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Medien im Krieg

Krise zwischen Leitmedien und ihren Rezipienten

Verlag Heinz Heise
ca. 400 Seiten, 4,99 Euro
ISBN 978-3-95788-025-3
Dezember 2014

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Die Berichterstattung zur Krise in der Ukraine und die Berichterstattung zu Russland haben zu einem offenen Schlagabtausch zwischen den etablierten Medien und einem nicht unerheblichen Teil ihrer Rezipienten geführt.

In den Foren der großen Online-Medien hagelt es Tag für Tag Kritik an den gebotenen Deutungsnarrativen der Leitartikler und Meinungsmacher. Nachrichten sollen manipuliert worden sein, von Zensur ist die Rede, ja, ein Teil der Mediennutzer ist davon überzeugt, dass die "vierte Gewalt" bewusst einseitig berichtet. Diese Medienskepsis, wie sie sich vor allem im Internet äußert, kennzeichnet sich durch eine Mischung an berechtigten Vorwürfen, durchdachten Analysen, meinungsstarken Äußerungen, aber auch durch pauschale Verurteilungen von Journalisten und Medien.

Vertreter der traditionellen Medien brandmarken die Kritiker als "Putinversteher" und stempeln sie allzu oft allgemein als Verschwörungstheoretiker ab. In aller Deutlichkeit geben meinungsführende Journalisten zu verstehen, dass sie das Monopol auf die legitime Deutung der gesellschaftlichen und politischen Wirklichkeit innehaben, wie es der französische Soziologe Pierre Bourdieu einmal sinngemäß in seinen Analysen des journalistischen Felds ausgedrückt hat. Der Konflikt zwischen den traditionellen Medien und ihren Rezipienten, das ist festzustellen, ist vor allem ein Kampf um die Deutungshoheit.

Dass die "Mainstreammedien", wie die großen Medien von ihren Kritikern oft bezeichnet werden, diesen Konflikt mit heraufbeschworen haben, lässt sich gut an den Beiträgen, die in diesem Buch zusammengestellt sind, ablesen. In den Interviews, Artikeln und Analysen von Telepolis-Autoren wird deutlich, dass es Problemzonen aufseiten der Medien gibt, die schon lange ersichtlich sind. Die Beiträge sind Splitter einer expliziten oder impliziten Medienkritik. Telepolis hat sich zur Veröffentlichung dieses Buches entschlossen, weil die Redaktion davon überzeugt ist, dass die zusammengestellten Beiträge in ihrer Gesamtheit ein eigenes Bild abliefern, das aufzeigt, was die Gründe für die massive Kritik an den Medien sind. Das Schließen von Leserforen, so wie es gerade die Süddeutsche Zeitung getan hat, ist ein Weg in die falsche Richtung.

Marcus Klöckner

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Inhaltverzeichnis:

Reinhard Jellen
"Worunter wir gerade in den Chefetagen am meisten leiden, ist Charaktermangel"
Interview mit Tom Schimmeck über Macht und Ohnmacht der Medien

Marcus Klöckner
"Einen 'Schweigepakt' kann ich mir nur schwer vorstellen"
Fragen zu den Bilderberg-Konferenzen

Marcus Klöckner
"Notwendig wäre aus meiner Sicht hier ein sauberer investigativer Journalismus"
Fragen zu den Bilderberg-Konferenzen II

Marcus Klöckner
Journalismusforschung: "Ganz auf Linie mit den Eliten"
Eine neue Studie analysiert die Berichterstattung von deutschen Spitzenjournalisten

Sascha Pommrenke
Ausgezeichneter Journalismus
Der Fall Mollath und die Krise des Pressewesens

Marcus Klöckner und Paul Schreyer
Chaos bei Zeit Online: Mal gilt der Ethik-Kodex, mal gilt er nicht
Redaktion trennt sich von Autor, der für Russland Heute geschrieben hat - und misst mit zweierlei Maß

Malte Daniljuk
Die wahrhaften Putin-Versteher
In den deutschsprachigen Medien entwickelte sich die Krim-Krise zur One-Man-Show eines bösen, bösen Präsidenten

Paul Schreyer
Auf Kriegsfuß mit den Lesern
Die Leitmedien verlieren in der Russland-Berichterstattung den Kontakt zur Bevölkerung - und wundern sich nun darüber. Was steckt hinter dem seltsamen Bruch mit dem eigenen Publikum?

Malte Daniljuk
Meinungskluft um die Ukraine
Der Umgang mit der Krise um die Ukraine entwickelt sich zur Götterdämmerung des deutschen Auslands-Journalismus. Die nicht abreißende Kritik von großen Teilen des Publikums fordert von Journalisten neue Bewältigungsstrategien

Marcus Klöckner
Blutbad am Maidan: Wer waren die Todesschützen?
Monitor-Reporter Stephan Stuchlik über seine Recherchen, wer am 20. Februar auf Demonstranten und Polizisten geschossen hat und warum die ukrainische Regierung und die Medien nicht an Aufklärung interessiert sind

Paul Schreyer
Auf Kriegsfuß mit den Lesern
Die Leitmedien verlieren in der Russland-Berichterstattung den Kontakt zur Bevölkerung - und wundern sich nun darüber. Was steckt hinter dem seltsamen Bruch mit dem eigenen Publikum?

Paul Schreyer
Neue Feindsender?
Zeit Online misst bei seinem Ethik-Kodex offenbar weiterhin mit zweierlei Maß. Und auch andere Medien haben derzeit Probleme mit der Transparenz. Was ist los mit der Presse?

Paul Schreyer
In einer anderen Welt
Die Tagesschau als Spiegel einer kollektiven Bewusstseinsverwirrung

Stefan Korinth
Die nützliche Erfindung der "Pro-Russen"
Seit Beginn des Ukraine-Konflikts zeigen die deutschen Medien mit dem Finger auf Moskau. Innerukrainische Erklärungen für den Konflikt spielen hingegen kaum eine Rolle. Als nützlichste Medien-Erfindung erweisen sich dabei die "Pro-Russen"

Marcus Klöckner
Leitartikler und Machteliten
Herausgeber der ZEIT beschwert sich beim ZDF - Satire-Sendung "Die Anstalt" erhält Unterlassungserklärungen

Paul Schreyer
"Mit dem gebotenen Hohn"
Zeit-Herausgeber Josef Joffe äußert sich zum Vorwurf der zu engen Vernetzung mit den Eliten, Medienwissenschaftler Uwe Krüger antwortet auf die Kritik Joffes

Malte Daniljuk
Nachrichten von der Front
Der Krieg macht die Berichterstattung aus Israel und Palästina schwieriger, aber die Heimatredaktionen fordern vor allem eins: Aktualität, möglichst blutig

Florian Rötzer
"Endlich einmal etwas Handfestes gegen die Schuldigen unternehmen"
Deutsche Medien fordern entschlossenes Vorgehen gegen den Feind Russland und konstruieren (wie in der FAZ) Verschwörungstheorien

Uwe Krüger
Journalisten als politische Lobbyisten?
Journalismusforscher Uwe Krüger zum Rechtsstreit zwischen der Zeit-Redaktion und der ZDF-Satiresendung "Die Anstalt"

Stefan Korinth
Maidan: Der verklärte Aufstand
Die Euromaidan-Bewegung gilt als zivilgesellschaftlicher, friedlicher Aufstand für eine Annäherung an die EU. Doch dies ist zum großen Teil Legende

Stefan Korinth
Kriegspropaganda: Eine Kiewer Ente im deutschen Blätterwald
Hiesige Leitmedien bringen eine offensichtliche Falschmeldung von Petro Poroschenko über einen zerstörten russischen Panzerkonvoi

Marcus Klöckner
"Die Berichterstattung unterscheidet sich kaum von den Statements der Politik"
Friedensforscher Lutz Schrader über den Journalismus in Zeiten geopolitischer Konflikte

Stefan Korinth
Déjà-Vu nach 13 Jahren
Ein Kommentar zu den Parallelen im öffentlichen Umgang mit 9/11 und dem Ukraine-Konflikt

Malte Daniljuk
Ukraine-Konflikt: ARD-Programmbeirat bestätigt Publikumskritik
"Fragmentarisch", "tendenziös", "mangelhaft" und "einseitig": Der Programmbeirat teilt über weite Strecken die Publikumskritik an der Berichterstattung

Manuel Schumann
"Rudeljournalismus" schadet unserer Demokratie
Ruprecht Polenz über die Macht der Medien, Politiker in sozialen Netzwerken und die Strategie der selektiven Mobilisierung

Marcus Klöckner
"Journalisten scheinen sich förmlich im Schützengraben einzubuddeln"
Interview mit den Kabarettisten Max Uthoff und Claus von Wagner

Malte Daniljuk
Kriegsberichte vs. kriegerische Berichte
ARD-Leak provoziert harte medienpolitische Kontroverse. Redakteure greifen Mitglieder des ARD-Rundfunkbeirats scharf an. Albrecht Müller fordert stärkere Rolle für das Publikum

Florian Rötzer
ARD verheddert sich in den Untiefen der Ukraine-Berichterstattung
Gerade erst hatte man einen Fehler in den Tagesthemen korrigiert, taucht auch schon der nächste auf - und wurden die Tagesthemen vom 20. Mai schnell in der Mediathek unzugänglich gemacht

Paul Schreyer
Zwischen Lesern und Lobbynetzwerken
Wie die Süddeutsche Zeitung um Deutungshoheit kämpft

Paul Schreyer
Leserkommentare abschalten?
Immer mehr führende Journalisten äußern sich zur Vertrauenskrise der Medien in Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt. Einige schlagen nun sogar vor, Leserkommentare ganz abzuschaffen

Florian Rötzer
Die ARD will wie die Süddeutsche zur "gelenkten Öffentlichkeit" übergehen
Den Medien werden Leserkommentare lästig, sie wollen aus Angst vor der Öffentlichkeit wieder zurück ins Vor-Internetzeitalter

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