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Das nichtzertifizierte Kind

Uwe Protsch 28.07.2006

Eine Erzählung

Der folgende Text ist als Audio-Dokument abgelegt und unterliegt den gesetzlichen Archivierungsfristen.

Also Anne und Horst haben ja schon immer gesponnen, das weiß ja jeder. Von mir aus können die ja auch machen, was sie wollen, wir leben ja in einem freien Land, obwohl Anne und Horst da natürlich anderer Meinung sind, haha. Aber dass ihr Kind unter ihren merkwürdigen Ansichten leiden muss, das geht meiner Meinung nach zu weit, oder?

Ich mein, bis jetzt war es ja noch nicht wirklich schlimm, aber jetzt haben sie wirklich den Salat! Keine Schule will das Kind nehmen, weil es nicht zertifiziert ist. Stell Dir das mal vor! Ich würd ja vor Scham im Boden versinken. Aber glaub jetzt mal nicht, das Anne und Horst etwa anfangen, über das nachzudenken, was sie damit ihrem Kind angetan haben. Nein, von wegen! "Wenn sie unser Kind nicht wollen, dann bleibt es eben zuhause!", sagt Anne doch tatsächlich zu mir! Da fällt Dir nichts mehr ein, was? Mir tut ja nur das arme Kind leid...

Angefangen hat das ja schon damals in der Schwangerschaft. Ich weiß noch wie heute, dass mir vor Schreck mein Communicator aus der Hand gefallen ist, als Anne auf meine harmlose Frage, wann denn die Profilermittlung gemacht würde, antwortete: "Wir machen keine." - "Ihr macht keine? Seid Ihr verrückt! Das ist doch unverantwortlich." - "Ist es nicht. Früher sind die Babies auch ohne vorherige Profilermittlung auf die Welt gekommen." - "Anne," sag ich, "jetzt sei doch ein einziges Mal vernünftig! Ich weiß ja, dass Ihr so Eure eigenen Ansichten habe, ist ja auch in Ordnung, wir sind schließlich ein freies Land ..." - "Hört, hört!" - "Jaja, ist ja gut, jetzt lass mich mal ausreden. Es geht hier doch um die Gesundheit Deines Kindes, da musst Du doch einsehen, dass die Profilermittlung absolut notwendig ist. Du musst doch wissen, woran Du bist mit Deinem Kind. Nicht nur wegen der ganzen möglichen entsetzlichen Krankheiten und Mißbildungen, sondern Du musst doch auch wissen, ob Dein Kind einen hohen musischen Index oder eine hohe Technikaffinität und so weiter hat. Ohne Profilermittlung kriegst Du doch auch keine Chipkarte für Dein Kind, und dann kannst Du es nicht zur Frühförderung anmelden. Wie soll es dann später im Daycare seine Wissenspunkte sammeln? Ja, sag mal, Anne, was mir überhaupt gerade einfällt: Ist das nicht sogar Vorschrift?"

Erstaunlich, aber es ist tatsächlich nicht gesetzlich vorgeschrieben, das mit der Profilermittlung und so weiter, obwohl natürlich alle Eltern das machen, außer so Spinner wie Anne und Horst. Allerdings, wer die Profilermittlung ablehnt, muss für sein Kind einen höheren Krankenversicherungsbeitrag zahlen. Na ja, die kleine Katrin kam dann zur Welt, zum Glück ohne Probleme und Krankheiten, und eigentlich wäre ja vier Wochen nach der Geburt der erste Ability-Check drangewesen. Eigentlich. Aber natürlich, Anne und Frank lassen keinen Ability-Check machen! "Ihr verrennt Euch da in etwas." sag ich, "Das ist doch Wahnsinn. Wenn Ihr beiden etwas ablehnt, dann bitte, okay, Eure Sache, Ihr müsst die Folgen selber tragen. Aber Ihr könnt doch Eurem Kind nicht die ganzen wichtigen Checks vorenthalten, das ist doch unverantwortlich! Ihr wisst dann doch gar nicht, welche Abilities Eure Kleine hat. Wie wollt Ihr sie dann fördern, welche Kurse wollt Ihr belegen? Wie sollen die passenden Edutainment-Units konfiguriert werden?" - "Die Eltern wissen wohl selbst am besten, was ihr Kind kann oder nicht kann", meint Horst da. "Ja sicher, klar! Ihr seid natürlich schlauer als alle anderen und habt es nicht nötig." Ich bin damals richtig wütend geworden. "Jetzt werden schon so wenig Kinder in Deutschland geboren, und dann muss eins davon auch noch ohne jeden Check durchs Leben gehen." - "Es würden vielleicht mehr Kinder geboren, wenn die Eltern wüssten, dass nicht soviele Checks und Control Sessions auf sie zukommen." ,meinte Anne darauf. "Lächerlich! Das ist doch alles als Hilfe für die Eltern gedacht. Wie soll man denn sonst wissen, woran man bei seinem Kind ist?" - "Wir versuchen es halt mal so."

Ja, und was ich nicht wusste, auch die Ability Checks und das Development Programm sind nicht gesetzlich vorgeschrieben. Hätte ich ja nicht gedacht. Aber irgendwie geht das nicht wegen dem Grundgesetz oder so, was weiß ich.

Anne und Horst können ja nur von Glück reden, dass die Katrin so ein aufgewecktes und lebendiges Kind ist. Bei der Aufnahme fürs Daycare gab es natürlich Riesenstress, weil kein Profil vorhanden war. Woher auch? Horst hatte wirklich und wahrhaftig nur ein Blatt Papier, das musst Du Dir mal vorstellen, da hatte er alles notiert, was er wichtig fand, also Impfungen, Krankheiten, drei Sätze zum Charakter und mehr nicht. Ich hätte ja was drum gegeben, das Gesicht der Daycare-Leiterin zu sehen. Jetzt war es aber so, dass es in diesem Daycare einen Profiler gab, der erstellt provisorische Profiles für Kinder ohne Chipcard, was wohl ab und zu mal vorkommt, aber eigentlich nur bei Lowers, die nichts gebacken kriegen und ständig im Suff ihre Chipcards verschlampen.

Anyway, es wurde ein Profile erstellt und Katrin konnte ins Daycare gehen. Das Kind selbst kam wohl ganz gut zurecht dort, aber Anne und Horst war natürlich nichts recht. Ob es ums hauseigene Überwachungssystem ging oder um die Medienerziehung, immer hatten sie was zu meckern. Selbst der monatliche Ausflug ins Ecocenter hat ihnen nicht gepasst.

Ich frage Dich, was kann Jemand dagegen haben, dass sein Kind ins Ecocenter geht? Da ist die ganze Natur auf einem Platz, mit Meeresküste, Regenwald und allem. Nein, meint Anne, das wär keine echte Naturerfahrung, und die Kinder sollten lieber mal an einem richtigen Flußufer entlanggehen. Ja, und wenn dann eins ins Wasser fällt, frag ich Dich? Was dann? Abgesehen davon sind doch alle Flüsse in Siedlungsnähe eingezäunt oder wenigstens permascannt, da kannst Du gar nicht ohne Genehmigung ans Ufer, außer an überwachten Stellen. Das wär ja auch noch schöner, wenn jeder Hinz und Kunz an jeder beliebigen Stelle ertrinken könnte.

Aber die größte Show haben sie dann beim Essen abgezogen. Da hab ich eigentlich fest damit gerechnet, dass die arme Katrin aus dem Daycare rausgeschmissen wird.

Es fing damit an, dass Anne bei der Aufnahme wissen wollte, welcher Caterer für das Daycare zuständig sei. War natürlich HealthFood, die versorgen ja halb Europa, auch Bundestag und Toyotarena und Spacefun undundund. Nein, das ginge aber nicht, meint Anne, HealthFood würde kein Frischobst liefern. Es stellte sich dann heraus, dass überhaupt kein Caterer Frischobst liefert, weil das logistisch und aus haftungsrechtlichen Gründen gar nicht möglich ist. Die ganze supply chain ist dermaßen optimized, dass Obst direkt vom Baum weg gereinigt, portioniert, gekühlt und verpackt wird. Was die Kinder kriegen, ist also frisches Obst, sogar noch besser als selbst gepflückt, weil ohne Druckstellen, Schmutz oder gar Insekten, igitt! Und dann ist es auch gleich in mundgerechte Stücke geschnitten, damit die Kinder es leichter haben.

Anne hat doch von der Daycare-Leiterin glatt verlangt, Äpfel im nächsten Market einzukaufen! Das war natürlich Unsinn, weil alle Daycares Exklusivverträge mit den Caterern haben und hohe Konventionalstrafen zahlen müssen, wenn sie auch nur einen Krümel von woanders her beziehen. Und sowas bekäme man ja über die webcams leicht raus.

Überhaupt, die webcams! Zuerst hatten Anne und Horst ja nach einem daycare ohne cams gesucht, aber es gibt nur nach ganz wenige, weil wenn Du keine cams einsetzt, kriegst Du als daycare keine Zuschüsse von der Stadt. Also in der ganzen Stadt gibt es kein daycare ohne cams, das nächste ist ungelogen 30 Kilometer weg. Von den irrsinnig hohen Kosten mal abgesehen hätten Anne und Horst das auch zeitlich gar nicht mit ihrer Berufstätigkeit vereinbaren können. Also mussten sie in den sauren Apfel beißen und doch zum nächstgelegenen daycare gehen.

Jetzt ist es so, dass es ganz genaue Vorschriften gibt, wo mindestens cams installiert sein müssen. Auf jeden Fall natürlich der Eingangsbereich und das Außengelände. Ich find das auch total in Ordnung, wie willst Du denn sonst verhindern, dass jemand kommt und ein Kind missbraucht? Anne und Horst sehen das natürlich anders, aber gegen die Vorschriften konnten sie auch nichts machen. Jetzt waren in dem daycare aber auch cams installiert, die von den Vorschriften her nicht unbedingt notwendig sind, nämlich in den Gruppenräumen und im Flur. Na ja, und Du kennst ja Horst, der springt ja gleich auf sowas an. Er sofort zur daycare-Leiterin und gefordert, alle cams, die nicht ausdrücklich vorgeschrieben sind, müssten sofort abgeschaltet werden. Da hat die Leiterin, die kenn ich ganz gut vom community-Portal, ihm aber gleich gezeigt, wo der Hammer hängt! Die cams in den Gruppenräumen wären vielleicht nicht vorgeschrieben, aber er würde in der ganzen Stadt kein daycare ohne cams in den Innenräumen finden. Sowieso, sie könnten gar nicht auf die cams verzichten, weil sie zuwenig Personal hätten. Und sie als Leiterin habe ja wohl auch noch eine Fürsorgepflicht ihren Mitarbeiterinnen gegenüber, denn nur durch die cams in den Innenräumen sei sichergestellt, dass niemand einer Erzieherin ungerechtfertigt sexuelle Übergriffe vorwerfen kann.

Daraufhin hat sich Horst an den Träger der Einrichtung gewandt. Und nach ewig langem Hin und Her konnte er dann tatsächlich durchsetzen, dass die Aufzeichnungen nach zwei Jahren gelöscht werden. Außerdem müssen jetzt die Eltern informed werden, wenn die Aufnahmen Dritten für gewerbliche Zwecke überlassen werden. Da war er vielleicht stolz, unser Horst. Er wäre der Erste gewesen, der das durchgesetzt habe, und nun müssten alle Einrichtungen dieses Trägers sich daran halten. Das wäre ein wichtiger Sieg für den Datenschutz und so weiter. Na toll! Wen interessiert das schon, ehrlich gesagt.

Als nächstes haben sie sich geweigert, den Allergiecheck zu machen. "Wir wissen, dass unsere Katrin keine Lebensmittelallergien hat. Deshalb ist der Check bei ihr unnötig." Also mussten Anne und Horst ein Commitment abgeben, dass sie auf das Risiko bei fehlendem Allergiecheck hingewiesen worden seien und auf alle Ersatzansprüche verzichten, falls es bei Katrin zu einer allergischen Reaktion käme. Das war natürlich auch wieder unverantwortlich, denn Katrin hat jetzt keinen Foodsupervisor, mit dem sie in einem Restaurant das Angebot scannen könnte. Es gibt ja auch mittlerweile kaum noch Restaurants, die Gäste ohne Foodsupervisor bedienen. Würd ich auch nicht machen, denn wenn was passiert, allergischer Schock oder so, dann gibts gleich 'ne Schadenersatzklage.

Und so ging das in einem fort. Über alles Mögliche haben sich Anne und Horst aufgeregt, alles haben sie in Frage gestellt, so dass ich schon gezweifelt habe, ob die Katrin überhaupt noch mal aufgenommen wird. Das Anlegen eines scoring accounts beispielsweise konnten sie verhindern, aber an den Quartaltests musste Katrin teilnehmen, da war nichts zu wollen. Und auch gegen die Weiterleitung der Testergebnisse an educom waren sie machtlos, denn das ist gesetzlich vorgeschrieben. Die Daycare-Leiterin war natürlich ziemlich abgenervt, aber vielleicht hat sie auch mal Fünfe gerade sein lassen, weil ich ja über das Community-Portal oft mit ihr zu tun hatte. "Denk bitte an das Kind!", hab ich zu ihr gesagt, "Das Kind kann ja nichts für seine verbohrten Eltern." Aber sag da bloß nicht von zu Anne, sonst ist sie furchtbar beleidigt!

Schließlich war dann aber doch alles klar, und es ging nur noch darum, ob Katrin als Daycare-Kind einen Kommunikator braucht. Die Leiterin hat es dringend empfohlen, denn "wie soll die Kleine denn sonst andere Kinder kennenlernen und gemeinsam mit ihnen Units buchen?" - "Sie kann andere Kinder ja einfach ansprechen.", meinte Anne auf ihre naive Art. Na ja, hieß es dann, das würde heutzutage nicht mehr oft gemacht, und wenn, dann gebe es meist Streit und Krach, weil kein Kommunikator vermittelt und Mißverständnisse klärt. Es gäbe sogar immer mehr Eltern, die mit ihren Kindern bevorzugt über den Kommunikator negotiaten, um die emotions aus den Gesprächen rauszuhalten. Das gelte natürlich vor allem für die Pubertät, aber würde zunehmend auch bei Jüngeren gemacht.

Aber Anne und Horst benutzen ihre Kommis ja selbst nur zum kontakten und für purchases, so wie vor tausend Jahren. Und Katrin wäre ohnehin noch viel zu jung. Frühestens als Schulkind würde sie einen Kommi kriegen.

Jetzt musst Du Dir mal vorstellen, dass Du im Daycare das einzige Kind ohne Kommunikator bist. Da musst Du Dir mal eine Vorstellung von machen, dass Du Verabredungen triffst, ohne vorher die Profiles gegenzuchecken. Wenn mein Neffe zum Beispiel die Tochter vom Studienkollegen meines Bruders besucht, dann macht mein Bruder vorher zwei Abgleiche, einmal 24 Stunden und einmal 2 Stunden vorher, das ist die offizielle Empfehlung des nationalen Educoms. Und wenn nicht in beiden Fällen eine Korrelation von mindestens 92 Prozent vorliegt, dann wird die Verabredung abgesagt, ohne Wenn und Aber. Und trotzdem kommt es ungelogen bei jedem zweiten Mal zum Streit, so dass hinterher bei psykokids.edu ein conflict clearing gemacht werden muss, so dass mein Bruder schon auf 94 Prozent raufgehen will.

Kannst Dir ja vorstellen, dass etliche Eltern sich glatt geweigert haben, ihre Kinder mit Katrin spielen zu lassen. Aber immerhin, einige haben es auf Betteln ihrer Kinder hin erlaubt, und meistens ist es gutgegangen. Lag vielleicht aber auch daran, dass Katrin so eine Art interessanter Exot war. Stell Dir vor, ein Kind ohne Kommunikator, das ist ja fast schon gezwungen, alles selbst zu machen. Kein Companion, der mit Dir spricht und suggestions macht. Ich mein, es gibt ja schon viele Erwachsene, die ohne ihren Companion schier gar nicht mehr auskommen und sogar zwei Kommunikatoren im hot standby betreiben, damit bloß niemals der Companion ausfällt. Und dann ein Kinderzimmer ohne Screen und Mediacenter, und noch nicht mal ein Simulator! Ja, und außerdem nirgends hinterlegte Charaktere, über die man sich unterhalten oder mit denen man online spielen könnte. Allein mein Neffe hat glaub ich 5 oder 6 Charaktere, einen natürlich bei piratokids.com, und gleich zwei bei fightkids.com, was ich persönlich ja für übertrieben halte, aber bitte. Der checkt jeden Tag mit seinen Kumpels die Charaktere ab und macht Duelle und so. Da kommt man immer gleich ins Gespräch, und das ist doch auch wichtig für die soziale Interaktion.

Aber irgendwie war Katrin wohl trotzdem recht beliebt, denn meistens wenn ich die Drei besucht hab, waren zwei oder drei Kinder bei ihr. Manchmal hab ich ins Kinderzimmer reingeschaut, da hat Katrin fast immer den Anderen Märchen erzählt. Ja, wirklich, ohne Mediensupport und Backgrounds, einfach nur gesprochen! Und die Anderen hingen an ihren Lippen, als ob sie noch nie jemand live gehört hätten!

Also irgendwie haben sich die Drei durchgewurschtelt, obwohl Katrin an den meisten advancement programs nicht teilnehmen konnte, weil ihre Eltern sich ja partout weigerten, ein skill profile anlegen zu lassen. Wenn die anderen im english lab saßen oder bei skilltrainer.edu ihre Aufgaben machten, war Katrin allein im Gruppenraum und bastelte Papierblumen. Oder sie kümmerte sich um renitente Lowers-Gören, angeblich sehr einfühlsam und kompetent, wie die Erzieherinnen betonten.

Tja, und dann wurde das Kind fünf und damit zum candidate. Das Schulamt verlangte jetzt alle notwendigen Unterlagen. Normalerweise kriegen ja die Eltern davon gar nichts mit, weil alle Daten vorliegen und nur noch abgerufen werden müssen. Aber es gibt natürlich Fälle, wo Daten fehlen, weil zum Beispiel die Familie erst vor kurzem aus irgendeiner exotischen Gegend nach Deutschland umgezogen ist oder so. In solchen Fällen werden dann die Eltern gemailt. Und weil das Schulamt von Katrin natürlich nur lückenhafte Daten hatte, mussten jetzt erstmal alle möglichen Erklärungen abgegeben und Formulare bearbeitet werden. Aber schließlich war das erledigt, und es kam die Message mit dem Termin der Einschulungsuntersuchung.

Anne mit Katrin also zur Einschulungsuntersuchung. Alles war klar, für alle fehlenden Daten und certificates gab es schriftliche commitments oder Ersatzbelege. Die Tests waren für Katrin überhaupt kein Problem, sie ist ja auch so aufgeweckt. Aber ganz zum Schluß stellte sich heraus, dass die Schulärztin die ganzen Reports aus dem Daycare kannte, die die Erzieherinnen monatlich für jedes Kind eingeben müssen. Daraufhin hat Anne wütend verlangt, dass die Reports sofort gelöscht werden müssten. Die Schulärztin hat natürlich drauf hingewiesen, dass die Reports wichtig und vom Gesetz her vorgeschrieben sind und dass bei Katrin doch sowieso nur Gutes drinsteht. Außerdem braucht ja auch die zukünftige Lehrerin die Angaben, um sich auf die Kinder einzustellen. Das fehlte noch, meinte da Anne, dass die Lehrerin ihre Schüler mit einer vorgefassten Meinung in Empfang nähme. Langer Rede kurzer Sinn: Anne weigerte sich, das Zertifikat anzuerkennen, bevor sie eine Löschbestätigung aller Reports in Händen halte. Jetzt ist das Kind nicht zertifiziert und keine Schule weit und breit wird sie nehmen. Hast Du sowas schon mal gehört?

Vorige Tage hab ich die Drei mal wieder besucht. Und wie ich so die kleine Katrin gesehen hab, wie sie da so im Garten rumsprang, so, ja ich weiß auch nicht, so mit sich im Reinen und noch gar nichts von der Welt und dem ganzen Mist mitkriegen, da hätte ich echt fast geweint, ehrlich. Und auf einmal steht das Kind direkt vor mir, es hat ja keinen Kommunikator, mit dem es einen Kontaktwunsch abgeben könnte, und das ist man ja nicht mehr gewohnt, dass man ohne vorherigen Kontaktwunsch angesprochen wird, ich hab mich richtig ein bisschen erschreckt. Und dann guckt sie mich so von schräg unten an, sagt zu mir "Du bist lieb." und drückt mir einen Blumenstrauß aus richtigen Blumen in die Hand. Ohne Vorankündigung, einfach so.

Ja, und was soll ich sagen, da hab ich wirklich geweint.

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