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Als kommunistischer Spion gefoltert

24.01.2013

Geheimdienstopfer fordert von Großbritannien Entschädigung

Gerhard M. ein heute 89-jähriger Ingenieur aus Lindau am Bodensee, verklagt den britischen Staat auf Entschädigung für Folter, die er nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Lager in Niedersachsen erlitt. Der Prozess vor dem High Court, der in der britischen Presse viel Aufmerksamkeit erregt, soll im Februar beginnen.

M. wurde 1946 in Hamburg nach einer Denunziation vom britischen Geheimdienst MI5 verhaftet und in ein Gefängnis der britischen Militärverwaltung in Bad Nenndorf bei Hannover verbracht. Man warf im vor, Kommunist zu sein und für die Sowjetunion zu spionieren – was der Ingenieur bis heute bestreitet. In der Haft wurde er nach eigenen Angaben unter anderem mit Daumenschrauben, Schlägen ins Gesicht und Stehappellen in eiskaltem Wasser gefoltert. Dokumentiert ist, dass der damals 23-jährige 1,85 Meter große Mann während seines Aufenthalts in Bad Nenndorf von 65 auf weniger als 50 Kilo abmagerte.

Der Fall M. ist kein Einzelfall: Einen jüdischen Kommunisten, der das KZ Buchenwald überlebt hatte, folterten die britischen Geheimdienstler makaberer Weise sogar mit Werkzeug, das sie vorher von der Gestapo beschlagnahmt hatten. Nachdem sich auch Briten über die Behandlung der Gefangenen in Bad Nenndorf beschwerten, beauftragte Scotland Yard einen Inspektor mit einer Untersuchung der Zustände. Als der die Vorwürfe bestätigt, stellte man vier britische Offiziere vor ein Kriegsgericht, wo aber nur einer wegen Vernachlässigung von Gefangenen verurteilt wurde.

M. war zusammen mit 12 anderen Gefangenen bereits vorher in ein anderes Gefängnis verlegt worden. Ein Arzt hielt damals schriftlich fest, dass er "nur mehr aus Haut und Knochen" bestehe und lediglich geringe Überlebenschancen habe. Ebenfalls in der Notiz enthalten ist, dass M. nicht nur nicht mehr gehen, sondern auch nicht mehr sprechen konnte, weil Zunge und Lippen so wund geschlagen und geschwollen waren. Auch bei den anderen 12 Verlegten notierte der Mediziner damals extreme Abmagerung und eindeutige Folterspuren.

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