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GOLD AG

Harald Taglinger03.08.2006

30. Luganer Freuden

Ein kleiner Held und noch eine®: Nachdem Liana Horkawawa, Jack Low Sky und Hans Grab mit einem Flieger nach Grönland verschaukelt und ganz schön tot gemacht wurden, sind sie leider nicht mehr am Leben. Inzwischen ist es auch in Lugano Frühling und das macht noch mehr Menschen richtig froh.

"Ach junger Mann, wäre es wohl möglich, dass ich dieses Motorboot ein wenig steuerte."

"Certo, Signora Ungert."

Alberto Nannini gondelte mit Ernst und Frau Ungert Senior entspannt über den See. Er hatte mit den beiden einen wunderbaren Frühlingstag in seinem Lieblingsboot vor Lugano ergattert. Die Wirren von "Siena" und die anschließende Geschäftsbereinigung, der leider auch Ungert Senior, den jetzt niemand mehr KMU nannte, und Liana, die XML-Brothers und die Familie Hack zum Opfer fielen, war vonstatten gegangen. Auch der tragische Verlust von Arnd Hocker und des Praktikanten Völker in der Zeit der wildesten Auswüchse des Internets konnte man nur als schrecklich bezeichnen. Aber bei Frühlingslicht besehen war das doch alles sehr gut aufgegangen. Und nun herrschte Ruhe an Bord.

Dank umsichtiger Steuerung des Unternehmens durch ihn, Alberto, war dies ja nun im Wissen von Ernst Ungert tadellos gelöst worden. Die GOLD AG gedeihte nach einer kleinen Delle im Schauscheibengeschäft nun wunderbar, indem es zum Schein und mit den geheimen Schweizer Bankkonten im Hintergrund Handy-Sicherungen verkaufte, die nur an und ab Dank des prächtig weiterentwickelten Virus von Arnd Hocker hart rangenommen wurden. Aber meist war das Produkt prächtig in seiner Reaktion. Nur ein Fall in Belgien war bekannt, in dem ein Handy kurzzeitig die Oberhand gewann und sich sehr ungut in die Rezeptur eines Bierbrauers einbrachte. Aber da man dort immer schon mit mehr als nur Hopfen-Geschmack hantiert hatte, fiel der durchdringende Camembert-Gout im Pilsener nicht weiter auf.

"Ein schönes Boot."

Ja, Frau Ungert hatte den Tod ihres Mannes nach einer gewissen Trauer von drei Minuten mit den Worten "Dann werde ich den mal abräumen." überwunden und ihm eine schöne Beerdigung ermöglicht. Die Aschenuhr der GOLD AG steht seitdem zur Aufnahme im Baedecker unter dem Ort "Zug" an. Und sein Büro wurde im Andenken an ihn im Zustand der Verwüstung gelassen und versiegelt. Das neue Firmengelände war aus steuerlichen Gründen in einer Villa am See untergebracht worden. Die Angestellten erhoben sich dort nur einmal im Jahr aus den Liegestühlen Modell "Redmond", um die Lizenzrechnungen zu schreiben und neue Viren in Umlauf zu bringen. Jetzt zog Frau Ungert lange Kurven und schrieb für Alberto nicht einwandfrei lesbar einen Schriftzug in den See, den Ernst vergnügt mit "Guter Plan" übersetzte. Er hielt sich am Boot fest. Und eine fesche 167 Grad Linkskurve schleuderte Alberto Nannini kopfüber in den See.

"Hoppla"

Frau Ungert war fasziniert. Alberto schrie aus Leibeskräften um Hilfe, er könne doch nicht schwimmen. Und die rüstige Dame stieß auch sofort mit dem Boot zurück und überfuhr seine Position mehrmals nachhaltig. Dann war es ruhig.

"Aber Mama, das wäre doch nicht nötig gewesen."

"Ernst, mein Sohn, man sollte einen guten Plan auch wirklich bis zu Ende durchführen."

Ja, da musste Ernst der Mama allerdings zustimmen. Erst als sie ihm erklärt hatte, wie sie das Kennenlernen der Horkawawa am See mit diesem Grab eingefädelt hatte, die Gier der beiden richtig anfachte und Nannini immer wieder ihrem Mann anempfahl, damit der auch richtig Chaos in das ganze bringen konnte, hatte er sie wirklich bewundert. Aber restlos begeistert war er über die Anwerbung der Rumantschen Befreiungsfront, von Arnd Hocker und der Idee mit dem Virus. Nach der Attacke von "Siena" lag alles so im Argen, dass Mama Ungert die Geheimkonten den Firmenseniors ungeniert und sehr öffentlich transferieren konnte. Die Kontonummern hatte sie ja wie auch die Telefonnummern seiner Lieblingsprostituierten dort gefunden, wo sie am ehesten zu vermuten waren. In der Innenseite seines Rasier-Etuis. Und ein kurzes Telefongespräch mit den Banken und ein paar Gespräche mit dem Liebespersonal zur dynamischen Erweiterung der Herzschwäche des Patriarchen tat sein übriges. Nun mussten nur noch ihr eigener Verehrer, das Plaudertäschchen verschwinden. Igor Baladurin war auch nicht mehr der russische Bär, den sie 1945 in Berlin und dann Wien so schätzen und lieben gelernt hatte. Aber gut. Der war ja nun auch ein Fell vor dem Kamin der Geschichte geworden.

Ernst und Mama Ungert fuhren noch ein wenig auf dem See herum. Es war ja alles gut jetzt. Man würde eine schöne Firma noch viele Jahre wachsen sehen und dabei Boot fahren. Trotzdem schien Ernst ein wenig melancholisch auf das Wasser zu blicken. Was er denn habe.

"Liana..."

"Ach, Kind, ich muss Dir noch ein Geheimnis verraten. Dann ist das mit den Mädchen auch nicht mehr so wichtig." Ernst blickte auf.

"Sex macht nur nach Weltkriegen Spaß."

Ja. So gesehen. Ernst nahm sich vor, einen großen Schokobecher zu sich zu nehmen, sobald man an Land gegangen war.

Fin


Ein kleiner Held und noch eine®: Nachdem Liana Horkawawa, Jack Low Sky und Hans Grab mit einem Flieger nach Grönland verschaukelt und ganz schön tot gemacht wurden, sind sie leider nicht mehr am Leben. Inzwischen ist es auch in Lugano Frühling und das macht noch mehr Menschen richtig froh.

Natürlich ist dieser Text erlogen. Die Wahrheit, wenn es sie denn gäbe, ginge gar nicht hinein. Trotzdem zu Sicherheit, bevor jemand noch auf die Idee kommt, in Zug, Kanton Zug nach einer GOLD AG zu recherchieren, hier 10 Thesen, die die Erstunken- und Erlogenheit belegen.

1.

 

Es gibt gar keine Marketingplattform - Nirgendwo.

2.

 

Firmen im Kanton Zug brauchen keinen UmsatzĂ– bei der SteuerĂ–

3.

 

Dienstreisen mit dem Zug sind heute viel zu teuer.

4.

 

Nannini würde nie ohne eigene PPT-Dateien durch die Gegend fahren.

5.

 

Der Mörder ist immer der Gärtner, und Hack hatte keinen Rasenmäher.

6.

 

Viren gibt es gar nicht, jedenfalls nicht mit der nächsten Betriebssystem-Version.

7.

 

Liana Horkawawa könnte wegen dialektbedingter Zäpfchenmissbildung einen ungarischen Dialekt nicht mehr nachahmen, sobald ihr Spracherwerb in Sindelfingen abgeschlossen war.

8.

 

Hans Grab wäre in Vals schon nach zwei Tagen aus Langeweile gestorben.

9.

 

Die Russen haben gar keine Mafia, das brauchen sie nicht bei dieser Regierung.

10.

 

Die Rumantsche Befreiungsfront ist ein Hirngespinst. Da wäre ja ein baskischer Staat in der EU noch sinnvoller.

Ach ja: Alle Zusammenhänge sind frei erfunden. Die existierenden Vorbilder von manchen Figuren wurden informiert und haben zu ihrer Nachzeichnung das Einverständnis gegeben. Nur ein Akronym ist nicht erfunden. Aber es stellt nichts schlimmes dar. Nur den Verlust von zirka 300 Millionen Dollar in einer ansonsten ausgeglichenen Bilanz.

Zürich im Advent 2005, Literaturhaus, Lesesaal.


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