Emails von Wilhelm Tell
Helmut Pöll


Subject: Treffsicherheit
Date: Do. 19.30
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Haben Sie schon einmal jemandem mit einer Armbrust einen Apfel vom Kopf geschossen?

Wilhelm Tell


Subject: Beliebte Foltermethoden für Fische
Date: Fr. 0:30 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Wilhelm Tell,

wir sind zu dritt, wenn wir zum Fischmorden gehen. Wir haben eine Hütte an einem Fluss und bis jetzt ist unserem finsteren Treiben, obwohl es schon jahrelang geht, noch niemand auf die Spur gekommen. Die Flusspolizei tappt völlig im Dunkeln. Sie haben neulich einen Hecht verhaftet, aber er verweigert die Aussage. Wir werfen die Fische, die wir fangen, überhaupt nicht in unsere Bratpfannen, weder tot noch lebendig. Wir warten bis sie an Land erstickt sind, schneiden sie dann in kleine Würfel und werfen die blutigen Würfel zur Abschreckung für die anderen Fische und als Warnung, nicht so dumm zu schauen, in den Fluss zurück.

Dr. Karlow, der Fischkiller


Subject: Hoheitsrechte
Date: So. 15:30 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@.therapy.org

Sehr geehrter Herr Dr. Karlow,

da scheinen Sie auch Ihre Leichen im Keller zu haben. Mittäter gibt es auch noch. So etwas! Natürlich werden Sie deren Namen für sich behalten. Es wundert mich ein wenig, daß Sie der Zar so mir nichts, dir nichts in seinen Hoheitsgewässern fischen läßt. Ich dachte auch nicht, daß das kaiserliche Institut jemanden, der so blutrünstig ist wie Sie, auf die Menschheit losläßt. Wahrscheinlich sind Sie nur ein Versehen der Personalstelle. Sicher sind Sie ein wenig überarbeitet. Sie sollten ein wenig Urlaub haben. Mieten Sie sich doch eine Sänfte und lassen Sie sich ein paar Tage auf's Land oder sonst irgendwohin tragen, wo Sie sich ein wenig ablenken können. Das tut Ihnen sicher gut, Dr. Karlow. Nach Ihrer letzten Nachricht war ich mit Bekannten ein wenig spazieren. Wir gingen in den Zoo. Der Zoo ist eigenartig. Im ersten Moment weiß man nicht, wer der Zuschauer und wer der Eingesperrte ist. Es könnte auch anders herum sein. Sind die tiefen Gräben dazu da, um kleine Kinder vor den bösen Eisbären zu schützen? Oder sorgen die Gräben dafür, daß die Eisbären ihre Ruhe haben? Wer hat sich die Gräben ausgedacht, Dr. Karlow? Die Zuschauer oder die Eisbären?

frägt sich Wilhelm Tell


Subject: Die Eisbären sind's
Date: Di. 1:05 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Wilhelm Tell,

Sie haben richtig beobachtet. Es sind die Eisbären, die sich die Gräben ausgedacht haben. Die Zoodirektion läßt die Besucher nur Eintritt bezahlen, damit Sie denken können, Sie sind wirklich die Besucher, sich nicht beobachtet fühlen und völlig ungezwungen und natürlich verhalten. In Wirklichkeit ist es umgekehrt. Die Eisbären arbeiten an einer Langzeitstudie über Zoobesucher. Was glauben Sie, was sich in den riesigen Bärenhöhlen verbirgt? Ich kann es Ihnen sagen, Herr Tell, denn ich habe das Glück, daß einer meiner Kollegen am Institut ein Eisbär ist. Er besucht ab und zu seine Verwandten im Zoo. Daher weiß ich alles aus erster Hand. In den Bärenhöhlen stehen Schreibtische mit extra verstärkten Chefsesseln, die mit Robbenfell bezogen sind. Jeder Eisbär hat seinen eigenen PC, um an der Zuschauerstudie zu arbeiten. Die Bärenhöhlen müssen deswegen so groß sein, weil jede Taste einer Bärentastatur etwa 30cm breit ist. Zusammen ergibt das eine Tastaturbreite von etwa viereinhalb Metern. Das muß für Sie, der sich die längste Zeit seines Lebens kühehütend und enzianpflückend nichtsnutzig auf Bergwiesen herumgetrieben und ab und zu mit seiner Armbrust fröhlich jauchzend ein paar Singvögel oder Murmeltiere erschossen hat, ein wenig fremd klingen, aber so ist es. Ich kann Ihnen auch noch etwas anderes verraten. Dort, wo die Berge aufhören und das Land flacher wird, ist nicht das Ende der Welt. Es gibt eine ganze Menge flaches Land und wenn Sie viele viele Tage mit Ihren Bergstiefeln durch dieses Land wandern, kommt irgendwann dann eine Art großer Bergsee. Seien Sie nicht verwundert, wenn Sie sich auf alle viere niederlassen, daraus trinken und das Wasser salzig schmeckt, denn es ist das Meer. Am besten kaufen Sie sich dann ein kleines Ruderboot und rudern so weit nördlich wie es geht. Dort werden Sie wieder auf Berge treffen, die im Wasser herumschwimmen, und die ein wenig aussehen wie das Eiskonfekt, das Sie im Kiosk des Zoos kaufen können. Deshalb nennt man diese Berge Eisberge und die niedlichen plüschigen Tierchen, die friedlich darauf herumliegen, die nennt man Eisbären. Es sind die Onkel und Tanten von denen im Zoo. Eisbären sind übrigens sehr gesellige und völlig friedliebende Tiere. Am liebsten haben Sie es, wenn man Sie am Schwanz zieht oder ihre Jungen in den Arm nimmt, dann brummen sie genußvoll. Probieren Sie es doch bei Gelegenheit einmal aus, Herr Tell. Ich glaube, daß die Eisbären Sie mögen werden. Ihre Armbrust können Sie ja in der Zwischenzeit auf eine Eisscholle legen,

rät Dr. Karlow, der gerne ein wenig aus dem Nähkästlein plaudert


Subject: Eisbären und Angler
Date: Di. 18.00 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@.therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

vielen Dank für Ihre interessanten Ausführungen über die Eisbären. Bei Gelegenheit werde ich Ihrem Rat gerne nachkommen und den Bären meine Aufwartung machen. Ich kenne ja persönlich auch einige Eisbären. Zu meiner großen Überraschung mußte ich erfahren, daß ein Zoobesucher, der im letzten Winter in den Eisbärgraben gefallen war, aufgefressen worden ist. Ich habe auf dem Sonntagsmarkt die Fotos gesehen. Eine recht blutige Angelegenheit. Es sah ein wenig ungesund aus. Der Arme ist wohl auf ein verstimmtes Mitglied der Eisbär-Gemeinschaft gestoßen? Gewalt soll ja in den besten Familien vorkommen. Oder wie erklären Sie sich das? Ich werde deswegen mit meinen Anbiederungsversuchen bei Familie Eisbär noch ein wenig warten. Selbstverständlich halte ich Sie auf dem laufenden, Dr. Karlow. Fisch esse ich übrigens ebenfalls sehr gerne. Heute kam eine Forelle auf den Tisch. Das Angeln überlasse ich aber anderen. Ich hätte nicht Ihr Geschick und wahrscheinlich auch nicht Ihre Geduld.

Wilhelm Tell


Subject: Angeln
Date: Fr. 20.30 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Wilhelm Tell,

Angeln ist gar nicht so schwer, wie man glaubt. Ich denke, Sie kämen auch ziemlich schnell hinein. Die schönste Zeit dabei ist das Warten, das Sie ja auch schon angesprochen haben und das sie sicher auch gut vom Warten bei der Ausgabe vor den Lebensmittellagern kennen. Die Stiftung, die unser Institut unterhält, hat einige Hütten im Umland, in die sie uns im Sommer zweimal im Monat am Wochenende schicken. Manchmal, bei guter Sicht, können wir einen anderen Anglertrupp des Instituts am Horizont sehen. Die Leitung besteht auf einem Gedankenaustausch zwischen den Abteilungen. Sie will daß die Irrenärzte, den Gehirnchirurgen, die Organkonservierer und die Werbestrategen endlich miteinander sprechen. Normalerweise verachten wir uns nur gegenseitig. Das Karolina-Institut bekommt allmählich einen schlechten Ruf. Es werden so viele eingeliefert, aber kaum jemand verläßt uns wieder. Es wird meist in diesen Hütten nicht viel geredet, aber zumindest wird in der kommenden Woche in den Abteilungen weniger geschrien und gestritten. Wir stehen an einer Flussbiegung, die sich nach Süden öffnet, lassen uns die Sonne ins Gesicht scheinen, rauchen Zigaretten und genießen die Ruhe. Es ist ein wenig ein Ausgleich zu der Hektik und der ewigen Betriebsamkeit, die wir die ganze Woche über, oder auch manchmal zwei Wochen durchgehend, im Institut haben. Ich habe mir unsere frühere Korrespondenz noch einmal durchgesehen. Sie sprechen öfter von "Jäger" und einer gerechten Sache, die er vertritt, auch in Zusammenhang mit Gessler. Irgendwo sind wir, meine Kollegen und ich, ja auch Jäger, wenn wir am Wochenende an den Fluss fahren, auch wenn wir es in erster Linie zu unserer Entspannung tun. Wir verwenden zwar keine Gewehre oder andere Schusswaffen, wie sie einem beim Jäger sofort in den Sinn kommen, sondern Angelruten, aber nur, weil es viel praktischer ist, als mit einer Schrotflinte durch's Wasser zu waten. Sie haben mich neugierig gemacht. Ich würde gerne wissen, was Sie über die Jagd und über Jäger denken. Klären Sie mich doch ein wenig auf, bittet

Dr. Alexander Karlow.


Subject: Fallenstellen und Nervensägen
Date: 15:10 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@.therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

es freut mich, daß Sie sich wieder ein wenig beruhigt haben. Die Jagd ist eine schöne Sache. Das Angeln meide ich ein wenig. Man macht sich die Hosen zu schmutzig, wenn man bis zur Hüfte ins Wasser waten muß. Außerdem verheddert sich die Angelschnur immer. Das wird noch verstärkt, weil die neuen Schnüre fast unsichtbar sind. Im Grunde habe ich aber nichts gegen das Angeln in Flüssen, Dr. Karlow. Angler können anständige Menschen sein. Das Fallenstellen dagegen finde ich hinterhältig. Ob nun unter Laub oder der Grasnarbe versteckt. Es ist unverantwortlich. Denken Sie nur an die Spaziergänger und die freilaufenden Jogger. Ich freue mich immer diebisch, wenn ich höre, daß ein Fallensteller in seine eigene Falle getrampelt ist und ein paar Zehen verloren hat. Mir liegt persönlich die Schusswaffe besser. Die Armbrust freilich. Sicher gibt es auch sehr schöne Gewehre. Gleich um die Ecke bei uns ist ein alteingesessenes Geschäft. In der Auslage liegen polierte Gewehre und Pistolen. Alles ist sehr schön und sehr gepflegt und nicht einmal zu teuer. Die Sicherheitspatroullien kaufen dort ein. So ein Stück wäre erschwinglich. Im Gegenteil, eine gute Armbrust reißt ein viel größeres Loch in Ihre Haushaltskasse als ein neues Gewehr. Aber vom Preis allein dürfen Sie sich nicht blenden lassen, Dr. Karlow. Tun sie es nicht. Bleiben Sie wachsam. Es sind die laufenden Kosten, die Ihnen das Genick brechen. Denken Sie nur an die vielen vielen Patronen, die sie bei einem Gewehr brauchen. Sicher können Sie es zur Zierde an die Wand hängen. Das wäre das Sparsamste. Aber hängen Sie Ihre Angel nur an die Wand, Dr. Karlow? Nein, das tun Sie nicht. Bei einem Gewehr brauchen Sie für jeden Schuß eine neue Patrone aus der Fabrik. Und Sie wissen selber, wie schwer es ist, auf dem Sonntagsmarkt passende Patronen zu bekommen. Was für eine ungeheure Verschwendung das auch ist, für jeden Schuß eine eigene Patrone. Eine Armbrust ist zwar von der Anschaffung viel teurer. Im Unterhalt aber ist sie billiger. Deswegen hat Wilhelm Tell bei Gessler eine Armbrust verwendet. Es gibt nichts sparsameres als Schweizer. Ein Schütze aus dem wilden Westen hätte auf Gessler sicher 50 mal mit einem Revolver geschossen. Ich habe es schon einmal gesagt. Das mit dem Apfel und dem Jungen war nur ein Vorwand. In Wirklichkeit ging es nur darum, daß Gessler ein Quälgeist war. Ich bin mir sicher, daß er ein Frühaufsteher war. Bestimmt ist er schon morgens um vier Uhr auf dem Kopfsteinpflaster herumgaloppiert und hat alle Schweizer aufgeweckt. Wilhelm Tell war aber Langschläfer, wie alle guten Jäger. Die Nacht ist die Zeit der Jagd. Wer nachts durch den dunklen Wald streift, muß tagsüber schlafen. Sonst ist er am nächsten abend müde. Das wissen Sie doch als Arzt. Jetzt kennen Sie die wirkliche Geschichte. Gessler war eine Nervensäge. Er ist Tell einfach zu lange auf die Nerven gegangen. Aber irgendwann ist Schluß. Wilhelm Tell hat gehandelt. Das ist gut so. Wilhelm Tell läßt sich nichts gefallen. Wenn Sie mit einem Stecken in einen Bienenstock hineinstechen, kommen irgendwann die Bienen heraus. Dumm wären Sie, wenn Sie es nicht täten. Jäger kenne ich wenige beziehungsweise keine. Deswegen kann ich ihnen nur sehr wenig über diese Leute berichten. Ich weiß, daß alle Jäger ein Ziel haben und viel üben. Ein guter Jäger muß ein guter Beobachter sein und viel Geduld mitbringen. Aber das wissen Sie ja alles selber, Dr. Karlow. Ein guter Jäger kann stundenlang an einem Wasserloch ausharren, um auf einen günstigen Moment zu warten. Weil der Moment kommen wird, macht es das regungslose Warten erträglich. Sogar meinen stinkenden Kohlenkeller. Mit Freuden warte ich dort, bis es soweit ist. Ich hoffe, daß Ihnen das zur Jagd genügt

Wilhelm Tell


Subject: Wilhelm Tell auf der Jägerskala
Date: Mo. 21.30 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Wilhelm Tell,

mit großem Interesse habe ich Ihre Ausführungen zur Jagd gelesen. Wir werden sicher bei unserem nächsten Ausflug an unserer Flußbiegung darauf zu sprechen kommen, wenn Sie nichts dagegen haben. Angeln ist auch eine vergleichsweise preiswerte Sportart, zumindest wenn man den reinen Materialverbrauch betrachtet. Sicher könnten die Köder ein wenig billiger sein, aber dafür bekommen Sie immerhin für jeden Köder einen ganzen Fisch und wenn Sie sich einmal die Fischpreise in den Läden ansehen, dann sehen Sie sofort, daß sich das rechnet. Der größte Einsatz, der beim Angeln zu bringen ist, ist sicherlich die Zeit, die man einsetzt, um an Flußbiegungen auf die Fische zu warten. Aber Warten müssen alle Jäger. Ob auf Fische oder irgendetwas anderes. Uns ist etwas sehr Wichtiges aufgefallen, Herr Tell. Wir haben Ihnen gegenüber einen kleinen Vorteil. Das Warten und das damit verbundene Training Ihrer Geduld, das zu jedem guten Jäger gehört, haben Sie in ihrem Gang in den Kellerräumlichkeiten ja nicht in dem Ausmaß, wie wir an unserer Flußbiegung. Es macht auf den ersten Blick nicht viel aus. Aber über einen längeren Zeitraum werden wir ganz sicher bessere Jäger als Wilhelm Tell. Ich würde sagen, daß auf der Jägerskala von eins bis zehn - (1 = blindes Huhn, 10 = Falke) Wilhelm Tell etwa bei fünf, maximal sechs liegt und dort auch bleiben wird. Das deckt sich auch mit der Meinung meiner Kollegen. Wir selber sind noch knapp darunter. Bei unserem nächsten Angelwochenende werden wir ganz sicher mit Ihnen gleichziehen. Fairerweise möchte ich noch hinzufügen, daß mein Kollege Georg aus den Labors jetzt schon weit vor Ihnen bei etwa acht liegt. Er winkt immer ab, wenn wir Ihn daran erinnern. Aber Sie müßten Ihn sehen, dann würden Sie uns zustimmen. Dafür können Sie nichts, Herr Tell, aber so ist es eben. Wir haben einfach die besseren Übungsmöglichkeiten. Es geht Ihnen da wie vielen talentierten Hobbyschützen. Sie können Ihre Fähigkeiten nicht richtig entfalten, weil es zuwenig geeigneten Räumlichkeiten gibt. So verkümmert das Talent und der Wilhelm Tell, den wir alle kennen und bewundern, gehört wohl bald der Vergangenheit an.

Dr. Alexander Karlow
Karolina-Institut


Subject: Das Wunder der Erdbeerpreise
Date: Di. 4.30
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

mit einem Schmunzeln mußte ich feststellen, daß Sie ein wenig abstruse Vorstellungen von der Jagd haben. Sie und Ihre Kollegen wollen bei fünf oder sechs auf der zehnteiligen Jägerskala sein? Der Kollege Georg sogar bei acht? Nennt man das Jägerlatein, Dr. Karlow? Ich kannte mal einen, der war bei neun. Aber der war Scharfschütze. Er konnte mit einem verzogenen Gewehr auf fünfhundert Meter eine Erdbeere treffen. Sagen Sie nicht "Schade um die Erdbeeren". Damals gab es genug. Sie haben in den Erdbeerplantagen vor der Stadt geübt. Von der Schnellstraße aus, der einundvierziger, haben sie auf die Stauden gezielt und den Pflückern die Beeren aus der Hand geschossen. Jeder bekam am Morgen einen Pflücker zugeteilt. Sie sagten den Erdbeerpflückern natürlich nichts. Sonst wären sie zu nervös gewesen und hätten das Ergebnis verfälscht. Gewonnen hatte, wessen Pflücker am Abend die wenigsten Erdbeeren in seinem Körbchen hatte. Ist das nicht raffiniert, Dr. Karlow? Leider ging es zu sehr ins Geld. Die vielen vielen nutzlos zermantschten Erdbeeren mußte ja jemand bezahlen. Es kostete ein Vermögen. Heute üben sie irgendwo mit Attrappen. Das wird Sie alles nicht interessieren. Trotzdem haben Sie ein Recht darauf zu erfahren, warum die Erdbeeren vor fünf Jahren so unverschämt teuer waren. Sagen Sie jetzt nicht, daß Sie Erdbeeren nicht mögen. Das würde mich verbittern. Das dürfen sie als Therapeut nicht. Eine Jägerskala von eins bis zehn gibt es nicht, Dr. Karlow. Sie verwechseln das mit Erdbeben. Die Jägerskala ist nach oben offen. Und auf dieser offenen Skala sind Sie und Ihr Anglertrupp vielleicht bei fünf, maximal bei sechs. Ich hoffe Sie können diese Richtigstellung verschmerzen. Ich werde es sein, Dr. Karlow, der bald schon mit einem Meisterschuß die Markierung auf der Jägerskala in unerreichte Höhen treiben wird. Wenn die Bäume vor meinem Fenster endlich alle Blätter verloren haben und die Sicht frei ist. Sie werden davon erfahren. Von dort oben werde ich dann hinuntersehen. Dorthin, wo sie bei ihrem Wert von fünf oder sechs herumkrebsen. Wenn ich gut gelaunt bin, dann werde ich Ihnen vielleicht sogar ein paar Tips zurufen, damit Sie ein wenig höherkommen. Ist das nicht unheimlich nett von mir, Dr. Karlow?

Wilhelm Tell, der am Wasserloch angekommen ist und ganz sicher schießen wird.


Subject: Wie es wirklich ist
Date: Mi. 0:45 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Unbekannter,

es erschüttert mich immer ein wenig und macht mich traurig, wenn ich feststellen muß, daß im Lauf der Jahrhunderte sich nicht nur die Qualität der Werte zersetzt, sondern auch eine der letzten Bastionen dieser Qualität, eben der Held, zu einem armseligen Geschöpf verkommen ist. Ich habe Sie deswegen mit Unbekannter angesprochen, weil ich es nicht übers Herz bringe, den Namen eines heldenmütigen Menschen, wie es der echte Wilhelm Tell sicher gewesen ist, in einem Atemzug mit dem verkommenen feigen und verkorksten Gnom und Trittbrettfahrer zu nennen, der Sie zweifellos sind. Sie verstecken sich in Ihrem Kohlenkeller, ballern auf infantilste Weise mit Ihrer Armbrust auf Kohlköpfe, die Sie wahrscheinlich vorher irgendwo gestohlen haben. Nicht nur, daß Sie das wertvolle Gemüse vergeuden, um das es oft schon genug Schlägereien gibt. Wußten Sie, daß wir am Karolina-Institut seit drei Monaten kein Gemüse mehr hatten, weil die Zuteilungen nicht kamen? Sie bereiten sich auf den Schuß Ihres Lebens vor. Auf wen haben Sie es denn abgesehen, wenn genug Blätter von den Bäumen gefallen sind und Sie eine freie Schußlinie haben? Auf eine alte gebrechliche hundertzehnjährige Greisin, die mit ihren Lebensmittelmarken einmal am Tag an ihrem Fenster vorbei zum Essensdepot schlurft? Es muß etwas in dieser Richtung sein, denn alles, was sich schneller bewegt als eine Schnecke, würden Sie ohnehin nicht treffen. Meinen Rat, ein wenig an der frischen Luft zu üben bedaure ich sehr. Ich nehme ihn zurück. Das Vernünftigste für Sie ist sicher ein Nachtlager im Kohlenkeller, wo Sie ein wenig zwischen Eierbriketts herumrobben können. Sie haben recht. Die Jägerskala geht nicht von eins bis zehn. Ich habe mich geirrt. Die Jägerskala hat einen negativen Bereich. Sie selbst stehen nicht bei fünf oder sechs, sie stehen bei minus fünfzehn, mit stark sinkender Tendenz. Seien Sie froh, daß der echte, der Ur-Wilhelm-Tell nicht mehr am Leben ist. Nicht Gessler, dem Landvogt, würde er in der hohlen Gasse auflauern, sondern einer weit größeren Plage. Auf Sie würde er an der nächsten Bushaltestelle warten und noch ehe Sie mit Ihrem Amöbengehirn überhaupt bemerkt hätten, was vor sich geht, wäre schon alles vorbei. Unser Therapie-Service, den das Karolina-Institut testweise im Netz anbietet, ist nicht als Spielwiese und Tummelplatz für Verhaltensgestörte gedacht, die sich nicht ändern wollen. Wenn Sie das gemeint haben sollten, Herr Wilhelm Tell, dann, ja dann haben Sie ganz einfach falsch gedacht. Ich beantworte alle eingehenden Anfragen zusätzlich zu meiner täglichen Arbeit im Institut nach(!) Dienstschluß. Das ist viel genug. Ich bin nicht an einer Brieffreundschaft interessiert. Sie können, wenn Sie das wollen, noch ein letztes Mal kurz dazu Stellung nehmen, ansonsten bitte ich Sie, die Leitung freizumachen und mich mit Ihrem Datenmüll zu verschonen,

Dr. Alexander Karlow, der die Dinge gerne klarstellt
Pilotprojekt Karolina-Institut


Subject: Brieffreunde, Heimwerker, Bohrhämmer und Stille
Date: Do. 12:01 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

natürlich nehme ich noch einmal zu Ihren ungeheuerlichen Vorwürfen Stellung. Ich bin nicht verstimmt. Ein klein wenig bin ich besorgt um Ihre geistige Gesundheit, Dr. Karlow. Sie sollten nicht so oft mit dem Zaren und dem britischen Schatzkanzler sprechen. Brieffreunde sind ekelhaft. Sie schreiben und schreiben und bombardieren einen mit nutzlosen Dingen: Wie das Wetter 2000km entfernt ist, daß sich ihre Katze überfressen hat und all diesen Unfug. Meistens wollen sie von uns bestätigt haben, daß es eine großartige Idee ist im August drei Wochen nach X zu fahren oder sich mit Y zu versöhnen. Brieffreunde sind eine Plage. Sie und ich, Dr. Karlow, wir wissen, daß man seine Zeit mit nützlicheren Dingen verbringen muß.

Für die nützlichen Dinge brauchen sie Ruhe. Stellen sie sich einen riesigen Bohrhammer vor. Ein Ungetüm mit einem Bohrer so dick wie ein Kinderbein. Wenn diese Maschine in ihrer Nachbarschaft eingesetzt wird, wird es so laut, als würde ein Flugzeug auf ihrem Hausdach landen wollen. Das Gekreische ist endlos. Es dröhnt. Es quietscht, quietschquietschquietsch, immer fort. Stundenlang, tagelang, wochenlang geht es so fort. Eines Tages merken Sie, daß Ihre Hände weiß sind. Ihr Haar ist weiß. Ihr Gesicht ist weiß. Alles ist von einer dünnen weißen Staubschicht bedeckt. Der Staub hat sich durch die endlosen Vibrationen von der Decke gelöst. Dann, eines Tages, hört das Dröhnen auf. Sie hören die Vögel wieder zwitschern. Sie denken, es ist ein Traum. Aber es ist wahr. Es ist ruhig. So ist es, wenn es ruhig ist, denken Sie. Hoffentlich bleibt es so. Aber es bleibt nicht so, Dr. Karlow. Irgendwann geht es wieder los. Irgendwann setzt der riesige Bohrhammer in der Nachbarschaft wieder ein. Ratatatatata. Drrrrdrrrrdrrr. Vielleicht schon nach einer Stunde, vielleicht aber erst am nächsten Tag, vielleicht nach zwei. Eine endlose zermürbende Zeit beginnt. Sie beginnen die Sekunden zu zählen. Ticktackticktack. Mit ausdruckslosem Gesicht sitzen sie herum. Sie haben riesige blutunterlaufene Augen. Ihr Blick ist vollkommen starr. Sie können nicht mehr schlafen. Aus Erschöpfung sind sie unfähig zu allem. Sie sind zu einem Zombie geworden. Sie hören die Uhr schlagen und ticken und tacken. Selbst wenn Sie sie abstellen, tickt sie in ihrem Kopf weiter. Ticktackticktack. Können Sie sich das vorstellen? Ticktackticketacke, immerfort. Sekunde um Sekunde, in denen Sie nur denken: wann setzt der Bohrhammer wieder ein? So zerrinnen die Stunden und die Tage. Die Wochen vergehen. Sie werden dünn und krank. Sie können sich auf nichts mehr konzentrieren, weil sie vergessen etwas zu essen. Wenn der Hunger zu ihnen kommt, merken sie erst, daß sie nichts mehr Eßbares in Ihrer Wohnung haben. Sie schleppen sich hinaus. Sie wollen Essen besorgen. Es gibt aber nichts. Es ist zwei Uhr morgens und die Geschäfte sind geschlossen. Sie haben kein Zeitgefühl mehr. Weil Sie nie schlafen, hat der Tag seinen Rhythmus verloren. So schlurfen sie mit leerem Magen zurück. Nach kurzer Zeit vergessen sie den Hunger vor Erschöpfung. Sie fallen in einen kurzen unruhigen Dämmerzustand, aus dem Sie irgendwann der Bohrhammer wieder reißt.

So gehen die Tage dahin. Das einzige, was sie bei Kräften hält ist die Hoffnung, daß das Bohren nicht so schnell wiederkommt. Bei mir ist es mittlerweile ein alter Vertrauter wie die Schmerzen, die ein verfaulter Zahn mit sich bringt. Stellen Sie sich vor, sie sind fast irrsinnig vor Zahnschmerzen. Sie fürchten sich vor dem Zahnarzt. Plötzlich, mittendrin, hört der Schmerz von selbst auf. Genauso abrupt hört das Hämmern auf. Es ist wie ausgeknipst. Sie freuen sich wie ein Kind. Gleichzeitig wissen sie, daß sie nur deswegen nichts spüren, weil der Nerv abgestorben ist. Es dauert ein wenig, bis sich die Krankheit ausbreitet. Sie sind hin- und hergerissen zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Dann ist es soweit. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel flammt es wieder auf. Irgendwann, irgendwo trifft es sie mit solcher Wucht, daß ihre Verwunderung einen Moment den Schmerz überdeckt. Es kann gar nicht der Zahn sein, sagen sie sich. Es muß irgendwo eine Sprengung in meinem Kopf stattgefunden haben. Sie fangen an zu phantasieren. In lichten Momenten merken Sie, wie der Wahnsinn allmählich seine Klauen um sie schlingt. Immer fester. Weil der Lärm seit Jahren wiederkommt und das Bohren nie nie nie aufhören wird, weil mich der weiße Staub krank macht, Dr. Karlow, werde ich meinen Nachbarn, Herrn B., einen rücksichtslosen, fanatischen Heimwerker und Bohrhämmerer, mit meiner Armbrust in seinem eigenen Garten erschießen. Für diesen Moment übe ich im Kohlenkeller. Das ist mein Wasserloch und ich bin der geduldige Jäger.

Sie erwarten sicher von mir, daß ich jetzt sage, im Grund tue ich es ungern. Ich freue mich darauf, Dr. Karlow. Kerzen werde ich entzünden. Es wird mein Fest der Stille. Ich freue mich auf den Moment, wo sein breitmäuliges rücksichtsloses Gesicht zum erstenmal staunt und seine Hand ungläubig nach dem Stahlpfeil in seiner Stirn greift. Sein letzter Eindruck von dieser Welt wird sein, wie ich ihm von meinem Fenster aus freundlich zuwinke. Dann werden seine spindeldürren Beinchen unter dem Gewicht seines aufgeschwemmten Körpers und des Bohrhammers zusammenknicken.

Ruhe und Friede wird wieder herrschen in der Welt, Dr. Karlow. Amen. Wilhelm Tell.


Subject: Äpfel in der Flugbahn von Armbrust-Pfeilen
Date: So. 22.05
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

nein, das habe ich nicht. Ich habe noch nie eine Armbrust in der Hand gehalten. Sie wissen, daß Holz sehr teuer geworden ist und Holz ist das beste Material, aus dem sie eine Armbrust machen können. Ich habe mich umgehört: die meisten haben mich völlig verständnislos angesehen und von oben bis unten gemustert, als ich sie fragte, ob sie schon einmal jemandem mit einer Armbrust einen Apfel vom Kopf geschossen haben. Sie hielten mich wohl für einen der fahrenden Händler, die neuerdings übers Land ziehen und allerlei zwielichtige Geschäfte tätigen. Sie beginnen Ihre Verkaufsgespräche auch immer sehr geschickt mit merkwürdigen Fragen.

Einer meiner Onkel sagte mir, daß es vollkommen ausgeschlossen sei, eine komplette Armbrust aus gutem Holz noch irgendwo zu erstehen. Er ist sehr reich und ein äußerst freigebiger Mann, aber selbst er kann seinem Lieblingsneffen zu jedem Weihnachten nur eine einzige Schachfigur aus Holz schenken. Dieses Jahr war es die weiße Dame, im letzten ein schwarzer Läufer, nächstes Jahr soll es zum erstenmal ein Turm sein. Die Figuren sind unverschämt teuer. Dabei ist es noch billiges Holz, allein die ungezählten Stunden Arbeit, die in jeder einzelnen stecken, machen sie so wertvoll. Der Onkel ersteht sie über dubiose Kanäle, damit sein Neffe nach und nach die Plastikfiguren und kleinen Steinmännchen aus dem Spiel ersetzen kann. Es ist eine große und geschickte Investition. Das Spiel hat mittlerweile einen sehr hohen Wert. Die Händler möchten manchmal die Figuren zurückkaufen, aber mein Onkel lacht nur und die Händler werden böse, wenn sie merken, daß er sie mit seinem Vertrag über den Tisch gezogen hat.

Am Abend sperrt die Familie des Onkels die Figuren in einen schweren Wandschrank und abwechselnd schläft einer zusammen mit den Wachhunden vor der Schranktüre.

Aber eine ganze Armbrust? Das ist schwer zu glauben, daß so etwas noch erhältlich ist. Und wo sollte man auch üben? Allerdings ist mir gestern zum erstenmal bewußt aufgefallen, daß hinter dem Karolina-Institut ein langer schmaler Hof verläuft, der von einer Mauer eingefaßt ist. Die Mauer ist sehr hoch, so daß es auch am hellichten Tag ein wenig duster ist, aber sie hält den Wind ab. Die Medikamentenlieferanten laden hier ihre Infusionskanister ab. Es gibt die großen blauen verplombten Plastiktonnen mit den Operationsabfällen. Man könnte die Paletten mit den vollen Tonnen zur Seite schieben und die leeren Kanister zur Deponie den Hügel hinunterrollen oder verbrennen. Dann könnte man an einer Seite der Hofbegrenzung mit Kohle eine Zielscheibe aufmalen und mit einer Armbrust darauf schießen. Das würde gehen. Das eigentliche Problem scheint der Apfel zu sein. Woher nehmen und nicht stehlen? Sie wissen doch, daß die Ernte seit über zehn Jahren beschlagnahmt wird und dann verschwindet. Ich kenne niemanden, der einen frischen Apfel, wenn er ihn in die Finger bekommt, mit einer Armbrust zerschießen würde.

Dr. Alexander Karlow

Karolina-Institut


Subject: Sofaschlitzer
Date: Di. 20.00 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

die Sicherheitspolizei kam sehr schnell. Am nächsten Morgen gegen fünf Uhr haben sie die Türe eingetreten. Natürlich konnte ich mich ausweisen. Ich habe den Ausweis immer griffbereit. Sie haben nur die Wohnung verwüstet. So ist das in den Durchsuchungsrichtlinien festgelegt. Die Schubladen ausgeleert, die Schränke umgeworfen und das Sofa an der Rückseite aufgeschlitzt. Es war halb so wild. Mein grosses Brotmesser fehlt seither. Einer der Soldaten war hungrig und hat einfach ein wenig offenen Käse eingesteckt. Gefunden haben sie nichts. Dem Kommissar war die Durchsuchung ein wenig peinlich. Die Kommandos arbeiten für die große Tankstellenkette. Tagsüber erschießen sie Benzindiebe. Manchmal nehmen sie eine Nebenbeschäftigung an und machen nach Dienstschluss noch ein paar Durchsuchungen. Es war eine ordentliche Durchsuchung. Das habe ich ihnen quittiert. Es gab nichts zu beanstanden. Außer das Sofa natürlich. Schlafsofas von Rückenleidenden dürfen doch bei Durchsuchungen nicht mehr aufgeschlitzt werden. Sie wollten mir das Rückenleiden erst gar nicht abnehmen. Meine Rumpfbeugen hätten Sie sehen müssen, Dr. Karlow. Die Soldaten waren ein wenig wütend auf Sie, Dr. Karlow. Sie hatten fest damit gerechnet, daß sie hier ein gutes Geschäft machen. Der Kommissar meinte, dass Durchsuchungen fast immer Gewinn abwerfen. Die privaten Sicherheitsdienste reißen sich darum. Wenn sie etwas finden, dürfen sie plündern. Nur eine einfarbige Decke, den Pass, eine Reise-Zahnbürste und das Fernsehgerät müssen sie dalassen.

Sie hatten nicht einmal mehr Geld für den Pritschenwagen, den sie ausgeliehen hatten, um meine Möbel fortzuschaffen.

Sie haben laut getobt und Verwünschungen gegen sie ausgestossen. Die Rausschmeißerin ist nachsehen gekommen, weil Verwünschungen nach 23 Uhr nicht mehr erlaubt sind. Sie wollte ihnen schweren gemeinsamen Einbruch anhängen. Damit verdient die Rausschmeißerin. Ich erzählte, daß Sie ein alter Bekannter von mir sind, Dr. Karlow. Nur ein wenig überarbeitet. Alle hatten Verständnis, als sie erfuhren, daß Sie im Irrenhaus sind und den Zaren persönlich kennen. Sogar die Rausschmeißerin hat ein klein wenig geschmunzelt. Sie bekommen also erst einmal kein Verfahren wegen Verschwendung von Sicherheitsdienstleistung an den Hals, Dr. Karlow. Mein Sofa müssen Sie natürlich bezahlen.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Sofaschlitzer
Date: Di 23:40 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Wilhelm Tell,

ich denke nicht daran, Ihnen ein neues Sofa zu bezahlen. Sie glauben doch wohl nicht, daß Sie jahrelang ihr Billigsofa durchliegen und wegen ein paar Kratzern an der Rückenlehne sich jetzt auf meine Kosten Ersatz beschaffen können.

Ich liege schon jahrelang auf einer geflickten Bettstatt und es hat mir nicht geschadet. Da wird es auch Sie nicht gleich umbringen. Besorgen Sie sich Nadel und Faden und machen Sie sich an die Arbeit. Zeit genug haben Sie ja. Schlafen können Sie eh nicht. Da sind Sie in der Nacht wenigstens ein wenig abgelenkt.

Das, was geschehen ist, haben Sie sich selbst zuzuschreiben, Herr Tell. Es war meine Pflicht die Durchsuchungskommandos zu informieren.

Natürlich dürfen Schlafsofas von Rückenleidenden bei Durchsuchungen neuerdings nicht mehr aufgeschlitzt werden. Das ist das Neueste. Viele kennen die neuen Bestimmungen noch nicht. Wegen des Schadens können Sie sich auch an das Reparationsamt der privaten Sicherheitsdienste wenden, wenn Sie sich etwas davon versprechen. Das Reparationsamt muß sich um Durchsuchungsschäden kümmern.

Die Sicherheitspolizei hat also nichts gefunden, Herr Tell? Keine Armbrust, kein gar nichts? Ich weiß, daß diese Einheiten sehr gründlich sind. Kann es sein, dass dieses schöne Stück überhaupt nicht existiert? Oder haben Sie es versteckt?

Dr. Alexander Karlow
Karolina Institut


Subject: Durchsuchungsschäden
Date: Mi. 10:30 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

ich will ein neues Sofa. Sofort. Ich denke nicht daran, mich auf ein geflicktes zu legen. Natürlich müssen Sie ein neues bezahlen. Wer denn sonst?

Das Reparationsamt muß normalerweise für Durchsuchungsschäden geradestehen. Das stimmt. Aber sie sind seit Jahren bankrott. Haben Sie damals nicht die Konkursanzeigen gesehen? Die Baronin, die das Reparationsamt leitet, hat das gesamte Geld im Kasino verspielt. Sie wollte eine Stiftung für Obdachlose gründen. Zu dem Zweck hat sie den Jahreshaushalt auf Rot gesetzt. Leider kam dreimal hintereinander schwarz. Sie haben auch keine eigenen Einsatzfahrzeuge mehr. Im letzten Sommer wurden aus Versehen noch einmal neue Dienstwagen geliefert. Die Chauffeure haben sich natürlich sofort damit abgesetzt. Die wenigen, die noch hier sind, sind bei der Tankstellenkette hoch verschuldet. Sie müssen das Benzingeld vorstrecken und bekommen es nie wieder zurück. Im Reparationsamt ist nichts zu holen. Es ist sogar gefährlich dorthin zu gehen. Sie lassen Antragsteller Blankoformulare unterschreiben. Angeblich weil die Automaten nur unterschriebene Formulare bearbeiten können. In Wirklichkeit schreiben die Angestellten des Reparationsamtes Schenkungsurkunden über die Unterschriften und plündern damit die Konten der Antragsteller. Eine wohlhabende Familie aus meiner Bekanntschaft ist seither ein Sozialfall.

Sie wollten nur wegen der Öfnungszeiten der städtischen Bäder anfragen. Sie riefen nicht einfach an. Der alte Vater ging hin. Er hat einfach viel Zeit. Man sagte dem kurzsichtigen Vater, dass er in der Warteliste unterschreiben müsse. Ein schwerer Fehler. Sie haben alles verloren. Ich werde nicht ins Reparationsamt gehen. Wenn Sie das möchten, bitte. Mein Sofa ist übrigens blau. Bitte kommen Sie nicht mit einem grünen daher.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Durchsuchungsschäden
Date: Do. 9.30 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

ich lasse Sie in Ihrem Glauben. Heute kam tatsächlich eine Sekretärin des Reparationsamtes ins Karolina-Institut. Sie wollte von mir einen Schuldschein für Ihr Sofa unterschrieben haben.

Sie hatten natürlich noch zwanzig oder dreißig Prozent Korruptionsgebühr zugeschlagen und wer weiß was sie sonst noch in die freien Zeilen hineingeschrieben hätten. Noch nie habe ich eine so plumpe Fälschung gesehen. Es war schamlos. Sie bemühen sich nicht einmal mehr, die Formulare ordentlich zu fälschen. Sie halten sich nicht einmal mehr an die ungeschriebenen Gesetze des ordentlichen Betrugs. Wenn ich betrogen werde, dann möchte ich zumindest, dass sich die Stellen Mühe dabei geben. Ein schöner gefälschter Ausweis, eine handgemachte Dienstmarke, das ist wohl das mindeste, was man als Betrugsopfer erwarten kann. Früher erhielten die besten Fälscher Auszeichnungen und als Opfer war man stolz, wenn man sich mit ihnen fotografieren lassen durfte.

Ich habe die Sekretärin des Reparationsamtes natürlich sofort hinausgeworfen. Meine Kollegen meinten, daß das ein Fehler gewesen ist, aber ich schwöre Ihnen, Herr Tell, daß ich noch nie bei einer Entscheidung so sicher gewesen bin. Ich will mit dem Reparationsamt und der Baronin nichts zu tun haben. Ich habe andere Sorgen. Ich verpulvere mein Arzneibudget auch nicht im Spielcasino. Manche Kollegen tun das und es steht mir nicht an darüber zu richten. Einige haben mit dem Gewinn schon eigene Kliniken aufgemacht. Die meisten anderen aber müssen sich dann monatelang in den anderen Abteilungen Spritzen und Pulverchen ausleihen. Was denken Sie sich eigentlich dabei mir diese Leute auf den Hals zu hetzen, Herr Tell? Die Institutsleitung war hier und wollte wissen, was vor sich geht. Sind Sie noch ganz bei Trost? Aber es nützt Ihnen natürlich nichts.

Haben Sie Ihr Sofa schon geflickt; Herr Tell. Oder haben Sie wieder angefangen auf dem Waldboden zu schlafen? Was macht übrigens Ihre Armbrust? Wie geht's B.?

Dr. Alexander Karlow
Karolina Institut


Subject: Die Kosten
Date: Fr: 2.30 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

ich war doch bei der Versicherung. So lange. Die Mandanten kamen alle zu mir. Die Gesunden und die Kranken und auch die, wo man es von Anfang an nicht wußte. Sie wollten das Leben versichern. Ich mußte sagen, ob wir das tun sollten. Leichen sind vor mir gesessen mit rasselndem Atem. Manche wurden hereingetragen, stanken nach Verwesung, haben pausenlos ausgespuckt und wurden trotzdem hundert. Andere kamen mit roten Bäckchen; und doch schaute ihnen der Tod über die Schulter.Mit den Jahren bekommt man einen Blick dafür, Dr. Karlow. Nie mußten wir für einen von meinen bezahlen. Wäre das ein Gezeter gewesen. Der Oberbuchhalter hätte mich sofort entlassen. Ich mußte die Kosten niedrig halten. Für Sie muss ich sie hochtreiben.

Die Baronin ist übrigens eine äußerst charmante Dame. Sie kommt ab und an ins Reparationsamt. Wir verstehen uns prächtig. Sie ist eine sehr talentierte Roulette-Spielerin. Auch die Baronin beklagt die Verschwendung in ihrem Haus. Ebenso verurteilt sie die Korruption. Teilweise wird die Korruption gar nicht mehr gegengebucht. Stellen Sie sich das vor. Über den Betrug an den Antragstellern ist die Baronin sehr traurig. Ebenso über den schlechten Ruf des Reparationsamtes und der Durchsuchungskommandos. Die Baronin möchte gerne ein Exempel statuieren. Ich habe meinen Fall vorgetragen und Sie vorgeschlagen, Dr. Karlow. Die Baronin will es sich überlegen. Im Gegenzug werde ich ihr ein wenig bei ihren Versicherungsbetrügereien unter die Arme greifen.

B. geht es gut. Er ist bei Fassadenarbeiten von der Leiter gestürzt. Ich habe Fotos gemacht. Wenn Sie sie sehen wollen. B. ist heruntergepurzelt wie eine fetter kleiner Käfer. Leider ist er auch so stabil. Er hat sich nur eines seiner dünnen Beinchen gebrochen.

Wilhelm Tell


Subject: Direktoriumssofas
Date: Fr: 23:30 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

die Baronin ist eine drollige Person. Sie kam tatsächlich mit einer Motorradeskorte vorbei. Offensichtlich kennt sie die Institutsleitung aus dem Kasino. Zusammen haben sie eine Lösung gefunden, mit der niemand gerechnet hat: In den letzten Tagen ist eine Lieferung von Sofas für das Direktorium des Karolina-Institutes angekündigt worden. Wenn Möbel bestellt werden, werden grundsätzlich immer zuviel bestellt, weil nie alles kommt. Diesmal aber wird die Lieferung vollständig sein. Sie hatten eine gute Holzernte und die Stoffbetriebe haben heuer kein einziges Mal gestreikt. Wir werden also ein Schlafsofa übrighaben. Ein blaues großes Direktoriums-Schlafsofa. So etwas bekommen Sie in den Geschäften nicht mehr. Das können Sie haben, Herr Tell. Ich glaube, das war die Idee der Baronin.

Einen kleinen Haken allerdings hat die Sache. Ich kann Ihnen das Sofa nicht sofort schicken. Es dauert noch einige Wochen, bis die Lieferung hier ist und die Formalitäten erledigt sind.

Bestimmt sind Sie mit dieser Lösung einverstanden, Herr Tell. Falls nicht, lassen Sie es mich wissen, damit ich die Baronin rechtzeitig informieren kann, dass Sie sie verprellen wollen.

Dr. Alexander Karlow
Karolina Institut


Subject: Re: Direktoriumssofas
Date: Sa: 10:00 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

halten Sie mich für undankbar? Natürlich möchte ich das Direktoriums-Sofa. Es gibt sie seit über zehn Jahren nicht mehr. Nur eine gestauchte billigere Version. Mein altes Sofa habe ich übrigens geflickt.

Anbei, im Anhang, ein Bild für Sie von mir und meiner Armbrust. Es ist letzte Woche zum Geburtstag meiner Nichte aufgenommen. Es war nichts Großartiges. Ich habe dort nur ein wenig zur Unterhaltung beigetragen. Die Tanten haben gesungen und wir haben ein paar Tauben auf dem Dachboden geschossen. Lassen Sie mich wissen, wenn es Übertragungsschwierigkeiten gegeben hat. Es nützt nichts, wenn Sie Ihre Schergen noch einmal schicken. Sie würden auch diesmal nichts finden.

Die privaten Sicherheitsdienste wollen mit den Durchsuchungen verdienen. Sie sind nicht daran interessiert, daß B. so alt wird wie Methusalem.

Ich ende diesmal so knapp und werde zwei Tage durchschlafen. Dann soll B. wiederkommen.

Wilhelm Tell


Subject: Foto erhalten
Date: Mo: 7.30 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

ich war ein wenig erschüttert, als ich Ihr Foto erhalten habe. Ich war auf einiges gefaßt, dachte aber nicht, dass Sie so schlecht aussehen. B. spielt Ihnen übel mit. Leben Sie überhaupt noch? Eine Armbrust haben Sie also wirklich. Hatten Sie sie bei der Durchsuchung versteckt? Wegen des Sofas habe ich alles in die Wege geleitet. Sie liegen schon so gut wie darauf. Ein paar Wochen noch.

In der Zwischenzeit können wir ein bißchen plaudern, wenn Sie das möchten. Erzählen Sie mir doch ein wenig von B. und allem, was passiert ist.

Dr. Alexander Karlow
Karolina Institut


Subject: Re: Foto erhalten
Date: Mo. 11.25 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

natürlich war die Armbrust versteckt. Was haben Sie denn gedacht? Ich werde Ihnen zu B. nichts erzählen. Ich weigere mich über dieses Scheusal zu sprechen. Da bricht nur wieder alles auf und ich muß mich aufregen. Noch mehr, als ich das sowieso schon tue. Ich werde nicht über B. sprechen. Auf keinen Fall. Ich habe nichts über ihn zu erzählen. Wenn Sie hier wären, Dr. Karlow, könnten Sie sich den Affen selber ansehen. Er rennt schon den ganzen Morgen in seinem Gartengehege herum. Versucht einen Nagel in die Wand zu schlagen. Wofür, weiß der Teufel. Ich weiß das, weil er wie immer laut mit sich spricht. Ich muss nicht einmal zum Fenster hinaussehen.

Vorhin hat er gesagt: "Es geht nicht. Warum nicht? Er muss aber". Aber es geht nicht. So sieht es momentan aus. Wahrscheinlich geht es den ganzen Nachmittag nicht. Ich prophezeihe Ihnen, dass er noch etwa zwei Stunden herumschlägt und die Nachbarschaft tyrannisiert und dann seine Bohrmaschine herausholt. Denn bohren kann er, das muß man ihn lassen. Mit seinem Bohrhammer kommt er überall hinein. Wenn B. an seinem Bohrhammer hängt, hört er nicht eher auf, bis irgendwo ein Loch klafft. Da ist er eisern. Da müßten Sie ihn mit der Stromzuleitung erdrosseln, dass er vorher aufhört. Bohren wird er heute nachmittag wieder, da bin ich mir ganz sicher.

Über B. kann man nichts erzählen. Was soll ich Ihnen sagen? Er hat keine Hobbies. Ich wüßte nicht, was ihn interessiert, darum kann ich Ihnen auch nichts berichten.

Gerade plärrt seine Frau Anni aus dem Küchenfenster. Schon zum zweitenmal. "Essen, die Suppe, kommst Du? Das ist vielleicht was, dass Du für alles so lange brauchst ". Aber B. kommt nicht, weil es nicht geht. Er schreit Ihr hinterher: "Lass mich in Frieden, dummes Weib. Kannst Dein Gemüse selber löffeln. Ist eh wieder versalzen". Und ich sage Ihnen, er geht doch essen. Er wird Annis Suppe doch in sich hineinfressen. Versalzen hin oder her. Spätestens nach einer halben Stunde wird sein Rülpsen über den Hof dröhnen. Dann wird er hinausgehen, heimlich ins Tulpenbeet pinkeln, auf den Weg spucken und den Auswurf mit dem Fuß verreiben, dass es niemand merkt. Nein, über B. kann man nichts erzählen, Dr. Karlow.

Wilhelm Tell


Subject: Versuch mit B. zu reden
Date: Di. 9.13 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

ich verstehe Ihren Schmerz und Ihre Wut. Jeder braucht ein gewisses Maß an Ruhe und wo es langfristig zu einer Störung der Ruhe kommt, kann jemand ein wenig aus dem Ruder laufen. Bevor Sie aber endgültig auf ein Riff laufen, müssen wir etwas unternehmen.

Vielleicht ist sich B. überhaupt nicht im Klaren darüber, daß er so ein Trampel ist und Sie so stört, Herr Tell. Es gibt viele Möglichkeiten. Vielleicht spricht er nur so laut, weil er ein wenig schwerhörig ist. Haben Sie Ihren Nachbarn schon einmal in der Angelegenheit angesprochen, Herr Tell? Viele sind sich überhaupt nicht bewußt, wie sie auf andere wirken und was sie mit Wort und Tat bei anderen anrichten. B. ist möglicherweise auch so gestrickt. Vielleicht fällt er aus allen Wolken und es tut ihm furchtbar leid, wenn Sie ihm direkt sagen, daß Sie sein ewiges Gebohre stört und Sie mit Ihm zusammen einen Kompromiß finden möchten. Nach allem, was ich bis jetzt gehört habe, glaube ich, dass B. im Grunde gut mit Ihnen auskommen will.

Schlagen Sie ihm doch eine gewisse Uhrzeit vor, vor und nach der er nach Lust und Laune bohren und hämmern kann. Wenn Sie das geschickt anstellen, wird er sicher darauf eingehen. Versuchen Sie es doch einmal so: "Guten Tag, Herr B. Ich bin Ihr Nachbar. Ich wohne in der Nachbarschaft. Gerade habe ich gehört, daß Sie mit dem Heimwerkern angefangen haben. Ich finde das sehr schön, daß Sie sich so um das Haus und seine Instandhaltung kümmern. Ich habe nur ein kleines Problem damit und ich bitte Sie, daß Sie mir bei der Lösung dieses Problems helfen, Herr B. Meine Gesundheit ist ein wenig angegriffen. Ich kann wegen der Bohrgeräusche nicht schlafen. Ich möchte Sie bitten, daß Sie Ihre Arbeiten auf die Zeit von...bis beschränken. Was halten Sie von diesem Vorschlag, Herr B.?" Was halten Sie von diesem Vorschlag, Herr Tell.

Dr. Alexander Karlow
Karolina Institut


Subject: Re.: Äpfel in der Flugbahn
Date: Di. 4.30
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Herr Dr. Karlow,

ihr Onkel scheint ein sehr weitsichtiger Mann zu sein. Besser kann er sein Geld nicht investieren, als seinem Neffen kleine Schachfiguren aus Holz zu schenken. Hätte jeder Neffe einen solchen Onkel! Wenn der Neffe groß ist, wird das Spiel einen unschätzbaren Wert haben. Ich bin sicher, daß er allein für einen Teil der Bauern eine schöne Ausbildung und ein möbliertes Zimmer finanzieren kann. Den fahrenden Händlern ist nicht zu trauen. Sagen Sie Ihrem Onkel, daß er auf der Hut sein soll. Manchmal verkaufen sie Fälschungen. Besonders die Stücke, die auf den ersten Blick makellos scheinen, sind oft unecht. Er soll darauf achten, daß er nur abgegriffene Figuren nimmt. Besonders wenn er für nächstes Weihnachten an einen Turm denkt. Ihr Onkel soll sich eine gute Lupe besorgen. Vielleicht findet er noch eine in den Briefmarkengeschäften. Er soll auf die Zinnen achten. Dort greift der Spieler den Turm. Die Zinnen müssen abgenutzt sein. Eine Schramme vom In-die-Ecke-Werfen ist ein Gütesiegel. Dann ist die Figur gespielt. Dann ist sie echt. Sonst soll er die Finger davon lassen.

Ich hatte mit meiner Armbrust Glück. Ich habe auch viele Jahre lang gesucht. Es gibt sie noch. Man muß wissen, wo man sucht und wen man frägt. Es ist ein gutes Stück. Sie ist sehr schön. Sie war natürlich unverschämt teuer. Ich mußte mir Geld leihen. Es waren so viele Informanten zu bestechen. Zweifellos war es das wert. Meine Armbrust ist aus echtem Holz. Ich poliere sie zweimal täglich. Dann kann das Holz atmen und bleibt geschmeidig. Ich verwende ein Spezialöl. Es wurde früher hergestellt. Die Rezeptur ist in den Wirren der letzten Jahre verlorengegangen. Es gibt nur noch 5 Flaschen. Ich habe drei. Eine vierte ist in Argentinien. Die fünfte habe ich nach Jahren in einem Museum entdeckt. Der Wärter ist ein Rentner. Er verdient ein wenig dazu. Alt und kurzsichtig ist er. Er schläft oft neben dem einzigen Ofen ein. Manchmal kommen alte Freunde von ihm dazu. Sie hatten nicht sein Glück. Sie scharen sich um den Ofen wie ein Rudel ausgemergelter Hunde. Leider ist die Alarmanlage gut. Vor zwei Monaten habe ich probehalber ausgelöst. Es gibt keine Sirenen. Die Türen schnappen nur zu. Man kommt nicht mehr hinaus, Dr. Karlow. Ich habe es versucht. Dann leiten sie ein betäubendes Gas in die Räume. Ein unsichtbares geruchloses Gas. Es soll harmlos sein. Aber ich hatte vier Wochen lang einen Ausschlag im Gesicht und verlor büschelweise Haare. Mit der Museumsverwaltung ist nicht zu spaßen. Im letzten Jahr haben sie einen Bilderdieb in den Wahnsinn getrieben. Sie haben Schauspieler engagiert und ihm die Figuren geschickt, die auf dem gestohlenen Bild zu sehen waren. Irgendwann ist der Dieb durchgedreht. Er ist verschwunden. Freiwillig oder auch nicht. Niemand weiß es, Dr. Karlow. Man hat nur seine Schuhe gefunden.

Deswegen bin ich mit meinem Öl sehr sparsam. Immer nur drei, höchstens vier Tropfen nehme ich. Bis mein Vorhaben durchgeführt ist, reicht es sicher.

Was gäbe ich um Ihren dunklen Hof! Sie müssen sich wie ein König fühlen. Ich muß mit meiner kostbaren Armbrust im Gang vor dem Kohlenkeller üben. Natürlich sollte ich mich nicht beschweren. Vielen geht es viel schlechter. Nicht alle haben einen Gang im Keller, in dem sie üben könnten, wenn sie eine Armbrust hätten. Ich besitze auch einen Schemel, auf den ich die Kohlköpfe lege, auf die ich schieße. Die Hausverwaltung hat dort unten ein gutes Licht installiert. Aber ein bißchen muß ich mich trotzdem ärgern: ich bin nie an der frischen Luft.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Versuch mit B. zu reden
Date: Mi. 0.45 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

die Karten auf den Tisch also, meinen Sie. Dann fangen wir doch einfach bei uns beiden an. Um ehrlich zu sein halte ich nichts von Ihrem Vorschlag. Ich will nicht hinübergehen. Denn wenn ich es täte, würde mir B. nicht zuhören. Und wenn er mir zuhören würde, würden wir keinen Kompromiß finden. Ganz sicher, Dr. Karlow. Wie stellen Sie sich das vor? Wie sollte das aussehen?

Glauben Sie, daß B. nicht weiß, dass sein Bohrhammer laut ist. Das muss doch ich ihm nicht erzählen. Er jammert selber oft: "Ist das laut. Ja ist das laut. Aber es hilft nichts". Er weiss, dass er alle mit seiner Hauerei stört. Aber das ist B. egal. Er will pflastern, Leitungen verlegen und Löcher bohren. Immer. Wie wollen Sie ihm das austreiben?

B. reagiert nur auf mechanische und chemische Reize. Grelles Licht zum Beispiel, Wärme und Kälte, Säuren und Laugen, Strom, Feuer oder einige starke Gerüche. Sie können B. mit einem langen spitzen Stock in eine Ecke treiben, oder wenn er hungrig ist mit einem belegten Brot heranlocken. B. hat vorzeitig mit dem Bohren nur einmal aufgehört. Da ist er letzten Sommer auf eine Stromleitung gestossen. Aber selbst da mußte es ihm zweimal einen Schlag geben. Erst als er röchelnd im Gras gelegen ist, hat er es eingesehen.

Wilhelm Tell


Subject: Mauleselsturheit
Date: Mi. 12.20 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Wilhelm Tell,

so kommen wir natürlich nicht weiter. Sie sind stur wie ein störischer Esel. Sie wissen nicht, was passieren wird, weil Sie es nicht probiert haben. Wir können jetzt Ihre Vorneweg-Klugheit nicht brauchen. Wahrscheinlich haben Sie überhaupt noch nie mit B. gesprochen. B. weiß überhaupt nicht, daß es Sie gibt.

Sie wollen alles von vorne herein in Grund und Boden reden und einer Annäherung und friedlichen Lösung von Haus aus keine Chance geben, nicht weil B. ein Unmensch ist, sondern weil Sie zu feige sind zu ihm zu gehen und mit ihm zu reden. Herr Tell, ich habe wirklich viel Erfahrung in diesen Dingen und ich möchte Sie sehr bitten, daß wir die Zeit, bis das Schlafsofa hier eintrifft, dafür nutzen,das Problem von allen Seiten zu beleuchten. Geben Sie uns eine Chance, Herrn B., mir und Ihnen selber, daß wir einen für alle Seiten vernünftigen und zufriedenstellenden Ausweg aus der scheinbar ausweglosen Lage finden.

Ich habe durch meine langjährige Arbeit am Karolina-Institut Erfahrung und Wissen genug, um Sie aus dem undurchdringlichen Dickicht Ihrer Weltanschauung, dem Gestrüpp Ihrer Vorurteile und dem Sumpf Ihrer Verbitterung herauszuführen Lassen Sie uns unverzüglich mit der Arbeit beginnen.

Dr. Alexander Karlow
Karolina Institut


Subject: Re: Mauleselsturheit
Date: Do. 3.30 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

was soll das heißen ich bin zu feige? Wenn einer nicht über seinen Schatten springen kann, dann ist das B. Einer friedlichen Lösung würde ich als erster zustimmen. Das können Sie mir glauben. Aber es gibt keine. Vorhin habe ich nochmal mein Instrument eingeölt. Sie müssen das sehr vorsichtig tun. Es ist ein Präzisionsinstrument. Ich werde es bald brauchen. Was soll ich mit B. reden? Glauben Sie, daß er mit mir über das für und wider des Schlagbohrens debattiert? B. diskutiert nicht. Sie können Ihn erschießen oder in den Kerker werfen. Das sind die beiden vernünftigen Lösungen. Er versteht nicht, dass etwas zu laut ist. B. ist heute morgen auf den Balkon geschossen, weil er von einer Amsel aufgeweckt worden ist: "Hörst du auf", hat er geschrien, "Ruhe, verdammt, Ruhe, bist du nicht sofort still, Mistvieh. Ein Irrenhaus ist das. Kann man denn nie ausschlafen?" Dann hat er seine Schlappen geworfen. Er hat sich schon Katzen wegen der Amsel angeschafft. Aber die denken nicht daran. B. hat ihren Jagdtrieb erstickt. Er mästet sie wie Schweine. Was sagen Sie jetzt, Dr. Karlow?

Wilhelm Tell


Subject: Gespräch üben
Date: Do. 11.25 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Wilhelm Tell,

ich gebe zu, daß die Sache nicht einfach ist. Aber was ist einfach? Glauben Sie, daß die Arbeit am Karolina-Institut ein Honigschlecken ist? Sie sind nicht der einzige mit Problemen, Herr Tell.

Ich verspreche Ihnen aber, daß sich während unserer Arbeit plötzlich ein Ausweg für sie auftun wird, den Sie jetzt noch nicht sehen können. Bevor wir lange noch Standpunkte austauschen, können wir genausogut anfangen. Mein Vorschlag an Sie ist folgender: wir werden das Gespräch, das Ihnen mit B. bevorsteht, ein wenig üben, und zwar mit vertauschten Rollen. Sie werden nicht für sich selber antworten, Sie werden in die Rolle von B. schlüpfen, und somit vielleicht ein wenig Verständnis für Ihn finden. Ich selber aber werde Ihren Part übernehmen, damit Sie sehen, wie Sie es anstellen müssen und auch, wie Sie auf B. wirken. Es ist günstig, wenn wir dazu beide gleichzeitig an der Leitung sitzen. Ich melde mich übermorgen mittag. Halten Sie sich bitte bereit. Wenn Ihnen der Termin nicht zusagt, geben Sie bitte möglichst früh Bescheid.

Dr. Alexander Karlow
Karolina Institut


Subject: Re: Gespräch üben
Date: Do: 23.30 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

das macht natürlich überhaupt keinen Sinn. Das Spiel meine ich, das Sie vorschlagen. Aber irgendwie müssen wir unsere Zeit totschlagen. Ich kann sowieso nicht schlafen und meine Armbrust öle ich schon um 10. Gegen Mittag drehe ich sonst nur Däumchen. Machen wir das also um zwölf. Sie als Irrenarzt werden froh sein, wenn Sie sich zwischendurch mit einem vernünftigen Menschen unterhalten können.

Wilhelm Tell


Subject: Kommunikation mit einer Bestie
Date: Sa. 12:10 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Was ist los, Karlow? Pennen Sie? Es ist mittag, ich warte.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Kommunikation mit einer Bestie
Date: Sa. 12:20 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Wilhelm Tell,

wir hatten keine genaue Uhrzeit ausgemacht. Ich wollte mich um 12 melden, es ist mir etwas dazwischengekommen. Verlieren wir keine Zeit, fangen wir an. Sie sind B. Ich spiele Ihren Part. Ich komme also in B.'s Garten. B. (Ihr Part!!!) steht auf einer Stafflei(!) und bohrt (!!) Löcher in die Wand. Versuchen Sie bitte ein wenig konstruktiv zu sein.

"Guten Tag, Herr B., entschuldigen Sie, daß ich Sie störe. Ich bin der Nachbar. Ich komme aus der Nachbarschaft. Ich wollte mich mit Ihnen über den Lärmpegel Ihrer Arbeit unterhalten. Haben Sie ein wenig Zeit?"


Subject: Re: Re: Kommunikation mit einer Bestie
Date: Sa. 12.27 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

"RrrrrrrrrrrbbrbrbrrrrrrrbbrbbrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrbrbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRR"


Subject: Durchbruchs-Gesprächstherapie
Date: Sa. 12:35 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Brrrrr?


Subject: Re: Durchbruchs-Gesprächstherapie
Date: Sa. 12.45 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

RRRRrrrrrRRRRRR !


Subject: Re.: Re.: Äpfel in der Flugbahn
Date: Mi. 20.30
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Wilhelm Tell,

ich habe meinen Onkel über ihre Hinweise unterrichtet. Er bedankt sich herzlich und läßt Ihnen Grüße bestellen. Er hat schon einige Türme angesehen und tatsächlich war das schönste Stück eine Fälschung. Mein Onkel hat es natürlich zurückgewiesen. Jetzt fürchtet die Familie, daß der Händler aus Wut etwas gegen die Figuren im Schrank unternimmt und aus Rache einbricht. Die ganze Familie hält nun Wache. Es ist ein wenig schwierig, weil der Neffe, der im selben Haus wohnt, von den Verwicklungen nichts mitbekommen soll. Manchmal wacht er auf, kommt durstig die Treppen heruntergestiegen und findet die ganze übrige Familie im Nachtgewand vor dem Wandschrank Wache schieben. Er ist noch in einem Alter, wo er leichtgläubig ist. Alle wollen ihn so lange es irgend geht glauben machen, daß die Welt in Ordnung ist. Die ganze Familie tut so, als sei sie ebenfalls nur durstig erwacht und geht mit ihm zum Wassertrinken in die Küche. Sogar die schlaftrunkenen Hunde trotten seufzend mit und schlabbern einen Napf Leitungswasser, als würden sie ahnen, daß auch sie bei der allgemeinen Durstigkeit nicht ausscheren dürfen. Der Onkel dankt es ihnen mit einem Knochen, wenn der Neffe wieder im Bett verschwunden ist.

Mein Onkel läßt sie fragen, wie Sie so alt geworden sind, Herr Tell. Ist es die Kuhmilch? Oder der gesunde Käse? Oder die Schweizer Schokolade? Oder alles zusammen? Oder haben sie sich mit Armbrustschießen so vital gehalten.

Dr. Alexander Karlow

Karolina-Institut


Subject: Re: Re: Durchbruchs-Gesprächstherapie
Date: Sa. 13.02 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Was soll das, Tell? Spielen Sie nun mit oder nicht?


Subject: Gespräch mit dem Bohrteufel I
Date: Sa. 13.09 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Selbstverständlich spiele ich mit, Dr. Karlow. Ich bin B. Ich stehe mit dem Bohrhammer auf meiner Stafflei. Die Idee stammt von Ihnen. Ich muß heute ein ballgroßes Loch in die Betonwand bohren. Es ist sehr laut. Ich kann Sie nicht hören.


Subject: Gesprächstherapie
Date: Sa. 13.13 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

"Guten Tag, Herr, B.
Ich bin Ihr Nachbar, ich wohne dort drüben. Entschuldigen Sie, wenn ich das Kabel Ihres Bohrhammers aus der Steckdose gezogen und Sie in die Seite gestoßen habe. Ich wollte mich mit Ihnen über den Lärmpegel Ihrer Arbeit unterhalten. Ich finde es sehr schön, daß Sie sich um die Arbeiten im Haus kümmern. Leider leide ich ein wenig an Schlafstörungen. Besonders Ihre Bohrgeräusche machen mir zu schaffen. Das soll kein Vorwurf sein. Ich wäre aber froh, wenn wir darüber reden könnten".


Subject: Gespräch mit dem Bohrteufel II
Date: Sa. 13.13 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

"Hauen Sie ab. Was ist das? Ich blute, wo Sie mich mit ihrer Lanze gestossen haben. Mein Bauch, au, mein Bauch. Hilfe. Raus, raus, raus sage ich, sofort raus, sonst kommt die Sicherheit".


Subject: Gesprächstherapie
Date: Sa. 13.34 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

"Beruhigen Sie sich doch, Herr B. Sie können gar nicht verletzt sein. Ich habe Sie nicht mit einer Lanze gestossen. Sehen Sie, hier ist nirgends eine Lanze. Ich habe Sie nur mit einem Zweig sanft berührt, weil Sie mich nicht gehört haben. Es ist gar nichts passiert. Ich bin Ihr Nachbar, Herr B. Ich möchte mit Ihnen über Ihre Heimwerkertätigkeit sprechen".


Subject: Gespräch mit dem Bohrteufel III
Date: Sa. 13.42 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

"ANNI, AAANNNNIII, ruf die Sicherheit. Schnell. Einbrecher sind im Haus. Hilfe, Einbrecher, HILFE. Und den Notdienst Anni, Anni, den Notdienst auch. Den Notdienst zuerst".


Subject: Gesprächstherapie
Date: Sa. 13.50 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

"Ich bin die Sicherheit. Halten Sie den Mund. Steigen Sie von der Stafflei herunter, Sie Trottel, jetzt. SOFORT. Und stehen Sie gefälligst stramm, B., wenn ich mit Ihnen spreche".


Subject: 1:0 für den Bohrteufel
Date: Sa. 13.55 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Jetzt haben Sie sich aber gehen lassen, Dr. Karlow.


Subject: Re: 1:0 für den Bohrteufel
Date: Sa. 14.02 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Ja, das habe ich.


Subject: Re: Re: 1:0 für den Bohrteufel
Date: Sa. 14.25 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

Sie sehen, daß es keinen Sinn macht, mit B. zu sprechen. Das habe ich Ihnen schon die ganze Zeit gesagt. Jetzt sehen Sie es selber.


Subject: Platzverschwendung durch Käse
Date: Fr. 10:30 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@.therapy.org

Sehr geehrter Herr Dr. Karlow,

der Käse war es nicht. Ich mag offenen Schweizer Käse nicht. Deswegen kaufe ich auch keinen. Wer weiß, wer aller seine ungewaschenen Finger darauf legt. Ich nehme nur maschinell abgepackten Käse. Er ist sehr praktisch rechtwinklig gestanzt. So kann ich mehrere Stücke auf engem Raum stapeln. Mein Küchenregal ist schmal. Links steht der Tee. Da kann ich nichts mehr wegnehmen, außer ich höre das Teetrinken auf. Rechts stehen zwei Ansichtskarten und die Gewürze. Da will ich nichts verändern. Zwischen Tee und Gewürzen ist nur wenig Platz. Handgeschnittener Schweizer Käse ist zu sperrig. Er ist für kleine Wohnungen nicht geeignet. Andererseits ist die platzverschwendende Form verständlich. Auf den Almen spielen ein paar Quadratmeter keine Rolle. Ich kann mir aber nicht wegen frischem Schnittkäse eine neue Wohnung nehmen. Wo soll das hinführen?

Schokolade lehne ich grundsätzlich ab. Sie schmilzt bei Wärme zu schnell. Bei Kälte ist sie zu hart. Außerdem mag ich das Knacken nicht, wenn Sie auseinanderbricht. Wenn es einmal geräuschärmere Schokolade gibt, werde ich mir die ganze Sache noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Sicher arbeiten die Schweizer schon heimlich daran. Außerdem habe ich ein Gebiss. Die echten kommen nicht mehr. Ob ich jetzt Schokolade esse oder nicht. Aber da müssen Sie sich keine Vorwürfe machen, Dr. Karlow.

Sagen Sie ihrem Onkel, daß er viel abgepackten Käse essen soll. Auf keinen Fall Schokolade. Schokoladenpulver dagegen oder -streusel halte ich für unbedenklich.

Ein wenig Sport schadet nie. Richten Sie auch das Ihrem Onkel aus. Ich selber treibe außer meinen Schießübungen im Keller keinen Sport. Aber muß man das? Ich denke Armbrustschießen ist genug.

Eine Armbrust ist heutzutage keine verbreitete Waffe mehr. Heute ist die Zeit der Pistolen. Manche haben sogar Gewehre daheim mit einem Zielfernrohr. Haben Sie schon einmal die dünnen Kreuze im Inneren eines Zielfernrohres gesehen? Man nennt sie Fadenkreuze. Man findet sie überall. Auf U-Booten ebenso wie bei einfachen Maschinengewehren. Das Ziel ist dort, wo die waagrechten Linien auf die senkrechten treffen. Genau dorthin wird das Geschoss einmal fliegen. Oder auch mehrere Geschosse, wenn Sie es ihm oder ihnen befehlen. Genauso wie der Stöpsel bei einem Spielzeuggewehr.

Man muß nur im richtigen Moment abdrücken und warten. Wenn man getroffen hat, geht es darum, sich ein neues Ziel zu suchen. Beispielsweise einen Apfel oder ein Verkehrsschild oder ganz etwas anderes. Manche dieser Zielfernrohre funktionieren sogar in der Nacht, wenn es dunkel ist.

Leider kann ich kein Zielfernrohr verwenden. Es gibt keines für meine gute alte Armbrust. Da brauche ich gute Augen und eine besonders ruhige Hand. Der Online-Doktor hat mir geraten, jeden Tag einen Liter Karottensaft zu trinken. Wenn es soweit ist darf nichts schiefgehen. Auch ein Nichtsportler kann eine ruhige Hand haben. Oder wollen Sie etwa behaupten, daß ich damals danebengeschossen habe?

frägt sich Wilhelm Tell,

dem plötzlich ein Licht aufgeht


Subject: Gesprächsentgleisung
Date: Sa. 15.05 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Wilhelm Tell,

unser Gespräch ist ein wenig entgleist. Da haben Sie recht. Aber obwohl Sie B. nun sehr gut kennen wissen wir trotzdem nicht, ob er so reagieren würde, wie Sie es sich ausmalen. Ich denke, daß wir schon eine Chance haben könnten. Ich meine, daß wir unsere gesamte Herangehensweise noch einmal ganz neu überdenken müssen. Haben Sie irgendeine Idee, was wir sonst noch tun könnten?

Dr. Alexander Karlow
Karolina-Institut


Subject: Andere Lösungsvorschläge
Date: Mo. 1.45 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Herr Dr. Karlow,

natürlich habe ich eine Idee. Mehrere sogar. Lange Jahre habe ich mir den Kopf zerbrochen. Oh, war das lang, Dr. Karlow. Wenn ich daran denke, nein, ich darf nicht daran denken. Immer keinen Schlaf, Dr. Karlow, nie ausgeruht und munter. Natürlich habe ich einige Ideen: ich dachte an Zyankali, angesägte Bremsen bei seinem Fahrrad oder vergiftete Wurst. Natürlich könnte man auch B.´s Planschbecken, in das er sich im Sommer stürzt, mit Schwefelsäure füllen, die Zigaretten, die er qualmt, mit einem Kontaktgift bestreichen oder seine Frau Anni mittels versteckter Botschaften in einer Radiosendung einer Gehirnwäsche aussetzen, damit sie ihn im Schlaf, während er schnarcht, mit einem Paradekissen erstickt.
Was halten Sie davon, Dr. Karlow?

Wilhelm Tell


Subject: Re: Andere Lösungsvorschläge
Date: Mo. 9.30 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Wilhelm Tell,

Ihr Zynismus und Ihre Menschenverachtung erschrecken mich. Es sind natürlich allesamt Lösungen, die nicht praktikabel sind und in dem engen Blickwinkel entstanden sind, der Ihre Sicht der Welt ist und der auch Ihre verschrobene Armbrusttheorie hervorgebracht hat. Sie sehen die Welt nur und ausschließlich durch die Brille der Gewalt. Sie unterstellen Ihrem Nachbarn Brutalität, während doch in erster Linie Ihre eigenen Gedanken von ungeheurer Gewalttätigkeit geprägt sind. Die einzigen Lösungsmöglichkeiten, die Ihnen einfallen, tragen die Handschrift des Massakers. Wie ein Schwamm mit schmutzigem Wasser ist Ihr ganzes Wesen, Ihr ganzes Leben durchtränkt von der dunklen Brühe der Gewalttätigkeit. Sind Sie damit wirklich zufrieden? Wie lange wollen Sie sich noch etwas vormachen? Wie lange wollen Sie mit dieser Lüge noch leben, Herr Tell? Wann fangen Sie endlich an ehrlich nach einer Lösung zu suchen? frägt sich

Dr. Alexander Karlow
Karolina-Institut


Subject: Re: Re: Andere Lösungsvorschläge
Date: Di. 4.35 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Herr Dr. Karlow,

Jetzt machen Sie einmal halblang. Da kommen mir ja gleich die Tränen. Ihre Gefühlsduselei können Sie sich sparen. "Dr. Karlow, der Retter der Welt", oder was? Was soll ich jetzt sagen? Daß ich gaga bin und ins Bett nässe. Ich brauche Ihre Analyse nicht. Ich bin in Ordnung, Dr. Karlow. Ich bin normal. Ich fühle mich wohl. Mein einziges Problem ist B. Das werde ich auf meine Art lösen. Verlassen Sie sich darauf. Ich dachte, daß Sie vielleicht eine andere Lösung wissen. Geisteskranke wie B. sind doch Ihre Spezialität, dachte ich. Offensichtlich nicht.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, daß ich handeln muß. Anfangs, als ich begann Ihnen zu schreiben, gab es noch Zweifel. Jetzt nicht mehr. Ich muss nun in den Keller, um meiner Zielgenauigkeit den letzten Schliff zu geben. Leben Sie wohl, Dr. Karlow. Kümmern Sie sich bitte um das Sofa. Sie können ja, um Ihren hohen moralischen Ansprüchen gerecht zu werden, zu B.'s Beerdigung ein schönes Blumengebinde schicken.


Subject: Frustration
Date: Di. 17.55 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Wilhelm Tell,

im ersten Anlauf geht vieles schief. Sie haben gerade einen kleinen Rückschlag. Denken Sie sich nichts. Wir müssen unseren Ansatz einfach noch einmal ganz neu überdenken und uns Schritt für Schritt überlegen, wie wir vorgehen wollen.
Ein Schleier der Finsternis hat sich über Ihre Welt gelegt, der nur mehr das Blitzen des Furchtbaren bis zu Ihnen durchdringen läßt. Es ist wie ein fettiger Nebel, der alles Schöne verschluckt und die zarten Rufe der Freude erstickt. Nur das Brüllen der Gemeinheit ist noch zu hören. Das wird wieder vergehen.

Auf eine fruchtbare Zusammenarbeit freut sich
Dr. Alexander Karlow
Karolina Institut


Subject: Frustration
Date: Do. 19.30 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

ich habe länger als gewöhnlich nichts mehr von Ihnen gehört. Brauchen Sie noch etwas Zeit, um zu überlegen, was wir machen könnten? Oder haben Sie schon eine Idee, an der Sie noch ein wenig herumfeilen wollen? Ging eventuell eine Meldung von Ihnen verschütt? In meinem Postverteiler konnte ich keinen Nachrichteneingang verzeichnen. Schicken Sie mir doch bitte Ihre letzte Meldung noch einmal, damit ich überprüfen kann, ob ich wirklich alles von Ihnen bekommen habe. Ihre letzte Nachricht war die, die mit einem Lebewohl endet.

Dr. Alexander Karlow
Karolina Institut


Subject: Lebewohl
Date: Fr. 0.40 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Richtig, Dr. Karlow, sehr richtig,

meine letzte Nachricht war die, die mit einem Lebewohl endet. Das haben Sie sehr schön erkannt. Umso mehr wundert mich Ihre Hartnäckigkeit, mit der Sie mich nötigen wollen, Ihnen irgendeinen weiteren Unfug zu schicken. Brauchen Sie ein paar Kochrezepte? Ich weiß nicht, wie das in Ihrem Stadtviertel ist. Lebewohl ist ein freundlicher Abschiedsgruß, falls sich das noch nicht bis zu Ihnen herumgesprochen hat. Es heißt soviel wie "Wir werden jetzt nichts mehr voneinander hören". In meinem Fall heißt es "LASSEN SIE MICH IN FRIEDEN".

Jeder normale Mensch müßte eigentlich kapieren, daß ein Lebewohl die letzte Nachricht ist. Nicht jedoch Sie, Dr. Karlow. Ihre Vernunft, oder wie immer Sie die infantile Hartnäckigkeit nennen wollen, die Sie treibt, unterliegt offensichtlich anderen Gesetzen. Sie sind also nicht normal. Lungenatmer sind Sie aber schon? Oder lesen Sie meine Nachrichten im Aquarium?

Ich habe mit B. genug zu schaffen. Ich will nicht auch noch Sie am Hals haben. Ich habe auf ihre Hilfe gehofft, Dr. Karlow. Sie sind aber keine Hilfe. Sie haben mir nichts Neues zu sagen. Sie sind kein Ast, den ein Entrinkender erhofft. Sie sind eine Bleikugel, die ihn in die Tiefe reißt. Gehen Sie in den Verliesen des Karolina-Institutes wieder an Ihre Arbeit und lassen Sie mich endlich in Ruhe.

Tell


Subject: Direktoriumssofas
Date: Sa. 15.04 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

gerade vorhin während meiner Mittagspause ist mir der Prospekt mit den blauen Direktoriumssofas in die Hände gefallen. Sie sind von einer bezaubernden Schlichtheit. Sie lassen sich zu einem Schlafsofa ausklappen. Wenn Sie das aber nicht tun, dann steht Ihnen eine große muldenförmige Landschaft zur Verfügung, auf der Sie es sich gutgehen lassen können. Eine komplizierte Struktur aus Spiral- und Zugfedern, winzigen Flaschenzügen, Gegengewichten und temperaturempfindlichen Metallstreifen im Inneren des Sofas sorgt dafür, daß sich das Sofa Ihnen immer anpaßt. Wenn Sie im Dösen nah an den Rand gerutscht sind und herunterzufallen drohen, wölbt sich dort ein Wulst auf und stützt Sie, bis Sie weiter nach innen rollen oder sich aufsetzen. Schlafen Sie weiter und wachen nicht mehr auf, bevor die Dunkelheit hereinbricht, dann beugt sich die gesamt Lehne vor, umschließt Sie sanft und schützt vor der Kälte der Nacht.

Ich weiß nicht, wie sich das alles mit diesen kleinen Flaschenzügen und Metallplättchen bewerkstelligen läßt, aber es funktioniert. Wenn Sie sich daraufsetzen und genau hinhören, vernehmen Sie ein leises Schnurren und das emsige unermüdliche Treiben der Mechanik im Inneren des Schlafsofas. Ähnliches Phänomenales geschieht in sitzender Haltung. Nie wird es das Sofa zulassen, daß Sie aus Unachtsamkeit einfach zur Seite kippen. Immer wird es Sie auffangen und mit einem wandernden Wulst in die Horizontale begleiten oder auf beliebiger Höhe stützen, wo dies gewünscht wird.

Die Oberfläche des Sofas sieht aus wie Samt und hat gleichzeitig etwas angenehm geleeartiges, was aber eine Sinnestäuschung ist und ausschließlich von der enormen Empfindlichkeit und Beweglichkeit des Innenlebens herrührt. Die Oberfläche des Direktoriumsofas reagiert auf Licht und Wärme. Immer, wenn Sie sich darauf niederlassen, merken Sie, daß es sich der Umgebung und dem Wechsel der Jahreszeiten angepaßt hat und Sie genau so empfängt, wie es der gerade herrschenden Stimmung am besten entspricht.

An einem hellen Frühlingsmorgen, an dem frische kühle Luft und Vogelzwitschern durch die offenen Fenster hereindringt, werden Sie das Schlafsofa mit festgespannter praller Oberfläche vorfinden. An so einem Tag gibt es nur wenig nach, wenn Sie sich daraufsetzen, natürlich aber schon soviel, daß Sie es nicht hart und unbequem haben. Die ungeheure aufgestaute Kraft der angespannten Federn wird sich auf Sie übertragen und die Erschöpfung, die Sie hat niedersitzen lassen, wird verfliegen und bald werden Sie hochspringen und mit neuem Schwung Ihr Tagwerk in Angriff nehmen.

Anders im Winter oder bei anderweitig grauer oder unfreundlicher Witterung. Das kalte kraftlose Licht scheint bis zu einem bestimmten Punkt zu einer kontrollierten Auflösung der Sofaoberfläche zu führen, die nun ausgeblichen und ein wenig schrumpelig wirkt, aber sie mit der denkbar größten Molligkeit empfängt und sofort entschlummern läßt. Wir haben ein Probeexemplar in der Klimakammer des Karolina-Institutes getestet. Noch nie hat sich jemand, auch nicht der Ausgeruhteste, dem Sog und einschläfernden Sirenenklang des Sofas entziehen können. Nichts hilft dann, kein Kaffee und keine Medizin, um wachzubleiben.

Schade, daß Sie aus einer Laune heraus auf dieses großartige Möbel verzichten wollen. Denn wenn Sie das tun, was Sie vorhaben, können wir Ihnen das Sofa natürlich nicht schicken. Da wird die Baronin nicht mitmachen. Aber es ist gut. Wenn Sie das Sofa nicht wollen, nehme ich es eben. Ich muss jetzt aufhören, weil ich noch ausmessen will, wo ich es hinstellen kann.

Dr. Alexander Karlow
Karolina-Institut


Subject: Re: Direktoriumssofas
Date: So. 7.30 h/td>
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

was soll denn das heißen? Sie haben wohl vergessen, daß mir das Sofa in jedem Fall zusteht. Ich weiß nicht, was das eine mit dem anderen zu tun haben soll. Sie versuchen zwei Dinge miteinander zu vermischen, die absolut nichts miteinander zu tun haben. Sie haben mir das Sofa versprochen, um Ihren eigenen Kopf nach dieser unverschämten Durchsuchung zu retten, Dr. Karlow. Drehen Sie doch jetzt nicht alles so hin, als würden Sie sich gnädigerweise um die Sache bemühen. Es ist alles sehr schön, was Sie über das Sofa erzählt haben. Aber all das werde ich in wenigen Wochen auch ohne Sie feststellen.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Re: Direktoriumssofas
Date: Mo. 9.05 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Wilhelm Tell,

auch ich muß Sie auf etwas stoßen, das Ihrer Aufmerksamkeit anscheinend bis jetzt entgangen ist. Nichts, gar nichts werden Sie bekommen, wenn Sie so stur bleiben und B. erledigen, weil Sie nicht bereit sind, sich eine andere Lösung auch nur anzusehen. Weder ein Sitzmöbel von mir noch das Direktoriumssofa wird es dann geben. Als Sie sich damals bereit erklärt hatten, für Ihr Sofa, das bei der Durchsuchung ruiniert worden ist, an Ersatzes statt ein Direktoriumssofa anzunehmen, das Ihnen ja von Qualität und Ausstattung überhaupt nicht zusteht, haben Sie jeden anderweitigen Anspruch verwirkt. So sind die Richtlinien und die Regeln und es wundert mich, daß Sie das aus der Versicherungsbranche nicht wissen. Sicher kann ich Ihnen den Sicherheitsdienst nicht noch einmal vorbeischicken. Das weiß ich und das wissen Sie selber auch sehr gut.

Die Dienste dürfen, da die erste Durchsuchung so wenig einträglich war, im zweiten Fall eine Durchsuchungskaution zur Sicherheit verlangen, die aber in der Regel in einer so schwindelerregenden Höhe festgesetzt wird, daß ich sie selber überhaupt nicht bezahlen kann und ein Antrag über diese Summe im Karolina-Institut einen Mechanismus in Gang setzen würde, der das ganze Vorhaben von Beginn an hoffnungslos machte. Ich weiß, daß verschiedene Abteilungen noch Stellungnahmen zu bestimmten Anträgen erarbeiten, deren Antragsteller schon vor Jahren verschieden sind. Eine zweite Durchsuchung bei Ihnen scheidet also aus.

Sie wissen sicher auch, daß die Baronin laut darüber nachdenkt, bei der nächsten Wahl für die Präsidentschaft der Sicherheitsdienste zu kandidieren und daß sie dabei alles vermeiden wird, was nicht ein strahlendes Licht auf all Ihre vergangenen Taten wirft. Nicht daß sie je hoffen dürften, der Baronin wirklich gefährlich werden zu können, Herr Tell, aber sagen Sie mir einen Grund, warum sie es zulassen soll, daß eine Aktion, bei der sie beteiligt ist, in einem unschönen Licht erscheint. Sie wird nie zustimmen, daß ein Direktoriumssofa an jemanden geliefert wird, der mit dem Mord an seinem Nachbarn die Lebensversicherungsprämien in die Höhe treibt. So etwas kann die Baronin vor dieser wichtigen Wahl nicht gebrauchen, Herr Tell.

Dr. Alexander Karlow


Subject: Kellerluft macht lungenkrank
Date: Mo. 22.05 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Wilhelm Tell,

es wäre viel gesünder, wenn Sie Ihren Schemel mit den Kohlköpfen ein wenig an die frische Luft schleppen könnten. Schießen Sie doch zur Abwechslung ein bißchen im Freien. Kellerluft ist meist sehr ungesund. In den unteren Kellergeschossen des Karolina-Institutes beispielsweise müssen Sie nach Luft schnappen wie eine Forelle. In den unteren Stockwerken liegen die Kühlräume und die Labors. Sie entziehen dem Erdreich soviel Wärme, daß der Boden um das Hospital ab ein Meter Tiefe immer gefroren bleibt. Andererseits laufen auch die Fernwasserrohre an der Außenwand. Dort taut das Eis und die braune stinkende Brühe sickert in die unteren Kellerstockwerke zurück. Wir haben vor Jahren einige Lenzpumpen erstanden, aber niedriger als knöcheltief wird das Wasser nie. Ein stehender Witz unter den Verhaltensforschern am Karolina-Institut ist, daß sie die Ratten beobachten, ob sie nicht beginnen, aus den Spreißeln der morschen Archivtüren Schiffe zu bauen. "KG?" rufen sie sich auf den Gängen zu, wenn sie einen Kollegen die eisernen Wendeltreppen hochkommen sehen. "Kolumbus gesichtet?". "KKG", heute "kein Kolumbus gesichtet".

Ihr Keller wird nicht so tief sein, Herr Tell. Aber die Fahrrad-Poliermittel und Sickeröle aus den maroden Heizungsanlagen tun sicher einiges.

Gehen sie nach oben, sonst greift es Ihre Lunge an. Wir haben hier viele Lungenkranke im Karolina-Institut und ich kann Ihnen sagen, daß das keine schöne Sache ist. Unsere Lungenkrankenbetten, 200 an der Zahl, sind bis auf den letzten Platz besetzt. Manchmal melden sich Patienten aus den Stadtvierteln, in denen nicht mehr geheizt werden darf, Jahre vorher an, wenn sie noch gesund sind. Aber sie wissen, daß sie in ihren feuchten Unterkünften früher oder später lungenkrank werden müssen und kümmern sich rechtzeitig um einen Platz. Das ist sehr vernünftig. Es hat aber zur Folge, daß die offiziellen Betten kaum greifbar sind. Die Frischluftpritschen, die die geschäftstüchtigen Händler vor dem Hospitalgelände im Freien anbieten, sind nahezu unerschwinglich. Es dauert sehr lange, bis jemand aus den offiziellen Betten herausstirbt. Sie klammern sehr stark und ihre ausgemergelten Körper bäumen sich noch einmal auf, wenn sie merken, daß es zu Ende geht.

Ein Anbau ist geplant, aber der Besitzer des Nachbargrundstückes möchte mit dem Verkauf noch warten, bis die Schnellstraße fertig ist und den Preis nach oben treibt. Dann wird das Institut wahrscheinlich nicht mehr mit dem Spasspark konkurrieren können, der ebenfalls an dem Grundstück interessiert ist. Mit Narren ist immer noch mehr Geld zu verdienen als mit Lungenkranken.

Gehen Sie ein wenig nach oben. Es wäre - gelinde gesprochen - sehr ungeschickt von ihnen, wenn Sie jetzt lungenkrank werden würden.

Dr. Alexander Karlow

Karolina-Institut


Subject: Wie wird es leiser
Date: Mo. 17.32 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

was soll ich sagen? Es wird doch nicht leiser, Dr. Karlow. Nicht leiser, wenn ein neues Sofa kommt. Deswegen hört B. nicht zu bohren auf, niemals. B. interessiert das neue Sofa nicht. Sie könnten mir zwei schöne neue Sofas schicken, oder drei, und ich könnte trotzdem nicht schlafen. Auf einem nicht und auf zweien ebenfalls nicht, weil der Lärm sie beide erreicht, Dr. Karlow. Es ist B.'s Lärm.

Sie reden immer von Sofas, immer nur von Sofas, nie reden Sie darum, worum es geht. Es geht um den Lärm, Dr. Karlow. Nur um den Lärm. Der Lärm wird wiederkommen. Er wird nie enden. Nie nie nie, niemals wird er enden, solange es B. gibt. Und B. wird wiederkommen, wenn sie ihn aus dem Hospital werfen. Sie sind ein Schönredner, Dr. Karlow. Von Sofas reden Sie die ganze Zeit, aber vor den wichtigen Dingen drücken Sie sich. Nichts, gar nichts höre ich darüber von Ihnen.

WIE WIRD ES LEISER; DR. KARLOW?
WIE?

Sie wissen doch sonst alles. Wenn Sie dazu etwas zu sagen haben, lassen Sie es mich wissen. Das ist es, was mich interessiert.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Wie wird es leiser
Date: Di. 8.40 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Wilhelm Tell,

ich denke, wir haben uns hinsichtlich des Direktoriumssofas ganz klar verstanden. Mehr gibt es von meiner Seite dazu nicht zu sagen. Ich sehe keinen Sinn, das noch fünfmal mit Ihnen durchzukauen.

Andere haben sich diese Regeln ausgedacht, Herr Tell. Die Ursprünge gehen weit zurück.

Immer wieder kamen neue Bestimungen hinzu. Es gab kleinere und größere Veränderungen. Sie wurden weiter ausgelegt und wenn sie sich widersprachen, so weit als möglich angeglichen. Die Regel, die wir für Sie gefunden haben, ist fast schon ein Spagat. Mehr kann ich nicht tun. Beim besten Willen nicht. Man soll die Bestimmungen nicht unterschätzen.

Sie sind mächtiger als jeder, der mit ihnen im Karolina-Institut zu tun hat, ja mächtiger noch als die Baronin. Sie wirken langsam aus dem Hintergrund, auf Dauer kommt niemand an ihnen vorbei.

Wenn die Bestimmungen wie ein großes graues Gebäude sind, dann sind die mutigsten Übertretungen, die wir uns darin vorzunehmen wagen, dem weißen Wandanstrich einer Toilette im Seitenflügel einen Schuß gelber Farbe beizumischen. Die Wächter des Gebäudes dulden das, weil sie wissen, daß nie jemand es wagen würde, das Gebäude selber anzutasten.

Es gibt in diesem Punkt nichts mehr zu diskutieren, Herr Tell. Wir können auch nicht. Es geht alles schon seinen Weg. Für die Sache, die Sie so bewegt, gibt es sicher eine Lösung. Oder nennen wir es nicht Lösung, denn eine Lösung kann ich Ihnen nicht bieten. Ich kann Ihnen nicht sagen "machen Sie das zuerst und dann das, dann ist der Lärm fort, Sie werden schon sehen". Ich würde es gerne. Aber ich bin nur Therapeut, kein Zauberer, Herr Tell.

Nennen wir es nicht Lösung, nennen wir es Hoffnungsschimmer. Schon einmal habe ich Ihnen gesagt, was Sie tun könnten, nämlich ein Gespräch mit B. zu suchen. Ich weiß nicht, was dann geschehen wird. B. wird aber ganz sicher nicht zu bohren aufhören, wenn Sie zuhause sitzen und in Panik auf das nächste Geräusch warten. Das bringt Sie nur um. Es gibt keine Garantie, daß alles gutgeht. Sicher ist nur, daß es keine Lösung ohne B. geben wird.

Außer natürlich Ihre.

Aber eines verspreche ich Ihnen, Herr Tell, wenn Ihr Verbrechen irgendjemandes Interesse weckt und von den Sicherheitsdiensten bearbeitet wird und Sie irgendwann eingeliefert werden sollten, dann ist es aus mit Gesprächen. Dann werden Sie bis zur Halskrause mit ruhigstellenden Mitteln vollgestopft wie eine Weihnachtsgans und die einzige Ruhe und Freiheit, die Sie dann haben werden ist die, daß niemand Sie je wieder in irgendeiner Angelegenheit behelligen wird.

Sie werden mit glasigen starren Augen und einem blöden Grinsen herumhocken und vielleicht, wenn Sie einen guten Tag haben, das Summen der Insekten nachzumachen versuchen, bis zu dem Tag, wo sich Ihre Spur irgendwo in den Statistiken verliert und Sie einfach aus Gewohnheit ruhiggestellt werden, weil niemand mehr Sie und Ihre Geschichte kennt und niemand eine Idee hat, was man sonst mit Ihnen anfangen sollte. Ist es das, was Sie wollen?

Dr. Alexander Karlow


Subject: Re: Re: Wie wird es leiser
Date: Mi. 5.35 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

mit großem Interesse habe ich Ihre Ausführungen gelesen. Ich habe mir schon längere Zeit Gedanken über Ihr Institut gemacht. Meine Vermutung war von Anfang an, daß das Karolina-Institut nach Karolina der Schrecklichen benannt ist und eine Mischung aus Internierungslager und Schlachthof sein muss. Verkaufen Sie auch Innereien auf dem Schwarzmarkt?

Die Erde ist keine Scheibe. Ich habe das nicht selber herausgefunden. Aber allgemein erzählt man es sich draußen. Der Nabel der Welt liegt auch nicht in Ihrem Institut, Dr. Karlow. Das hätten Sie zwar gerne, aber so ist es nicht. Ihr Institut ist eines der berüchtigtsten unter den Verrückten. Groß, düster und berüchtigt. Sogar die schlimmsten Fälle, die schon lange in eine andere Welt gegangen sind, kratzen die paar Krumen Verstand zusammen, die sie noch haben, und schlottern, wenn sie diesen Namen hören. Aber das Karolina-Institut ist nur eines. Es gibt andere.

Gleich hier um die Ecke beispielsweise ist eine ruhige schöne Parkanlage mit nur wenigen kleinen Zimmern. Sie nennen die Leute dort "Gäste". Die meisten Gäste werden zuhause betreut. Man bringt das Essen vorbei, versorgt die Wäsche und nur einmal pro Monat ist ein harmloser Idiotentest mit kleinen Bauklötzchen zu machen. Wichtig ist nur, dass der Klötzchenturm wieder umfällt. Na, was sagen Sie jetzt?

Wilhelm Tell


Subject: Die Rückkehr des Bohrteufels
Date: Mi. 14.37 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

B. ist zurück. Vor einer Stunde haben Sie ihn abgegeben. Ist er also wieder da. Vorhin mit Krücken in den Garten gekommen.

Schon wieder das Werkzeug herausgerissen. Kaum das er gehen kann. Macht das automatisch. So wie Katzen mit Wollknäueln spielen. Eine Bohrmaschine irgendwo, schon muss B. Löcher bohren. Ist das krank, Dr. Karlow?

Man müßte für B. einen Ort finden, wo sein Trieb in eine nützliche Bahn gelenkt wird. Ich denke an ein Flugzeug, aus dem man ihn am Fallschirm mit Schaufel und Axt über der Wildnis abwirft. "Rode den Wald B., leg den Sumpf trocken und bau eine grosse Stadt. Wenn der Flughafen fertig ist, kommen wir wieder und holen Dich ab".

Momentan mißt B. etwas aus. Er zeichnet Kreuze. Dann wird er auch bohren. Es ist hoffnungslos, Dr. Karlow. Es gibt keine andere Lösung. Sehen Sie das nicht?

Wilhelm Tell


Subject: Re: Die Rückkehr des Bohrteufels
Date: Mi. 23.45 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

kennen Sie die Sterne? Haben Sie in einer klaren Nacht schon einmal ein paar Stunden hinaufgesehen. Ich schaue jetzt hier zuhause ihrem stummen Funkeln zu? Viel fällt von Ihnen ab. Der Himmel glitzert. Draußen im Garten liegt echter Schnee. Ich sitze nur hier und starre hinauf in die Unendlichkeit. Was glauben Sie, Herr Tell, gibt es mehr Sterne oder mehr Schneeflocken?

Das Licht fällt auf die Metallplatte meines Tisches. Vielleicht gibt es den Stern, von dem es stammt, schon nicht mehr, nur noch sein Licht, das zu meinem Tisch unterwegs ist. Ich werde es nie wissen, außer ich könnte Millionen Jahre warten, bis alles, was mich ärgert und anwidert, längst vergangen ist, bis es niemanden mehr gibt, außer mich und meinen Schreibtisch, auf dem sich das Sternenlicht spiegelt. Wenn ich solange warten könnte, und das Licht erlischt, wüßte ich vielleicht eines Tages, daß der Stern schon tot war, als ich zu warten angefangen habe. Und dann müßte ich mir sagen, daß ich eine Million Jahre verblödelt habe, für nichts und wieder nichts. Hier mit meinem Pappbecher und meiner Hornbrille. Glauben Sie, daß es irgendwo dort draußen weiße Pappbecher gibt, Herr Tell?

Eines Tages wird es auch uns nicht mehr geben. Sie nicht, mich nicht, keinen B., keine Armbrust, keine Baronin, kein Direktoriumssofa, nicht einmal ein Karolina-Institut. Nur einige Geschichten über uns werden für eine winzige Zeitspanne herumgeistern. Traurige Geschichten, lustige Geschichten, komische Geschichten, bis wir fort sind, als hätte es uns nie gegeben. Nur ein paar Bruchstücke von Erinnerungen werden bleiben oder nicht einmal die. Es ist hier ein Vorort und unheimlich ruhig. Nur der Hund der Nachbarn bellt. Vorhin ist er kläffend im Schnee herumgetobt und hat ein paar Markierungen gesetzt. Ansonsten ist es so still.

Nur der Hund hat gebellt. Aber auch das ist bald vorbei. Die Nachbarn werden ausziehen. Sie halten es nicht mehr aus. Das Haus soll verkauft werden. Es müßte soviel renoviert werden und den jetzigen Mietern ist alles zuviel.

Wir unterscheiden uns gar nicht soviel von den Hunden. Wir markieren unser Terrain mit Diplomen, mit Erfindungen, mit Kindern, mit Kriegen, mit Morden, damit jemand weiß, dass wir einmal hier waren, nur damit sich vielleicht jemand an uns erinnert, wenn wir nicht mehr sind, und wir das Gefühl haben nicht allein zu sein, weil jemand in Gedanken bei uns ist, irgendwann einmal, wenn wir schon wieder auf der Reise sind, irgendwo dort draußen in der unendlichen kalten Dunkelheit. Ich möchte dann gerne meinen alten warmen Mantel dabeihaben, den ich jetzt trage, aber ich fürchte, das wird nicht gehen.

Wer ist Dr. Karlow?
Was macht Ihn aus?
Wissen Sie es?

Was gibt ihm die Kraft, jeden Morgen aufzustehen und nicht zu verzweifeln, sondern etwas zu tun, das Sinn macht. Aber macht überhaupt etwas Sinn? Was ist, wenn wir nur kurz Gäste auf diesem winzigen zerbrechlichen Boot sind, das durch die Unendlichkeit treibt? Nur um ein wenig nach Luft zu schnappen. Wenn ich das Glitzern der Sterne spüre, denke ich, daß sie auf mich warten. Ich denke mir, daß wir wie Zugvögel sind, die im Ozean einen Fels gefunden haben, um kurz zu rasten. Danach brechen wir wieder auf und gehen auf eine Reise, von der wir nicht wissen, wie lange sie dauern und wohin sie uns führen wird. Nur hier, auf dieser winzigen Insel, sind wir mit den anderen zusammen, dann müssen wir wieder Millionen Jahre allein durch die Kälte fliegen. Wir müssen zusammenbleiben wie Vögel auf Ihrem Zug, weil unser Weg der gleiche ist und es einer alleine nicht schaffen kann.

Manchmal denke ich, daß die Sterne zu mir sprechen. Sie sprechen direkt in meinen Kopf. Sie sagen: Karlow, nutze deine Rast. Vergeude sie nicht mit Hickhack. Du wirst es bereuen, wenn du wieder durch das eisige All fliegst. Sieh uns an, wie riesig all das ist und wie winzig im Vergleich dazu Du selber. Wie sollen Deine Sorgen und Probleme da plötzlich riesig sein? Spüren Sie nicht auch manchmal die Sehnsucht nach dem Wunderbaren?

Dr. Alexander Karlow


Subject: Re: Kellerluft macht lungenkrank
Date: Di. 3.15 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@.therapy.org

Dr. Karlow, Dr. Karlow,

ich muß mich doch sehr wundern.

Es freut mich, daß Sie so um meine Gesundheit besorgt sind. Ihrem wunderbaren Rat, im Freien meine Schießübungen zu unternehmen, kann ich aber nicht nachkommen. Unsere Hausordnung läßt das nicht zu. Ich habe mit dem Rausschmeißer gesprochen. Ein sehr verständnisvoller Mensch. Er hat Rücksprache mit der Wohn-Kommission genommen. Außer Hunden, Kanarienvögeln und Kindern ist auch der Besitz von Armbrüsten in der Anlage nicht gestattet. Gegen die Hausordnung ist nichts zu machen. Der Rausschmeißer würde mich sofort vor die Türe setzen.

Andererseits habe ich das unbestimmte Gefühl, daß Sie mich nicht ernst nehmen, Dr. Karlow. Sie kauen nur wider, was Sie zwischen Tresen und Karolina-Institut über Wilhelm Tell vom Hörensagen kennen. Die Wahrheit ist, daß Sie Wilhelm Tell überhaupt nicht interessiert. Sie denken, daß er eh seit Jahrhunderten tot ist. Sie denken sich, was interessiert mich Tell, dieser Schweizer Seppel. Ist das nicht so, Dr. Karlow? Das ist sehr bedauerlich. Finden Sie das nicht ein klein wenig schäbig, Dr. Karlow, daß Sie einem Mann, der ein Held war und der der Welt so viel gegeben hat, mit solcher Geringschätzung strafen? Interessiert Sie alles sowenig?

frägt sich nachdenklich

Wilhelm Tell


Subject: Richtigstellung zu Wilhelm Tell
Date: Mi. 20.35 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Wilhelm Tell,

ich nehme Sie und Ihre Geschichte sehr ernst. Wenn es für Sie anders geklungen hat, dann lag es an meiner Formulierung.

Sie haben natürlich recht, daß ich über Sie und Ihre Heldentaten wenig weiß. Ich komme selten in die Schweiz. Kopfverletzungen haben wir hier sehr wenige zu behandeln. Jedenfalls keine sichtbaren. Deswegen habe ich mich bis jetzt nicht mit Form und Funktion von Armbrüsten befaßt, zumal ich auch privat selten damit konfrontiert werde, ebensowenig wie mit Hellebarden, Morgensternen, Streitäxten und all den anderen alten Sachen. Aber vielleicht war das ein Fehler, vielleicht sollte ich das endlich einmal tun. Vielleicht kommt das aus Kostengründen alles wieder, dann bin ich der erste, der sich damit auskennt.

Meine Unkenntnis hängt sicher auch damit zusammen, daß die einzige Art der Jagd, der ich nachgehe, das Fischen ist, wofür man gute Angeln braucht und keine Armbrüste.

Sie sind ein Held, Herr Tell, soviel steht fest. Sie sind hier vollkommen richtig, Sie befinden sich im Karolina-Institut in bester Gesellschaft. Vorhin sind mir der Zar und der Schatzkanzler von Großbritannien im Treppenhaus begegnet. Die katholischen Heiligen gehen mit Napoleon gerade ein wenig spazieren, müßten aber bis mittag wieder hier sein. Einen Wilhelm Tell hatten wir noch nie. Der Zar läßt ihnen übrigens viele Grüsse ausrichten und anfragen, ob sie Interesse an einer befristeten Halbtagsstelle bei seiner Palastwache hätten.

Sicher sind Sie ein guter Schütze. Immerhin haben Sie Ihrem kleinen Jungen einen kleinen Apfel vom Kopf geschossen und keinen großen Kürbis. Ich weiß nicht, wie weit Sie weggestanden sind und ob die Sonne Sie geblendet hat, aber ganz sicher war das eine beachtliche Leistung. Natuerlich kann man sagen, welcher Vater macht so etwas überhaupt. Aber Gessler hat Sie schließlich gezwungen und Sie haben Ihn dann ja gleich auch noch erledigt.

Dr. Alexander Karlow

Karolina-Institut


Subject: Richtigstellung zu Gessler
Date: Do. 2:30 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@.therapy.org

Sehr geehrter Herr Dr. Karlow,

Gessler war ein Tyrann. Es war nicht nur persönliche Rache. Ich möchte das nicht so im Raum stehenlassen. Bitte merken Sie sich das, Dr. Karlow. Wilhelm Tell hat eine gerechte Sache vertreten. Lassen Sie sich das gesagt sein. Er hat schlimmen Dingen lange zugesehen. Erst als er gesehen hat, daß guter Wille nichts nützt, hat er gehandelt. Gessler, Landvogt hin oder her, war hauptsächlich eine Nervensäge. Er war rücksichtslos zu seinen Mitmenschen. Er hat sie gegängelt und nie in Ruhe gelassen. Genauso, wie sie rücksichtslos zu den armen unschuldigen Fischen sind, die sie einfach so zum Spass ermorden, um sie mit billigen Erbsen aus einem Supermarkt-Sonderangebot und einer Stange angeblichen französischen Weißbrotes aufzufressen. Wie machen Sie es eigentlich genau, wenn Sie diese wehrlosen unschuldigen Kreaturen aus ihrem Lebenselixier gerissen haben und sie blutend und zappelnd in ihren Klauen liegen? Werfen Sie sie lebend ins Öl ihrer Bratpfanne?

frägt sich Armbrustschütze und Fischfreund Wilhelm Tell


Subject: Der erste Kurzschluss
Date: Sa. 15.40 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

es war ein unheimlicher Spaß. Wie es der Zufall so will, saß die Rausschmeißerin mit Ihrem Geliebten in der Badewanne, musikhörend, als B. zu bohren anfing. Ein gedämpftes "Ruhe"-Brüllen drang aus der Wohnung der Rausschmeißerin, was B. natürlich nicht vernehmen konnte. Hier sah ich den geeigneten Moment für den Kurzschluß. Ich gab der Rausschmeißerin noch fünf Minuten, um sich abzutrocknen und anzukleiden. Als sie die Türe öffnete, erschreckte mich Ihr brutaler Gesichtsausdruck ein wenig. Aber ich habe weitergemacht, wie Sie es mir geraten haben, Dr. Karlow.

Ich sagte: "Entschuldigen Sie die Störung, gnädige Frau. Ich wollte mich nur erkundigen, ob Sie vielleicht wissen, wie lange der von B. verursachte Stromausfall voraussichtlich dauert". Die Rausschmeißerin gab nur ein böses Knurren zur Antwort. "Ich hoffe, dass Sie selber nicht allzu sehr von der Misere betroffen sind". Doch, das war sie! Das Grammophon, das altersschwache Ding, hatte den Spannungsschock nicht überlebt. Ich machte ein betretenes Gesicht, jubelte aber innerlich, während die Rausschmeißerin Tränen der Wut in die Augen traten und sie stumm mit der Faust an die Wand hämmerte, bis sie allmählich die Fassung wieder gewann. Im Bademantel und nur mit einem Handtuch um den Kopf und die nassen Haare geschlungen stürmte sie in die Kälte hinaus.

Ihr erster Weg führte Sie zum Sicherungskasten, tatsächlich, und der zweite wäre sicherlich zu B. gegangen, wäre er nicht schon auf der Kellerstiege dahergekommen. Die Bohrmaschine in Händen stapfte er uns grimmig entgegen, selber wütend, dass seine sinnlose Arbeit unterbrochen worden war. B. schlug sich wacker mit allen Gemeinheiten und Seitenhieben, zu denen er fähig war. Im Ende unterlag er aber mit seinem Schuldbewußtsein gegen die nackte Brutalität der Rausschmeißerin. Vor dem Sicherungskasten immer seine Bohrmaschine in Händen wie ein Mörder sein blutiges Messer. Wäre ich nicht im Hintergrund gestanden, es wäre sicher um den armen B. geschehen gewesen.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Der erste Kurzschluss
Date: Mo. 10.45 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

das sind ausgezeichnete Nachrichten. Wir haben es fast geschafft. Ein einziger Stromausfall noch und B. ist erledigt. Sicher wird er vorsichtig sein. Seien Sie aufmerksam. Wenn er wieder anfängt, schlägt noch einmal Ihre Stunde. Dann wiederholen Sie die Prozedur. Lassen Sie die Rausschmeißerin für sich arbeiten. Sie wird die Lösung für Sie finden, ohne daß Sie selber zwischen die Fronten geraten.

Dr. Alexander Karlow
Karolina-Institut


Subject: Zu früh gefreut
Date: Di. 13.30 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

B. hat den Schock mit der Rausschmeißerin schon überwunden. Gegen ihn ist einfach kein Kraut gewachsen. Schon am nächsten Tag hat er wieder gebohrt. Ein wenig verschämt, aber trotzdem. Nach ein paar Sekunden hat er immer gewartet und gehorcht. Die Rausschmeißerin war bei Verwandten.

Jetzt arbeitet B. wieder so rücksichtslos als wäre nie etwas geschehen. Meine Wohnung dröhnt und vibriert und schon wieder rieselt der feine Staub von der Decke. Ich muss Ihnen wohl nicht sagen, dass an Schlaf nicht zu denken ist. Es hämmert und lärmt die ganze Zeit. Die ganze Zeit.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Zu früh gefreut
Date: Di. 23.30 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

jammern Sie gefälligst nicht herum. Sorgen Sie für den zweiten Kurzschluß.

Dr. Karlow


Subject: Ende
Date: Do. 6.30 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

was ist los mit Ihnen? Waren Sie am Arzneimittelschrank? Ja, Sie haben recht, ich spüre ebenfalls manchmal die Sehnsucht nach dem Wunderbaren. Die Sehnsucht nach einer wunderbaren Ruhe. Sie hat soeben begonnen. Der Tyrann ist gefallen.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Ende
Date: Do. 14.07 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

was soll ich sagen angesichts dessen, was geschehen ist. Was erwarten Sie jetzt noch von mir? Sie kennen meine Meinung. Sie haben mich um Hilfe gebeten, ich habe Ihnen die Hand gereicht und Sie haben nichts anderes getan, als mir die Zunge herauszustrecken. Es gibt nichts mehr, worüber wir noch sprechen könnten. Wir können nicht rückgängig machen, was geschah.

Selbst wenn Ihnen alles nun leid tun sollte, für die Reue ist es zu spät. Ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, um Sie zur Rechenschaft zu ziehen, auch wenn ich Zweifel habe, ob die zuständigen Stellen Interesse an einer Aufklärung haben. Ich möchte, daß das Pilotprojekt des Karolina-Institutes und die Kapazitäten, die dafür abgestellt sind, nur denen zugute kommen, die ehrlich um Hilfe nachsuchen und eventuell zu einer Kurskorrektur bereit sind. Das habe ich Ihnen schon einmal gesagt und sage es Ihnen zum Abschied noch einmal.

Dr. Alexander Karlow
Pilotprojekt Karolina-Institut


Subject: B. lebt
Date: Fr. 8.25 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

gar nichts ist geschehen. Der Teufel frißt gerade ein Wurstbrot. Ich habe danebengeschossen. Eigentlich kann das gar nicht sein. Hat B. einen Zwillingsbruder? Nein, den hat er nicht. Er ist es schon selber, Dr. Karlow. B. lebt. Ich mache mir solche Vorwürfe. Das Ziel lag klar vor mir. Ich habe schon auf weit größere Entfernungen meine Kohlköpfe getroffen. Wie kann das nur sein?

Hat sich die Armbrust bei der Kälte verzogen? Habe ich das Öl nicht sorgfältig genug aufgetragen und einmassiert? Wie kann so etwas geschehen, Dr. Karlow? B. stand klar vor mir auf der Leiter. Nur wenige Meter Luftlinie. Er bohrte und war von einer Staubwolke eingehüllt. Als sein Kopf frei wurde, habe ich abgedrückt. Dann war es ruhig. Die Vöglein zwitscherten. Die Leiter war leer. Niemand stand mehr dort. Dann verzogen sich die Staubschwaden.

Am Boden lag aber niemand. B. hätte im Blumenbeet unter der Leiter liegen müssen. Das war merkwürdig. Wie hatte ihn jemand so schnell fortschleifen können? War Anni so kräftig? Ich habe meinen einzigen Pfeil verschossen. Ich könnte mir die Haare raufen, weil ich am falschen Ende gespaart habe. Was soll ich nun tun? Meinen Sie, daß sich die Armbrust verzogen hat? Oder war sie beim Kauf schon fehlerhaft? Aber dann hätte ich die Kohlköpfe im Keller doch auch nicht getroffen.

Wilhelm Tell


Subject: Re: B. lebt
Date: Fr. 12.30 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

Sie tun jetzt genau, was ich Ihnen sage. Wir lösen die Sache jetzt und zwar so, wie ich Ihnen das sage und wie wir das ansatzweise schon besprochen haben. Versuchen Sie ja nicht noch einmal einen Alleingang.

Sie haben ja gesehen, wohin das führt. Sie gehen zu B. Und zwar schon morgen früh. Wir müssen - noch nicht - eine endgültige Lösung finden, sondern erst einmal eine, die B. auf Trab hält und Ihnen möglichst viel Ruhe beschert. B. darf überhaupt nicht mehr zum Nachdenken kommen. Erschiessen können Sie ihn immer noch. Morgen früh, sobald B. mit dem Bohren anfängt, müssen Sie zum Hauptsicherungskasten gehen. Finden Sie heute noch heraus, wo der ist.

Ich denke in Ihrer Anlage müßte einer von diesen Standarddingern sein mit zwei grauen Lamellenschiebetüren. Etwa eine Viertelstunde, nachdem B. mit seinem Lärm begonnen hat, werden Sie einen Kurzschluß verursachen, so dass die elektrische Versorgung im ganzen Haus zusammenbricht. Dazu müssen Sie die Kontakte 4 und 7 einen Moment kurzschließen. 4 hat eine rote Markierung. 7 eine blaue. Wenn es kein Standardkasten ist geben Sie heute noch Nachricht.

Ideal wäre, wenn Sie einen Kurzschluss verursachen könnten, von dem die Rausschmeißerin persönlich stark beeinträchtigt wäre. Zum Beispiel wenn Sie einen Kuchen backt, der nun leider nichts mehr wird, oder die Batterien für Ihr Hörgerät lädt.

Je schlimmer, je besser.

All das wird Sie B. anlasten. Gehen Sie nach dem Stromausfall sofort zur Rausschmeißerin. Überzeugen Sie sich vorher, daß Sie in Ihrer Wohnung ist. Sie müssen sich dummstellen, was für Sie ja kein unüberwindbares Hindernis darstellen sollte.

Sie fragen die Rausschmeisserin sehr freundlich, ob der Stromausfall, der durch B.'s Bohren verursacht worden ist, lange dauert. Er wird über eine Stunde dauern, weil die Zentrale zuerst eine Ferndiagnose stellen muß. Fragen Sie die Rausschmeißerin, ob Sie von dem Kurzschluß selber betroffen ist. Wenn ja, heucheln Sie Anteilnahme, lassen Sie sich im Detail erklären, was genau geschehen ist und welche furchtbaren Folgen das für sie hatte. Sagen Sie Ihr im Vertrauen, daß Sie wüßten, dass B. mit einem Bohrhammer ohne Zulassung arbeitet.

Wenn das Haus infolge Kurzschlusses abbrennt, wird die Rausschmeißerin mit Ihrer Familie auf der Strasse landen, weil die Versicherung nichts bezahlen wird und B. selber sicher nicht für den Schaden aufkommen kann. Ihre Wut wird sich ins Unermeßliche steigern. Sie wird zum Sicherungskasten schauen. Weisen Sie auf die angeschmorten Kontakte 4 und 7 hin, falls sie es nicht selber sieht.

Die Rausschmeißerin wird innerlich kochen und sofort zu B. in den Garten hinüberlaufen. Gehen Sie mit. Bleiben Sie unauffällig. Trotten Sie mit wie ein Hund. Wenn Sie in B.'s Garten sind, sehen Sie sich um und merken Sie sich genau, was die Rausschmeisserin sagt und was B. darauf antwortet. Sie müssen morgen hellwach sein. Prägen Sie sich alles ein, was sich eventuell bei unserem weiteren Vorgehen verwenden läßt. Wo ist die Bohrmaschine? Wo bewahrt B. Sie auf? Kann man sie vernichten?

Dr. Alexander Karlow
Karolina-Institut


Subject: wq0jdöm235
Date: Di. 10.45 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Winterpalast, tagsüber

An alle Untertanen

Ich war an der frischen Luft. Heute war nämlich ein schöner Tag. Wo die Sonne geschienen hat, wo sie doch den Tag davor frei genommen hatte. Ich schlenderte ein wenig im Park des Winterpalastes umher. Durch das grosse Nordtor wollte ich und ein wenig in die Stadt gehen. Noch nie habe ich die Wachen vorher gesehen. Sie sind sicher von den neuen Regimentern an der Grenze. Sie erkannten mich sofort: "Guten Morgen, Exzellenz", grüßten Sie. Ich sagte nichts, obwohl ich gerne möchte. Die Etikette verbietet es mir.

Obwohl sie in mir den rechtmäßigen Thronerben erkannten, hinderten mich die Wachen mit Gewalt am Weitergehen und trieben mich in den Schlosspark zurück. "Geh wieder hinein, Du hast ja nur ein Nachthemd an". Das sind Sitten, den Zaren zu duzen. Ein wenig kalt war es schon. Wütend schrie ich nach den Kammerdienern, die auch sofort herbeigeeilt kamen und mich auf einem silbernen Rollthron ins Schloss zurückschoben. Die Bediensteten im Winterpalast tragen allesamt weißes Gewand.

Im Thronsaal bekam ich eine Spritze. Ganz feige. Direkt in den Rücken. Das ist Hochverrat. Ich schrie und trat die Lakaien. Dahinter steckt Preußen, oder die Verwaltung. Einen der Verschwörer erwischte ich am Kragen und würgte ihn, bis er zu Boden ging. Da kamen auch schon die Wachen gerannt. Anstatt mir aber beizustehen, schlugen sie mich und banden mir die Ärmel auf dem Rücken zusammen. Diese Teufel!

Dr. Karlow kam aus einer Kabinettssitzung: "Majestät, es ist nur zu Ihrem besten. Nur eine Vitaminspritze", sagte er. Sie rollten mich in meine Gemächer. Nach der Vitaminspritze wurde ich sehr müde und bin bald eingeschlafen. Sagen Sie, was nützen mir die ganzen Vitamine, wenn sie mich müde machen und am regieren hindern? Die Minister wollen mich schonen und nicht mit allem behelligen. Aber so beanspruchen mich die Geschäfte nicht, daß man mir nichts über Vitamine erzählen könnte. Wenn sie mir noch einmal eine Spritze geben, werde ich die Vitamine verhaften oder verbieten lassen.

Und was ist mit den Steuern? Wieso verheimlicht man mir die Steuern? Meine Berater haben mir empfohlen, mich selber mehr um die Belange des Reiches zu kümmern. Viele merkwürdige Gewohnheiten herrschen hier. Die Dienerschaft nennt den Winterpalast "Karolina-Institut". Sogar Dr. Karlow. Gott allein weiss, wer ihnen diesen Unfug wieder in den Kopf gesetzt hat.

Seit heute besichtigen wir mit einer hochrangigen Delegation den Palast. Wir waren schon in der Küche und haben uns vom Haushofmeister alle Töpfe zeigen lassen. 564 Stück. Ohne mein Wissen sind unterirdische Telegrafenleitungen verlegt worden mit angeklebten Leuchtschirmen an den Enden. Sogar hier in Dr. Karlows Büro, das wir inspizieren, während der Kongress die Grenzen neu zieht. Dr. Ninskij und Fraulein Hofrichter von der Securitas kennen sich mit der Telegrafie aus. Sie senden Grußbotschaften an alle unsere Handelsstützpunkte in der Welt. Ich erwarte Ihren Bericht.

Iwan IV
Zar von Russland


Subject: Dr. Karlow und die Steuern
Date: Di. 12.45 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Zar Iwan,

wieso verheimlicht Ihnen Karlow die Steuern? Lassen Sie ihm das nicht durchgehen. Bis Sie sich's versehen sind Sie verschuldet, arm wie eine Kirchenmaus. Haben Sie keinen Finanzminister, der sich auskennt?

Wenn Ihnen Karlow nicht einmal etwas über die Vitamine erzählt, was glauben Sie, was er mit den Steuern macht? Stellen Sie Karlow zur Rede, Majestät. Lassen Sie sich nicht mit billigen Ausflüchten abspeisen. Sie sind der Zar. Sagen Sie Karlow, daß Sie den Schlendrian im Winterpalast und die Verschwendung nicht mehr hinnehmen werden. Am besten ist, Sie stellen ihm ein Ultimatum, Majestät.

Lassen Sie sich eine genaue Abrechnung über alle Vorgänge im Winterpalast vorlegen. Eine genaue Liste mit allen Posten. Eingang, Ausgang. Lassen Sie sich das vorlegen. Sie sind der Zar, Excellenz. Wenn Sie darauf pochen wird es niemand wagen Ihnen etwas zu verheimlichen.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Dr. Karlow und die Steuern
Date: Mi. 18.35 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Guter Mann,

die Krone ist Ihnen zu großem Dank verpflichtet. Heute vor dem Kabinettssaal haben wir uns hinter einer Säule versteckt und Dr. Karlow abgepaßt. Als er zur Toilette ging, sind wir aus unserem Versteck gesprungen, haben ihm den Weg versperrt und wegen der Steuern zur Rede gestellt.

Genaueste Abrechnung ohne Wenn und Aber!

Er wollte mir wieder Vitamine geben, aber ich habe ihn schnell in den Arm gebissen, da ist ihm die Spritze heruntergefallen und zerbrochen. Karlow versuchte natürlich Ausflüchte. Er tat so, als wüßte er von nichts, als wüßte er von keinen Listen. Es nutzte ihm natürlich nichts. Fräulein Hofrichter hat ihn sofort angeschrien: "Was glaubst Du, wer Du bist? Was glaubst Du, wen Du vor Dir hast, Freundchen? Ist Dir das eigentlich klar? Ins Gefängnis sollte man Dich schicken, Frechdachs".

Wir haben uns zu dritt auf ihn gestürzt. Als ihm Dr. Ninskij zwei Wahrheitsnüsse in die Nase gesteckt hat, hat Karlow erkannt, daß sein Ränkespiel durchschaut ist. Am Boden liegend hat er uns versprochen, die Listen mit dem Staatshaushalt zu besorgen. Noch am Nachmittag brachte er sie.

Sie drucken das in der Küche aus. Meine Güte. Mitten unter dem ganzen Fett. Ich fragte Karlow, ob das der Hofdruckmeister macht. Er sagte: "Nein, die Küchenhilfe". Das ist vielleicht ein Zustand, wo jeder in der Küche die Liste mit den Staatsausgaben ausdrucken kann.

Iwan IV
Zar von Russland


Subject: Schlendrian im Winterpalast
Date: Do. 8.00 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Zar,

höchstwahrscheinlich sind die Listen, die Ihnen Karlow gegeben hat, gefälscht, oder unvollständig. Jemandem, der so lange Schlendrian mit den Finanzen getrieben hat, ist vieles zuzutrauen.

Lassen Sie sich nicht verwirren. Seien Sie hartnäckig. Überprüfen Sie alles. Nötigenfalls müssen Sie Dr. Karlow zwingen, die Liste mit Ihnen Punkt für Punkt durchzugehen. Lassen Sie sich alle Anschaffungen des Karolina-Institutes persönlich zeigen oder einem Ihrer Vertrauten. Geben Sie solange nicht Ruhe, bis Sie alles gesehen haben, bis alles geklärt ist und auch die letzten Zweifel ausgeräumt sind. Nur so ist die Zukunft des Reiches sichergestellt.

Sollten ich Ihnen irgendwie helfen können, Majestät, lassen Sie es mich wissen. Ich habe zwar nie bei den Finanzen gearbeitet, sondern bei der Versicherung, aber das ist genauso schlimm.

Wilhelm Tell


Subject: Der 2. Kurzschluss
Date: Mi. 14.03 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

es hat noch einmal funktioniert. Ich habe durchgeführt, was Sie mir geraten haben. Die Ereignisse überstürzen sich. Die Rausschmeißerin macht Nägel mit Köpfen. Der zweite Stromausfall traf Sie im Fahrstuhl.

Fünf Stunden sind eine lange Zeit. Sie tobte im Schacht, daß die Handwerker sich erst gar nicht getrauten, die Kabine hochzuwinden. Sie taten es doch unter Androhung furchbarer Dinge, die aus dem engen stählernen Käfig zu Ihnen hochdrangen. Ich sah keinen Sinn mehr persönlich bei der Rausschmeißerin vorstellig zu werden. Es wäre auch keine Gelegenheit gewesen. Kaum daß man sie aus dem dunklen Schacht befreit hatte, stürzte sie schon wieder die Stiegen hinunter Richtung B.

Dabei gab es noch einen kleinen Zwischenfall. Der Hausaffe des blinden Dompteurs, der immer den Müll der Rausschmeißerin hinunterbringt, kletterte gerade mit dem Eimer hinaus, um an der Fassade runterzuklettern. Vor Schreck ließ er den Eimer fallen und, also, es war eine ziemliche Schweinerei. Sie hat ihm hundertmal gesagt, daß er das Treppenhaus benutzen soll und nicht über die Fassade klettern. Aber an so einen Affen können sie ewig hinreden. Es nützt nichts.

Den Tumult im Garten konnte ich genau bebachten. Er sah durch und durch schuldig aus, trotzdem er freilich immer wieder seine Unschuld beteuerte. Er hielt aber wieder seine Schlagbohrmaschine in Händen, was die Rausschmeißerin natürlich erst recht auf die Palme brachte. Sie nannte Ihn einen Schurken und asozialen Strolch. Wie könne das sein, schrie er zurück, wo er doch mitunter im Waisenhaus der Schwestern kostenlos kleinere Arbeiten verrichte. B. bekam sowohl eine offizielle Abmahnung der Stromversorgung wie der Hausverwaltung.

Noch einmal so ein Geschehen, dann muß er binnen 48 Stunden die Wohnung verlassen. Ist das nicht bitter? Bei dem kalten Wetter. Das hat sogar B. verstanden. Er wird nicht mehr hämmern. Da bin ich sicher. Der Sieg ist unser. Plötzlich hatten wir gewonnen, Dr. Karlow. Es war so schnell vorbei. Vielen Dank. Was macht übrigens mein Sofa? Meinen Sie nicht, daß es bald kommt. Sie sprachen von ein paar Wochen. Die sind vorüber.

Wilhelm Tell


Subject: Das Sofa
Date: Do. 7.30 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

ja, das Sofa, das Sofa. Das hatte ich im Trubel ganz vergessen. Es sollte eigentlich schon hier sein. Ich verstehe nicht, daß das noch nicht geschehen ist. Zu meiner großen Bestürzung mußte ich feststellen, daß die Lieferung, obwohl angekündigt, immer noch nicht eingetroffen ist. Vielleicht müssen wir einfach noch ein wenig warten. Sie wissen doch, wie unzuverlässig unsere Möbelfabriken sind. Andererseits meine ich, daß man für ein echtes Direktoriumssofa ein wenig länger warten kann. Unser Ziel haben wir erreicht. Das ist das Wichtigste. Ich fasse mich diesmal so kurz, da eine Menge anderer Arbeit erledigt werden will und ich momentan nicht weiß, wo mir der Kopf steht..

Dr. Karlow
Karolina Institut


Subject: Ein Notstromaggregat
Date: Fr. 9.00 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

Alarm! B. hat ein Notstromaggregat. Wo hat er das nur wieder her? Die sind doch nicht billig. Und nur, damit er bohren kann. Das ist Fanatismus! Wir haben nichts erreicht.

Im Gegenteil: alles ist schlimmer geworden. Zum Bohrlärm kommt nun auch noch das Tuckern und Stampfen des Aggregats, denn natürlich hat der Esel sich ein altes lautes aufschwatzen lassen. Er hat es mitten im Garten aufgestellt, wo es ölige Wolken und Rußschwaden ausstößt.

Weder die Rausschmeißerin noch die Hausverwaltung können etwas tun. B. ist auf die hauseigenen Kabel nicht mehr angewiesen. Jetzt ist es schlimmer als vorher.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Ein Notstromaggregat
Date: Fr. 15.40 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

nun ist es soweit. Wir müssen dem Schrecken klar ins finstere Auge blicken. Wir müssen B. loswerden. Aber nicht auf Ihre plumpe Tour, sondern auf eine elegantere Art und Weise. Ich sehe ein und stimme Ihnen nun zu, daß B. eine Plage ist. Ein hoffnungsloser Fall. Manchmal denke ich, daß vergiftete Bratwürstchen wirklich die schnellste Lösung wären, aber als Therapeuth scheidet dieser Ansatz für mich aus.

Wir müssen B. mit seinen eigenen Waffen schlagen. Wir müssen es schaffen, daß er irgendwo anders, weit weg von Ihnen, seiner Bohrerei nachgeht. Helfen Sie mir ein wenig auf die Sprünge. Ich weiß noch sehr wenig von B. Klären Sie mich doch einmal darüber auf, was B. mit seinem Engagement im Waisenhaus der Schwestern meint.

Dr. Karlow
Karolina Institut


Subject: Das Waisenhaus der Schwestern
Date: Sa. 13.00 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

die Schwestern betreiben hier in der Gegend ein lukratives Waisenhaus. Es ist eine Haufen alter Vetteln mit einem ausgeprägten Sinn fürs Lukrative, unterstützt von ein paar gichtigen, geiernasigen, frommen Witwern und einer Handvoll melancholischer bösartiger Arbeitssklaven.

Die Schwestern haben im Lauf der Jahre zehn Dutzend verwahrloste Gören zusammengesammelt und machen außerordentlich gute Geschäfte damit, die ersten Preise der staatlichen Sozialwettbewerbe zu gewinnen oder indem sie die Kinder auf die öffentlichen Bettelplätze vor den Banken und den Einkaufszentren schicken. Die dritte Einnahmequelle sind meines Wissens reiche humanistische Stiftungen, die sich manchmal von den Schwestern für ein ganzes Jahr eine Handvoll Waisen für soziale Experimente mieten.

Die Schwestern haben alles im Griff und wohnen in einer großen Villa mit Park, die mit einem Elektrozaun von den Baracken des Waisenhausgeländes sinnvoll getrennt ist. Die vom Betteln erschöpften Waisenkinder sind früher oft kraftlos in die Blumenbeete gefallen, mitten in die ganze farbenfrohe Pracht. Deshalb der Elektrozaun. Sie sehen, alles ist aufs beste durchdacht.

Auf B. sind sie über verwandtschaftliche Beziehungen gekommen. Eine der Schwestern war Bs leibliche ältere Schwester. Die Schwestern machen normalerweise nichts an den Unterkünften. Lassen sie verfallen. Nur in den allerschlimmsten Fällen unternehmen sie etwas. Und da wollen Sie mit Hinweis auf ihre Wohltätigkeit den Handwerkern nie etwas bezahlen. B. hat ihnen murrenderweise einiges erledigt.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Das Waisenhaus der Schwestern
Date: Sa. 13.00 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

das ist genau das, was wir brauchen. Wenn die Schwestern mit großem Brimborium wieder an ihn herantreten, wird er zwar murren, aber sicher nicht Nein sagen. Er wird jammern, klagen und sich beschweren, aber nur bei denen, die an seiner Lage nichts ändern können. Ich füge Ihnen anbei den Text des Schreibens ein, das Sie nur noch an die Schwestern schicken müssen. Der Rest wird sich von selbst erledigen.

"Sehr geehrte, liebe Frau Oberin, mit großer Bestürzung haben wir, meine liebe Frau Anni und ich, auf einem Spaziergang, den wir diese Tage im hellen Sonnenschein unternommen haben, den Zustand Ihres vorbildlichen und wohlbekannten Waisenhauses gesehen. Die Tränen sind uns hochgestiegen und sofort haben wir hin und her überlegt, was unser Beitrag sein könnte, um hier ein- für allemal Abhilfe zu schaffen.

Wir können nicht genug Finanzielles geben, um alles allein ins Reine zu bringen. Jedoch ist uns eine andere Lösung eingefallen, von der wir sicher sind, daß Sie Ihnen und den lieben Waisen zusagen wird. Sicher ist Ihnen meine selige Schwester, Frau ???? (hier müssen sie den Namen einsetzen), noch in Erinnerung, die zusammen mit ihnen das wohltätige Werk gestartet, aber seine Vollendung nicht mehr erleben durfte. Schon damals war es mir vergönnt, Ihnen einige Male im handwerklichen Bereich hilfreich beizustehen und ich denke, daß die Arbeit damals zu Ihrer vollsten Zufriedenheit erledigt worden ist. Jetzt möchte ich Ihnen diese Hilfe unentgeltlich und für unbestimmte Dauer noch einmal anbieten, um das stolze Werk zu vervollkommnen, das sie zusammen mit meiner seligen Schwester begonnen haben.

Bitte teilen Sie mir mit, wann ich mit meinen Gerätschaften zu Ihnen kommen darf, um mit der Instandsetzung Ihrer Gebäudlichkeiten unverzüglich beginnen zu können. Bitte nehmen Sie mein Angebot an, als mein Zeichen der Würdigung Ihres Engagements und für die Waisenkinder. In Erwartung Ihrer baldigen Antwort B."

Sie müssen nur noch den Namen von B.'s toter Schwester bei "???" eintragen und seine Unterschrift fälschen. Die Schwestern werden das natürlich bemerken, aber es wird ihnen egal sein. Sie werden das Ganze für eine gute Sache halten.

Dr. Karlow
Karolina Institut


Subject: Re: Re: Das Waisenhaus der Schwestern
Date: Di. 23.45 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

alles läuft wie am Schnürchen. Ich habe den Brief persönlich bei den Schwestern eingeworfen. Damit nichts schieflaufen kann. Zwei Tage hat es gedauert. Dann hatten sie sich beraten. Gestern kamen drei mit einer Horde Waisenkinder. Ganz zerlumpt waren die Kleinen. Sie mußten Danklieder auf B. singen. B. war sehr stolz. Dachte wahrscheinlich, es handelte sich um eine späte Ehrung. Er hat den ganzen Pomp mit sich geschehen lassen.

Als er etwas gemerkt hat, war es schon zu spät. Die Schwestern haben absichtlich so laut gesprochen. Alle im Haus waren Zeuge. "Danke, Herr B., daß Sie uns wieder umsonst helfen wollen". Lauter solche Sachen. B. ist rot geworden. Da hat er sicher schon etwas geahnt.

Natürlich hatte er nicht den Mut, die Wasenkinder vor den Kopf zu stoßen. Vor so vielen Zeugen. Die Schwestern haben alle Register gezogen. Sie haben Helfershelfer bei der Zeitung. In der Zeitung war eine Anzeige. Eine ganze Seite. Bestimmt kostenlos. Die Schwestern haben sich noch einmal öffentlich bei B. bedankt. Der Brief mit der gefälschten Unterschrift war auch abgedruckt.

B. müßte jetzt sagen: "Nein, ich werde nicht umsonst für diese alten Hexen und die Waisenkinder arbeiten. Ihr könnt mich mal". Das traut er sich nie. Ich habe gehört, daß die Schwestern das ganze Haus renovieren wollen. Das ist das Ende von B. Das dauert Jahre.

Wilhelm Tell


Subject: Wir sind ihn los
Date: Do. 8.27 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Wilhelm Tell,

wir sind ihn also los. Geben Sie mir noch einmal kurz Nachricht, wenn er den Frondienst antritt.

Dr. Karlow
Karolina Institut


Subject: Re: Wir sind ihn los
Date: Fr. 21.15 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

heute hat ihn der Lieferwagen des Waisenhauses geholt. Gestern ebenso. Ich vermute, daß es morgen und die nächsten 500 Tage auch so sein wird. Jetzt erst merke ich, wie ruhig es hier früher war, bevor B., dieser Verbrecher, alles kaputt gemacht hat. Wenn Sie mir jetzt noch das Sofa schicken, bin ich wunschlos glücklich.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Re: Wir sind ihn los
Date: Mo. 7.07 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

sobald die Lieferung mit dem Sofa eintrifft, gebe ich Ihnen natürlich sofort Nachricht. Sie können sich darauf verlassen. Hexen kann ich allerdings nicht. Ich habe im Moment viel zu tun, denn morgen früh beginnt ein wichtiger Kongress im Karolina-Institut. Sie werden frühestens in 5 Tagen wieder von mir hören. Sie können mir natürlich jederzeit eine Nachricht zukommen lassen. Ich lese sie nach dem Kongress und antworte dann.

Dr. Karlow
Karolina Institut


Subject: Re: Re: Re: Wir sind ihn los
Date: Mo. 9.45 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

dann also bis in fünf Tagen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für Ihren Kongress. Ich halte zwar persönlich nicht viel von diesen Ereignissen. Die Luft ist zu schlecht. Aber Sie werden schon wissen, was Sie tun. Sie haben mir einmal geraten: "Gehen Sie zwischendurch an die frische Luft".

Wilhelm Tell


Subject: Re: Schlendrian im Winterpalast
Date: Do. 13.40 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Winterpalast, 40205 v. Chr.

Sehr geehrter Herr Tell,

ihre Majestät, Zar Iwan IV, Sie herzlich zu grüßen und zu fragen, wie bei Ihnen das Wetter ist. Mir wurde aufgetragen, auf Ihr Angebot, das Sie uns freundlicherweise in ihrem letzten Brief zur Verfügung gestellt haben, sofort einzugehen. Anbei erreicht Sie deswegen der erste Teil der Liste, die Sie bitte gegenzeichnen und auf eines der Konten gegenbuchen wollen.

Spritzen, 15000, geliefert;
Zellstoff, 15 Fässer, geliefert;
Katzenshampoo, 400 Tuben, geliefert;
Pflaster, 1 Päckchen, geliefert;
Pflaster (schmal) endlos, 4 Kilometer, geliefert;
Mullbinden weich, 2, geliefert;
Skalpell geschliffen, 1, s t o r n i  e r t;
1 Mülleimer (Küche 5), geliefert;
5 Gabeln (Küche 5), geliefert;
1 Messer (Küche 5), geliefert;
1 Armbanduhr gold (Küche 5), geliefert;
Servietten (Blümchenmuster), 4000, geliefert;
Servietten gelb, 8, s t o r n i er t;
Zwangsjacken XL, 8 St., s t o r n i e r  t;
Zwangsjacken M, 2, s t o r n i e  r t ;
Zwangsjacken S, 400, geliefert;
Beruhigungsmittel stark, 400 kg, geliefert;
OP-Hauben weiß, 500, geliefert;
OP-Handschuhe, steril, 500, geliefert;
Leichensäcke m. Zipper, 8, geliefert;
Blutkonserve, 1 Tank (400 l), geliefert;
Taschenlampe, 1, geliefert;
Krankenwagen (geländegängig), 1, geliefert;
Batterien, 2, s t o r n i e r t;
Hamsterlaufrad (kugelgelagert), 1, geliefert;
Champagner, 40 Flaschen, geliefert;
Direktoriumssofas (Dr. Karlow), 5, s t o r n i e r t;
Notizblöcke (kariert), 3, geliefert;
Stift, 1, s t o r n i e r t;
Bitte gehen Sie die Lieferung sorgfältig durch und schicken Sie dem Hof einen aussagekräftigen Untersuchungsbericht. Was ist beispielsweise mit "Direktoriumssofas (Dr. Karlow), 5, s t o r n i e r t", gemeint.

i.A. Zar
Adelheid I. Hofrichter
Finanzkommissariat
Nach Diktat verreist


Subject: Re: Re: Schlendrian im Winterpalast
Date: 22.36 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr verehrte Frau Hofrichter,

nach eingehender Prüfung Ihrer ausführlichen Unterlagen und Rücksprache mit allen zuständigen Stellen nun folgender Abschlussbericht: Es ist alles in Ordnung. Die Hofhaltung ist gesichert, Majestät braucht sich keine Sorgen machen. Der Winterpalast ist gesund. Mit "Direktoriumssofas (Dr. Karlow), 5, s t o r n i e r t", ist gemeint, daß sich Dr. Karlow im Direktorium nicht mehr auf das Sofa Nr. 5 setzen darf. Er darf eines vorrücken. Auf Nr. 4. Da kann er den Direktor besser hören. Der sitzt auf Nr. 1. Das ist alles.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Re: Re: Schlendrian im Winterpalast
Date: Fr. 9.40 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Inspektor Tell,

der Hof ist sehr zufrieden mit Ihrem Abschlußbericht. Dem Zaren ist ein Stein vom Herzen gefallen, daß Sie Leibarzt Dr. Karlow entlastet haben. Wir werden aber weiter ein Auge auf ihn haben. Es ist gut, daß Ihre Nachricht so schnell kam, denn morgen ist doch Nationalfeiertag. Wir reisen ab. Wir fahren hinaus mit der Elektrischen. Mit der Staatslinie 41.

Der Hof hat eine Einladung von Dr. Karlow angenommen. Jeden Monat am Nationalfeiertag gibt er einen Empfang für uns. Wir fahren mit der 41er bis zu den Fontänen, auch heuer wieder, obwohl wir im letzten Jahr unseren Regenschirm vergessen haben und ganz nass geworden sind. Dort hält der Zar eine kurze Rede. Weil die Staatslinie Geld verdienen muß und nicht so lange warten kann, nehmen wir von dort den Bus. Den Berg hinauf und dann rechts und am Denkmal links, bis zu Dr. Karlows Jagdschlösschen, in dem er mit seiner Familie wohnt. Es gehört der Regierung.

Von außen sieht das Schlösschen aus wie ein rotes Backsteinhaus aus dem Arbeiterviertel. Aber das ist natürlich nur Tarnung. Die Türme und Seitenflügel sind, um die Diebe zu täuschen, eingefahren. Dr. Karlow hat gesagt, daß nichts echt ist. Die ganze Gegend läßt sich auf Knopfdruck versenken. Sie klappt nach unten. Dann kommt ein Park mit einem Ententeich nach oben und kleinen Pferden, die I-Ahh sagen und im Kreis herumrennen.

Wir freuen uns alle auf die Gartenarbeit im Park. Dr. Karlow hat uns erzählt, daß alle großen Regenten der Gartenarbeit nachgegangen sind. Hier im Jagdschlösschen darf sogar überhaupt niemand außer dem Regenten und dem Gefolge Hand anlegen. Das ist anstrengend, und Dr. Karlow hat uns versichert, daß er uns gerne zur Hand gehen würde. Aber er darf nicht. Die Etikette verlangt, daß der Zar die Hecke schneidet.

i.A. Adelheid Hofrichter


Subject: Was macht B.?
Date: Mo. 8.40 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

es freut mich, wie sich die Dinge entwickelt haben. Wir haben gute Arbeit geleistet. Wie geht es Ihnen? Beobachten Sie B. genau und lassen Sie mich wissen, wenn es Komplikationen gibt. Dann müssen wir uns eventuell noch etwas anderes überlegen

Dr. Alexander Karlow
Karolina-Institut


Subject: Re: Was macht B.?
Date: Mo. 16.40 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

es geht mir gut. Danke der Nachfrage.

Obwohl ich die Ruhe hätte, nach der ich mich so lange gesehnt habe, liege ich nur kurz auf meinem geflickten Sofa. Aber gottseidank komt ja bald ein neues. Ich bin früh auf den Beinen und fast den ganzen Tag unterwegs. Ich muß Erkundigungen über eine Immobilie einholen. Lange habe ich gebraucht um herauszufinden, wo sie überhaupt ist. Die Wegbeschreibung war ein wenig verworren. Ein reizendes Objekt übrigens, Dr. Karlow, wirklich sehr schön.

B. geht es, ja, das weiß ich nicht so genau. Ist er jetzt zufrieden, wo er den ganzen Tag bohren und raspeln kann? Ich weiß es nicht. Er wirkt sehr erschöpft. Er schwankt abends nach Hause. Anni muß ihn am Kragen die letzten Stufen hochziehen. Alleine schafft er es nicht mehr. Gleich danach geht das Licht im Schlafzimmer an. Manchmal höre ich Anni rufen: "Du mußt doch etwas essen, Schatz. Iß doch etwas. Wenigstens einen Bissen. Mir zuliebe. Ja das ist doch etwas. Jetzt ißt er nichts". Wenn die Fenster offenstehen dringt fast sofort B.'s Schnarchen über den Hof. Am nächsten Morgen, nach ehe irgendjemand im Haus wach ist, rattert schon B.'s Klospülung und er geht wieder zu den Schwestern, diesen alten verschrumpelten Blutegeln. So geht es B.

Wilhelm Tell


Subject: Selber schuld
Date: Mi. 8.04 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

ich möchte nicht in B.`s Haut stecken. Aber muß man nicht sagen: "Selber schuld"? Ist er doch. Rücksichtslos wie er war wird er durch Rücksichtslosigkeit untergehen. Leid tut er mir nicht. Trotzdem, seien Sie ein wenig aufmerksam, damit uns in diesem fortgeschrittenen Stadium nichts mehr dazwischenkommt.

Was ist das für eine Immobilienangelegenheit, in der Sie sich erkundigen? Sie wollen doch nicht etwa umziehen? Das kann ich nicht glauben, nach all dem, was wir unternommen haben. Oder, Herr Tell? Sie bleiben schon? Das, was Sie so dringend wollten, Ruhe vor B. zu haben, genau das haben wir doch zusammen erreicht. Natürlich ist es Ihre Angelegenheit. Aber wenn jetzt alles umsonst sein sollte, das würde mich schon ein wenig enttäuschen.

Dr. Alexander Karlow
Karolina-Institut


Subject: Karlow ist wieder da
Date: Mo. 7.40 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Wilhelm Tell,

ich bin wieder da. Sie haben lange nichts mehr von mir gehört. Die Konferenz hat einen Tag länger gedauert. Dazu kamen am ersten Tag der Konferenz die Verrückten, die mir im Gang aufgelauert haben. Es waren der Zar und seine Gefolgschaft. Sie wollten Rechenschaft über die Steuern (!) haben. Ich habe sie mit ein paar Listen abgewimmelt.

Dr. Alexander Karlow
Karolina-Institut


Subject: Re: Karlow ist wieder da
Date: Mo. 23.12 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

was für eine Freude, Sie gesund und munter wiederzusehen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, daß eine Konferenz sehr anstrengend ist. Was haben Sie denn konkret beschlossen? Nichts wahrscheinlich, haha. Entschuldigen Sie den Scherz. Sie haben sich auf die Schultern geklopft und sich gegenseitig versichert, daß sie alle gute brave Jungs sind, an der Muttern ihre Freude hätte. Keine aufgeschlagenen Knie, keine kaputten Hosen, alle haben sie gute Ideen und sogar die Ohren gewaschen. Ich meine, bei 100 Teilnehmern, sagen wir, dauert das dann eben 5 Tage. Sie sind sicher gelassen und können meine Stichelei gut nehmen. Noch dazu, wo Sie auch noch schwierige Patienten zu betreuen haben. Sicherlich haben Sie dem Zaren und Gefolge nur Spielzeuglisten gegeben, damit sie zufrieden waren?

Wilhelm Tell


Subject: Re: Re: Karlow ist wieder da
Date: Di. 15.40 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

ja, sie haben recht. Bei diesen Konferenzen kommt immer sehr wenig Konkretes heraus. Die meisten nutzen die Zeit um sich in den bequemen Sesseln einmal so richtig auszuschlafen. Nachdem, was wir hinter uns haben macht mir Ihre Stichelei nicht das geringste aus. Im Gegenteil, es zeigt mir, daß es Ihnen gut geht und die Dinge in Ordnung sind.

Es ist sehr freundlich, daß Sie sich nach meiner Arbeit im Karolina-Institut erkundigen. Nein, ich habe dem Zaren keine Phantasielisten gegeben. Woher sollte ich die auf die Schnelle nehmen. Ich habe ihm die richtige Frachtliste ausgedruckt. Eine endlose Litanei von allem, was im Karolina-Institut angeliefert wird - oder nicht mehr kommen wird. Eigentlich ist das sensibles Material. Aber der Zar und sein Gefolge können damit eh nichts anfangen.

Gibt es übrigens Nachricht von B.? Es ist gut, daß er weg ist. Wir sollten uns allerdings nicht zu früh auf unseren Lorbeeren ausruhen.

Dr. Alexander Karlow
Karolina-Institut


Subject: B. ist ausgeschaltet
Date: Do. 9.30 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

B. ist beschäftigt. Er kommt erst spät heim. Dann schläft er nur noch. Wir sind ihn los. Natürlich ist es ruhig. Sogar die Rausschmeißerin hat sich wieder beruhigt. Ich spiele mit dem Gedanken meine Armbrust zu verkaufen und vom Erlös einige Kleinigkeiten anzuschaffen.

Gibt es Nachricht von meinem Sofa?

Wilhelm Tell


Subject: Sofa wird geliefert
Date: Fr. 14.00 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Wilhelm Tell,

das tut mir leid, daß ich das vergessen habe zu erwähnen. Es gibt leider noch einmal eine kleine Verzögerung. Ich ärgere mich selber. Die Möbellieferanten sind auch zu unzuverlässig. Ich habe mir geschworen, der Sache auf den Grund zu gehen und die entsprechenden Leute zur Verantwortung zu ziehen. Erst in den letzten Tagen habe ich in den Frachtlisten noch einmal eine Bestätigung für die Lieferung der Direktoriumssofas bekommen.

Machen Sie sich keine Sorgen.

Dr. Alexander Karlow
Karolina-Institut


Subject: Re: Sofa wird geliefert
Date: Sa. 15.53 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

da fällt mir ja ein Stein vom Herzen, daß ich das Sofa noch bekomme. Ich dachte schon, daß die Lieferung vielleicht gar nicht mehr kommt. Die Möbellieferanten sind ja so unzuverlässig. Nach Ihrem letzten Brief sehe ich klar.

Vielen Dank, Dr. Karlow.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Selber schuld
Date: Do. 13.45
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

neinnein. Seien Sie unbesorgt. Machen Sie sich keine Sorgen, Dr. Karlow. Ich bleibe ganz bestimmt, wo ich bin. Nach allem, was wir durchgemacht haben wäre es ein Unding, jetzt von hier fortzugehen. Ich bleibe.

Ich ziehe Erkundigungen ein für jemand anderen. Sagen wir für einen guten Bekannten. Für ihn besorge ich diese Information. Er braucht sie. Selber ist er momentan zu sehr unter Beschlag. Momentan hat er selber überhaupt keine Zeit, der Bekannte.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Re: Selber schuld
Date: Fr. 17.00 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

Sie werden ja noch richtig sozial. Wer hätte das gedacht? Tun Sie mir einen Gefallen und erzählen Sie mir noch ein wenig, welche Auswirkungen das geänderte Verhalten von B. auf die übrigen Hausbewohner hat. Es wäre für meine Studien sehr interessant. Lassen Sie sich nicht alles aus der Nase ziehen.

Dr. Alexander Karlow
Karolina-Institut


Subject: Re: Re: Re: Selber schuld
Date: So. 11.45 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

was soll ich zu den Auswirkungen von B.'s Wandlung sagen? Sie wollen wissen, ob das Bettnässen im Haus weniger geworden ist, richtig? Sie meinen sicher so unanständige Dinge. Nein, da muß ich passen. Stellen Sie sich vor, Dr. Karlow, ich bin bei Anni und B. zum Essen eingeladen. Die nächsten Tage. Es gibt Hühnchen. Was sagen Sie nun?

Wilhelm Tell


Subject: Sprachlosigkeit
Date: Mo. 9.40 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

nichts mehr sage ich da. Sprachlos bin ich. Sie sind ein ganz anderer Mensch als vorher. Ich habe mit vielem gerechnet, aber damit ganz bestimmt nicht. Wie kam denn das?

Dr. Alexander Karlow
Karolina-Institut


Subject: Re: Sprachlosigkeit
Date: Di. 9.40 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Wie das kam, wollen Sie wissen? Es kam so, daß ich mich am Gartenzaun herumgetrieben habe. Anni war am Unkrautjäten. Sie wissen schon, heuer gab es so viel. Wir kamen ins Gespräch. Sie sagte "Guten Tag. Ist es heute nicht schön". Ich sagte "Ja, das stimmt". So ergab eines das andere.

Wir haben natürlich nicht über das Bohren und den Lärm geredet. Anni macht sich Sorgen um B. Sie liebt ihn wirklich. Stellen Sie sich das vor. B., dieser grobe Klotz, wird geliebt. Das ist etwas, was ich Wunder nenne. Kurz und gut. Es gibt da eine Angelegenheit, bei der gewisse Versicherungen eine gewisse Rolle spielen könnten. Das erzählt sie mir, wo ich doch so lange bei der Versicherung war. So ein Zufall. Sie fragt um Hilfe. Ich sage "Ja". So war das.

B. muß dabeisein. In ein paar Tagen hat er frei. Da kommen ein paar wichtige Personen zum Foto ins Waisenhaus. Da können die Schwestern niemanden brauchen, der bohrt. Außerdem würde er bloß das Buffet leerfressen.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Re: Sprachlosigkeit
Date: Mi. 15.30 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

Sie sind über Ihren eigenen Schatten gesprungen. Herzlichen Glückwunsch. Wenn Sie die Sache von Anfang an so angegangen wären, hätten wir uns viel Mühe sparen können und Sie sich eine lange Zeit voller Lärm und schlechter Lebensqualität. Bitte seien Sie sehr aufmerksam, wenn Sie bei B. und Anni sind. Beobachten Sie vor allem B. Das ist für uns sehr interessant.

Dr. Alexander Karlow
Karolina-Institut


Subject: Gebratene Hühnchen
Date: So. 16.45 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

wieso ißt man nicht mehr Hühnchen? Können Sie mir das verraten? Wir aßen nur Hühnchen, keine Beilagen. Es gibt momentan in unserem Viertel keine Beilagen. Aber die Hühnchen machen es wett. Anni ist eine Meisterköchin. Kurz und gut: wir aßen Hühnchen bis zum Umfallen. Anni hatte drei große Portionen gekocht, aber B. nagte nur ein wenig apathisch an einem Knochen herum. Er schlürfte, glaube ich, nur ein wenig Brühe.

Er zittert sehr stark. Ich dachte schon, daß wir die Sache nicht besprechen könnten. Anni und ich haben lange auf ihn eingeredet. Er weiß, daß ihn die Arbeit für das Waisenhaus umbringen wird. Er hat mit sehr leiser Stimme gesprochen. Er hat nur mehr sehr wenig Kraft. B. ist dünn geworden. Überhaupt kein Bauch mehr. Wir mußten unsere Lippen ganz knapp an sein Ohr halten. Anfangs konnten wir gar nichts hören. "Ich höre auf" verstanden wir erst beim zweitenmal.

B. hatte zuerst Bedenken wegen der Finanzierung, aber das ist kein Problem. Wir können die Versicherungen, die er sich im Laufe seines Lebens hat aufschwatzen lassen, bequem gegeneinander ausspielen. Es ist nicht die feine Art, wie wir vorgehen, aber was soll das immer.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Gebratene Hühnchen
Date: Mo. 10.30 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

was ist denn in Sie gefahren? Vom Standpunkt des Therapeuten aus kann und muß ich es begrüssen, wenn Sie sich so um Anni und B. kümmern. Allerdings verstehe ich es nicht. Das muß ich auch zugeben.

Was bezwecken Sie damit, Herr Tell? Haben Sie sich wirklich so geändert, was ja sehr erfreulich wäre? Ich möchte Sie allerdings darauf hinweisen, daß Sie über der Freude einer Essenseinladung nicht die Realität aus den Augen verlieren sollten.

B. soll auf keinen Fall im Waisenhaus aufhören. Die Schwestern würden ihn mit miesen Tricks fertigmachen. Außerdem stehen wir dann wieder dort, wo wir angefangen haben.

B. mag jetzt hinfällig wirken, weil ihm die Schwestern so übel mitspielen. Aber geben Sie ihm zwei Tage der Ruhe, dann wird sein alter Bohrinstinkt wieder erwachen und alles geht von vorne los. Setzen Sie nicht leichtfertig das aufs Spiel, was wir so mühsam errungen haben.

Dr. Alexander Karlow
Karolina-Institut


Subject: Verrat
Date: Mi. 11.05 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

B. geht nicht mehr zu den Schwestern ins Waisenhaus. Natürlich sind die schon am ersten Tag angerückt mit einer ganzen Horde armseliger, barfüssiger, böser Waisen. Sie haben herumgeschrien und Handzettel verteilt, auf denen sie B.'s Verrat ganz genau beschrieben haben. Irgendwann haben alle angefangen, B. 's frisch geweißelte Hausmauer zu bewerfen. Mit allem, was zum Werfen greifbar war. B. nimmt es gelassen. Natürlich bohrt er wieder. Aber das ist gut so. Er muß noch einige Dinge erledigen, bevor er geht. Wir haben schon alles durchgesprochen.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Verrat
Date: Mi. 19.30 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

habe ich das richtig verstanden? B. zieht aus? Herzlichen Glückwunsch. Das ist die Königslösung. Wie haben Sie ihn dazu gebracht? Dann haben Sie sich also für Anni und B. wegen der Immobilie informiert. Was ich aber absolut nicht verstehe ist, wie Sie sich informieren konnten, bevor Sie von B.'s Absicht wußten. Das hat er Ihnen doch erst beim Essen gesagt. Oder?

Dr. Alexander Karlow
Karolina-Institut


Subject: Re: Re: Verrat
Date: Do. 13.40 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

nennen Sie es einfach Intuition. Ein sechster Sinn, wenn Sie so wollen. Ich habe B. zu gar nichts gebracht. Ich habe nur eins und eins zusammengezählt und ihm die Fakten auf den Tisch gelegt. Er hat selber eingesehen, daß es die beste Lösung ist zu gehen. Wenn er bei den Schwestern bleibt geht er zugrunde. Wenn er nicht mehr zu den Schwestern geht, machen sie ihn fertig. Ein anderer Aufenthaltsort ist nicht finanzierbar. Ist er doch. Über die Versicherungen, Dr. Karlow. Ich habe doch noch meine Verbindungen zu den Versicherungen. Das war alles.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Re: Re: Verrat
Date: Fr. 8.05 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

noch einmal: meine Gratulation. Das ist die beste Lösung. Zweifellos. Wissen Sie, wo B. hinzieht? Aber egal wohin, unsere Arbeit neigt sich durch diesen Schritt dem Ende entgegen. Sagen Sie mir doch noch einmal Bescheid, wenn B. fort ist.

Dr. Alexander Karlow
Karolina-Institut


Subject: Vergesslichkeit
Date: Sa. 15.30 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

B. geht bald. Im Moment ist mir der Strassenname entfallen, wo er hinzieht. Sie werden das sicher noch erfahren. Es ist ein schönes kleines Häuschen. Ein wenig heruntergekommen. Aber genau da kann er sich als krankhafter Heimwerker so richtig austoben. Die früheren Besitzer konnten es selber nicht machen.

Unsere Arbeit geht zu Ende ist. Ich wünsche Ihnen für die Zukunft, daß Sie all die Ruhe finden, die Sie brauchen, Dr. Karlow. Leben Sie wohl.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Vergesslichkeit
Date: So 23.45 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Das glaube ich einfach nicht. Das ist so unverschämt!. Sie sind der verdammte Psychopath geblieben, der Sie immer waren. Sie haben sich überhaupt nicht gebessert. Ich dachte Sie wären auf einem neuen, besseren Weg. Aber das ist leider nicht so. Sie trampeln auf demselben morastigen Pfad herum wie eh und je.

Ich habe meinen kompletten Posteingang durchgesehen. Ich hatte mich nicht getäuscht. Ich hatte meinen Rechner tatsächlich vor dem Kongress abgeschaltet. Was muß ich feststellen? Ich muß feststellen, daß Sie, während ich im Kongress bin, nichts Blöderes zu tun haben, als meine Patienten, den Zaren und seine nicht minder gestörten Genossen Dr. Ninskij und Fräulein Hofrichter, gegen mich aufzuhetzen und über Interna aus dem Karolina-Institut auszuhorchen.

Sie finden nicht einmal etwas dabei. Nach allem, was ich für Sie getan habe. Das allerletzte ist, daß Sie es nach diesem Vertrauensbruch nicht einmal für nötig finden, mich zu informieren. Das ist die allergrößte Unverschämtheit.

Dr. Alexander Karlow
Karolina-Institut


Subject: Re: Re: Vergesslichkeit
Date: Mo. 9.30 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

und Sie sind ein Schafskopf. Sie sind ein Lügner, Karlow. Sie wußten, daß es keine Sofas geben wird. Die Sofas waren auf der Frachtliste storniert. Ich habe Sie extra noch einmal gefragt. Zu diesem Zeitpunkt mußten Sie es schon wissen. Trotzdem haben Sie weiterhin steif und fest behauptet, daß die Sofas bald kommen müßten.

Jetzt sind Sie wütend, weil Sie erwischt worden sind. Eiei. Sie sind kein Saubermann. Dafür sind Sie zu ungeschickt.

Natürlich habe ich mich nicht geändert. Wer sagt, daß ich das will? Schalten Sie Ihre grauen Zellen ausnahmsweise ein. Sie werden feststellen, daß ich so etwas nie gesagt habe. Niemand ändert sich. Nur die Masken werden raffinierter.

Mein Ziel war nur B. loszuwerden. Die ganze Zeit. Ein anderes Ziel hatte ich nicht, Dr. Karlow. Ich möchte die Karnickel, die Sie irgendwo in den Labors in den Kellergeschossen des Karolina-Institutes halten, herauslassen und an ihrer Stelle Sie in den Verschlag sperren. Sicher verursacht die Hohlraumschwingung Ihres Schädels schönere Meßkurven als alles, was sich von den Hasen abtasten läßt.

Wilhelm Tell


Subject: Quitt
Date: Mo. 19.30 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Sehr geehrter Herr Tell,

damit sind wir sind quitt. Ihre Unverschämtheit und mein Versäumnis halten sich die Waage. Es macht keinen Sinn, wenn wir in unsere alten Tiraden verfallen. Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich habe die Sofas bestellt. Ich hatte wirklich die Absicht Ihnen eines zukommen zu lassen. Daß sie nicht kamen, ist nicht meine Schuld. Beschweren brauchen Sie sich wirklich nicht. Sie haben doch Ihre Ruhe. Was wollen Sie mehr.

Dr. Alexander Karlow
Karolina-Institut


Subject: Re: Quitt
Date: Mo. 9.30 h
From: WilhelmTell@fisher.net
To: AKarlow@therapy.org

Sehr geehrter Dr. Karlow,

Sie haben recht. Ich habe die Ruhe, die ich immer wollte. Ein geflicktes Sofa ist auch kein Weltuntergang. Ich habe bei der ganzen Angelegenheit viel gelernt, Dr. Karlow.

Ich habe meinen wirklichen Feind kennengelernt. Es ist nicht B. Es ist das Schweigen und die Unehrlichkeit in all Ihren Gewändern. B. geht morgen. Die neuen Mieter campieren schon im Garten. Ein altes ruhiges, sehr nettes Ehepaar. Es ist zu Ende.

Ich werde nun nicht mehr antworten. Sie werden mich nicht mehr erreichen.

Leben Sie wohl, Dr. Karlow.

Wilhelm Tell


Subject: Re: Re: Quitt
Date: Do. 19.30 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Wir sind nicht quitt. Genießen Sie Ihre letzten Tage in Freiheit, Herr Tell.

Glauben Sie ruhig, daß Sie jetzt gewonnen haben.

Ich werde Sie nämlich einliefern lassen. Mein Entschluß steht fest. So etwas wie Sie darf man nicht frei herumlaufen lassen. Das haben Sie mir gelernt. Ich werde unsere gesamte Korrespondenz allen meinen Kollegen, den Sicherheitsdiensten und auch der Baronin zugänglich machen, jedem, der es sehen will. Und dann werde ich nicht eher ruhen, bis Sie als gemeingefährliches Subjekt entsprechend behandelt werden.

Es wird einige Zeit dauern, sicher, aber es wird geschehen. Sicher werden Sie jetzt nur dämlich vor sich hingrinsen und sich sagen, daß gar nichts geschehen wird, weil niemand einen Grund zum handeln sehen wird, weil im Grunde nichts geschehen ist und B. nachweislich lebt, nachweislich als mein neuer Nachbar.

Freuen Sie sich nicht zu früh, Herr Tell. Ich werde mich ganz sicher rächen. Das ist normalerweise nicht meine Art. Ich höre mir alles an und habe für viel Verständnis. Aber Sie haben den Bogen eindeutig überspannt, Herr Tell. Mich würde wirklich interessieren, was in einem kranken Hirn wie Ihrem vorgeht, das seinen nervenden Nachbarn dadurch loswird, daß er ihn zum Kauf meines Nachbarhauses überredet. Das würde mich allerdings sehr interessieren. Konnten Sie kein anderes finden.

Ich hätte sie einfach das tun lassen sollen, was sie immer wollten. Dann säßen Sie jetzt in irgendeinem feuchten Verlies oder auch nicht und es gäbe einfach einen Erdbewohner weniger, nämlich B. , was er durchaus auch verdient hätte.

B. ist genauso verschroben, wie Sie ihn immer beschrieben haben und natürlich bohrt er. Ich glaube sogar, daß das Scheusal zum Renovieren des Hauses, das er gekauft hat, noch andere Maschinen angeschafft hat. Jedenfalls dringen manchmal Laute herüber, die meiner Meinung nicht von einer Bohrmaschine stammen können. RRRzzzzzz, RRRZZZZZ. So geht das. Es sind sicher keine Bohrgeräusche. Hat B. auch noch eine Fräse? Wissen Sie etwas von anderen Maschinen? War der Bohrhammer gar nicht die größte Plage? Welche Geräte benutzt B. noch? Haben Sie mir etwas verschwiegen, Herr Tell? Antworten Sie!

Dr. Alexander Karlow


Subject: Wo bleibt die Antwort
Date: Sa. 2.30 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: WilhelmTell@fisher.net

Antworten Sie gefälligst, Tell.


Subject: Nicht zustellbare Nachricht
Date: Sa. 6.30 h
From: Electronic Postmaster
To: AKarlow@therapy.org

Postzustellung fehlgeschlagen. Empfänger unbekannt.
WilhelmTell@fisher.net

---- nicht zugestellte Nachricht ----

Antworten Sie gefälligst Tell.


Subject: Treffsicherheit
Date: Mo 19.30 h
From: AKarlow@.therapy.org
To: DrKlein@help.org

Haben Sie schon einmal jemandem mit einer Armbrust einen Apfel vom Kopf geschossen?


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