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Aktion Telesport

Herbert W. Franke23.04.2006

Kein Heer kämpft ohne einen Feldherrn, der es lenkt, keine Werkstatt arbeitet ohne den Meister, der aus der überhöhten Position seines überlegenen Wissens Anweisungen gibt. Nur die Mannschaften auf den Sportflächen, dreht es sich nun um Bälle oder Pucks, müssen völlig allein auf sich gestellt kooperieren. Doch die moderne elektronische Technik stellt Abhilfe in Aussicht.

Es war schwer zu sagen, ob der Raum eher einem Filmstudio oder einem Computerzentrum glich. Der Großbildschirm, die vielen kleinen Monitore, der Sprecher am Mikrofon - das deutete eher auf Funk. Die Einrichtung aber, ein Zentralrechner, mehrere intelligente Terminals, Bandspeicher und Diskettenlaufwerke, gehörte der Computertechnik an. In Wirklichkeit war es die Zentrale von 'Telesport'.

Obwohl es die Mitarbeiter nicht gern sahen, hatte es sich der Präsident des Clubs nicht nehmen lassen, hier, am Angelpunkt des Geschehens, dabei zu sein. Es war offensichtlich, dass er mit seinen unqualifizierten Ratschlägen nur Verwirrung stiftete. Die Anwesenheit des Trainers wirkte sich auch nicht viel anders aus, obwohl das, was er sagte, Hand und Fuß hatte. Doch es bezog sich auf Spielszenen, die schon vorbei waren und keine Bedeutung mehr hatten. An die Methode der Extrapolation, der Vorausberechnung des gegnerischen Verhaltens, hatte er sich nicht gewöhnen können.

"5 : 3!" schrie der Präsident und rang die Hände. "Wenn wir die zwei Tore nicht aufholen, wird uns der Sporthemden-Vertrag gekündigt!" "Lassen Sie mich jetzt mit Ihren Sporthemden zufrieden!" zischelte der Trainer, doch er tat es wohlweislich so leise, dass ihn der aufgeregte Präsident nicht hörte.

Unbeirrt von all dem Trubel arbeitete die Studiomannschaft. Ihre Blicke konzentrierten sich nicht so sehr auf die große Projektionsfläche, die einen Überblick bot, als auf die über die Monitore ausgegebenen Details. Die automatischen Kameras, hoch über dem Blickfeld montiert, verfolgten die wichtigsten Spieler, die eigenen und die des Gegners.

"S 2 ist frei - abspielen zu V1!"

Auf dem Monitor war zu beobachten, wie der Stürmer zögerte. Er blickte zum Tor, als wolle er trotz des ungünstigen Winkels selbst schießen.

"Mein Gott, meine Nerven", stöhnte der Trainer. "Ist denn der Kerl taub?"

Jetzt gab dieser den Ball weiter, doch zu spät... Ein Verteidiger der Gegenmannschaft preschte vor, erwischte den Ball und stieß ihn in hohem Bogen zurück, einem freigelaufenen Stürmer seiner Mannschaft zu.

Natürlich trug auch er ins Ohr eingepflanzt ein winziges Mikrofon, und sicher hatte ihn aus einem anderen illegalen Studio eine Anweisung erreicht.

"Jetzt stören sie wieder!" Es war ein Techniker, der von seinem Messgerät aufsprang und auf einen Schirm deutete - dort war ein Gewirr unregelmäßiger, rasch ihre Hohe wechselnder Zacken aufgetaucht. "Rasch die Frequenz wechseln!"

"Wir sollten uns auf den rechten Flügel konzentrieren, zuerst zurückgehen, den Gegner nachziehen - dann ein Durchbruch.. ." Der Mann, der sich mit seiner leisen Stimme kaum durchsetzen konnte, war ein auf Blitzaktionen geschulter Militärstratege, den man kürzlich von der Akademie abgeworben hatte. Wie sich herausstellte, war niemand bereit, auf ihn zu hören, doch pflichtgemäß gab er von Zeit zu Zeit seine Ratschläge.

"Um Himmels willen!" Ein Aufschrei ging durch das Studio - der Mittelstürmer des Gegners war plötzlich vor dem eigenen Tor aufgetaucht... Gleich würde er schießen!

Der Trainer sprang zum Mikrofon, riss es dem Sprecher aus der Hand. "Halt ihn auf!" brüllte er, "aufhalten um jeden Preis.. ."

"Sind Sie verrückt!" Der Rechtsanwalt entrang dem Präsidenten das Mikrofon, reichte es dem Sprecher zurück. "Wenn man uns abhört! Man könnte uns faules Spiel nachweisen - denken Sie an die Revisionen!"

Im letzten Moment hatte der Torhüter den Ball erwischt, der gegnerische Stürmerstar lag am Boden und krümmte sich. Er tat es recht überzeugend, nicht umsonst gehörte ein Kurs in Schauspielkunst zum üblichen Trainingsprogramm. Als der Schiedsrichter nicht darauf achtete, sprang er auf und rannte zurück.

"Alles nach vorn! Heinz - durch die Mitte, lauf!"

Der Sprecher gab die Anweisung weiter, sie konnten die Soloaktion verfolgen.

"Hat einen guten Start, der Junge", sagte der Präsident ergriffen. Der Arzt, der sich im Hintergrund hielt, nickte zufrieden. Seine Mittel hatten gewirkt.

"Tor! Tor!"

Alle schrien durcheinander, der Trainer klopfte den Leuten an den Monitoren auf die Schulter. "Ihr seid gut!" rief er. "Das gibt eine Extraprämie."

Auf der großen Bildfläche konnte man beobachten, wie der Trainer des Gegners auf das Spielfeld stürmte und protestierte (natürlich war es der Ersatztrainer, denn der eigentlich Verantwortliche saß ebenso in einem Studio). Doch sein Eingreifen nützte nichts, und der Rechtsanwalt machte sich schmunzelnd eine Notiz: ein weiterer Pluspunkt für die Verhandlung.

"Noch fünf Minuten", rief der Präsident. "Könnt ihr den Burschen nicht irgendwie einheizen?" Er blickte zu einem in ein wallendes Gewand gekleideten Mann, der meditierend unter einem Bandspeicher saß. Er hatte angegeben, die innersten Kräfte jedes Menschen - wenn es nötig war, auch über Funk - mobilisieren zu können, und man hatte ihn für Notfälle engagiert. Nützte er nichts, dann konnte er auch nicht schaden.

"Ein Tor noch, ein Tor - schon ein Unentschieden könnte uns retten." Es war allen klar, was auf dem Spiel stand, und so blickten sie immer häufiger besorgt auf die Uhr.

Noch zwei Minuten! Der Präsident presste sich die Hände vor die Augen, er war nicht mehr imstande, das Spiel zu verfolgen. So war es der Trainer, der den Entschluss fasste: Er gab dem Guru einen Wink, und dieser setzte sich ans Mikrofon. "Mobilisiert eure Kräfte! Konzentriert euch auf das Energiezentrum unterhalb des Magens... Spürt ihr, wie die elektrischen Ströme in die Muskeln wandern?"

Der Trainer starrte auf das Bild - ein Tor noch, ein Tor! Doch seine Spieler waren müde, und die Energie, die aus der Magengegend kommen sollte, schien auszubleiben.

Schlussstand: 5 : 4 für die anderen.

Der Rechtsanwalt rollte ein Bündel von Computerausdrucken zusammen und trat zum Präsidenten. Er legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte: "Nur keine Panik! Kein Fußballspiel ist beendet, bevor die Revision beim Sportgericht beantragt und behandelt ist. Und ich habe gutes Material!" Für ihn begann die eigentliche Arbeit erst jetzt.

Die Spieler standen bereits unter der Dusche und fluchten, denn der Guru hatte nicht bemerkt, dass das Spiel zu Ende war, und versuchte immer noch, die Energie aus ihrem Magen hochzupumpen.

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