05
> Wie TP schon schreibt ist die Frage ob sich ein laufender Fernseher
> positiv auf die Kommunikation auswirkt eh schon mit einem klaren,
> allseits bekannten und bestätigten "Nein" beantwortet.
>
> Die Fragen sollten also lauten: Warum tun wir uns das an? Ist es
> wirklich nötig zu jeder Gelegenheit die Flimmerkiste laufen zu
> lassen?
Richtige Frage.
Einmal eingeschaltet entfaltet ein TV eine Sogwirkung auf die
Aufmerksamkeit, insbesondere ist es schwierig, den TV wieder
auszuschalten, weil man immer wissen will wies weitergeht. Im Kino
ist der Film irgendwann zu Ende, im TV nie. Es hängt mit den
evolutionär entwickelten Aufmerksamkeitsstrukturen im Hirn zusammen.
Die Wirkung dieses Phänomens ist mit Drogenabhängigkeit durchaus
vergleichbar. Und wie bei jeder Droge wird erstmal das Denken über
die Droge verändert, hin zur Schwächung der Impulskontrolle und zur
Bereitwilligkeit, das Ding einzuschalten bzw. schwer wieder
ausschalten zu können.
Da diese Schwächung der Impulskontrolle ihren Haken an einer
(evolutionär) vorhandenen Öse befestigt nutzen auch sämtliche
moralische Appelle zum "bewußten" TV-Konsum sehr wenig, zumal die
hauptsächlich von Bildungsbürgerlichen an ihresgleichen gerichtet
werden.
Die Frage reduziert sich darauf, warum man das Teil überhaupt
einschaltet bzw. in seiner Wohnung hat. Was gibt Menschen das Gefühl,
ihr Leben wäre unvollkommen ohne TV?
Eine soziale Bindungswirkung, daß man sich über das vergangene
Programm noch unterhalten könne dürfte spätestens seit der Einführung
des Privatfernsehens kaum noch vorhanden sein, die Nachrichten kriegt
man doch ohnehin so nebenbei mit (und, btw, nach der Tagesschau sind
schon wieder 90% vergessen, weil das Bild die Inhalte überwuchert)
und für Filme kann man besser selbstbestimmt Videos gucken statt Zeit
mit der Durchsicht von TV-Programmen zu verschwenden.
Die Inhalte könnens nicht sein.
Es ist die drogenähnliche Wirkung selbst.
Siehe TV-Wirkungsforschung.
Und damit ergibt sich auch, daß die TV-Wirkung der Ablenkung von
richtigen Leben dient, was Politik & Wirtschaft ja durchaus gelegen
kommt.
> http://www.hotlyrics.net/lyrics/B/Bruce_Springsteen/57_Channels_(And_Nothin%92_On).html

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