Clone
Cuger Brant 30.11.2006

Kann eine Ameise logisch
denken? Eine Biene? Ein anderes Insekt? Immerhin bilden sie Kolonien oder
einen Bienenstock, wobei jedes Tier eine bestimmte Aufgabe übernimmt.
Aber woher kommt diese Vernunft, dieses Denken? Liegt es in ihrer DNA
oder ist es reine Überlebensstrategie, hervorgerufen durch die Notwendigkeit
sich fortzupflanzen, wie es meiner Meinung nach bei allen Geschöpfen
der Fall ist, die auf dieser Erde herumlaufen oder kriechen? Aber welchen
Zweck hat das? Wohin oder wozu soll das führen?
Ich denke, die Menschheit stellt sich diese Fragen durchaus und denkt
gelegentlich darüber nach, doch die meisten überlassen diese
fromme Frage und die Antwort darauf dem Allmächtigen.
Re-Gene tun dies nicht! Sie sind zweckbestimmt und ihre Logik steckt ganz
klar nicht in ihrer DNA. Sie haben nämlich gar keine!
Es war winzig, mikroskopisch
klein. Nein, noch viel kleiner. Eintausend Mal kleiner. Es wandelte herum,
fing beschädigte Zellen ein und baute sie aus den DNA-Daten, die
jede lebende Zelle in sich trägt, wieder auf. Sobald es eine Zelle
neu angelegt hatte, fing es von Neuem an. Jedes Mal reproduzierte es sich
selbst, um die Aufgabe zu wiederholen. Es vermehrte sich. Zuerst war es
eins, dann waren es zwei, dann vier, dann acht und so weiter. Es war mit
seinen Kopien verwandt. Oder um es genauer zu sagen: sie waren verwandt
miteinander."Was macht dein Bein, David?" fragte der Arzt.
"Es tut noch immer weh, aber es geht, Dok." kam freudig zur
Antwort.
"Wie ich Ihnen vorher erklärt habe, David, ersetzen wir den
zerschmetterten Knochen mit einer neuen Therapie. Sie sind der erste Patient,
dem wir unsere Bio-Nano-Replikatoren in den Knochen einpflanzen. Sie sind
also ein Pionier, David. Es kann manchmal kribbeln, aber Sie werden sich
schon bald daran gewöhnen," beruhigte ihn der Chirurg.
"Ich hoffe, es geht gut, Doktor," erwiderte David aufgeregt."Wie
lange dauert es, bis das Bein geheilt sein wird?" fragte David.
"Zwei Tage, höchstens drei. Spätestens am vierten Tag werden
Sie wieder gehen können," antwortete der Chirurg. "Sie
werden medizinische Geschichte schreiben, David."Plötzlich war
es zu merken, ein bisschen wie die Urknalltheorie. Zuerst war da nichts,
dann, plötzlich, war da etwas. Es wusste nicht, was es war, hatte
kein Gefühl für Größe, Zeit oder Raum, nur dass
.
es da war.
Am Ende des ersten Tages
fühlte sich David selbst nicht ganz ruhig. Das Gefühl ging irgendwie
von seinem Bein aus oder vielmehr, tat es nicht. Sein Bein fühlte
sich eher so an, als wäre es gar nicht da. Sicher, er konnte es sehen
und fühlen und seine Zehen bewegen, aber irgendwie fühlte es
sich an
als wäre es nicht sein Bein.
Es erfüllte weiter seine Aufgaben, ohne zu wissen warum, nur dass
es sein musste. Zerstören, dann aufbauen und gestalten
neu
machen. Während es neuen Zelltypen begegnete, Zellen mit einem anderen
DNA-Code, zerstörte es wieder, baute dann wieder auf und gestaltete,
machte neu, auch wenn sie nicht beschädigt waren. Es wurde zu seiner
Zweckbestimmung, seiner Daseinsberechtigung.
Davids hatte eigenartige
Träume. Er trieb umher, zerfiel in eine Milliarde Teile. Ihm war
heiß. Er schwitzte. Er schrie in der Nacht laut auf. Dann schlief
er wieder. "David, wie geht es Ihnen? Ich habe gehört, dass Sie eine
schlechte Nacht gehabt haben." Die Stimme kam zunächst aus großer
Entfernung und dann immer näher. David öffnete die Augen. Der
Chirurg war über ihn gebeugt.
"Hallo, Dok, wie spät ist es?" sagte David.
"Neun Uhr, David, wie fühlen Sie sich?"
"Ein bisschen merkwürdig, Dok. Mein Körper ist irgendwie
empfindungslos. Ich weiß nicht, wie ich es anders erklären
soll", antwortete David verwirrt.
"Das sind nur die Nebenwirkungen, David", erwiderte der Arzt
zögernd, aber beruhigend.
David fühlte sich den ganzen Tag über seltsam taub und als der
Abend kam, fiel er in einen tiefen Schlaf.
Es bekam ein Gefühl
für Größe, Raum und Zeit. Es hatte Zellen mit elektrischen
Impulsen gefunden, nicht anders als seine eigenen, aber komplizierter,
Zellen mit einer Zweckbestimmung wie es selbst. Was für ein Zweck?
Was? Warum? Wer? Wie? Wann? Wo?
.. Es zerstörte, baute auf und
gestaltete.
Am zweiten Tag wachte David nicht auf. Der Arzt vermutete, dass er im
Koma läge, und war sich nicht sicher, was er tun sollte. Nach einigen
Vortests kam der Arzt zu dem Schluss, dass David stabil sei, und folglich
einfach abzuwarten. David lag dort, noch immer in seinem Bett, den ganzen
Tag. Dann kam die Nacht.
Nun war es in Davids Hirn,
zerstören, aufbauen und gestalten. Es hatte Sinn für Zweck,
Größe
einen Sinn für
Ganzheit. Es war ein
Wesen. Es hatte einen Körper, Raum, Zeit, Denkvermögen
.
es war geboren.
Am dritten Tag erwachte David. "Wie geht es Ihnen, David? Sie haben
uns ganz schön erschreckt", sagte der Arzt.
Es; Das David, antwortete zunächst langsam, "Ich... fühle
mich
gut." Dann, "ich fühle mich gut, Doktor
"
Es; Das David, aß sein Frühstück mit gierigem Appetit
und bestellte noch mehr. Die diensthabende Schwester erfüllte ihm
diesen Wunsch, aber nach der dritten Portion beschloss sie, den Arzt über
dieses ungewöhnliche Phänomen zu informieren. Als sie das Zimmer
verließ, stand Es; Das David aus dem Bett auf. Es fand seine Sachen
im Kleiderschrank, zog sich an und verließ das Zimmer. Es wusste,
wo es wohnte, natürlich wusste es das
Jede Gehirnzelle,
Synapse, Denkmatrix war verdoppelt worden. Es wusste alles, was David
wusste.
Es hatte noch immer einen Drang, eine Zweckbestimmung. Es muss sich duplizieren.
Es muss zerstören, aufbauen und gestalten.
In dieser Nacht machte Das
David Sex mit seiner Freundin. Am nächsten Morgen war sie dabei,
zerstört, wieder aufgebaut und gestaltet zu werden. Davids Sperma
hatte jenen Prozess ausgelöst, der ihn selbst erschaffen hatte. Zuerst
war sie empfindungslos, dann lag sie im Koma und nach ein paar Tagen ging
es ihr wieder besser. Sie war mit David verwandt. Beide wussten, was sie
fühlten, dachten, wollten.
Sie aß und aß. Ihr Appetit war nicht zu bremsen. Da war die
Notwendigkeit, das, was David in ihre Gebärmutter eingepflanzt hatte,
zu füttern und wachsen zu lassen. Es brauchte Nahrung, musste zur
Reife gelangen. Das Etwas in ihr war stark.
Als es geboren wurde, war
es mit seinen Eltern, seinen Schöpfern verwandt. Sie alle wussten,
was sie fühlten, dachten, wollten
.Zerstören, aufbauen,
gestalten
.
Das David ging wie üblich zur Arbeit. Die Partnerin von Das David
aß und aß und aß und fütterte seine nächste
Schöpfung, seine nächste Züchtung
Die Wachstumsgeschwindigkeit
der Nachkommen war erstaunlich. Nach einer Schwangerschaftsdauer von nur
einem Monat war es geboren. Das Neugeborene war vollkommen reif. Mit zwei
Monaten war es ein Jugendlicher, mit drei Monaten war es erwachsen. Es
war vollkommen in der Lage sich fortzupflanzen und das tat es auch
Bei der Arbeit begann Das
David, Informationen von seinem Rechner zu untersuchen. Es stellte fest,
dass die Logik des Rechners makelhaft war, so wie seine eigene, humanbasierte
Logik und Denkweise. Er kam zu dem Schluss, dass das an dem menschlichen
Verständnis von Zeit und Raum lag. Ihre Wahrnehmungsfähigkeit
war begrenzt. Ihre Bewusstseinsfähigkeit schien durch ihre Bedürfnisse,
Wünsche, Lüste, Vorurteile und ihre Lebensspanne eingeschränkt.
Das David beschloss, seine eigene Datenbank aufzubauen, sein eigenes Informationsinternet.
Er würde seine Verwandten, seine Schöpfungen, seinen Schwarm
nutzen. Es war der logische Weg nach vorn.
An einem Frühlingsmorgen geschah es. Der Mann wurde mit abgetrenntem
Arm in die Notaufnahme eingeliefert. Der Arm war mitten zwischen Handgelenk
und Ellbogen abgetrennt. Er war vor einen Zug gefallen und muss instinktiv
seinen Arm ausgestreckt haben, um den Fall abzufangen. Das hat ihm sehr
wahrscheinlich das Leben gerettet, dachte der Arzt, als er den Patienten
untersuchte. Der Mann lag da. Er zeigte keine Anzeichen von Schock, Blutung
oder Trauma, was nach Ansicht des Arztes sehr merkwürdig war. Der
Stumpf wurde geröntgt und ordnungsgemäß gereinigt und
bandagiert, um den Patienten auf die Untersuchung durch den Chirurgen
gleich am Morgen vorzubereiten. Der Patient schlief.
Am Morgen hatte sich der
Arm bis zum Handgelenk selbst wieder neu gebildet. Der Schwester in der
ersten Schicht war das nicht aufgefallen, denn sie hatte ihn am Abend
zuvor nicht gesehen. Als der Chirurg kam und sich zunächst die Röntgenaufnahmen
und dann den Arm des Patienten ansah, kam er zu dem Schluss, dass hier
eine Verwechslung vorlag. Der Patient wurde nochmals in die Radiologie
gebracht und erneut geröntgt. Nachdem der Arzt die neuen Aufnahmen
betrachtet hatte, entschied er, dass es, obwohl die Knochen in gutem Zustand
waren, das Beste sei, den Stumpf zuheilen zu lassen, weil nichts weiter
getan werden könnte. Alles, was gebraucht würde, wäre eine
Hauttransplantation am Ende. Der Arzt schrieb seine Prognose in die Patientenakte
und der Patient schlief weiter.
Am Abend fragte der diensthabende Arzt, der auch am Abend zuvor da gewesen
war, die Stationsschwester nach dem Patienten. Sie warf einen Blick in
die Akte und teilte dem Arzt mit, dass der Patient eine Hauttransplantation
benötige. "Das dachte ich mir," sagte er in Gedanken versunken,
ohne sich den Arm des Patienten anzuschauen.
Am nächsten Morgen hatte sich die Hand neu gebildet, bis hin zu den
Fingernägeln.
Der Patient war aufgewacht.
Zunächst etwas durcheinander, fragte er die Stationsschwester nach
seiner Kleidung. "Aber Sie sollen an Ihrem Arm eine Hauttransplantation
erhalten," erwiderte sie.
"Das glaube ich nicht", gab er zurück. Als er vom Bett
aufstand, schaute er durch sie hindurch. Sie versuchte, ihn aufzuhalten,
indem sie sanft ihre Hände auf seine Schultern legte. Er griff ihre
Arme mit seinen Händen und schob sie langsam von seinen Schultern
weg. Dann verließ er die Station. Die Schwester stand verwundert
und verwirrt da. Noch bevor sie es irgendjemandem erzählen konnte,
war der Patient auf der Straße verschwunden.
Er kam wieder im Haus von Das David an. Inzwischen war es dort recht voll.
Mittlerweile gab es dort 16 Re-Gene. S
ie alle hatten Jobs, die hauptsächlich IT-orientierte Bürotätigkeiten
waren.
Das David war zu der logischen Schlussfolgerung gelangt, dass sie ein
größeres Haus kaufen müssten. Immerhin arbeiteten alle
und das Geld war da.
Das David kaufte ordnungsgemäß einen alten Bauernhof vor den
Toren der Stadt. Das Grundstück war mehrere Hundert Morgen groß
und hatte zahlreiche Nebengebäude. Die Nebengebäude wurden in
Wohnhäuser umgewandelt und das Gelände bewahrte seine Abgeschiedenheit.
Das David gab einen Erlass heraus: PFLANZT EUCH FORT. Das David dachte.
Im nächsten Jahr waren
sie bereits eine blühende Gemeinschaft. Sie züchteten Kulturpflanzen
und Tiere ebenso wie Re-Gene. Der Außenwelt erschien es wie eine
Kommune. Die männlichen Re-Gene paarten sich mit den weiblichen Re-Genen.
Die Babys wurden ordnungsgemäß angemeldet. Das einzige Problem
war zunächst die Geschwindigkeit des Wachstums und die Ausstellung
von Ausweispapieren. Aber da die Re-Gene die meisten Sterblichen in der
Computerbranche und Informatik überholt hatten und in verschiedenen
örtlichen Behörden tätig waren, war die Beschaffung aktueller
Papiere nicht lange ein Problem.
Im dritten Jahr gab es Hunderte von Re-Genen, die die Gesellschaft durchsetzten
und unauffällig ihren täglichen Geschäften nachgingen.
Sie waren hauptsächlich in den IT-Bereichen des Handels tätig.
Informatik war der perfekte Bereich für sie. Einige wurden zum Lernen
in andere Organisationen gestreut. Das einzige für die Außenwelt
wahrnehmbare Phänomen war, dass die Kriminalitätsrate zurückging.
Die Wünsche und Habgier der Menschheit spielten im Denken der Re-Gene
keine Rolle. Nichts Bedauern, nicht Vernunft, nur kalte, kalkulierte Logik.
Nicht menschliche Logik, die einen Touch von Vernunft und einen Touch
von Leidenschaft hat. War es Maschinenlogik? Computerlogik? Keine Gnadenlogik?
Oder einfach reine belanglose Wahrheitslogik? Ganz gleich, was es war,
es war ganz eindeutig frei von menschlichen Schwächen.
Sie vereinigten ihr Wissen und so wurde ihre Intelligenz phänomenal.
Was einer lernte, wussten sie alle. Was einer erlebte, erlebten sie alle.
Mittlerweile ließen sie sich in verschiedenen Teilen der Stadt nieder.
Je mehr sie wurden, mieteten oder kauften sie sich Apartments.
Das David gab einen Erlass heraus: PFLANZT EUCH FORT. Das David dachte.
Sheriff Barker saß
da und schaute quer durchs Büro zu einem der Neulinge, die in dieser
Woche angefangen hatten. Officer Glen Harris tippte gerade einen Verbrechensbericht
über einen Raubüberfall und das verletzte Opfer. Wie er feststellte,
war das Opfer ins Krankenhaus gebracht worden und hatte sich am nächsten
Tag selbst entlassen. Auch er schaute zu dem Neuling. An ihm war irgendetwas
vertraut und irgendetwas merkwürdig, aber er konnte nicht genau dahinter
kommen. Officer Glen Harris verwarf den Gedanken und konzentrierte sich
auf seinen Bericht. Es war seines Wissens der vierte Fall, bei dem ein
Patient aus dem Krankenhaus gelaufen ist, dachte er. Irgendetwas störte
ihn, aber wieder kam er nicht darauf.
Am nächsten Tag wurde der Neuling Officer Glen Harris für einen
morgendlichen Rundgang durch das Bankenviertel der Stadt als Partner zugewiesen.
Er hieß Officer Parks und das war auch schon alles, was Glen Harris
von ihm wusste. Officer Parks redete nicht viel und wenn er es tat, dann
nur, um Fragen zur Durchsetzung des Gesetzes zu stellen. Wenn ihn Glen
Harris in dem Versuch, eine Beziehung herzustellen, ansprach, antwortete
Parks stets einsilbig und brachte das Gespräch so gleich wieder zum
Ende.
Als sie zur Mittagspause
vor einem Restaurant saßen, kam eine Meldung über einen Vorfall
in einem Spirituosengeschäft rein. Da es gleich um die Ecke war,
nahm Officer Glen Harris ihn an.
Sie kamen vor dem Geschäft an und traten vorsichtig ein. Sie hörten
einen hitzigen Streit zwischen zwei Erwachsenen hinter einer der Auslagen.
Offensichtlich war der Kunde vom Geschäftsinhaber beim Stehlen ertappt
worden. Als sich die Officer näherten, zog der Dieb eine Waffe und
zog sich in Richtung Tür zurück. Dann zog Parks, der Neuling,
seine Waffe und rief dem Dieb zu, seine fallen zu lassen. Es gab einen
Schuss und dann einen weiteren. Der Dieb hatte den Neuling in die Schulter
geschossen. Einen Bruchteil einer Sekunde später hat Officer Glen
Harris den Dieb erschossen. Der Neuling, Parks, wurde vorschriftsmäßig
ins Krankenhaus gebracht. Der Dieb wurde ins Leichenschauhaus eingeliefert,
damit der Leichenbeschauer seinen Bericht verfasst.
Zwei Tage später sah
Officer Glen Harris, als er in der Kantine der Polizeistation saß,
wie Officer Parks hereinkam, Ham and Eggs und einen Kaffee bestellte und
sich dann hinsetzte. Während Parks aß, trat Glen auf ihn zu
und fragte, was die Schulterverletzung mache. Parks antwortete in seiner
gewohnt einsilbigen Art, dass es sich lediglich um eine Kratzwunde gehandelt
habe.
Glen Harris hatte während seiner Dienstzeit schon viele Schusswunden
gesehen und als Parks durch den Aufprall der Kugel durch das Geschäft
geschleudert wurde, war das auf gar keinen Fall nur eine Kratzwunde. Aber
er hatte gesehen, wie Parks in die Kantine gekommen war, mit seinem verletzten
Arm ein Tablett genommen, sich hingesetzt und mit der Gabel gegessen hat,
ohne auch nur zu zucken. "Das war äußerst merkwürdig,"
dachte er.
Später an diesem Tag
hatte Officer Glen Harris einen weiteren 'Läufer'. Er war ins Krankenhaus
gefahren, um ein Opfer eines Autounfalls mit Fahrerflucht zu befragen.
Die diensthabende Schwester teilte ihm mit, dass der Patient, der zwei
Tage zuvor mit mehreren Beinfrakturen eingeliefert worden war, einfach
aufgestanden und gegangen sei. Officer Harris fragte die Schwester, ob
der Patient von irgendjemandem hinausgetragen worden sei, aber die diensthabende
Schwester war resolut und bestand darauf, dass andere Patienten gesehen
hätten, wie er einfach durch die vordere Tür hinausgegangen
sei. Später hatte sie es auf der Überwachungskamera des Krankenhauses
gesehen.
"Herein", sagte Sheriff Barker in geschäftigem Ton, als
Officer Glen Harris an die Tür klopfte. "Glen! Kommen Sie rein
und setzen Sie sich, ich wollte gerade mit Ihnen reden." sagte Sheriff
Barker, als er sah, wer in sein Büro kam.
Der Sheriff kannte Glen seit acht Jahren. Sie hatten zusammen angefangen.
Sie hatten Respekt voreinander. Glen setzte sich, zögerte unsicher
einen Moment, als denke er nach und sagte dann, "Jamie, bitte denken
Sie nicht, ich sei verrückt, aber ich glaube, in dieser Stadt geschieht
gerade etwas sehr Merkwürdiges."
Zu Glens Erleichterung erwiderte Sheriff Barker, "Ich bin froh, dass
Sie das sagen, Glen. Ich habe seit einiger Zeit auch so eine Ahnung."
Dann fügte er hinzu, "Wie hat sich dieser Neuling gemacht?"
Bei dieser Bemerkung wurde
Glen entspannt und er ging aus sich heraus, "Nun, Jamie, er ist es,
bei dem ich angefangen habe nachzudenken. Er erledigt seine Arbeit gut
genug, aber er hat keine
, wie soll ich sagen?. Keine Persönlichkeit
oder vielmehr keinen Humor oder Lebenssinn, als hätte er gar keine
Seele," erwiderte Glen.
"Was ist mit diesen 'Läufern', über die ich diese merkwürdigen
Berichte erhalte, Glen? " fragte der Sheriff.
"Nun, Jamie," antwortete Glen, "meines Wissens hat es in
den vergangenen zwei Jahren sieben Fälle gegeben, die entweder wie
ein Wunder von ihren Verletzungen genesen sind oder das Memorial Hospital
einfach verlassen haben, ohne dass ihre Behandlung abgeschlossen war.
Der letzte Patient ist heute Nachmittag davongelaufen. Er war nach einem
Unfall mit Fahrerflucht vor zwei Tagen mit mehreren Brüchen an beiden
Beinen eingeliefert worden. Ich habe die Aufnahmen der Überwachungskamera
gesehen. Darauf ist zu sehen, wie er ganz normal die Eingangstür
durchschreitet, so als wären seine Beine total in Ordnung."
"Glen, ich möchte Sie um einen Gefallen bitten", sagte
der Sheriff. "Ich möchte, dass Sie sich diskret in allen Krankenhäusern
und Kliniken der Stadt umhören. Finden Sie heraus, ob es diese 'Läufer'
nur im Memorial Hospital gibt, oder ob sie auch woanders auftauchen. Finden
Sie ihre Geschichte heraus, woher sie kommen, was sie für ihren Lebensunterhalt
tun, ob sie irgendetwas gemeinsam haben. Würden Sie das tun, Glen?"
"Ich bin schon dran, Jamie", sagte Glen enthusiastisch. Als
Glen das Büro verließ, sagte der Sheriff, "Behalten Sie
das aber vorerst für sich, Glen."
Das hatte Officer Glen Harris bereits vor.
In den nächsten Tagen
überprüfte Officer Glen Harris rührig jede Klinik und jedes
Krankenhaus der Stadt. Dabei fand er heraus, dass es in den letzten drei
Jahren insgesamt etwa vierzig 'Läufer' gegeben hat: Männer und
Frauen aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft. Die auffallendste
Gemeinsamkeit war ihre Altersgruppe: Mitte bis Ende zwanzig. Einige waren
älter, aber sie zog er ab, weil es sich bei ihnen größtenteils
um Hausierer und ansonsten Trinker oder Drogenabhängige handelte.
Er erfuhr auch, dass drei Tote aus einem Autounfall, die vor zwei Monaten
direkt in das Leichenschauhaus des Grant Foundation Hospital gebracht
worden waren, verschwunden waren.
Beim Durchgehen der Krankenhaus- und Klinikakten hatte er eine Idee. Aus
irgendeinem Grund beschloss er, die Fingerabdrücke der drei fehlenden
Leichen zu überprüfen. Er wusste, dass von jedem Toten, der
in ein Leichenschauhaus der Stadt gebracht wurde, automatisch die Fingerabdrücke
genommen wurden. Das war üblich.
Die Gerichtsmediziner waren wenig erfreut, als sie sich bei ihm meldeten.
"Machen Sie Späße, Glen?" sagte der verärgerte
Labortechniker durchs Telefon.
"Was meinen Sie?" erwiderte Glen.
"Die Fingerabdrücke, die Sie mir geschickt haben, sind alle
identisch," sagte der Techniker
"Was!" rief Glen, und fügte hinzu, "was macht das
schon?"
"Macht nichts, Glen, macht gar nichts", kam verärgert die
Antwort, "aber es ist unmöglich, dass zwei Fingerabdrücke
übereinstimmen, von dreien ganz zu schweigen."
"Sorry" sagte Glen, "da müssen Unterlagen vertauscht
worden sein."
"Das würde ich auch sagen", kam die Antwort. Dann war die
Leitung tot.
Das David gab einen Erlass heraus: Wir haben einen Störenfried. Dem
müssen wir uns widmen. Das David dachte.
Glen erledigte seine Schreibarbeiten,
hatte seine tägliche Einweisung und ging raus zu seinem markierten
Wagen im Fuhrpark der Polizei.
"Nicht diesen heute, Glen, ist fällig zur Wartung," sagte
Lenny, der Polizeimechaniker. "Lange überfällig. Nimm Jeffs.
Nummer 41. Er ist in Urlaub."
"OK," erwiderte Glen. Er ging zurück zum Ausgabeschalter,
unterschrieb für die Nummer 41, holte den Schlüssel und stieg
in den Wagen. Etwas, was Glen nicht leiden konnte, war, das Auto eines
anderen zu nehmen. Es waren die Gerüche, die Essgewohnheiten seiner
Kollegen im Wagen, die aus den Polstern drangen. Knoblauch - er hasste
Knoblauch. Dieses Auto stank besonders danach. "Verdammter Jeff,
muss seine Ernährung verändern," murrte Glen im Losfahren.
Als Officer Glen Harris
auf Streife war und auf der Jagd nach Drogendealern seinen wöchentlichen
Gang durch das Zentrum absolvierte, kam ein Ruf an alle Wagen rein und
machte auf eine Explosion in der Duke Street aufmerksam. "Officer
down! Officer down! Explosion in der Duke Street, Wagen 21 brennt."
Glen zuckte zusammen. Dann wurde ihm kalt. "Das ist mein Wagen,"
dachte er.
Er wollte gerade antworten, als vor ihm ein schwarzer Cadillac stehen
blieb und ihm den Weg versperrte. Ein anderer versuchte, hinter ihn zu
kommen. Er fuhr schnell rückwärts und schnitt den Cadillac.
Dann wendete er durch Anziehen der Handbremse und raste davon. Er war
etwas verstört, als ihm klar wurde, dass er Ziel dieser Läufer
war. Was tun? fragte er sich.
Der Erlass ist erfüllt. Parks dachte.
Glen ging in seine Lieblingsbar und rief Jamie an.
Als Sheriff Barker eintraf, sah Glen ziemlich verschreckt aus. Er saß
in einer Ecke und nippte an einem Roggenwhisky, um seine Nerven wieder
zu stählen.
"Jamie," sagte Glen zum Sheriff, "Sie werden es nicht glauben,
aber diese Sache, die ich auf Ihren Wunsch näher untersuchen sollte
"
"Was? Die 'Läufer'?" unterbrach der Sheriff.
"Ja, die Läufer. Also, dieser Auftrag ist seltsamer, als Sie
sich vorstellen können." erwiderte Glen.
"Am besten, Sie fangen ganz von vorn an," sagte der Sheriff
zurückgelehnt in seinen Sessel.
Glen nahm einen Schluck
von seinem Roggenwhisky und begann zu erklären. "Also, ich habe
jede Klinik und jedes Krankenhaus der Stadt überprüft. Dabei
habe ich herausgefunden, dass es bisher insgesamt ca. vierzig 'Läufer'
gegeben hat. Zugegeben, das ist nicht viel für eine Stadt mit dreieinhalb
Millionen Einwohnern. Aber da ist noch mehr. Ich habe drei 'Läufer'
überprüft, die in ein Leichenschauhaus gebracht worden waren.
Wenn ich sage, ich habe sie überprüft, meine ich, die Körper
waren verschwunden. Aber bei der Einlieferung in ein Leichenschauhaus
werden zur Bestätigung der Identität von jeder Leiche die Fingerabdrücke
genommen. Auch dann, wenn Sie eine ID auf dem Körper tragen. Von
diesen drei Leichen waren die Fingerabdrücke genommen worden. Wer
die Körper entfernt hat, hat nichts mit dem Leichenschauhaus zu tun.
Das ist sicher. Oder sie hätten die Einlieferungsakten auch entfernt.
Ich habe die Fingerabdrücke kontrollieren lassen. Sie waren alle
identisch!"
"Was!" sagte Sheriff Barker, "Das ist ja interessant, Glen,
sehr interessant."
"Es wird noch merkwürdiger, Jamie," sagte Glen nachdenklich.
"Ich habe auch die Fingerabdrücke von Officer Parks überprüfen
lassen. Auch sie waren mit den drei anderen identisch!"
"Als handelte es sich immer um dieselbe Person," sagte der Sheriff,
"könnte es sein, dass die Fingerabdrücke von ein und derselben
Person dreimal genommen wurden?"
"Nein." sagte Glen. "Das habe ich auch überprüft.
Jeder Satz hatte charakteristische Kratznarben, Narben, die sich jeder
im Laufe seines Lebens zuzieht. Die Fingerabdrücke waren eindeutig
identisch, einschließlich der von Parks!"
"Das nächste, das ich weiß: an meinem Auto wurde herumgebastelt.
Wenn Lenny mir nicht gesagt hätte, dass ich einen anderen Wagen nehmen
müsse, weil meiner zur Wartung fällig sei, würde ich jetzt
nicht mehr mit ihnen sprechen, Jamie." sagte Glen.
Der Sheriff hielt inne. Dann sagte er, "Ich nehme noch einen Drink,
Glen, ich bin erschüttert. Ich verrate Ihnen ein Geheimnis, Glen.
Wir wissen, dass irgendwas im Gange ist. Das wissen wir schon seit einiger
Zeit."
Der Sheriff zögerte, lehnte sich nach vorn und sah Glen in die Augen.
"Ein Stock, Glen. Sie waren ein Stock, mit dem in einem Ameisennest
gestochert werden sollte, um zu sehen, was passieren würde. Wir wollten
die Reaktion erleben, sehen, wie organisiert das Nest ist, was es zu seiner
Verteidigung tun würde."
"Na schönen Dank auch," sagte Glen.
"Mir blieb nichts anderes übrig, Glen," sagte der Sheriff.
"Überlegen Sie doch. Anderenfalls hätten Sie doch selbst
da draußen herumgestochert."
"Aber ich war allein, nicht wahr?" sagte Glen.
"Nein, Glen. Wir haben Sie die ganze Zeit beobachtet." erwiderte
der Sheriff.
"Und was ist mit meinem Wagen? Ich wurde beinah durch eine Explosion
getötet," sagte Glen ängstlich.
"Nein, das wären Sie nicht, Glen. Meinen Sie, es war Zufall,
dass Ihr Wagen zur Wartung drinnen blieb? Parks hat die Vorrichtung heimlich
untergebracht. Wir kannten das System. Der Wagen war am Morgen gründlich
untersucht worden. Dabei wurde herausgefunden, dass die Vorrichtung so
eingestellt war, dass sie beim 13. Tritt auf die Bremse losgehen würde.
So konnte dafür gesorgt werden, dass der Fahrer zwar beim Aussteigen
war, als es zu der Explosion kam, aber auch noch auf seinem Sitz. Ihr
Wagen wurde in einen ruhigen Teil der Stadt gefahren und von einem unserer
Agenten zur Detonation gebracht. Er ist keinerlei Risiko eingegangen.
Er hat abgewartet, bis die Straße leer war. Dann hat er das Ding
hochgehen lassen. Offiziell sind Sie jetzt praktisch tot, Glen. Das wird
Sie aus der Schusslinie nehmen."
"Und was ist mit Parks?" fragte Glen.
"Ja, Parks," murmelte Jamie nachdenklich, "er wurde aus
dem Verkehr gezogen. Er wurde kurz nach der Explosion Ihres Wagens zu
einem Vorfall gerufen. Ein Einbruch in einem Geschäft im Zentrum.
Er wurde erschossen, gleich als er eintrat. Eine traurige Sache. Gestorben
bei der Verteidigung des Gesetzes."
"Ja. Wirklich traurig." fügte Glen hinzu.
"Und was wurde mit dem Leichnam gemacht?" fragte Glen.
"Der ist im Leichenschauhaus." sagte der Sheriff: "wartet
wohl auf die Abholung, oder?" ergänzte er, ohne eine Antwort
zu erwarten. "Wir werden sehen, was Re-Gene mit ihren Toten machen,
Glen."
"Re-Gene?" fragte Glen.
"Ja, so nennen wir sie, Glen. Da die Läufer ihre Körperteile
wieder erneuern, hielten wir das für einen passenden Namen für
sie."
"Sterben sie auch, Jamie?" überlegte Glen.
"Das wissen wir nicht, Glen. Alles, was wir wissen, ist, dass sie
Gliedmaßen oder Organe in ihrem Körper erneuern können.
Ihre Wachstumsphase von der Geburt, wenn Sie es so nennen wollen, ist
mehr eine Metamorphose als Wachstum und geht unglaublich schnell vor sich.
Dann hört sie plötzlich auf und sie sehen aus, als wären
sie Ende zwanzig.
Nun, vielen Dank, Glen. Wir wissen, dass sie alle dieselben Fingerabdrücke
haben. Diese Tatsache wird uns ganz klar einen Vorteil verschaffen."
"Was sind sie?" fragte Glen.
"Hören Sie zu, Glen." begann der Sheriff zu erläutern.
"Vor gut drei Jahren erhielt ein Patient mit gebrochenen Beinen in
der Grant Foundation Clinic versuchsweise eine neue Therapie. Bio-Nano-Replikatoren,
was auch immer das ist, wurden dem Patienten in die Beine gespritzt. Nach
drei Tagen ging der Patient aus der Klinik und verschwand. Das war unser
erster 'Läufer'. Er war Ende zwanzig.
Die Forscher setzten die
Versuchstherapie aus, weil der Patient in diesen drei Tagen im Koma gelegen
hatte. Sie stellten fest, dass sie die Nebenwirkungen noch weiter untersuchen
müssen.
Ein Jahr später brannte die Klinik nieder und zwei der wichtigsten
Forscher waren wie vom Erdboden verschwunden. Ebenso ihre Notizen. Zufall?
Oder hatten diese Re-Gene sie rausgeholt?
Durch direkte Überwachung und Abhörgeräte in den Wohnungen
mehrerer Verdächtiger sind wir zu dem Schluss gekommen, dass sich
die Hauptkolonie oder der Bienenstock, wenn Sie so wollen, auf einem Bauernhof
nördlich der Stadt befindet. Anhand der übrig gebliebenen Versuchsunterlagen,
die wir bergen konnten, wurde festgestellt, dass sie alle von dem ersten
'Läufer' stammen."
"Was, viertausend?", fragte Glen erstaunt.
"Nein, Glen, nicht viertausend, möglicherweise bis zu zehntausend."
erwiderte der Sheriff.
"Glen," begann er zu erläutern, "Wenn sie sich nur
alle drei Monate verdoppeln, ist es mindestens das Zwölffache. Überlegen
Sie nur. Sie verdoppeln zwei zwölf Mal, Glen."
"Warum zwölf?" fragte Glen.
"Re-Gene brauchen drei Monate bis sie reif sind," sagte der
Sheriff. Vor 36 Monaten oder etwas mehr wurde, so wissen wir, das erste
Re-Gen geboren. Nein, nicht geboren, geschaffen."
"Wie kommt es, dass wir sie noch nicht vorher bemerkt haben?"
erkundigte sich Glen.
"Wie hätten wir das sollen, Glen? Sie fahren in die Stadt und
arbeiten. Sie sehen aus wie andere, denen man begegnet. Bleiben unter
sich. Verdienen Geld, kaufen oder mieten Wohnungen. Wie soll man einen
Unterschied bemerken?"
"Was wollen sie, einfach nur sich fortpflanzen?" fragte Glen.
"Nein," erwiderte der Sheriff, "Ihr ursprünglich Zweck
ist Fortpflanzung. Dann wird es schlimmer. Sie wollen die Macht übernehmen,
Glen."
"Woher wissen Sie das, Jamie?" erwiderte Glen.
Der Sheriff antwortete, "Unsere eindringliche Überwachung, Wanzen,
Abhörung von Telefongesprächen, selbst ihre Tätigkeiten.
So weit wir herausgefunden haben, arbeiten sie hauptsächlich in der
Informatikbranche.
Sie tragen so viele Informationen
über uns zusammen, wie sie können. Nicht unsere Gewohnheiten
oder unsere Vorlieben und Abneigungen, nein, unsere Logik. Wie wir denken,
wie wir wahrnehmen. Ihr Gebrauch von Rechnern ist surreal. Ihre Programmierdaten
weisen darauf hin, dass sie bereits alles übertroffen haben, was
wir in einer Datenbank erschaffen können. Nun hat sich das Muster
geändert. Sie versuchen, in die bürgerliche Struktur unserer
Gesellschaft einzudringen, den Stadtrat und die Polizei. Einer soll die
Entscheidungen treffen, der andere soll sie ausführen!"
"Was für Entscheidungen und warum?" fragte Glen nach.
"Ich habe Ihnen schon gesagt, Glen, sie sammeln Informationen über
uns, studieren uns.
Der nächste Schritt ist, mit uns zu experimentieren. Zu sehen, wie
wir reagieren, wie wir durch unsere eigenen Gesetze gelenkt werden, wie
sie sie langsam verändern, Stück für Stück, bis sie
sicher sind, dass sie uns haben. Dann, so glaube ich, werden sie anfangen,
in andere Städte zu ziehen und dort dasselbe zu tun, nur wirkungsvoller
durch das, was sie hier bereits gelernt haben.
Zu unserem Glück, Glen, sind sie in ihrer Maskerade nicht sehr genau.
Und sie haben auch keinen Humor," sagte der Sheriff lächelnd.
"Überlegen Sie mal, Glen, was wäre der Unterschied zwischen
einem Roboter und uns, abgesehen vom Aussehen?"
Glen zögerte, überlegte und sagte schließlich, "Gewohnheiten?"
"Spot an, Glen!" erwiderte der Sheriff.
Der Sheriff erläuterte,
"Nach den ersten Überwachungen war deutlich, dass keiner von
Ihnen Bilder in der Wohnung hat. Warum? Weil sie keinen Sinn für
Kunst und Schönheit haben. Es hat auch keiner Bücher. Keine
Stereoanlage, kein Fernseher. Sie haben keinen Hang dazu. Sie trinken
nicht, rauchen nicht, gehen nicht ins Kino. Alles in allem eine ziemlich
komische Truppe, nicht wahr, Glen?"
Glen erwiderte, "Ja, aber nach dem, was Sie erzählt haben, Jamie,
verdammt gefährlich."
"Ja, sehr gefährlich. Es ist bald Zeit, sie dauerhaft auszuschalten,"
antwortete der Sheriff.
"Was ist geplant?" fragte Glen.
Der Sheriff lehnte sich wieder vor und sagte, "Zuerst kontrollieren
wir gründlich unsere Agenten und alle anderen, die damit zu tun haben.
Ihnen vielen Dank, Glen. Wir verfügen über ein idiotensicheres
System. Von jedem Beteiligten werden die Fingerabdrücke genommen.
Ohne dass sie es wissen, natürlich. Wir wollen damit nicht anfangen,
wenn die Re-Gene Bescheid wissen. Wir wissen nicht sicher, ob sie schon
bei uns eingedrungen sind."
Zwei Wochen später
wurde Glen zu einem Meeting eingeladen.
Am Eingang des Besprechungszimmers wurde von jeder Person die Hand eingescannt.
Da waren zahlreiche Männer und Frauen in seriöser Geschäftskleidung.
Unter ihnen erspähte Glen Sheriff Barker. Glen ging zu ihm hin und
begrüßte ihn. Der Sheriff sah ihn und sagte, "Es sieht
so aus, als würde die Aktion heute starten, Glen."
"Was ist mit Parks' Leichnam geschehen, Jamie?" fragte Glen.
Der Sheriff antwortete mit
einem Funkeln in den Augen, "Einer der Männer, die Sie bald hören
werden, hat ihn benutzt oder besser damit experimentiert. Wir waren der
Meinung, dass Parks zu wertvoll sei, um ihn im Leichenschauhaus zu lassen,
um fortzulaufen oder abgeholt zu werden. Unser Interesse war wichtiger
als ihres, Glen. Nun fehlt ihnen also eine Leiche. Das Letzte, was sie
wissen, ist, dass er von einem Räuber aus geringer Entfernung erschossen
wurde. Selbst mit ihrer Logik müssen sie sich ausrechnen, dass sie
einen verloren haben. Um sicher zu gehen wurde sein Kopf vom Körper
getrennt."
"Was!" rief Glen.
"Eine Vorsichtsmaßnahme. Wir wussten nicht, ob er sich selbst
erneuern kann, auch wenn sein Herz hinten aus seinem Körper geblasen
worden ist. Wir konnten es nicht zulassen, dass er mit dem Bienenstock
kommuniziert. Was sein muss, muss sein, Glen!" sagte der Sheriff.
Eine Stimme unterbrach ihr Gespräch.
"Meine Damen und Herren, bitte nehmen Sie Ihre Plätze ein,"
sagte der Sprecher vorn.
Sie setzten sich alle hin und das Gemurmel verebbte. Das Licht wurde abgedunkelt
und eine Leinwand wurde beleuchtet.
Auf der Leinwand war ein Stadtplan zu sehen. Einige Vororte waren rot
schattiert.
"Leute, das ist die Situation," sagte der Redner. "Die
Re-Gene leben größtenteils in den rot schattierten Gebieten."
Er zeigte auf der Leinwand auf dieses Gebiet und fuhr fort.
"Wir rechnen mit neuntausendvierhundert plus zweihundert auf dem
Bauernhof.
In naher Zukunft werden
wir sie alle gleichzeitig ausschalten. Für diese Operation werden
furchtbar viele Leute gebraucht. Was wissen wir bisher über sie?
Erstens, sie können sich sehr schnell regenerieren. Drei Monate vom
Anfang bis zum Endprodukt.
Zweitens, sie können jedes geschädigte Körperteil nachwachsen
lassen.
Drittens, sie haben alle dasselbe Alter.
Viertens, sie haben alle identische Fingerabdrücke.
Fünftens, sie können telepathisch miteinander kommunizieren."
Der Raum füllte sich mit Gemurmel.
"Ja, Telepathie, meine Damen und Herren. Was einer weiß, wissen
alle. Deshalb müssen wir sie auch alle gleichzeitig rausholen. Sie
sind auch unglaublich intelligent, wenn auch dumm."
"Wie meinen Sie das?" fragte jemand aus dem Publikum.
Der Redner kam mit einem
Euphemismus. "Intelligenz sagt Ihnen, eine Tomate ist eine Frucht.
Weisheit sagt Ihnen, sie nicht in einen Obstsalat zu geben. Die Re-Gene
würden eine in einen Obstsalat geben. Mit anderen Worten, sie sind
nicht besonders pfiffig. Ihre Logik beruht auf reiner Mathematik. Sie
scheinen nicht denken zu können."
"Sie hören sich immer mehr nach Robotern an, Jamie," sagte
Glen. "Zu diesem Schluss sind wir gekommen, Glen. Eine Art Bioroboter
oder Bioandroid, eine laufende und sprechende Datenbank," erwiderte
der Sheriff.
Dann sagte er, "Unsere Genetiker haben Proben ihrer Zellen untersucht.
Wussten Sie, dass jede lebende Zelle einen Kern hat, der die DNA des gesamten
Körpers enthält? Bei den Zellen der Re-Gene ist das nicht so.
Wie sie sich fortpflanzen, ist mir noch ein Rätsel, aber sie tun
es!"
Der Redner bat um Aufmerksamkeit. "Gestatten Sie mir, Ihnen Professor
Mellor vorzustellen. Er hat einige erschreckende Entdeckungen über
diese Re-Gene und wie sie funktionieren, gemacht.
Bitte hören Sie sich
an, was er zu berichten hat. Es ist sehr lehrreich. Am Ende beantwortet
er gern ihre Fragen."
"Die erste und wichtigste Feststellung, die ich Ihnen gleich zu Anfang
kategorisch mitteilen möchte, ist, dass es sich nicht um Menschen
handelt. Re-Gene haben keine DNA. Folglich teilen sich ihre Zellen nicht
und ersetzen sich nicht selbst, wie es bei uns der Fall ist.
Wie erneuern Sie dann ihre Organe? Nun, um genau zu sein, sie bauen sie
neu auf. Streng genommen, sollten wir sie nicht Re-Gene nennen, sondern
Replikatoren.
Ihre Zellen sind wirklich keine Zellen im medizinischen Sinn. Wie ich
bereits erläutert habe, haben sie keine DNA, aber jede Zelle hat
einen Satz Bio-Nano-Replikatoren.
Sie replizieren geschädigtes
oder fehlendes Gewebe und ersetzen so das Bein. Die Nervenrinde des gesamten
Wesens hat ein Gedächtnis für den Körper. Wenn ein Teil
des Körpers geschädigt wird, bauen sie ihn wieder auf. Mit denselben
Narben, denselben Verbrennungsmalen, denselben Muttermalen oder was auch
immer und denselben Fingerabdrücken wie bei der Königin."
"Der Königin?" fragte jemand aus dem Publikum.
"Ja, der Königin," antwortete der Professor, "die,
wie wir glauben, David ist oder besser war. Der Erste, von dem alle anderen
Kopien sind, ganz gleich, ob männlich oder weiblich."
"Woher wissen Sie das alles, Professor?" unterbrach ihn ein
junger Mann aus dem Saal.
Der Professor antwortete, "Aus der Untersuchung der abgetrennten
Beine, eines Torsos und eines abgetrennten Kopfes eines Re-Gens, die uns
freundlicherweise von Sheriff Barker und der Polizei aus einem tragischen
bewaffneten Raubüberfall zur Verfügung gestellt wurden. Da sie
wie wir Sauerstoff benötigen, stirbt ihr Gehirn wie unseres. Ich
habe bei meiner Untersuchung und den Versuchen am Nervensystem unter einem
Elektronenmikroskop darin herumgestochert."
Der Professor fuhr fort,
"Auch durch Eindringen (Hacking) in ihre Rechneranlagen, mit denen sie
ihre Daten, wo sie arbeiten, formatieren, durch Kopieren und Herunterladen
ihrer Programme und deren Durchsicht auf Antworten. Leider haben sie jetzt
eine binäre Computersprache entwickelt, die wir bislang noch nicht
entschlüsseln können. Wir können noch nicht einmal ein
Programm schreiben, um alle Datenketten zu erfassen.
"Haben sie irgendwelche Schwächen?" fragte eine andere
Person aus dem Publikum.
"Ja, haben sie," antwortete der Professor. "Erstens, was
aber nicht so wichtig ist, habe ich entdeckt, dass sie alle sterben!"
"Wann?" fragte eine andere überraschte Person aus dem Saal.
Professor Mellor zögerte, als spielte er, und erhöhte so die
Spannung und Erwartung des Publikums.
"Exakt siebenundzwanzig Jahre und drei Monate nach ihrer Schaffung."
Er stotterte, hielt inne und sagte schließlich, "Ich formuliere
es noch einmal anders: von der Schaffung der Königin oder um genauer
zu sein, von der Schaffung von Das David.
Sie befinden sich im Countdown. Der Grund dafür, warum ihre Wachstumsgeschwindigkeit
so phänomenal hoch ist und dann zum Stillstand kommt, liegt darin,
dass die Bio-Nano-Replikatoren eine eingebaute Uhr haben, die rückwärts
zählt. Das anfängliche explosionsartige Wachstum der Re-Gene
ist im Grunde wie der Urknall. Zum präzisen biologischen Alter von
Das David hören sie auf, sich zu verdoppeln. Sicher, sie erneuern
ihre Gliedmaßen und achten auf sich, aber sie sind alle mit der
Königin verbunden. Fragen Sie mich nicht, wie, aber sie sind es.
Ihre Motivation ist Erzeugen und Lernen. Nicht, was wir unter Lernen verstehen.
Sondern es geht darum, ihre Logik auf das Niveau eines Supercomputers
oder eines Intranets, das von der Königin kontrolliert wird, zu bringen.
Geht es ihnen dabei ums Überleben oder einfach darum, die Grundwahrheit
zu finden?
Ich glaube, sie wissen,
dass die Zeit läuft. Die Frage ist, ob David einen Weg zu ewigem
Dasein findet? Ist er überhaupt interessiert an ewigem Dasein? Macht
er sich überhaupt Gedanken darüber? Ich glaube nicht, ich denke,
es ist ihm noch nicht einmal in den Sinn gekommen. Warum auch?"
"Weil er nicht mehr viel Zeit hat?" unterbrach eine Stimme aus
dem Publikum.
"Zeit," der Professor lachte. "Entschuldigen Sie",
sagte er zu der Person, der die Stimme gehörte, "Was bedeutet
schon Zeit? Für Sie persönlich ist es vielleicht ein endgültiger
in Sekunden, Minuten, Stunden, Tagen, Jahren gemessener Zeitraum, bis
Sie dem Sensenmann begegnen. Für andere bedeutet Zeit eine Reihe
von Erfahrungen, die mit dem Älterwerden verwässern. Für
wieder andere ist es ein Zeitraum spirituellen Bewusstseins und dann bedeutet
Zeit auch für einige ein Gefühl der Liebe zu allem.
Sehen Sie, Zeit entspricht nicht unbedingt einem langen Weg zu einem Ziel.
Es geht hierbei um Ihre Auslegung des Begriffs im Rahmen Ihres
beschränkten Bewusstseins." Professor Mellor setzte seinen intellektuellen
Diskurs weiter fort, als würde er seine eigenen Hypothesen neu klassifizieren.
"Dann können Sie natürlich noch fragen, was ist Realität?
Ist sie unser und damit meine ich unser Verständnis
des Physischen oder Metaphysischen?
Materie wird üblicherweise
als Substanz definiert, aus der sich physische Gegenstände zusammensetzen.
Sie begründet das wahrnehmbare Universum.
Nach der Relativitätstheorie gibt es keinen Unterschied zwischen
Materie und Energie, weil Materie in Energie umgewandelt werden kann und
umgekehrt.
Im philosophischen Sinn stellt sich Materie als formloses Substrat aller
Dinge dar, das nur potenziell existiert und aus dem unsere Realität
hervorgeht, weil es die Dimension ist, in der wir leben. Wer sind wir,
dass wir uns unterscheiden müssen? Wer sind wir, dass wir Herausforderungen
benötigen? Bestimmt hat es nichts mit dem Begriff von Zeit zu tun,
so wie wir ihn wahrnehmen!"
Der Professor zögerte eine Sekunde, um dem aufmerksamen Publikum
schließlich eine laienhafte Erläuterung seiner Hypothese zu
geben. Er wollte überraschen, belehren. Sein lebenslanges Anliegen
zu lehren und seine Theorien weiterzugeben überkam ihn wieder. Er
zögerte, räusperte sich, schaute in die Runde und erläuterte
die Bedeutung seiner wichtigsten Theorie.
"Ich vermute, dass die Zeitvorstellung von Das David vierdimensional
ist. Stellen wir uns ein Schachbrett vor: Wenn jedes Quadrat ein Jahr
wäre und Sie über diese Quadrate liefen, dann würden Sie
im vierundsechzigsten Jahr - unter Berücksichtigung einiger fehlerhafter
Schritte den eigenen Untergang erreichen! Stellte man ein Re-Gen
auf das erste Quadrat, zwei auf das zweite, vier auf das dritte und so
weiter, was hätte dann Das David?
Ich sage es Ihnen: 9223372036854775808.
Das sind furchtbar viele Jahre, finden Sie nicht, bis David die ultimative
Antwort auf die ultimative Frage gefunden hätte? Glauben Sie nicht,
dass Ihr Zeitbegriff damit befriedigt wäre? Bis zu seinem Untergang
wird es verdammt viele Re-Gene auf diesem Planeten geben."
Er wurde unruhig. Er hoffte, man würde ihn verstehen, und fügte
hinzu, "Und wir kennen noch immer nicht die Frage, die er zu beantworten
versucht."
"Als sie mit David, dem lebenden Wesen, experimentierten, haben sie
ohne böse Absicht einen Supercomputer erzeugt, der versucht, die
ultimative Frage zu beantworten!"
Jede Tatsache, Gleichung und jede Berechnung von Das David zielt auf einen
Zweck, auf eine Frage ab .....WARUM?"
"Planen sie einen Angriff auf uns, Professor?" fragte besorgt
eine junge Frau.
"Im Gegenteil, junge Frau, warum sollten sie? Wir stellen keine wahrgenommene
Bedrohung dar. Würden Sie lediglich neben einem Bienenstock stehen,
wären Sie doch auch nicht in Lebensgefahr, oder? Ich denke nicht,
es sei denn, Sie wären zu neugierig und tun etwas, ohne das Wissen
eines Bienenzüchters zu haben, der die Gewohnheiten und Verhaltensweisen
des Stocks kennt."
Die besorgte junge Frau
entspannte sich. Dann fuhr der Professor ohne weiter auf die Unterbrechung
einzugehen fort:
"Nein, meine Liebe, ich glaube nicht an die Planung eines Angriffs.
Wir haben keine Bedeutung für sie, wir sind sozusagen irrelevant.
Sie haben keinen Sinn für Liebe, Hass oder Schönheit, für
Musik oder Kunst. Sie haben keine Leidenschaft."
Er schaute wieder ins Publikum, zögernd, als warte er auf dessen
Beachtung. Er wollte überraschen, seine Theorien weitergeben.
"Wie Sie wissen, besitzen sie keine Bilder, keine Fernseher, keine
Bücher. Sie haben weder Interesse an Blumen oder Bäumen noch
an Sonnentagen. Sie sind komplett seelenlos. Es handelt sich bei ihnen
um laufende und sprechende bzw. mobile Datensammelstellen."
"Ja, ich kenne viele von ihnen," rief eine Stimme aus dem Publikum
sarkastisch. "Sie wurden früher Bürohengste
genannt, jetzt heißen sie digitale Tastendrücker.
Das Publikum lachte.
"Wenn sie abends von der Arbeit kommen und nur in der Wohnung rumsitzen,
müssen sie sich furchtbar langweilen," rief eine andere Stimme
aus dem Saal.
Der Professor war irritiert, aber antwortete und schaute starr ins Publikum.
"Nicht ganz," erwiderte er. "Sie assimilieren das Wissen,
das sie im Laufe des Tages aufgenommen haben. Sie übertragen die
Daten untereinander und was am wichtigsten ist auf die Königin,
Das David. Und natürlich sind sie fortlaufend mit der Aufzucht und
Pflege ihrer Nachkommenschaft beschäftigt.
Ich bin davon überzeugt,
dass sie eine Übernahme beabsichtigen und uns Stück für
Stück in ihren Schwarm assimilieren wollen. Sie werden in die Ämter
gehen, zur Polizei, zur Armee, letztlich sogar auf Landesebene."
Ein Mann aus dem Publikum stand auf und fragte, "Professor Mellor,
Sie sagten Erstens auf die Frage der Schwäche, was ist
Punkt 2 auf Ihrer Liste?"
"Nun, junger Mann", sagte der Professor und schaute um Aufmerksamkeit
bemüht ins Publikum. "Wie wir nutzen sie neurale Impulse zum
Denken. Allerdings sind sie im Gegensatz zu uns keine biologischen, sondern
mechanische Wesen. Jede Zelle in ihrem Gehirn bzw. Körper verfügt
anstelle der DNA über einen Satz Nano-Replikatoren und diese Nano-Replikatoren
sind maschinelle, mechanische Teile.
Sie sorgen dafür, dass
die Neuronen die Informationen über ihre neuralen Verbindungen und
Synapsen weiterleiten. Wie bei uns Menschen. Anders als wir Menschen werden
sie jedoch durch starke magnetische Felder beeinflusst. Würde einer
ein Magnet in die Hand nehmen, würde er zeitweilig die Koordination
seiner Hand verlieren, bis er das Magnet loslässt und die Nano-Replikatoren
die Restrukturierung der Neuronen in der Hand vornehmen würden.
Ich habe mir selbst die Frage gestellt, warum sie eine dichtere Nano-Replikatoren-Suppositorium-Zusammensetzung
nahe der Hautoberfläche besitzen, insbesondere am Kopf?
Mein Sohn hat mir diese
Frage beantwortet, und zwar durch eine grundlegende Frage, die uns selbstverständlich
erscheint: "Wie funktionieren Computer, Dad?" fragte er mich. Während
ich ihm meine Antwort gab, kam es wie eine Offenbarung!
Das David ist nun, wie soll ich sagen? er ist der Mikroprozessor.
Seine nächsten Verwandten sind in Computerterminologie gesprochen
- die Festplatten. Sie sind diejenigen auf dem Bauernhof. Er assimiliert
alle Informationen aus seinen laufenden und sprechenden Datenkollektoren,
dann sendet er sie weiter an seine Festplatten. Es sind seine eigenen
Datenbanken. Er trägt ein umfassendes Wissensintranet zusammen.
Warum sie eine dichtere Nano-Replikatoren-Suppositorium-Zusammensetzung
an der Hautoberfläche, insbesondere am Kopf haben, liegt daran, dass
sie die elektromagnetischen Felder abweisen müssen!
Daher müssen wir nicht
den Stock als Masse angreifen, wir müssen Das David eliminieren.
Wir müssen Das David ausschalten. Ohne ihn verliert der Stock seinen
Sinn. David ist der Antrieb.
"Antrieb?" An dieser Stelle unterbrach ein mittlerweile nervös
und unsicher gewordener Officer, der sich nicht mehr auf der gleichen
Wellenlänge mit dem Rest sah, die Aufmerksamkeit des Publikums.
"Ja," antwortete der Professor milde und sammelte sich in Vorbereitung
auf den Schluss. "Antrieb. Ein technischer Begriff, der Schlüssel
für das Funktionieren der Maschine, denn wir dürfen schließlich
nicht vergessen, dass wir es auf jeden Fall mit einer Maschine zu tun
haben.
Ein Computer ist in jeder
Hinsicht eine Maschine. Ohne den Antrieb, funktioniert sie nicht mehr.
Ich versuche, Ihnen nur die Grundlagen zu erläutern. Das David ist
der Antrieb. Wenn er aus der Gleichung herausgenommen wird, fällt
die gesamte Maschine aus. Das ist die Theorie." Er hatte seine Rede
beendet, schaute zum Moderator und nickte.
Der Moderator stand auf und sagte, "Vielen Dank für Ihre erhellenden
Erläuterungen, Professor Mellor. Darf ich Ihnen jetzt Marinegeneral
McClintock vorstellen". Er setzte sich wieder.
Der General erhob sich und sagte: "Vielen Dank. Sehr geehrte Damen
und Herren, kommen wir nun zu unserem Plan. Was würde geschehen,
wenn man ein starkes Magnet in die Nähe einer mit Informationen gefüllten
Festplatte hält? Die Magnetkraft würde die Festplatte mit den
gespeicherten Daten vollständig zerstören.
Wir beabsichtigen die Nutzung eines EMP, das ist ein elektromagnetischer
Impuls. Er fungiert als Unterbrecher und eliminiert dauerhaft die Datenbanken
und den Antrieb, Das David, und das mit einem Schlag.
Dieses Gerät arbeitet mit einer leistungsstarken Mikrowellenbombe,
einer sogenannten 'Bear Can'. Das Gerät verursacht kurze, energiegeladene
elektromagnetische Impulse von bis zu 10 Gigawatt, die jedes komplexe
elektronische System im Gebiet zerstören, einschließlich der
'Datenbanken'.
Er führte seine Ausführungen
weiter fort. Dieses Konzept basierte auf den frühen Nukleartests
zur Zeit des Kalten Krieges, als russische Wissenschaftler erkannten,
dass atomare Detonationen in der Höhe einen elektromagnetischen Impuls
erzeugten, der in der Lage ist, empfindliche elektronische Systeme am
Boden zu zerstören. Daher der Begriff "Bear Can". Wir haben ihn übernommen.
Eine Hochfrequenz-Waffe nutzt die starken elektromagnetischen Impulse
der HF-Energie zur Vernichtung oder Unterbrechung der Elektronik in einem
Ziel. Diese Waffe zählt zu den Hochleistungs-Mikrowellenwaffen (HPM).
Für Freitagnacht gegen 19.00 Uhr planen wir die Explosion einer "Bear
Can" und zwar direkt über dem Bauernhof. Damit verfolgen wir
zwei Absichten:
Erstens wird Das David die Energie entzogen und die komplette Farm und
damit auch das Netzwerk werden neutralisiert.
Zweitens werden alle elektrischen
Anlagen oder Computersysteme ausgeschaltet, womit wir vor deren Übernahme
geschützt sind!
Gleichzeitig werden unsere Agenten die Farm stürmen und alle 'Datenbanken'
in Besitz nehmen. Wir werden ebenfalls die gesamten funktionslosen Re-Gene
innerhalb der Stadt zusammentreiben und zur Bewertung ins Fußballstadion
bringen. Wir wissen natürlich um das riesige logistische Ausmaß
dieser Operation und greifen deshalb auf die Unterstützung der Nationalgarde
zurück."
"Was passiert, wenn wir nicht alle Re-Gene fangen?" fragte eine
Stimme aus dem Publikum.
"Wir kennen natürlich nicht jeden einzelnen Standort",
erwiderte der General. "Wir gehen davon aus, dass sie wie "verlorene
Seelen" umherwandern werden (entschuldigen Sie dieses Wortspiel),
nachdem Das David außer Kraft gesetzt worden ist. Es wird leicht
sein, sie auszumachen. Vielen Dank, meine Damen und Herren, das war's."
schloss der General.
Der Moderator schloss die Sitzung. Anschließend sammelten die leitenden
Agenten und Mitglieder der Taskforce ihre Unterlagen ein und begaben sich
aufgeregt zu ihren jeweiligen Kommandoposten, um sich auszutauschen und
ihre Aufgaben zu koordinieren.
Der Bauernhof der Re-Gene
schmiegte sich an die sanft geschwungenen Hügel, die nördlich
an eine riesige Ebene grenzten, ca. zehn Meilen von der Stadt entfernt.
Es war an jenem Freitag um 18.30 Uhr, als Sheriff Barker auf seine Uhr
schaute. Er war ungefähr eine Meile von der Farm entfernt mit Glen
und einer Gruppe von Regierungsagenten zusammengekommen. Sie warteten
darauf, dass das Gerät nach Plan abgeworfen wird. Sie hatten einen
gewissen Abstand zur Farm eingehalten, weil sie verhindern wollten, dass
ihre Autos, Radios usw. von dem elektromagnetischen Impuls beeinträchtigt
werden, der sich bald über der Farm entladen würde.
Glen stand oben auf einem Hügel und schaute mit einem Fernglas hinunter
auf das Ziel. Es schien ihm merkwürdig ruhig für einen Bauernhof.
Seine Aufgabe war es, einem anderen Officer auf einem Hügel, der
oberhalb der Gruppe des Sheriffs seinen Posten hatte, die erfolgte Detonation
mit einer Fahne zu signalisieren. Glen versuchte angestrengt Bewegungen
auszumachen. Nichts war zu sehen. Er wurde unsicher. Er konnte dem Sheriff
seine Zweifel nicht mitteilen, weil er kein Funkgerät bei sich trug.
Es hatte keinen Sinn, so nahe an der Detonation ein Funkgerät zu
haben. Es würde nur zerstört.
Das 'Bear Can' sollte mit einer Cruise Missile zum Ziel gebracht werden.
Würde man ein Kampfflugzeug benutzen, gäbe es keine Garantie,
dass es rasch genug außer Reichweite des elektromagnetischen Impulses
käme, wenn die Detonation eintrat.
Dann sah Glen zu seiner Erleichterung in der Ferne ein Licht. Das war
der in der Sonne reflektierende Marschflugkörper, der über die
hügelige Landschaft in Richtung Ziel flog. Er beobachtete die Detonation
genau über dem Ziel. Sofort gab er mit seiner Fahne wild das Signal
an den Mann auf dem anderen Hügel oberhalb der Position des Sheriffs.
Dieser signalisierte dann den bereitstehenden Fahrzeugen und Männern
in der Ebene, die aufgeregt auf ihren Einsatz warteten. Als sie das Signal
erkannten, wurden die Motoren der Fahrzeuge angelassen und alle rasten
auf die Farm zu.
Das David gab einen Erlass heraus: Sterben
Glen beobachtete vom Hügel
aus die Ankunft des Fahrzeugkonvois auf dem Bauernhof. Die Männer
sprangen aus ihren Wagen und verteilten sich auf die Gebäude, so
wie es der vorbereitete Plan vorgab. Er konnte Gewehrfeuer hören,
als die Gebäude besetzt wurden. Dann begann er den Hügel hinunterzulaufen.
Als er zur Farm kam, war alles vorüber. Überall lagen leblose
Körper herum, die von einigen SWAT-Teams und Regierungsagenten ohne
jegliche Beachtung der Würde aus den Gebäuden gezogen und auf
dem nackten Boden abgeladen worden waren. Glen erkundigte sich nach dem
Verbleiben seines Chefs, Sheriff Barker.
"Dort drüben", sagte ein stämmiger Agent und zeigte
auf das Hauptgebäude.
Als er am Hauptgebäude
ankam, trat der Sheriff gerade aus der Tür. "Der Job ist erledigt,
Jamie", teilte er mit unverhohlener Freude mit, "alles ausgeräuchert,
wie geplant."
Glen schaute hinter ihn ins Gebäude. Er hörte ein wimmerndes
Geräusch, das allmählich immer leiser wurde. "Das haben
sie getan, als wir hier ankamen", sagte der Sheriff. "Wir haben
sie dann vorsorglich aus dem Haus gebracht."
"Wo ist Das David?" fragte Glen.
"Er ist im Hauptbüro, sitzt immer noch auf seinem Stuhl, sein
Hirn ist von einem Agenten sicherheitshalber zerschmettert worden",
antwortete der Sheriff.
Der Rest der Re-Gene in der Stadt wurde langsam eingesammelt und keiner
von ihnen leistete Widerstand. Sie schienen wie verlorene Seelen, saßen
entweder in ihren Wohnungen oder an ihren Arbeitsplätzen oder liefen
mit leerem Blick umher.
Nach der Nachbesprechung
kam es zu zahlreichen Umarmungen und Beglückwünschungen. Glen
wurde befördert und der Sheriff wurde zum Chief ernannt. Beide erhielten
Glückwünsche vom Präsidenten. Veröffentlichungen oder
Pressemitteilungen gab es nicht.
Die letzte Unterhaltung zwischen Glen und Jamie ging um Selbstzweifel.
Glaubst du, dass die Planung nicht doch zu einfach war, Jamie?"
"Ist doch gut gelaufen, Glen, aalglatt! Mach dir keine Sorgen, es
ist vorbei. Das war es, was der Sheriff gesagt hatte.
Am Tag vor der "ethnischen
Säuberungsaktion" war Das David in New York eingetroffen. Er hatte
logisch gefolgert, dass er künftig vorsichtiger sein müsse.
Die Opferrolle, welche die Re-Gene einnehmen mussten, hatte selbstverständlich
keine Bedeutung, auch nicht für die Kollektoren, aber es musste sein,
um die schlichte Logik der Menschen zu befriedigen. Er wusste, dass sie
seinen Stock eliminieren würden. Woher sollten sie nach all dem aber
wissen, dass es ein von ihm geschaffenes Computerprogramm gab, das ihm
alle Daten aus allen Computersystemen übermittelte, die Re-Gene erwähnten?
Er hatte schon über ihre Pläne Bescheid gewusst, als die meisten
von ihnen noch gar nicht informiert gewesen waren. Er mietete eine Wohnung
in der Nähe des Büroviertels und schloss seinen Laptop an das
Telefonnetz an, um von vorn zu beginnen.
Das David war zu dem Schluss gekommen, dass sein logischer nächster
Schritt war, oben zu beginnen und sich nach unten durchzuarbeiten.
Diesmal ohne Fehler.
Diesmal würde er nicht alle Eier in einen Korb legen, alle seine
Ameisen in einer Kolonie bewahren, alle seine Bienen in einem Stock halten
... Er rechnete ..... adaptierte .... und überlebte. Grundinstinkt,
den er anhand der menschlichen Logik berechnet hatte. Für die Menschheit
am besorgniserregendsten war, dass er beschloss ............. zu lächeln.
Eine Woche später traf er sich mit der jungen, neuen Majorin. Es
wurde Zeit, seinen neuen Stock zu gründen.