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Außer Kontrolle
Twister schreibt

364,20,2010 oder: Das große Spekulieren

Der nächste lustige Trailer zum am 27.09.2010 anlaufenden Film "ALG II - die Rückkehr" ist angelaufen und verspricht ein kurzweiliges Wochenende. Aber bitte nicht das gesamte Pulver verschießen, liebe Kritiker

Die sehnsuchtsvoll erwartete Fortsetzung von "ALG II oder: Warum ist es für den Hartz so schön?" mit dem bisher geleakten Titel "ALG II - Die Rückkehr" (der Arbeitstitel: 2010 - Neue Soziale Deutsche Agenda" wurde wegen historischer Problematiken verworfen) läuft morgen endlich im bundesdeutschen Kino an. Nachdem die Hauptdarsteller des ersten Teils zum größten Teil anderweitig beschäftigt waren (von Gerhard S. wird gerade eine Actionfigur für den russischen Markt entwickelt, Peter H. war in den Ferien in Südamerika und Wolfgang C. entwickelt gerade ein neues Gesetz für die Leiharbeitsbranche namens "*A deco*rative new design for working in Europe") hat nun die bekannte Seifenoperdarstellerin Ursula L. die Hauptrolle geschnappt.

Ursula, bekannt aus Serien wie "Nicht ohne meine sieben Kinder", "Denkt denn niemand an die Kinder" und "Alles für die Kinder" schickt sich damit an, die nächste Veronica Ferres zu werden, wenn es darum geht, das deutsche Muttertier zu spielen. Robust, dynamisch, emotional, aber ohne schädliche Nebenwirkungen wie Fachkenntnis, gelingt es Ursula L., so man den bisherigen Trailern glauben darf, mühelos in die Fußstapfen des Gerhard S. zu treten.

Dabei gelingt es insbesondere auch der deutschen Verleihfirma, die unter dem Codenamen "Bundestag" bzw. "Ministerium für Arbeit und Soziales" fungiert, die Spannung weiter zu erhöhen. Wird der aus dem ersten Teil bekannte H.Artzie nun tatsächlich mehr Geld erhalten oder doch weniger? Und wird es Ursula gelingen, ihm dies sogar noch Riesenerfolg und Chance für sein weiteres Leben zu verkaufen? Was wird aus dem stetig Unsinn redenden Professor, der von Hinzuverdienstmöglichkeiten redete? Und werden Ursulas Feinde den Weg zum Gericht antreten, um ihr, ähnlich wie einst bei Gerhard S., Steine in den beschwerlichen Weg zur Vollbeschäftigung zum Niedriglohnpreis zu werfen?

Seit Monaten schon wird spekuliert, ob die Fortsetzung die epochale "Agenda 2010" in den Schatten stellen wird. Daher ist es kein Wunder, dass jetzt, vor dem endgültigen Kinostart, noch einmal an der Spannungsschraube gedreht wird. Bekommt H.Arties Tochter einen Bildungschip, gibt es noch Geld für Zigaretten und Alkohol oder wird elegant hin- und hergerechnet, bis H.Artzies Regelsatz genauso hoch wie früher ist?

Es bleibt zu hoffen, dass die Kritiker nicht jetzt schon das gesamte Pulver verschießen, nur weil ein Trailer geleakt ist. Es könnte gut sein, dass der deutsche Verleih einmal öfter eine bekannte Taktik anwendet: Schicke einen schlechten Trailer voraus, auf dass alle begeistert sind, wenn der Film besser ist als der Trailer. Wenn alle schon jetzt mit H.Artzie leiden, weil er nur 5 Euro mehr erhält, wie wird es sein, wenn stattdessen ein tränenreiches Happy-End mit 20 Euro mehr stattfindet? Ursula und H., glücklich vereint auf dem Weg ins Niedriglohnwunderland, gemeinsam sind sie stark und retten die Stellung des Landes als Exportweltmeister, während im Hintergrund leise der schon im ersten Teil nur noch selten ins Spiel gekommene S.Ozialstaat gebückt von dannen schleicht... wer weiß schon, was uns morgen erwartet?

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