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Nachrichten aus Kultur und Medien

ARD will gecheckt werden

19.10.2015

Gebührenfinanzierter Sender stellt sich der Publikumskritik

Der ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant Lutz Marmor und WDR-Intendant Tom Buhrow werben heute Abend stellvertretend für die ganze ARD um das Vertrauen der Zuschauer. Im Rahmen einer 90-minütigen Live-Sendung stellen sich die beiden mächtigen TV-Zaren der Kritik sowohl von Studiogästen als auch von Zuschauern via Social Media. Mit von der Partie sind vor Ort Schauspielerin Sabine Postel, TV-Moderatoren Anne Will und Matthias Opdenhövel, Radio-Moderatoren Andreas Kuhlage und Jens Hardeland und Moskau-Korrespondent Udo Lielischkies. Den Medienkritiker gibt der Kolumnist Hans Hoff.

Die Konfrontation der nicht zuletzt während der Ukraine-Berichterstattung in die Kritik geratenen Medienmacher mit den zwangsbeitragszahlenden Zuschauern könnte spannend werden - muss es aber aber nicht. Vergeblich sucht man auf der Website zur Sendung Buzzwords wie Lügenpresse, das u.a. von einer WDR-Journalistin zum Unwort des Jahres geächtet wurde - statt dem durchaus häufigen Vorschlag "Putin-Versteher" zu entsprechen. Die Website wirkt vielmehr wie eine Prawda, die Autorität über die (einzige) Wahrheit beansprucht. Profilierte Medienkritiker wie Lielischklies Vorgängerin Prof. Krone-Schmalz haben sich die Intendanten erspart, stattdessen hat man vor allem Vertreter der leichten Muse geladen, die sicherlich einen Großteil der 90 Minuten füllen werden. "Send in the clowns!" heißt es beim Rodeo, wenn es brenzlig wird.

Schon jetzt darf man bezweifeln, dass die Sendung den kritischen Teil des Publikums besänftigten wird. Es wäre zudem überraschend, wenn etwa die Frage durchdringen würde, warum sich etliche der zur Sicherstellung ihrer Unabhängigkeit gebührenfinanzierten Journalisten auf der Atlantikbrücke tummeln. In Zeiten, in denen medienkritische Bücher zu Bestsellern werden, die Zuschauer eigenmächtig eine ständige Publikumskonferenz mit gefühlt größerer Schlagkraft als handzahme Rundfunkräte bilden und auch noch der Russe sich erdreistet, hinter der Front ein deutschsprachiges Nachrichtenformat über vermisste Informationen zu störsenden, ist ein solches Interaktionsangebot an die Gebührenzahler zumindest eine Geste - eine wohl überfällige. Ob die Sendung Erkenntnisse bringt oder aber sich als Potemkinsches Dorf entpuppt, wird sich erweisen.

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