Harald Taglinger08.09.2005
7. Folge: Grab macht einen auf alleine
Update 1.2.2: So richtig gemütlich, im Berginneren des früheren schweizer Verteidigungsrings trifft man sich, um den Fortgang von "Stahlgwitter", dem wunderbaren Projekt einer Marketingplattform für die GOLD AG zu besprechen. Ein Offsite also, den Jack Low Sky und Hans Grab organisiert haben. Sie wollen absahnen. Aber man sollte nie invers gestreckte Berater vergessen, die in Italien aufwuchsen.
Man hatte es sich im Meetingraum
des unterirdischen Berghotels gemütlich gemacht, das früher
einmal die schweizer Offiziere vor Deutschen Horden schützen sollte.
Ein ≠ wie der ehemalige Fremdenverkehrs-Minister von Mallorca in einer
spanischen Tageszeitung fand ≠ nicht uninteressantes Konzept von nachhaltigem
Tourismus. Aber das Team war nicht zum Spass hierhergekommen, dachte Karl
Maria Ungert, den seine Angestellten gerne liebevoll KMU nannten, wenn
er mal wieder bei einem Witz statt zu lachen die rechtliche Situation
der Pointe erklärte.
Der Rest der Offsite-Besatzung
für "Stahlgewittter", war sich da nicht so sicher. Ernst war einfach
froh, sehr nahe an der immer noch leicht schwindelig dreinschielenden
Liana zu sein. Ihr matter Blick gab ihr einen Hauch von Marlene Dietrich.
Vorausgesetzt, die Dietrich hätte wie de Niro angefangen, für
einzelne Filmrollen 50 Kilo zuzunehmen. Und Hans Grab war einfach nur
über zwei Dinge froh: Zum einen würde Liana hier nicht über
ihn herfallen können, er könnte mal wieder eine Nacht durchschlafen,
ohne sich Bisswunden und den Abdruck eines Miederverschlusses an der Wange
zu holen. Und ausserdem hatte Jack Low Sky nun schon seine ganze Star
Wars Ausrüstung gezeigt. Alle Überraschungen schienen damit
geschehen. Jetzt ging es um das Projekt, und am Schluss würde Jack
einen Millionen-Etat einheimsen, und Hans Grab eine Beförderung und
die Etat-Oberherrschaft. Dann würde er dieses ungarische Goulasch
mit Haarknoten kündigen und vielleicht irgendwann die Firma übernehmen.
Ernst konnte ruhig Chef bleiben. Er ergriff also das Wort:
"Audience"
Die Tür ging auf, der Kellner kam herein. Eine Karaffe mit Wasser, Hans unterbrach. Dann war wieder Ruhe.
"Yo, People"
Der Kellner kam herein. Kaffee. Hans spürte eine Wallung. Leicht noch, aber ansteigend. Nun aber.
"Project Members und Memberinnen"
Der Kellner brachte noch ein paar Kekse. Modell "Granit", passend zum Berg. Hans wurde langsam wahnsinnig.
"Gut. Hi. Ich..."
Die Tür ging auf und ohne auch nur seinen Blick zu wenden, brüllte Hans eher untypisch für einen Offsite-Leiter:
"Wenn jetzt noch einer von Euch Bergbohrern hier mit Schnittchen oder irgendso einem Italienerfrass in mein Meeting platzt, dann formatier ich Euch die Registrierkasse so um, dass ihr danach nur noch Tetris drauf spielen könnt. Und zwar rückwäääärts!" Dabei drehte er sich um und erstarrte.
Erst jetzt erkannte er,
dass die meisten Anwesenden im Raum die vermeintliche Servierkraft mit
einem freudigen "Albertoooooo" begrüssten, und ein eher schmächtiger
Zwerg trat aus der Tür verdutzt am IT-Leiter vorbei auf die Umsitzenden
zu und begrüsste alle. Vielleicht hätte Hans doch den kleinen
Ausfall gegenüber südalpiner Speisenware lassen sollen. Jedenfalls
scherte der Berater von KMU, die Geheimwaffe des Unternehmens, kurz vor
ihm aus und gab lieber Jack Low Sky die Hand.
Der entschärfte die Situation auch nicht gerade mit einem "Bohh, dass es so kleine Herrenanzüge gibt, wusste ich auch nicht." Alberto lächelte. Damit war Jack eigentlich schon tot.
Liana erbleichte, eigentlich
hatte sie sich alles sehr strategisch mit Grab zurechtgelegt und mittels
eines Augenaufschlages das OK von Ernst Ungert dazu erhalten. Man würde
Jack reden lassen, er sei schliesslich die Agentur ≠ so der Vorschlag.
Insgeheim hatte man auf die magische Wirkung des Helms von Darth Vader
gehofft, nach diesem verhunzten Auftritt waren alle nicht mehr so sicher.
Und das Erscheinen von Alberto Nannini addierte eine nicht unwesentliche
Komplexität in das ganze.
Jack focht das nicht an.
"Hey, hier das erste Slide. Super, ne."
KMUs rechte Augenbraue zuckte eine wenig nach oben.
"Also, die GOLD AG braucht abgefahrene Applikationen, mit ordentlichem Bumms in der Leiste. Super, ne."
Alberto Nannini lächelte. Gott, der Auftrag war ja geradezu sträflich einfach. Gut verdientes Geld, was sollte er nur mit einer zweiten Jacht vor Capri...
"Und das machen wir alles in Super-Rosa. Mag der Kunde. Mag der Papa. Mag die Mama, fliscth-flatsch-fertig."
Die Tür ging auf, der Kellner kam herein, saure Drops. Es konnte eine Übersprungshandlung gewesen sein, aber Hans Grab schlug ihn einfach nieder. Noch im Krach des fallenden Tabletts räusperte Alberto Nannini sich sanft, lächelte weiter und sprach zu KMU gerichtet.
"Das isse Presentation für Kunden di Normale. Ein Klick auf Agenture und Sectione 'Super'. Ecco."
Und er schichtete liebevoll
einen Haufen Printouts auf dem Sitzungstisch vor der interessiert dreinschauenden
Menge. Tatsächlich, das waren die Slides, aber merkwürdig. Jack
wurde ganz mulmig. Diese Daten waren doch noch nie auf dem Webserver gewesen.
Hatte er aus Versehen seine komplette Festplatte auf den Webserver kopiert?
Wenn ja: Waren da seine "Star Wars - nackich, Jack zeigt sein Lichtschwert
- Fotos auch dabei? Jack erschauderte.
Ernst war eh eingeschlafen, kein Problem, die Erschöpfung vom Flipchart-Tragen. Sicher. Liana, sprachlos, wusste sich auch nicht zu helfen, Hans war immer noch dabei den wild zuckenden Kellner zu würgen. Nur KMU nickte und schmetterte ein "Tja, dann zahlt wohl die Agentur diesen Aufenthalt."
Das war natürlich
unlogisch. Aber Jack nickte nur apathisch. Und natürlich war die
Sache zwischen KMU und Alberto abgekartet. Schliesslich hatte der Alte
ja Zugang zum Computer von Ernst ≠ derzeit schlafend ≠ und Alberto konnte
sich mit dem Passwort ausgestattet einen Reim auf den Filenamen Pres.Berg.AlterOK.PPT
machen. Der Rest war Strategie. Auch das Spiel mit dem Kellner. Alberto
würde dem armen Kerl ein schönes Trinkgeld geben.
KMU jedenfalls liess das Fallbeil sausen:
"So wird das nix mit "Stahlgewitter". Das soll Herr Grab alleine am Wochenende programmieren, und Alberto schaut da mal drüber."
Erst jetzt blickte Hans Grab auf und erfasste die Katastrophe. Er hatte eben einen Arbeitsauftrag erhalten. Er liess vom Kellner ab. Das sah nicht gut aus.