Passive Agressive

"Ja, sicher... das sagen ja alle auf die eine oder die andere Art." meinte der junge Mann am Monitor und seufzte. Es schien ihn wirklich zu bekümmern, denn er legte Brian seine Hand auf die Schulter, drückte sie kurz und tröstend. "Aber-"

"Kann ich mal auf den Monitor sehen?" Brian sah ihn aus seinen dunkelbraunen Augen an. Er war ein etwas magerer Kerl mit langen schwarzen Haaren. Kein Gruftie oder Gothic oder Punker, im Gegenteil, er trug meist sehr gepflegte Kleidung, die langen Haare waren frisch gewaschen und die Schuhe blank poliert. Er war weder Streber noch Versager, meist bewegten sich seine Zensuren im durchschnittlichen Bereich. Und er war wissenschaftlich hoch begabt; und neugierig.

"Nun gut." gab der Mann seufzend nach.

Brian stand auf, drehte den Stuhl zur Seite und setzte sich dann so, dass er den Monitor vor Augen hatte. "Und das sind meine Gehirnströme?"

"Richtig." Der Mann deutete auf ein paar Linien. "Das da... das ist die Linie, als ich Dir die Bilder von den Kirchen zeigte. Und hier - da schautest Du Dir die hübschen jungen Damen an." Er lächelte ein wenig verhalten und fuhr fort: "Hier die Bilder von Familienfesten, von der Schule, der Abschlussfeier..."

Brian nickte. Auf der Uni hatte er mit ähnlichen Projekten zu tun gehabt. "Das sieht alles sehr ruhig aus." Er deutete auf eine Linie. "Alles im grünen Bereich."

"Ja, aber leider..."

Brians Blick folgte dem Zeigefinger des Mannes und runzelte die Stirn.

"Hier zeigte ich Dir Bilder von den Attentaten, hier von den Toten, von den Meldungen, dass man die Urheber der Attentate noch nicht gefunden hatte... hier von der Regierung."

"Oh." Brians Stirnrunzeln blieb. "Das heißt also, laut diesem Gerät hier-" er rümpfte kurz die Nase, "verspüre ich emotionale Empfindungen in einer Form, die darauf schließen lässt, dass ich ein Attentat begehen könnte?" Es klang gleichzeitig spöttisch und wütend.

Der Mann nickte. "So sieht es aus. Deine sehr passive und ruhige Art scheint starke Aggressionen zu verschleiern, das ist ein hohes Risiko, insbesondere wenn Du diese Aggressionen zum Beispiel auch bei Bildern der Regierung verspürst."

Brian seufzte wieder. "Entschuldigung." sagte er ruhig. "Ich vergaß mich eben, es tut mir leid. Natürlich verstehe ich das." Er wickelte eine Haarsträhne um seinen Zeigefinger, spielte damit herum. "Ich fürchte, man wird mich präventiv in Schutzhaft nehmen müssen?"

Der Mann schüttelte den Kopf. "Tut mir leid." meinte er leise. "Wir können kein Risiko eingehen zur Zeit."

"Ich verstehe."

Brian sah zur Tür, hinter der er zwei Sicherheitsbeamte auftauchen sah. "Festhalten ist nicht notwendig." meinte er und knöpfte seinen Ärmel auf, schob ihn nach oben, hielt dem Mann hilfsbereit seinen Arm hin.

"Ich freue mich, dass Du so verständnisvoll bist." sagte der Mann. Er setzte die Spritze, die er aus einem Fach nahm, an und lächelte, als sich Brians Augen langsam schlossen.

"Grüß Mom von mir, Dad." sagte Brian noch. "Ihr habt mich großartig erzogen."

"Das haben wir, Brian." Sein Vater hielt seine Hand.