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Übermensch
Nachrichten über die Verbesserung, Erweiterung und Ablösung des Menschen

230 Euro für die Sterilisation

18.10.2010

Eine amerikanische Organisation bietet Drogen-und Alkoholsüchtigen Geld für Empfängnisverhütung. Nun hat sich der erste Opiatsüchtige in Großbritannien sterilisieren lassen

In Großbritannien hat sich der erste Drogenabhängige im Rahmen eines Programmes von Project Prevention sterilisieren lassen und dafür etwa 230 Euro (200 Britische Pfund) erhalten. Gegenüber britischen Medien äußerte der Mann, das ihn das versprochene Geld dazu angespornt habe. Laut Medienberichten soll der 38jährige seit 15 Jahren abhängig von Opiaten sein.

Projekt Prevention wird in britischen Medien als "Charity-Organisation" beschrieben. Ihre Gründerin, Barbara Harris, hatte schon seit längerem angekündigt, ihr Programm auf Großbritannien auszudehnen. Eigene Erfahrungen seien ausschlaggebend gewesen für ihr Programm, Drogenanhängigen Geld dafür anzubieten, dass sie langfristig verhüten bzw. sich Eingriffen zu unterziehen, damit sie unfruchtbar sind. Auch in den Berichten der britischen Zeitung Independent sowie der BBC, die eine TV-Sendung über ihr Präventionsprogramm ausstrahlt, wird Harris mit bewegenden Sätzen zitiert, die ihre Motive deutlich machen sollen. Harris berichtet darin von Erfahrungen mit vier Kindern, die sie von einer drogenabhängigen Mutter adoptiert hatte:

"Ich wurde sehr wütend über die Schäden, die die Drogen bei den Kindern anrichteten. (...) Es war unglaublich, Isaiah konnte nicht schlafen, er konnte nicht essen, seine Augen waren groß, er konnte keine lauten Geräusche vertragen und auch kein Licht. Das brach mein Herz."

Während kritische Stimmen in Großbritannien sich bislang noch eher zurückhaltend äußern, sieht sich Projekt Prevention in den USA seit längerem schon einer heftigen Kritik ausgesetzt. Unter ihrem früheren Namen - als die Organisation noch CRACK (Children Requiring a Caring Kommunity) hieß - wurde ihr "hitlereskes Gedankengut" vorgeworfen (vgl. dazu "Is CRACK wack?"). Barbara Harris verweist dagegen stolz darauf, dass ihr Programm angenommen wird. Dass sie bereits an 3.500 süchtige Amerikaner, Männer wie Frauen, Geld ausbezahlt habe, um ihnen die Entscheidung zu erleichtern, auf Nachwuchs zu verzichten.

Demgegenüber hält ihr insbesondere die Gründerin und Chefin der National Advocates for Pregnant Women (NAPW), Lynn M. Paltrow, vor, dass sie mit ihrem Programm eine Ideologie unterstützt, die im Kern Bürgerrechte verletze und durchaus mit Eugenik in Zusammenhang gebracht werden kann.

In einem mehrseitigen seeSR3LFTzgJ:www.fwhc.org/pdfs/caring_communities_oppose_crack.pdf+project+prevention&hl=en&pid=bl&srcid=ADGEESgI2wphR5cwQvEOHXewOSlu-W_fylTxQHpa98CvEt-blutrXLaMh9jPfpTftIruZeqqD_5lOKYy1hmNBugrY-QeK27v2GO0cRFna36td4-kGZvWCx_2BlGWy4pbgjSR25EaAzu2&sig=AHIEtbSLo538SHBUi4UsvcdWhyXfg5KP9Q: Artikel wirft Paltrow der Charity-Organisation und ihrer Gründerin Harris vor, dass sie mit ihrem Programm vor allem auf Frauen aus der Unterschicht ziele und sie dabei mit einem abwertenden, sozial gefährlichen Menschenbild arbeite, das der Komplexität der Wirklichkeit und der Würde der Menschen nicht gerecht werde.

So spricht Harris wiederholt von "Wurf", wenn es um Kinder von Drogenabhängigen geht, Vergleiche mit Hunden hat sie ebenfalls schon öfter bemüht und gerechtfertigt. Zu Anfang ihrer Kampagne wollte Harris noch erreichen, dass Drogenabhängige, zu denen sie auch Alkoholabhängige zählt, vom Staat bestraft werden, wenn sie Kinder bekommen. Die Möglichkeit, dass sich Drogen-und Alkoholabhängige durch Kinder zu einem anderen Leben entschließen können, würde bei Harris nicht vorkommen, so Paltrow.

Dass Harris gerne alles in einen Topf werfe, solange es um Personen aus armen Schichten gehe, zeige sich auch daran, dass sie bei den nicht-privilegierten Schichten schon den Konsum von Alkohol als gefährlich für die Erziehung des Nachwuchses anmahne, während sie andere Schichten ausnehme. So habe sie sich nie zu Fällen von prominenten Familienvätern geäußert, deren Alkoholmissbrauch bekannt sei. Ein "dehumanisierender Leitfaden" beherrsche die Rhetorik von Projekt Prevention. So sei es auch ganz folgerichtig, dass die Organisation nicht mit wissenschaftlichen Ergebnissen argumentiere, sondern nur mit Anekdoten.

Der erste britische Drogensüchtige, der sich, mit 230 Euro unterstützt vom Projekt Prevention, sterilisieren ließ und dankbar zeigt, gehört nun auch dazu.

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